Streptokokkinum (Nosode nach Tilch) einfach erklärt
Streptokokkinum ist eine homöopathische Nosode aus Streptokokken. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dazu bekannt ist und welche Fragen noch offen sind.
1. Worum es geht
Streptokokkinum ist eine Nosode. Eine Nosode ist ein homöopathisches Mittel, das aus einem Krankheitserreger hergestellt wird. Bei Streptokokkinum sind das Streptokokken der Gruppe A, also Bakterien, die eine Rachen- oder Mandelentzündung auslösen können. Bekannt geworden ist das Mittel durch Dr. Andreas Tilch. Er verwendet eine eigene, besonders intensiv verriebene Grundsubstanz und ungewöhnliche Verdünnungsstufen. Nach seiner Beschreibung wirkt das Mittel auf einen Zustand, den er „Urangst-Modus“ nennt: ein unbewusstes Gefühl von Getrenntsein und innerem Überlebenskampf. Als Anwendungen nennt er Ängste, über Generationen und vor der Geburt weitergegebene Traumata sowie eine Neigung zu Infekten. Klassisch wird das Mittel bei wiederkehrenden Streptokokken-Infekten eingesetzt, etwa bei Mandel- oder Rachenentzündungen. Tilch stützt sich auf seine Beobachtungen aus nach eigenen Angaben über tausend Fällen, die er in zwei Büchern beschrieben hat.
2. Was Untersuchungen zeigen
Zu Streptokokkinum selbst gibt es noch keine Untersuchung am Menschen. Was bekannt ist, kommt aus der Forschung zu verwandten Fragen. Diese Arbeiten zeigen etwas über das Umfeld, nicht über das Mittel selbst.
Am nächsten kommt dem Anliegen eine randomisierte, doppelblinde Pilotstudie mit 62 Menschen mit einer generalisierten Angststörung. Randomisiert heißt: Der Zufall entscheidet, wer welches Mittel bekommt. Doppelblind heißt: Weder Teilnehmer noch Behandler wissen, wer welches Mittel erhält. Alle bekamen zusätzlich eine psychologische Beratung. Nach drei Monaten war die Angst in der Gruppe mit den homöopathischen Mitteln auf der Hamilton-Angst-Skala deutlicher zurückgegangen als unter Placebo; auf dem Fragebogen GAD-7 war kein klarer Unterschied zu sehen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die Autoren bezeichnen ihre eigene Arbeit als Pilotstudie, die prüfen sollte, ob eine größere Untersuchung machbar ist 3. Diese Studie untersuchte homöopathische Mittel bei Angststörungen, nicht Streptokokkinum.
Mehrere Übersichtsarbeiten ordnen die Homöopathie als begleitende Methode ein. Eine systematische Übersicht über 33 randomisierte Studien bei chronischer Nierenerkrankung führt sie neben Traditioneller Chinesischer Medizin und Ayurveda als untersuchtes Verfahren 1. Übersichten zur integrativen Onkologie in Frankreich 6 und zu komplementären Verfahren in der Krebstherapie 4 beschreiben sie als nebenwirkungsarme Ergänzung. Diese Arbeiten messen die Homöopathie an bestimmten Krankheitsbildern, nicht an Streptokokkinum.
Eine weitere Übersicht beschäftigt sich mit dem Placebo-Effekt, also mit Besserungen, die durch Erwartung, die Behandlungssituation und frühere Erfahrungen entstehen. Solche Effekte sind messbare Vorgänge im Körper. Die Autoren betonen zugleich, dass sich eine Besserung nicht allein darauf zurückführen lässt, weil auch der natürliche Verlauf und die Begleitbehandlung mitwirken 2.
Eine offene Verlaufsstudie an mehreren Zentren zum homöopathischen Mittel Acorus calamus 7 misst ein bislang wenig geprüftes Arzneimittel an den Beschwerdeprofilen der Teilnehmer. Auf ein bakterielles Nosodenpräparat lässt sich das nicht übertragen.
3. Was noch unklar ist
Zur Nosode selbst liegen keine Untersuchungen am Menschen vor, und die kontrollierte Prüfung steht noch aus. Offen ist zuerst, mit welchem Aufbau sich die beschriebene Wirkung überhaupt messen lässt.
Unabhängig gesammelte Verläufe gibt es nicht: keine Berichte aus Foren und Blogs. Die einzige Erfahrungsgrundlage sind die Fallbeobachtungen des Begründers. Solche Beobachtungen sind Erfahrungen und keine Studienergebnisse; sie sagen nichts darüber, welchen Anteil der natürliche Verlauf, eine Begleitbehandlung oder die Erwartung am berichteten Verlauf haben.
Die verwandten Arbeiten fallen gemischt aus. In einer internationalen randomisierten Studie mit 344 Überlebenden einer kritischen Erkrankung veränderte eine gezielte Intervention gegen traumatische Belastung die Traumafolgen nach sechs Monaten nicht 5. Dauer, unerwünschte Ereignisse und Widersprüche lassen sich aus den vorliegenden Angaben nicht herauslesen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer über Streptokokkinum liest, stößt auf eine junge Anwendung mit einer Besonderheit: Untersucht ist bisher das Umfeld, nicht das Mittel. Die Hinweise zu homöopathischen Mitteln bei Angst und die Einordnung in Übersichtsarbeiten betreffen andere Mittel und andere Krankheitsbilder. Sie sind deshalb kein Beleg für Streptokokkinum, sondern eine Spur, die eine eigene Prüfung nötig macht.
Ein zweiter Punkt ist die Behandlungssituation selbst. Erwartung, Zuwendung und die Beziehung zwischen Behandelnden und Behandelten können das Erleben verändern. Das erklärt nicht jede Besserung, gehört aber in jede spätere Messung.
Klären würde die Frage eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie am Menschen. Sinnvoll wären Teilnehmer mit wiederkehrenden Streptokokken-Infekten des Rachens oder der Mandeln und mit ausgeprägter Angst-Symptomatik, wobei Angst und Infekte getrennt erhoben werden. Die Beobachtung sollte mindestens drei Monate dauern, und die Auswertung unabhängig von Hersteller und Behandler erfolgen. Offen bleibt, ob zuerst die Wirkung insgesamt oder der Beitrag der einzelnen Verdünnungsstufen zu messen ist.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Streptokokkinum (Nosode nach Tilch). Für Kinder: Streptokokkinum (Nosode nach Tilch) für Kinder.
Häufige Fragen
Was ist eine Nosode?
Eine Nosode ist ein homöopathisches Mittel, das aus einem Krankheitserreger hergestellt wird. Bei Streptokokkinum sind das Streptokokken der Gruppe A. Diese Bakterien können Rachen- oder Mandelentzündungen auslösen.
Gibt es Untersuchungen zu Streptokokkinum?
Zu dem Mittel selbst gibt es bisher keine Untersuchung am Menschen. Die Grundlage sind die Fallbeobachtungen von Dr. Andreas Tilch aus nach eigenen Angaben über tausend Fällen und zwei Bücher. Solche Beobachtungen sind Erfahrungen, keine Studienergebnisse.
Was zeigen die Studien aus dem Umfeld?
In einer Untersuchung mit 62 Menschen mit Angststörung ging die Angst unter homöopathischen Mitteln auf einer Skala deutlicher zurück als unter Placebo, auf einem Fragebogen zeigte sich kein klarer Unterschied 3. Eine Studie mit 344 Überlebenden einer schweren Erkrankung fand bei den Traumafolgen nach sechs Monaten keinen Unterschied 5. Beide Arbeiten untersuchten andere Behandlungen und andere Beschwerden.
Was würde die offene Frage klären?
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie am Menschen steht noch aus. Randomisiert heißt, der Zufall bestimmt die Gruppeneinteilung; doppelblind heißt, weder Teilnehmer noch Behandler wissen, wer das Mittel und wer ein Placebo erhält. Sinnvoll wären Menschen mit wiederkehrenden Streptokokken-Infekten und ausgeprägter Angst-Symptomatik.
Quellen
- 1Teo WY, Chu SWF, Chow LY, Yeam CT, Low LL, Quah JHM et al. · 2022
- 2Tzigkounakis G, Simati K, Georgiadis K · 2025
- 3Parewa M, Burman AS, Brahma A, Rutten L, Sadhukhan S, Misra P et al. · 2021
- 4Wali AF, Talath S, Alaani NN, Mohamed OI, Alhamadani TH · 2026
- 5Drop DLQ, Vlake JH, van Bommel J, Wils EJ, Hilling DE, Korevaar TIM et al. · 2026
- 6Mastroianni B, Forissier V, Bagot JL · 2026
- 7Azis SP, Sehgal C, Chakraborty PS, Pradhan PK, Kumari P, Savera KK et al. · 2026
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