Glycin
Glycin ist eine proteinogene Aminosäure; Studien am Menschen zeigen je nach Form und Gebiet unterschiedliche, meist kleine oder uneinheitliche Effekte.
Glycin: ausgewertet wurden 104 Studien am Menschen, darunter 11 randomisierte kontrollierte Studien und 4 Metaanalysen oder systematische Übersichten; die kontrollierten Studien umfassen zusammen 685 Teilnehmer. Stand: 7. Oktober 2026.
1. Was ist Glycin? Vorkommen, Herkunft und Formen
Glycin ist die kleinste proteinogene Aminosäure und ein Baustein fast aller Eiweiße. Der Körper bildet sie selbst und nimmt sie über Eiweiß aus der Nahrung auf. Verwendet wird sie unter anderem als Lebensmittelzusatz, als Hilfsstoff in Arzneimitteln und als Nahrungsergänzung.
Glycin kommt in nahezu allen Eiweißen vor, besonders reichlich in Kollagen und Gelatine. Im Körper ist es in Blut und Gewebe vorhanden und dient im Nervensystem als Botenstoff.
Für Studien und Zubereitungen wird Glycin meist chemisch hergestellt oder aus Eiweißen gewonnen und zu Pulver, Kapseln oder Lösungen verarbeitet. Geprüft werden vor allem orale Gaben, Infusionslösungen und Spüllösungen.
Untersuchte Formen und Zubereitungen
- Reines Glycin als Pulver, Kapseln oder Tabletten zur Einnahme
- Glycin als Bestandteil von Aminosäure-Infusionslösungen
- Glycin als Spül- und Irrigationslösung
- Glycin als Lebensmittelzusatzstoff mit süßem Geschmack
- Glycin als Hilfsstoff und Puffer in Arzneimittelzubereitungen
- Glycin gebunden in Eiweißen wie Kollagen und Gelatine
Nicht gemeint sind auf dieser Seite:
- Kollagen- und Gelatinepräparate enthalten Glycin, untersucht wird dabei aber das jeweilige Eiweiß und nicht Glycin allein.
- Betain (Trimethylglycin) und Sarkosin (Dimethylglycin) sind eigene Stoffe mit eigenen Fragestellungen.
- Glyphosat ist ein Pflanzenschutzmittel und teilt mit Glycin nur einen Teil des Namens.
- Mischpräparate aus Glycin mit anderen Aminosäuren, Melatonin oder weiteren Zusätzen sind keine Untersuchungen zu Glycin allein.
2. Wie wirkt Glycin? Ergebnisse nach Anwendungsgebiet
| Anwendungsgebiet | Ergebnis in kontrollierten Studien | Beweiskraft | Studien | Teilnehmer |
|---|---|---|---|---|
| Psychiatrie und Nervensystem | überwiegend kein Unterschied | mittel | 2 Metaanalysen · 4 kontrolliert · 22 weitere | 93 |
| Schlaf und Einschlafen | nur Übersichten | gering | 1 Metaanalysen · 0 kontrolliert · 3 weitere | 0 |
| Wundheilung | überwiegend verbessert | gering | 0 Metaanalysen · 1 kontrolliert · 1 weitere | 96 |
| Stoffwechsel und Blutzucker | überwiegend kein Unterschied | unklar | 0 Metaanalysen · 1 kontrolliert · 27 weitere | 27 |
| Leber und Fettleber | nur Beobachtungsdaten | unklar | 0 Metaanalysen · 0 kontrolliert · 6 weitere | 0 |
| Durchblutung und Gewebeschaden | nur Beobachtungsdaten | unklar | 0 Metaanalysen · 0 kontrolliert · 6 weitere | 0 |
| Weitere Untersuchungen | überwiegend kein Unterschied | gering | 0 Metaanalysen · 7 kontrolliert · 37 weitere | 227 |
So lesen Sie die Tabelle: Gezählt werden Studien am Menschen, deren Ergebnisse das jeweilige Gebiet betreffen. „Hoch“ heißt: mindestens eine Metaanalyse und zwei kontrollierte Studien mit Verbesserung, oder mindestens drei kontrollierte Studien, von denen drei Viertel eine Verbesserung zeigen, mit zusammen mindestens 300 Teilnehmern. „Mittel“ heißt: mindestens zwei kontrollierte Studien mit Verbesserung, und zwar mehrheitlich, oder eine Metaanalyse neben kontrollierten Studien. „Gering“ heißt: eine kontrollierte Studie mit Verbesserung. Gibt es in einem Gebiet keine kontrollierte Studie, ist die Beweiskraft höchstens „gering“ (Ergebnis „nur Übersichten“ oder „nur Beobachtungsdaten“). Alles andere ist „unklar“. Eine Studie zählt als Verbesserung, wenn mindestens die Hälfte ihrer Messgrößen in diesem Gebiet besser ausfiel. Übersichten über Mischpräparate zählen nicht als Metaanalyse; Ergebnisse, die nur Nebenwirkungen oder Anteile von Anwendern beschreiben, zählen nicht als Wirkung. Dieselbe Studie zählt nur einmal.
3. Was die Studien im Einzelnen zeigen
Glycin, Psychiatrie und Nervensystem: Studien am Menschen
Zwei systematische Übersichten berichten Vorteile von Glycin bei psychotischen Symptomen, eine davon als Zusatz zu Antipsychotika; die Studien waren meist klein und kurz 45. Zusätzlich zu Clozapin besserte Glycin bei Patienten mit therapieresistenter Schizophrenie weder Positiv- noch Negativsymptome; nur in der Placebogruppe gingen Positivsymptome zurück 22. Im Ketamin-Modell an gesunden Männern verhinderte Glycin die Abnahme der Theta-Aktivität, die MMN-Amplitude blieb unverändert 18. Bei Teilnehmern mit deutlichem Anstieg der Gamma-Antwort schwächte Glycin auch die ketaminbedingten Negativsymptome ab 20; Ruhe-Gamma-Aktivität und psychometrische Werte änderten sich nicht 19. Offen bleibt, ob Glycin bei Schizophrenie in größeren Studien einen reproduzierbaren Nutzen zeigt und ob es die Wirkung von Clozapin abschwächt.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 4 Soh et al. 2024 | systematische Übersicht | Glycin oral verabreicht; bis zu 14 Tage bzw. 4 Monate; gegen verschiedene Kontrollen in den eingeschlossenen Studien | Psychiatrische Symptome: verbessert |
| 5 Hoenders et al. 2018 | systematische Übersicht | Glycin zusätzlich zu Antipsychotika; gegen Antipsychotika allein bzw. andere Naturstoffe | Psychotische Symptome: verbessert |
| 18 Curic et al. 2025 | kontrolliert · 25 Teilnehmer | Glycin (NMDAR-Coagonist), Placebo-kontrolliertes Crossover; gegen Placebo bzw. Ketamin allein | MMN-Amplitude (Zeitbereich): kein Unterschied; P3a-Amplitude: kein Unterschied; dMMN-assoziierte Theta-Power und Phasenkonsistenz: unklar |
| 19 Haaf et al. 2023 | kontrolliert · 25 Teilnehmer | Glycin als Vorbehandlung, S-Ketamin subanästhetisch; gegen S-Ketamin allein vs. Glycin-Vorbehandlung plus S-Ketamin | Gamma-Aktivität in Ruhe (EEG): kein Unterschied (did not significantly attenuate any of these effects); Psychometrische Werte (PANSS, 5D-ASC): kein Unterschied (did not significantly attenuate any of these effects) |
| 20 Haaf et al. 2022 | kontrolliert · 24 Teilnehmer | Glycin als Vorbehandlung vor S-Ketamin; gegen Placebo; S-Ketamin allein | Frühe auditorisch evozierte Gamma-Band-Antwort (Amplitude): unklar; PANSS-Negativsymptom-Score: unklar |
| 22 Potkin et al. 1999 | kontrolliert · 19 Teilnehmer | Glycin zusätzlich zu Clozapin; 30 g/Tag Glycin; 12 Wochen; gegen Placebo zusätzlich zu Clozapin | Positivsymptome (BPRS): kein Unterschied; Negativsymptome (SANS): kein Unterschied |
| 43 Guasp et al. 2025 | Fallserie · 41 Teilnehmer | keine Glycin-Gabe; Untersuchung von GlyR-Antikörpern; medianes Follow-up 24 Monate; gegen kein Vergleichsarm; Literatur- und eigene Fälle | Funktionsstatus (mRS <3) bei Überlebenden: verbessert (23 (70%)); Todesfälle: verschlechtert; Rezidive: verschlechtert (12 relapses in 10 (28%)) |
| 48 Nourbakhsh et al. 2025 | Fallbericht · 1 Teilnehmer | Pantothensäure und Mitochondrien-Cocktail plus proteinarme Diät; gegen kein Vergleich (Einzelfall) | Motorik und soziale Interaktion: verbessert |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 49 52 53 55 57 58 60 61 62 64 68 69 72 74 82 86 88 93 97 99
Glycin, Schlaf und Einschlafen: Studien am Menschen
Eine systematische Übersicht berichtet besseren Schlaf bei Gesunden unter längerer Glycin-Einnahme, gestützt auf kleine Studien mit hohem Verzerrungsrisiko 4. Eine Scoping-Übersicht fand in allen drei Schlafstudien mit Glycin mindestens einen verbesserten Schlafwert 2. In einer offenen Vergleichsstudie bei Kindern besserten sich Schlafbeschwerden unter Glycin und unter einem homöopathischen Präparat, unter diesem stärker 16. Offen bleibt, ob sich der Schlafeffekt von Glycin in größeren placebokontrollierten Studien bei Menschen mit Schlafproblemen bestätigt.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2 Fan et al. 2026 | systematische Übersicht | Glycin-, Kollagen- oder andere glycinhaltige Nahrungsergänzungsmittel; gegen Placebo, Alpha-Lactalbumin (Aktivvergleich) | Schlafbezogene Endpunkte in 3 Glycin-Studien: verbessert (All 3 glycine sleep trials reported benefits on at least 1 sleep-related outcome); Nächtliches Erwachen im Schlaflabor nach Kollagenpeptiden: verbessert (fewer polysomnographic awakenings); Schlafbezogene Endpunkte Kollagenpeptide vs. Alpha-Lactalbumin: kein Unterschied (did not show superiority of collagen peptides for sleep-related outcomes) |
| 4 Soh et al. 2024 | systematische Übersicht | Glycin oral verabreicht; bis zu 14 Tage bzw. 4 Monate; gegen verschiedene Kontrollen in den eingeschlossenen Studien | Schlaf: verbessert |
| 87 Khosropanah et al. 2026 | Übersicht | Glycin neben Vitaminen, Mineralien und anderen Aminosäuren | Schlafbereitschaft durch zentrale Hemmung: verbessert |
| 95 Ramos-Jiménez et al. 2024 | Übersicht | Glycin-Nahrungsergänzung; hohe Dosen >500 mg/kg Körpermasse (toxisch) | Schlafqualität und Erholung: verbessert |
Glycin und Wundheilung: Studien am Menschen
Bei Patienten mit früher Periimplantitis sanken nach Pulverstrahl-Reinigung mit Glycin Plaque-Index, Blutungsindex sowie IL-6 und IL-1β 8. Nach sechs Monaten lag IL-1β unter Glycin höher als unter Erythritol-Pulver 8. Die Aussagekraft ist begrenzt, da nur diese Studie vorliegt und Glycin dort als Strahlpulver dient, nicht als eingenommener Stoff. Vermutung: Eine Übersichtsarbeit sieht in nichtessenziellen Aminosäuren wie Glycin einen plausiblen Ansatz für die Wund- und Knochenheilung älterer Patienten der Kieferchirurgie 94. Kontrollierte Studien mit eingenommenem Glycin zur Wundheilung stehen noch aus.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 8 Pan et al. 2025 | randomisiert kontrolliert · 96 Teilnehmer | Glycin-basiertes subgingivales Sandstrahlen vs. Erythritol-Sandstrahlen vs. Kontrolle; Nachbeobachtung bis 6 Monate; gegen Erythritol-Sandstrahlen und Kontrolle | Plaque-Index (PLI): verbessert (P < 0.05); Blutungsindex (BI): verbessert (P < 0.05); Entzündungsfaktoren IL-6, IL-1β: verbessert (P < 0.05) |
| 94 Kim et al. 2025 | Übersicht | nichtessenzielle Aminosäuren, u. a. Glycin | Knochen- und Schleimhautheilung: unklar |
Glycin, Stoffwechsel und Blutzucker: Studien am Menschen
Eine randomisierte Crossover-Studie fand bei Hämodialysepatienten zwischen Glycin und verzweigtkettigen Aminosäuren keinen Unterschied bei Glucagon-like Peptid 1, Cholecystokinin und Peptid YY 11. Die Mischung aus Glycin und N-Acetylcystein (GlyNAC) besserte gegenüber Placebo die mitochondriale Fettsäureoxidation und die Insulinresistenz älterer Erwachsener 14. Ohne Vergleichsgruppe sanken bei Menschen mit schwerer Adipositas unter Glycin die Triglyceride, das Körpergewicht blieb gleich 46. Offen bleibt, ob reines Glycin allein den Blutzucker oder Stoffwechsel bei Menschen ohne spezifische Stoffwechselerkrankung verbessert, da die meisten Studien Mischpräparate, Infusionen oder andere Formen untersuchten.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 Wittemans et al. 2019 | Kohortenstudie · 80.003 Teilnehmer | Glycin (zirkulierende Spiegel, genetisch untersucht); gegen genetische Instrumente für Glycin vs. Krankheitsrisiko | Typ-2-Diabetes: unklar |
| 3 Thimm et al. 2025 | systematische Übersicht | Glycin-Supplementation, ggf. mit Carnitin | Evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnose und Management: unklar (15 statements) |
| 11 Genton et al. 2021 | randomisiert kontrolliert · 27 Teilnehmer | Glycin oral, verglichen mit verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA); 7 g zweimal täglich; 4 Monate pro Periode, 1 Monat Auswaschphase, Crossover; gegen BCAA-Supplementierung (gleiche Dosis) | Glucagon-like Peptide 1: kein Unterschied (P = 0.028); Cholecystokinin: kein Unterschied (P = 0.021); Peptid YY: kein Unterschied (P = 0.002) |
| 27 Li et al. 2026 | Kohortenstudie · 23.634 Teilnehmer | zirkulierende Metabolite, darunter Glycin; keine Angabe; bis zu 26 Jahre Nachbeobachtung; gegen Teilnehmer mit vs. ohne späteren Typ-2-Diabetes | Assoziation von Glycin mit neu aufgetretenem Typ-2-Diabetes: unklar (67 associations not previously reported) |
| 31 Huidobro et al. 2026 | Kohortenstudie · 1.738 Teilnehmer | Plasma-Aminosäuren mittels Kernspinresonanz quantifiziert, kein Glycin-Präparat; Median 4,3 Jahre Nachbeobachtung; gegen Querschnitt und Inzidenz nach Plasma-Glycin-Spiegeln, adjustiert | Typ-2-Diabetes-Prävalenz (adjustierte Odds Ratio): verbessert (0.68; 95% CI 0.57-0.80) |
| 32 Feng et al. 2024 | Querschnittstudie · 774 Teilnehmer | Glycin aus der üblichen Ernährung; Quartile der Aufnahme: <1,32; 1,32-1,82; 1,82-2,26; >2,26; gegen höchstes vs. niedrigstes Aufnahmequartil (Q4 vs. Q1) | Hyperlipidämie-Prävalenz (0.547 (95% CI, 0.327-0.913)); Übergewicht/Adipositas-Prävalenz (0.547 (95% CI, 0.353-0.850)) |
| 34 García-Gavilán et al. 2026 | Kohortenstudie · 699 Teilnehmer | Plasma-Metabolomikprofil (LC-MS/MS), Glycin als Teil gemeinsamer Signatur; Baseline und 1-Jahr-Follow-up; gegen Metabolomik-Scores vs. Gesamtmortalität; externe Validierung NHS/HPFS | Assoziation gemeinsamer Metabolite (u.a. Glycin) mit Gesamtmortalität: verschlechtert (HR = 1.52, 95%CI: 1.04-2.25) |
| 35 Palacios-González et al. 2022 | Querschnittstudie · 602 Teilnehmer | Kein Präparat; Messung von 40 Serummetaboliten; gegen MetS-Status sowie Geschlecht und Alter | Serum-Glycin und MetS: unklar; Glycin als geschlechtsspezifischer Marker: unklar; Glycin und altersabhängige MetS: unklar |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 36 39 40 42 45 46 52 54 65 70 71 80 81 84 88 89 92 95 98 100
Glycin, Leber und Fettleber: Studien am Menschen
Für Leber und Fettleber liegen keine kontrollierten Studien zu Glycin allein vor; die Beweiskraft ist daher unklar. Eine kleine Studie bei Menschen mit schwerer Adipositas fand unter eingenommenem Glycin ohne Vergleichsarm niedrigere Aminotransferasen und einen günstigeren Glutamat-Serin-Glycin-Index 46. Eine Querschnittsstudie untersuchte Glycin zusammen mit Serin und Threonin und fand niedrigere Aminosäurespiegel bei höherem Steatosegrad, während eine hochdosierte Diät mit diesen drei Aminosäuren im Mausmodell die MASLD-Pathogenese verbesserte 28. Eine Übersichtsarbeit berichtet über Glycin als Stoffwechselmarker bei chronischen Lebererkrankungen 85. Eine weitere Übersichtsarbeit beschreibt eine Unterstützung von Entgiftungswegen durch Glycin als Glutathion-Vorläufer 84. Eine dritte Übersichtsarbeit nennt einen möglichen Nutzen von Glycin-Spüllösung beim Ischämie-Reperfusionsschaden von Lebertransplantaten, überwiegend gestützt auf Tier- und Zellbefunde 102. Offen bleiben Wirkung und Sicherheit von reinem, eingenommenem Glycin beim Menschen, da die vorliegenden Humanbefunde klein, unkontrolliert oder auf Mischungen bezogen sind.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 28 Mino et al. 2024 | Querschnittstudie · 23.036 Teilnehmer | Glycin zusammen mit Serin und Threonin (hochdosierte Diät im Mausmodell); gegen Gruppen nach SLD/CC-Kriterien; MASLD-Mausmodelle mit FFC-Diät | Glycin-, Serin- und Threonin-Spiegel nach Steatosegrad: verschlechtert (significantly decreased); MASLD-Pathogenese unter hoher Gly/Ser/Thr-Diät: verbessert (ameliorated) |
| 46 Tan et al. 2025 | Studie · 19 Teilnehmer | Glycin als Nahrungsergänzung (dietary glycine); 100 mg/kg/Tag; zwei Wochen; gegen kein Vergleichsarm, Vorher-Nachher | Aminotransferasen: verbessert (significant reductions); Glutamat-Serin-Glycin-Index (MASLD-Marker): verbessert (improved) |
| 59 Lin et al. 2025 | Studie | Glycin-Supplementierung, teils kombiniert mit Interferon-α; gegen Gesunde Kontrollen bzw. HBV-infizierte Zellen/Mäuse ohne Glycin | HBV cccDNA-Spiegel: verbessert (approximately 50%); HBsAg-Spiegel unter Kombinationstherapie: verbessert (60% reduction); Serum-Glycin bei HBV-Patienten vs. Gesunde: unklar (R=0.7650) |
| 84 Draganidis et al. 2026 | Übersicht | Glycin als Glutathion-Vorläufer (NAC separat betrachtet) | Unterstützung von Entgiftungswegen: verbessert |
| 85 Huang et al. 2026 | Übersicht | Aminosäurestoffwechsel, u. a. Glycin und verzweigtkettige Aminosäuren | Glycinspiegel bei MASLD: unklar |
| 102 Habib et al. 2006 | Übersicht | Glycin | Ischämie-Reperfusionsschaden der Leber: verbessert |
Glycin, Durchblutung und Gewebeschaden: Studien am Menschen
Eine genetische Auswertung großer Bevölkerungsdaten verbindet höhere Glycin-Blutspiegel mit einem geringeren Risiko für koronare Herzkrankheit, teils über den Blutdruck 1. Bei beatmeten Intensivpatienten mit schwerer COVID-19 senkte Glycin über die Sonde gegenüber der üblichen Behandlung den Fibrinogenspiegel, nicht aber Sterblichkeit oder Beatmungsdauer 13. Die Mischung aus Glycin und N-Acetylcystein (GlyNAC) besserte bei älteren Erwachsenen gegenüber Alanin-Placebo die Endothelfunktion; welchen Anteil Glycin hat, ist offen 14. Kontrollierte Studien mit reinem Glycin zu Herz und Gefäßen stehen noch aus; offen ist, ob eine Einnahme das Risiko senkt, das genetisch höhere Blutspiegel anzeigen.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 Wittemans et al. 2019 | Kohortenstudie · 80.003 Teilnehmer | Glycin (zirkulierende Spiegel, genetisch untersucht); gegen genetische Instrumente für Glycin vs. Krankheitsrisiko | Koronare Herzkrankheit: verbessert |
| 25 Li et al. 2025 | Kohortenstudie · 245.072 Teilnehmer | Zirkulierende Cholin-Metabolite, darunter Glycin (NMR-Messung); Median 14,1 Jahre Nachbeobachtung; gegen höchste vs. niedrigste Quartile bzw. pro SD; Mendelsche Randomisierung | Herzinsuffizienz-Inzidenz pro SD Glycin: verbessert (HR: 0.97 [95% CI: 0.94-0.99]); Herzinsuffizienz in Mendelscher Randomisierung (Glycin): verbessert (OR: 0.93 [95% CI: 0.88-0.99]) |
| 41 Nunes et al. 2025 | Fall-Kontroll-Studie · 54 Teilnehmer | Kein Glycin-Präparat; Messung endogener Glycinspiegel; 24 h in vitro; gegen sFlt-1/PlGF-Ratio-Variationen in vitro; Fall-Kontroll-Plasma | Korrelation von sFlt-1 mit Glycinspiegeln: verbessert (positively correlated); Glycinspiegel in Endothelzellen unter sFlt-1/PlGF: unklar |
| 65 Yang et al. 2025 | Fall-Kontroll-Studie | Glycin-Supplementierung (Tierversuch); Plasma-Metabolomik beim Menschen; gegen Kontrollgruppe bzw. salzbelastete Ratten ohne Glycin | Salzinduzierte Hypertonie bei Dahl-SS-Ratten: verbessert (p < 0.001) |
| 77 Chang et al. 2021 | Fall-Kontroll-Studie | genetisch bestimmte Serum-Glycin-Spiegel (GWAS); gegen Fälle mit koronarer Herzkrankheit bzw. kardiovaskulärem Tod vs. Kontrollen | Inzidenz der koronaren Herzkrankheit: verbessert; Kardiovaskulärer Tod: verbessert; Angiographischer KHK-Schweregrad (Modified Gensini Score): verbessert |
| 96 Anand et al. 2024 | Übersicht | Glycin im Aminosäurestoffwechsel | Endothelfunktion und Entzündung: unklar |
Glycin: weitere Messgrößen in Studien
Die kontrollierten Studien in diesem Gebiet zeigen überwiegend keinen Vorteil von Glycin. Bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit änderte Glycin gegenüber Placebo weder Verlangen noch Trinkmenge im Labor 9. Bei beatmeten Intensivpatienten stiegen die Glycinspiegel in Blut und Muskel, der Muskelschwund unterschied sich nicht gesichert 10. Bei mangelernährten Hämodialysepatienten fiel der Fettfreie-Masse-Index unter Glycin günstiger aus als unter verzweigtkettigen Aminosäuren 12. Die Beweiskraft ist gering: Die Studien sind klein und untersuchen unterschiedliche Formen wie orale Einnahme, enterale Gabe und Spüllösung. Mischungen wie Glycin plus N-Acetylcystein lassen keinen Rückschluss auf Glycin allein zu, da Glycin nicht der einzige Unterschied zwischen den Gruppen ist 714. Offen bleibt, ob sich die günstigere fettfreie Masse bei Hämodialysepatienten und ein möglicher Schutz vor Muskelschwund bei Intensivkranken in größeren Studien bestätigen.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 2 Fan et al. 2026 | systematische Übersicht | Glycin-, Kollagen- oder andere glycinhaltige Nahrungsergänzungsmittel; gegen Placebo, Alpha-Lactalbumin (Aktivvergleich) | Müdigkeitswerte nach Kollagenpeptiden: verbessert (lower fatigue scores); Glycin-Konzentration im Blut nach Supplementen: verbessert (generally increased circulating glycine concentrations) |
| 8 Pan et al. 2025 | randomisiert kontrolliert · 96 Teilnehmer | Glycin-basiertes subgingivales Sandstrahlen vs. Erythritol-Sandstrahlen vs. Kontrolle; Nachbeobachtung bis 6 Monate; gegen Erythritol-Sandstrahlen und Kontrolle | Patientenzufriedenheit (Ästhetik, Funktion): verbessert (P < 0.05) |
| 9 Olsson et al. 2025 | randomisiert kontrolliert · 48 Teilnehmer | Orales Glycin versus Placebo; 0,12 g/kg täglich; 5 Tage; gegen Placebo, anschließend Alkohol-Exposition (bis zu vier Drinks à 12 g) | Serum-Glycin-Spiegel: unklar (raised serum glycine levels by 125%); Labor-Alkoholkonsum (Selbstverabreichung): kein Unterschied; Alkoholverlangen (Craving): kein Unterschied |
| 10 Ali et al. 2025 | randomisiert kontrolliert · 29 Teilnehmer | Enterales Glycin zusätzlich zur Standardbehandlung; 0,2 oder 0,4 g/kg/Tag (median 16,2 bzw. 29,6 g/Tag); maximal 7 Tage; gegen Placebo | Plasma-Glycin-Verfügbarkeit (AUC240): unklar (Mean difference AUC240 high-dose glycine vs placebo: 759.40 μmol/L.min; 95 % CI 219.27, 1299.54, p = 0.008); Muskel-Glycin-Konzentration: unklar (Mean difference high-dose glycine vs placebo: 0.16 nmol/mg muscle wet mass; 95 % CI 0.08, 0.23, p = 0.001); Quadrizeps-Muskeldicke: kein Unterschied (Mean difference high-dose glycine vs placebo: 0.11 cm; 95 % CI: -0.10, 0.31, p = 0.299) |
| 11 Genton et al. 2021 | randomisiert kontrolliert · 27 Teilnehmer | Glycin oral, verglichen mit verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA); 7 g zweimal täglich; 4 Monate pro Periode, 1 Monat Auswaschphase, Crossover; gegen BCAA-Supplementierung (gleiche Dosis) | Interleukin-6 im Serum: kein Unterschied (P = 0.002); Darmmikrobiota-Zusammensetzung und Diversität: kein Unterschied (P = 0.0001); Lacticaseibacillus paracasei: kein Unterschied (0.030; Q1-Q3 0.008-0.078 vs. 0.004; Q1-Q3 0.001-0.070) |
| 12 Genton et al. 2021 | randomisiert kontrolliert · 27 Teilnehmer | Orale Glycin-Supplementierung; 2 × 7 g/Tag; 4 Monate, dann 1 Monat Auswaschphase, dann Wechsel; gegen Orale BCAA (2 × 7 g/Tag) | Fettfreie-Masse-Index (Bioimpedanz): verbessert (coeff -0.27, 95% confidence interval -0.43 to -0.10, P = 0.002); Lean-Body-Mass-Index und Körpergewicht: kein Unterschied; Klinische Parameter, Blutchemie, Plasma-Aminosäuren: kein Unterschied |
| 13 Vargas et al. 2024 | randomisiert kontrolliert | Glycin enteral zusätzlich zur Standardbehandlung; 0,5 g/kg/Tag; bis Entlassung, Nachbeobachtung in Wochen; gegen Standardtherapie allein (offene Kontrollgruppe) | Mortalität: kein Unterschied; Entwöhnungszeit und Beatmungsdauer: kein Unterschied; Fibrinogenspiegel im Verlauf: verbessert (608.7 ± 17.7 mg/dl vs control 712.2 ± 25.0 mg/dl, p = 0.001) |
| 24 Hahn et al. 1989 | kontrolliert | 2,2% Glycin-Infusion, 1,5% Glycin + 1% Ethanol, 5% Mannitol (Kontrolle); Glycin-Spüllösung; 1 Liter Infusionslösung; Spülabsorption 0-2,71 (volumetrisch); kurzfristig, frühe postoperative Phase; gegen Mannitol-Kontrolle bzw. Ausgangswert | Urin-Oxalat-Ausscheidung: kein Unterschied |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 26 29 30 32 33 37 38 40 44 47 48 49 50 51 52 56 57 58 62 63 65 66 67 73 75 76 78 80 83 86 88 89 90 91 95 101
4. Wie wird Glycin dosiert? Zubereitung, Dosis und Dauer in Studien
Die Studien verwendeten reines Glycin zur Einnahme, über eine Ernährungssonde oder als Infusion, als Spüllösung bei Operationen und als Strahlpulver bei der Zahnreinigung. Einige Untersuchungen prüften Mischpräparate wie Glycin plus N-Acetylcystein (GlyNAC) oder Glycin mit Carnitin und proteinrestriktiver Diät. Die Formen sind nicht miteinander vergleichbar; die Dosen zeigt die Tabelle.
| Präparat oder Form | Dosis | Dauer | Studie |
|---|---|---|---|
| Iclepertin (BI 425809), Glycin-Transporter-1-Hemmer | 10 mg einmal täglich | 12 Wochen | 6 |
| Glycin plus N-Acetylcystein (GlyNAC), 1:1 | 2,4 g, 4,8 g oder 7,2 g/Tag | 2 Wochen | 7 |
| Glycin-basiertes subgingivales Sandstrahlen vs. Erythritol-Sandstrahlen vs. Kontrolle | — | Nachbeobachtung bis 6 Monate | 8 |
| Orales Glycin versus Placebo | 0,12 g/kg täglich | 5 Tage | 9 |
| Enterales Glycin zusätzlich zur Standardbehandlung | 0,2 oder 0,4 g/kg/Tag (median 16,2 bzw. 29,6 g/Tag) | maximal 7 Tage | 10 |
| Glycin oral, verglichen mit verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA) | 7 g zweimal täglich | 4 Monate pro Periode, 1 Monat Auswaschphase, Crossover | 11 |
| Orale Glycin-Supplementierung | 2 × 7 g/Tag | 4 Monate, dann 1 Monat Auswaschphase, dann Wechsel | 12 |
| Glycin enteral zusätzlich zur Standardbehandlung | 0,5 g/kg/Tag | bis Entlassung, Nachbeobachtung in Wochen | 13 |
| GlyNAC (Glycin plus N-Acetylcystein) versus isonitrogenes Alanin-Placebo | — | 16 Wochen bei OA, 2 Wochen bei YA | 14 |
| GlyNAC (Glycin + N-Acetylcystein) vs. isonitrogenes Placebo (Alanin) | — | 16 Wochen (ältere Erwachsene), 2 Wochen (junge Erwachsene) | 15 |
| Glycin als Vergleichspräparat (ZinCyp-3-02 als Prüfpräparat) | — | 28 Tage | 16 |
| Glycin als Placebo bzw. 15 g Glycin in Testmahlzeit | 5 g/Tag über 14 Tage; 15 g in Testmahlzeit | 14 Tage Schritt-Reduktion | 17 |
| Isotopenmarkierte Tracer-Infusion: [1,2-13C2]Glycin, [2,3,3-2H3]Serin, [2H5]Phenylalanin | — | Nachuntersuchung 6 Monate nach bariatrischer Operation | 21 |
| Glycin zusätzlich zu Clozapin | 30 g/Tag Glycin | 12 Wochen | 22 |
| [1,2-13C2]Glycin-Infusion als Tracer | — | Messung vor und 6 Monate nach bariatrischer Operation | 23 |
5. Ist Glycin sicher? Nebenwirkungen in Studien
In einer kontrollierten Studie bei Kindern mit Schlafstörungen trat unter Glycin eine nicht schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkung auf; beide Behandlungen wurden gut vertragen 16. Bei Schizophrenie unter Clozapin gingen Positivsymptome nur in der Placebogruppe zurück; die Autoren vermuten, dass Glycin die Wirkung von Clozapin stören könnte 22. Ein Fallbericht beschreibt nach Aufnahme von Glycin-Spüllösung bei einer Gebärmutterspiegelung Verwirrtheit, Krampfanfälle und eine Hyponatriämie, die sich nach Behandlung zurückbildeten 50.
| Studie | Berichtete Nebenwirkungen |
|---|---|
| 5 Hoenders et al. 2018 | Alle Naturstoffe außer Reserpin gut vertragen |
| 6 Harvey et al. 2025 | leichter bis mäßiger Schweregrad, keine neuen Risiken |
| 7 Lizzo et al. 2022 | sicher und gut vertragen |
| 13 Vargas et al. 2024 | keine berichtet |
| 14 Kumar et al. 2023 | sicher und gut vertragen |
| 16 Jong et al. 2016 | ZinCyp-3-02: 2, Glycin: 1 nicht schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen |
| 27 Li et al. 2026 | keine Angabe |
| 37 Zwart et al. 2026 | höhere Glycin-Spiegel mit höherem Risiko für Toxizität-assoziierte Therapieänderungen verbunden |
| 50 Hameed et al. 2024 | Verwirrtheit, Desorientierung, Krampfanfälle, hypo-osmolare Hyponatriämie, Hyperammonämie |
| 52 Bozacı et al. 2026 | LDL-Cholesterin-Anstieg in der ketogenen Gruppe; Sterblichkeit in beiden Gruppen hoch |
| 79 Kumar et al. 2021 | Supplementierung wurde gut vertragen |
| 91 Ifrim et al. 2025 | Gewebsverträglichkeit je nach Pulver unterschiedlich |
6. Was noch offen ist: Grenzen der Studienlage
- Viele kontrollierte Studien sind klein und unterscheiden sich in Form, Dosis und Vergleichsgruppe.
- Positive Signale stammen teils aus Modelluntersuchungen an gesunden Männern statt aus Patientengruppen.
- Mehrere Studien prüften Mischpräparate, sodass der Beitrag von Glycin allein nicht abgrenzbar ist.
- Kontrollierte Studien zu eingenommenem Glycin stehen in mehreren Gebieten noch aus, etwa zur Wundheilung.
- Die Übertragbarkeit von Blutspiegel- und Infusionsbefunden auf eine Supplementierung ist offen.
7. Fazit: Was über Glycin gesichert ist
Glycin ist eine proteinogene Aminosäure, die der Körper selbst bildet und über Eiweiß aufnimmt. Studien am Menschen untersuchen sehr unterschiedliche Formen: reines Glycin als Pulver, Kapseln oder Tabletten zur Einnahme, enterale Gabe, Infusionslösungen und Spüllösungen. Die Befunde fallen je nach Gebiet verschieden aus. Für Schlaf und psychotische Symptome berichten systematische Übersichten Vorteile von Glycin 45; als Zusatz zu Clozapin blieb es in einer kleinen kontrollierten Studie ohne Nutzen 22. Höhere Glycin-Blutspiegel gehen in genetischen Auswertungen mit weniger koronarer Herzkrankheit einher 1; bei beatmeten COVID-19-Patienten änderte Glycin über die Sonde Sterblichkeit und Beatmungsdauer nicht 13.
Bei Hämodialysepatienten änderte Glycin im Vergleich zu verzweigtkettigen Aminosäuren weder Darmhormone noch Darmflora 11. Die Studien sind oft klein, und Mischpräparate wie GlyNAC lassen keinen Rückschluss auf Glycin allein zu; größere Studien mit reinem Glycin stehen noch aus.
Häufige Fragen
Wie gut ist Glycin am Menschen untersucht?
Glycin: ausgewertet wurden 104 Studien am Menschen, darunter 11 randomisierte kontrollierte Studien und 4 Metaanalysen oder systematische Übersichten; die kontrollierten Studien umfassen zusammen 685 Teilnehmer. Stand: 7. Oktober 2026.
Was bringt Glycin bei Psychiatrie und Nervensystem? Das zeigen die Studien
Ausgewertet sind 2 Metaanalysen oder systematische Übersichten, 4 kontrollierte Studien und 22 weitere Studien, die kontrollierten Studien mit zusammen 93 Teilnehmern. Ergebnis der kontrollierten Studien: überwiegend kein Unterschied. Beweiskraft nach unseren offengelegten Regeln: mittel. Belege: 451819
Was bringt Glycin bei Schlaf und Einschlafen? Das zeigen die Studien
Was bringt Glycin bei Wundheilung? Das zeigen die Studien
Was bringt Glycin bei Stoffwechsel und Blutzucker? Das zeigen die Studien
Was ist Glycin und wie wird es in Studien angewendet?
Glycin ist die kleinste proteinogene Aminosäure und ein Baustein fast aller Eiweiße. In Studien am Menschen wurde es als reines Pulver, in Kapseln oder Tabletten zur Einnahme, enteral, als Bestandteil von Aminosäure-Infusionslösungen und als Spül- und Irrigationslösung verwendet. Diese Formen sind nicht miteinander vergleichbar, und die Dosen zeigt die Tabelle.
Zeigen Studien am Menschen einen Nutzen von Glycin für den Schlaf?
Laut einer systematischen Übersicht schliefen Gesunde unter längerer Glycin-Einnahme besser; die zugrunde liegenden Studien waren klein und hatten ein hohes Verzerrungsrisiko 4. Eine Scoping-Übersicht fand in allen drei Schlafstudien mit Glycin mindestens einen verbesserten Schlafwert; für Kollagenpeptide fiel das Bild gemischt aus 2. In einer offenen Vergleichsstudie bei Kindern besserten sich Schlafbeschwerden unter Glycin und unter einem homöopathischen Präparat, unter diesem stärker 16.
Gibt es Hinweise auf Wirkungen bei psychotischen Symptomen?
Zwei systematische Übersichten berichteten über Vorteile von oralem Glycin bei psychiatrischen Symptomen 45. Dem steht eine kleine kontrollierte Studie gegenüber, in der Glycin zusätzlich zu Clozapin bei therapieresistenter Schizophrenie Positiv- und Negativsymptome nicht besserte 22. Im Ketamin-Modell an gesunden Männern schwächte Glycin einzelne EEG-Veränderungen ab 1820, ketaminbedingte Negativsymptome nur bei einer Teilgruppe 20; eine dritte Studie fand keinen Unterschied 19.
Wie sicher ist die Einnahme von Glycin?
In einer kontrollierten Studie bei Kindern mit Schlafstörungen trat unter Glycin eine nicht schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkung auf; beide Behandlungen wurden gut vertragen 16. Bei Schizophrenie unter Clozapin gingen Positivsymptome nur in der Placebogruppe zurück; die Autoren vermuten, dass Glycin die Wirkung von Clozapin stören könnte 22. Ein Fallbericht beschreibt nach Aufnahme von Glycin-Spüllösung bei einer Gebärmutterspiegelung Verwirrtheit, Krampfanfälle und eine Hyponatriämie, die sich nach Behandlung zurückbildeten 50.
Was untersuchten die Studien zu Stoffwechsel und Blutzucker?
Bei Hämodialysepatienten unterschied sich Glycin von verzweigtkettigen Aminosäuren nicht bei Glucagon-like Peptid 1, Cholecystokinin und Peptid YY 11. Ohne Vergleichsgruppe sanken bei Menschen mit schwerer Adipositas unter Glycin Triglyceride und Leberwerte 46. Die Mischung aus Glycin und N-Acetylcystein (GlyNAC) senkte gegenüber Placebo die Insulinresistenz; welchen Anteil Glycin daran hat, ist offen 14.
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