Lithium
Lithium ist ein Metall, das als Salz in der Medizin die Stimmung stabilisiert; am besten belegt ist es bei bipolarer Störung.
1. Was ist Lithium?
Lithium ist ein Alkalimetall (eine Gruppe von Metallen) und das leichteste Metall überhaupt. In der Natur kommt es in Gestein, in Mineralquellen und in sehr kleinen Mengen im Trinkwasser vor. In der Medizin wird es als Salz gegeben, um die Stimmung zu stabilisieren. Daneben wird untersucht, ob sehr kleine Mengen im Trinkwasser eine Rolle für die Gesundheit spielen.
2. Wo steckt es drin, woraus wird es gewonnen?
Lithium steckt in geringen Mengen in Gestein, Böden, Mineralwässern und im Trinkwasser. In der Medizin werden Salze wie Lithiumcarbonat oder Lithiumcitrat verwendet.
3. Was bringt Lithium? Das zeigt die Forschung
| Gebiet | Stand der Forschung | Studien |
|---|---|---|
| Demenz und Alzheimer-Krankheit | noch unklar | 43 |
| Bipolare Störung | mehrere Hinweise | 70 |
| Depression | mehrere Hinweise | 40 |
| Neuroprotektion | noch unklar | 37 |
| Suizidprävention | noch unklar | 36 |
| Spuren von Lithium im Trinkwasser | erste Hinweise | 5 |
| Weitere Untersuchungen | noch unklar | 124 |
Demenz und Alzheimer-Krankheit
Bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (leichtem geistigem Abbau) bremste niedrig dosiertes Lithium in einer Studie den Abbau stärker als Placebo und veränderte Alzheimer-typische Eiweißwerte in der Rückenmarksflüssigkeit günstig 4341. Eine weitere kleine Studie bei leichtem geistigem Abbau erreichte keines ihrer Hauptziele 38. Bei Alzheimer-Demenz fand eine zusammengefasste Auswertung keine gesicherte Besserung 16. Günstige Wirkungen auf Alzheimer-typische Eiweißablagerungen zeigen sich vor allem in Tierversuchen 2126. Beobachtungsstudien fanden einen Zusammenhang mit seltenerer Demenz, was aber keine Ursache belegt 19272832.
Bipolare Störung
Bei bipolarer Störung (einer Erkrankung mit starken Stimmungsschwankungen) senkte Lithium in zusammengefassten Studien das Risiko neuer Stimmungsepisoden gegenüber Placebo (einer Scheinbehandlung) 57. Bei Kindern und Jugendlichen mit akuter Manie sprachen unter Lithium in einer zusammengefassten Auswertung mehr Behandelte an als unter Placebo, die Beschwerden gingen aber nicht stärker zurück 9. In einer Vergleichsstudie bei Jugendlichen wirkte Quetiapin, ein anderes Mittel, stärker als Lithium 36. Übersichten sprechen auch bei Kindern, rund um die Geburt und im Alter für eine Wirkung 613.
Depression
Bei Depression ist das Bild uneinheitlich. Als Zusatz zu Antidepressiva sprachen in einer zusammengefassten Auswertung unter Lithium mehr Menschen an als unter Placebo; nach einer Korrektur für Verzerrungen war das aber nicht mehr gesichert 4. Nach einer Magnetstimulation beugte Lithium Rückfällen genauso vor wie eine Fortsetzung der Stimulation, es gab keinen Unterschied; unter Lithium traten aber mehr Nebenwirkungen auf 39. In anderen Vergleichen wirkte Lithium als Zusatz ähnlich wie oder schwächer als andere Mittel 343537. Die Studien sind meist klein und kurz.
Neuroprotektion
Übersichten berichten über schützende Wirkungen auf Nervenzellen bei langfristiger Lithiumbehandlung 2228. Eine Studie fand bei jungen Menschen mit erster manischer Episode eine günstigere Veränderung einer Nervenbahn unter Lithium im Vergleich zu Quetiapin 45. Andere Studien fanden keinen Unterschied 4044. Die Befunde stammen überwiegend aus Übersichten und kleinen Studien, und die Salzformen sind meist nicht näher benannt.
Suizidprävention
Beobachtungsstudien fanden bei affektiven Störungen weniger Suizide unter Lithium 29. Höhere Lithiumwerte im Trinkwasser gingen mit niedrigerer Suizidsterblichkeit einher 131. In Studien mit zufälliger Zuteilung zu Lithium oder Placebo ist ein Schutz nicht gesichert 3310. Die Trinkwasser-Befunde stammen aus Vergleichen ganzer Bevölkerungen und zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Offen bleibt, welche Salzform und welcher Blutwert entscheidend sind.
Spuren von Lithium im Trinkwasser
Eine zusammengefasste Auswertung und eine Übersicht fanden bei höheren Lithiumwerten im Trinkwasser eine niedrigere Suizidsterblichkeit 131. Zwei weitere Übersichtsarbeiten betrachten das Thema. Eine prüft die Annahme, dass höhere Lithiumwerte im Trinkwasser mit einer niedrigeren Suizidrate einhergehen 46. Die zweite hält einen solchen Zusammenhang für möglich 47. Es sind Beobachtungen ganzer Bevölkerungen, keine kontrollierten Einzelstudien; sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Die Beweiskraft ist gering.
Weitere Untersuchungen
Bei Kindern und Jugendlichen mit Störung des Sozialverhaltens fand eine Übersicht eine Wirkung gegen aggressives Verhalten 13. Lithiumcarbonat zusätzlich zu Radiojod erhöhte bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Heilungsrate 11. Bei Huntington-Krankheit und einer Form der Ataxie (Bewegungsstörung) berichtet eine Übersicht über Besserungen, bei amyotropher Lateralsklerose nicht 30.
4. Wie wurde Lithium in den Studien eingenommen?
In den Studien wurden überwiegend Lithiumsalze gegeben, ohne die genaue Salzform zu nennen. Einzelne Studien nutzten Lithiumcarbonat, teils als Präparat mit verzögerter Freisetzung oder niedrig dosiert. Lithiumcitrat, Lithiumorotat und gelöstes Lithiumchlorid wurden nicht als eigene Formen geprüft. Oft wurde Lithium zusätzlich zu anderen Wirkstoffen gegeben, etwa zu Antidepressiva oder Antipsychotika.
5. Ist Lithium sicher? Nebenwirkungen in den Studien
Lithiumsalze gingen mit eingeschränkter Nierenfunktion einher; laufende Kontrollen der Nierenwerte gelten als unerlässlich 23. Schwere lithiumbedingte Ereignisse wurden bei Kindern und Jugendlichen nicht berichtet, doch die Studien sind meist klein und kurz 613. Bei älteren Menschen blieb die Nierenfunktion unter niedrig dosiertem Lithium in einer Studie unverändert, doch es traten mehr Nebenwirkungen auf als unter Placebo, etwa Gewichtszunahme 42.
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Häufige Fragen
Was bringt Lithium bei Demenz und Alzheimer-Krankheit? Das zeigen die Studien
Was bringt Lithium bei Bipolare Störung? Das zeigen die Studien
Was bringt Lithium bei Depression? Das zeigen die Studien
Was bringt Lithium bei Neuroprotektion? Das zeigen die Studien
Was bringt Lithium bei Suizidprävention? Das zeigen die Studien
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