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Tiergestützte Therapie einfach erklärt

Datenbank-gestützte Auswertung · in unserer Datenbank 857 Arbeiten, davon 78 kontrollierte Studien am Menschen · Stand · So werten wir aus

Tiergestützte Therapie heißt: Ein lebendes Tier wird mit einem Ziel in eine Behandlung oder Betreuung einbezogen. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen dazu zeigen und was noch offen ist.

1. Worum es geht

Das geschieht zum Beispiel im Pflegeheim, auf Kinder- und Krebsstationen, in der psychiatrischen Rehabilitation und bei der Vorbereitung auf eine Kernspinuntersuchung. Neben dem Tier sind meist zwei Menschen dabei: eine fachlich ausgebildete Bezugsperson und jemand, der das Tier führt. Die Fachliteratur unterscheidet zwei Formen. Bei der tiergestützten Therapie gibt es ein persönliches Ziel für den einzelnen Menschen. Bei der tiergestützten Aktivität steht der Kontakt im Vordergrund, ohne dieses Ziel. Wo genau die Grenze liegt, wird nicht einheitlich gehandhabt, und viele Übersichten fassen beide Formen zusammen. Wichtig beim Lesen von Studien: Unter demselben Namen laufen sehr verschiedene Dinge. Untersucht wurden Hunde, Pferde in festen Programmen und Robotertiere, die als Vergleich zum lebenden Hund dienten. Auch die Orte, die Dauer des Kontakts und die Begleitung unterscheiden sich. Gemessen werden zum Beispiel Unruhe und gedrückte Stimmung bei Pflegeheimbewohnern, Angst und Schmerz in der Medizin, Sozialverhalten nach einer Hirnschädigung und Stressreaktionen bei Kindern im Krankenhaus.

2. Was Untersuchungen zeigen

Am besten untersucht sind Menschen mit Demenz. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 fasst randomisierte Studien mit 825 Teilnehmern zusammen 2. Eine weitere Übersicht aus dem Jahr 2026 kommt auf 1.881 Teilnehmer 3. Eine Übersichtsarbeit zu kognitiven Einschränkungen — damit sind Probleme mit Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Denken gemeint — wertet randomisierte und quasi-randomisierte Studien mit 413 Teilnehmern aus 4. Randomisiert heißt, dass die Teilnehmer per Zufall einer Gruppe zugeteilt werden; das macht Ergebnisse vergleichbarer. Auch Kinder und Jugendliche im Krankenhaus sind gut untersucht. Eine Übersichtsarbeit mit 348 Teilnehmern sammelt Studien zu hospitalisierten Kindern und Jugendlichen 5. Eine weitere Arbeit befasst sich mit Schmerz bei Kindern 9. Zwei kleinere Übersichten betreffen Angst beim Zahnarztbesuch bei Kindern und Jugendlichen mit 146 Teilnehmern 7 und tiergestützte Angebote in der Notaufnahme und Ambulanz mit 380 Teilnehmern 6. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen gibt es ebenfalls Übersichten: eine Arbeit zu psychotischen Störungen mit 408 Teilnehmern 8 und eine zu Schizophrenie und verwandten Störungen 10. Was dabei herauskam, wird in den Arbeiten selbst vorsichtig formuliert. Die Messungen sind häufig Fragebögen und Beobachtungsskalen, und sie liegen meist dicht am Kontakt mit dem Tier. Gut belegt ist, dass es zu mehreren Gebieten Übersichten gibt, die ausschließlich randomisierte oder quasi-randomisierte Studien zusammenfassen — zu Schmerz, Angst und Belastung in der Medizin, zu kognitiven Einschränkungen und zu hospitalisierten Kindern und Jugendlichen.

3. Was noch unklar ist

Viele der zusammengefassten Studien sind klein. Kleine Studien sind Hinweise, keine Beweise — und oft der Anlass, aus dem später eine größere Untersuchung entsteht. Die Vergleichsbedingungen sind sehr unterschiedlich: Manche vergleichen mit einer Warteliste, andere mit der üblichen Versorgung, wieder andere mit einer Beschäftigung mit anderen Gegenständen. Verblindet wird in der Regel nicht — das heißt, die Teilnehmer und die Durchführenden wissen, ob ein Tier dabei ist. Bei einem lebenden Tier ist das kaum anders möglich. Ein zweiter Punkt betrifft die Namen. Übersichtsarbeiten mitteln über Tierart, Zielgruppe, Kontaktdauer und Vergleichsbedingung hinweg. Die meistzitierte Arbeit, die dem Feld zugerechnet wird, ist eine Übersichtsarbeit zu frühkindlichen Autismus-Interventionen mit 6.240 Teilnehmern; ihr Titel nennt keine tiergestützten Verfahren 1. Zitationszahlen zeigen also, wie sichtbar ein Thema ist, nicht wie gut ein Verfahren geprüft wurde. Bisher nur eine Vermutung: Ein Teil der Unterschiede zwischen den Studien geht auf Tierart, Dauer und Begleitung zurück und nicht auf die Anwesenheit des Tieres.

4. Was das im Alltag bedeutet

Wer sich über tiergestützte Therapie informieren will, trifft auf einen Sammelbegriff. Hinter demselben Namen stehen ein Hund auf einer Demenzstation, ein Pferd in einem festen Programm und ein Robotertier im Pflegeheim. Aussagen über die tiergestützte Therapie als Ganzes sind deshalb Aussagen über ein Bündel sehr verschiedener Angebote. Hilfreich ist die Frage, was in einer Untersuchung genau verglichen wurde. Übersichten und randomisierte Studien mit klar beschriebener Vergleichsbedingung tragen am meisten. Ranglisten und Zitationsspitzen sagen dagegen wenig über die Belastbarkeit aus. Zu klären wäre zuerst ein Mindestbericht: Welche Angaben — Tierart, Kontaktdauer, Ablauf, Begleitung, Ziel und Vergleichsbedingung — müsste jede Studie enthalten, damit Ergebnisse zusammenfassbar werden? Zweitens die Frage, wie sich ein Vergleich ohne Tier gestalten lässt, bei dem Zuwendung und Erwartung vergleichbar bleiben. Drittens, ob beobachtete Veränderungen über die Sitzung hinaus bestehen bleiben.

Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Tiergestützte Therapie. Für Kinder: Tiergestützte Therapie für Kinder.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen tiergestützter Therapie und tiergestützter Aktivität?

Bei der tiergestützten Therapie gibt es ein persönliches Ziel für den einzelnen Menschen. Bei der tiergestützten Aktivität steht der Kontakt mit dem Tier im Vordergrund, ohne dieses Ziel. Wo genau die Grenze liegt, wird nicht einheitlich gehandhabt, und viele Übersichten fassen beide Formen zusammen.

Werden in der Forschung Hunde und Pferde gleich behandelt?

Nein. Unter demselben Namen laufen Hunde, Pferde in festen Programmen und Robotertiere. Übersichtsarbeiten fassen diese sehr verschiedenen Angebote oft zusammen und bilden dann einen Durchschnitt über Tierart, Zielgruppe und Dauer des Kontakts.

Warum werden in Studien auch Robotertiere eingesetzt?

Ein Robotertier dient als Vergleich zum lebenden Tier. Damit lässt sich prüfen, ob ein beobachteter Unterschied am Tier selbst liegt oder an der Zuwendung und der Erwartung, die mit dem Kontakt verbunden sind. Ein solcher Vergleich wurde in einer vielzitierten Arbeit geprüft.

Quellen

  1. 1
    Sandbank M, Bottema-Beutel K, Crowley S, Cassidy M, Dunham K, Feldman JI et al. · 2020
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
    Gaudet LA, Elliott SA, Ali S, Kammerer E, Stauffer B, Felkar B et al. · 2022
  7. 7
    Ribeiro CDPV, Alves JB, Kominami PA, Takeshita EM, Bezerra ACB, Massignan C · 2023
  8. 8
    Peraile-Huerta AM, Jiménez-López E, Díaz-Goñi V, Martins-de-Passos TO, Peral-Martínez F, Herráiz-Garrote S et al. · 2026
  9. 9
  10. 10
    Hawkins EL, Hawkins RD, Dennis M, Williams JM, Lawrie SM · 2019

Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.

International Health Research · https://ih-research.com/wissen/tiergestuetzte-therapie/einfach/ · Stand: 2026-10-04