Kakaoflavanole einfach erklärt
Kakaoflavanole sind Pflanzenstoffe aus der Kakaobohne. Diese Seite ist für interessierte Laien: Sie erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen am Menschen gezeigt haben und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Kakaoflavanole gehören zu den Flavonoiden, einer großen Gruppe von Pflanzenstoffen. Solche Stoffe bilden Pflanzen selbst, es sind keine Vitamine. In der Kakaobohne kommen sie in unterschiedlichen Formen vor: kleine Bausteine wie Epicatechin und Catechin und größere Ketten daraus, die Procyanidine heißen. Roher Kakao enthält davon am meisten. Beim Rösten, beim Alkalisieren und bei der Herstellung von Schokolade geht ein großer Teil verloren. Deshalb unterscheiden sich dunkle Schokolade und reine Kakao-Extrakte darin, wie viel von diesen Stoffen tatsächlich enthalten ist.
Für das Verständnis der Studien ist wichtig: Kakaoflavanole sind kein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch. Die kleinen Bausteine gelangen schnell ins Blut. Die größeren Ketten werden kaum aufgenommen und landen im Dickdarm, wo sie von den Darmbakterien verarbeitet werden. Dort können sie andere Vorgänge auslösen als die kleinen Formen. In Studien wird deshalb meist gemessen, wie viel von den kleinen Bausteinen im Blut ankommt oder wie gut sich eine Schlagader weiten kann.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht sind die Blutgefäße. In einer Studie mit 16 Menschen mit einer Erkrankung der Herzkranzgefäße tranken die Teilnehmenden 30 Tage lang ein Getränk mit viel Kakaoflavanolen oder ein sonst gleich zusammengesetztes Vergleichsgetränk. Beim flavanolreichen Getränk konnte sich die Schlagader am Oberarm deutlich besser weiten, was zeigt, dass die Gefäßwand besser arbeitet 5. Die Gruppe war klein, und ob daraus weniger Herzinfarkte werden, wurde nicht geprüft.
Eine Studie mit 22 gesunden Menschen verglich vier Wochen lang ein Getränk mit viel und eines mit wenig Kakaoflavanolen. Bei viel Kakaoflavanolen vermehrten sich im Stuhl Bakterienarten, die als günstig gelten, während andere zurückgingen. Gleichzeitig sanken ein Entzündungswert im Blut und die Blutfettwerte. Wie eng die Zunahme der günstigen Bakterien und der sinkende Entzündungswert zusammenhängen, ließ sich nur teilweise erklären 1.
Bei älteren Menschen wurde die geistige Leistung geprüft. 90 ältere Teilnehmende tranken acht Wochen lang ein Getränk mit viel, mittel oder wenig Kakaoflavanolen. In den beiden Gruppen mit mehr Kakaoflavanolen wurden Aufgaben, bei denen Zahlen und Buchstaben in einer bestimmten Reihenfolge verbunden werden, schneller gelöst, und die Wortflüssigkeit war besser. Ein kurzer allgemeiner Gedächtnistest zeigte dagegen keine Unterschiede 3.
In einer weiteren Studie mit 60 älteren Menschen über 30 Tage reagierte die Durchblutung im Gehirn bei einer Aufgabe besser, und die Teilnehmenden wurden in einem Test mit Buchstaben und Zahlen schneller 6.
Bei Blutdruck und Zuckerstoffwechsel bekamen 19 Menschen mit hohem Blutdruck und gestörtem Zuckerstoffwechsel 15 Tage lang dunkle Schokolade mit vielen Pflanzenstoffen oder weiße Schokolade ohne. In der Gruppe mit der dunklen Schokolade sank der Blutdruck, und mehrere Messwerte zur Insulinwirkung besserten sich. Die Schokolade enthielt aber auch andere Pflanzenstoffe, sodass sich die Wirkung nicht allein den Kakaoflavanolen zuordnen lässt 2.
3. Was noch unklar ist
Die meisten Untersuchungen dauern nur Wochen bis Monate. Gemessen wird fast immer ein Zwischenwert, etwa wie gut sich eine Schlagader weitet, und nicht, ob Menschen seltener krank werden. Die große COSMOS-Studie 4 hat Kakao-Extrakt und ein Multivitamin getrennt geprüft. Beim Hauptziel fand sie für den Kakao-Extrakt keinen klaren Rückgang von Herz-Kreislauf-Ereignissen. Dieser Befund gilt für den geprüften Kakao-Extrakt und nicht für Kakaoflavanole allein. Die geringere Zahl von Todesfällen im Herz-Kreislauf-Bereich war dort ein zusätzlicher Befund.
Erschwerend kommen die Unterschiede zwischen den Studien hinzu: Manche prüften dunkle Schokolade, andere reine Extrakte. Die verwendeten Mengen gingen weit auseinander. Schokolade lässt sich wegen Geschmack und Textur kaum mit einem Vergleichsprodukt verblinden. Außerdem brachte die Schokolade immer weitere Stoffe mit, sodass offen bleibt, welcher Anteil an den Beobachtungen den Kakaoflavanolen zukommt. Wie unterschiedlich einzelne Menschen auf dieselbe Menge reagieren, ist ebenfalls noch offen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer die Studienlage einordnen will, kann zwei Dinge trennen: die kurzfristig gemessenen Veränderungen an Blutgefäßen, Entzündungswerten und Stoffwechselwerten, zu denen es mehrere hinweisende Untersuchungen gibt, und die Frage, ob daraus weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Demenzfälle werden. Für den zweiten Punkt steht die Antwort noch aus.
Die in den Studien verwendeten Mengen lagen zum Teil deutlich über dem, was über die normale Ernährung erreichbar ist. Dunkle Schokolade enthält davon meist weniger als die untersuchten Extrakte. Schokolade bringt außerdem Zucker und Fett mit, die in den Studien nicht im Mittelpunkt standen.
Zu klären ist als Nächstes, ob die beobachteten kurzfristigen Veränderungen bei längerer Einnahme bestehen bleiben, ob sie auch bei Menschen mit bestehenden Erkrankungen auftreten und welcher Stoff im Kakao-Gemisch welche Rolle spielt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Kakaoflavanole. Für Kinder: Kakaoflavanole für Kinder.
Häufige Fragen
Ist Schokolade damit gesund?
In den Studien wurde meist dunkle Schokolade mit vielen Kakaoflavanolen oder ein reiner Kakao-Extrakt geprüft, nicht Schokolade aus dem Supermarkt. Die beobachteten Veränderungen betreffen einzelne Messwerte, nicht den Krankheitsverlauf. Schokolade enthält außerdem Zucker und Fett.
Wie viel Kakao braucht man dafür?
Die Studien verwendeten sehr unterschiedliche Mengen, von kleinen bis zu sehr großen. Eine Menge, die für alle Menschen gilt, lässt sich daraus nicht ableiten. Manche untersuchten Mengen waren über die normale Ernährung kaum erreichbar.
Können Kakaoflavanole Herzinfarkte oder Demenz verhindern?
Untersuchungen, die das direkt prüfen, stehen noch aus. Die große COSMOS-Studie fand bei ihrem Hauptziel keinen klaren Rückgang von Herz-Kreislauf-Ereignissen 4. Bei Untersuchungen zum Gehirn wurde vor allem die Durchblutung gemessen, nicht ob eine Demenz seltener auftritt.
Quellen
- 1Tzounis X, Rodriguez-Mateos A, Vulevic J, Gibson GR, Kwik-Uribe C, Spencer JP · 2011
- 2Grassi D, Desideri G, Necozione S, Lippi C, Casale R, Properzi G et al. · 2008
- 3Mastroiacovo D, Kwik-Uribe C, Grassi D, Necozione S, Raffaele A, Pistacchio L et al. · 2015
- 4Sesso HD, Manson JE, Aragaki AK, Rist PM, Johnson LG, Friedenberg G et al. · 2022
- 5Heiss C, Jahn S, Taylor M, Real WM, Angeli FS, Wong ML et al. · 2010
- 6Sorond FA, Hurwitz S, Salat DH, Greve DN, Fisher ND · 2013
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