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Melatonin einfach erklärt

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus mitsteuert.

Stand:

1. Was ist Melatonin?

Melatonin ist ein Hormon, das der Körper selbst bildet. Es wird in der Zirbeldrüse im Gehirn hergestellt und hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu steuern. Die Menge im Körper schwankt im Tagesverlauf: In der Dunkelheit ist sie höher. Melatonin kommt auch bei vielen Tieren und in geringen Mengen in manchen Pflanzen und Lebensmitteln vor. Als Präparat wird es eingenommen, wenn der Schlaf-Wach-Rhythmus zeitlich verschoben ist.

2. Wo steckt es drin, woraus wird es gewonnen?

Melatonin steckt in geringen Mengen in manchen Lebensmitteln. Für Präparate wird es überwiegend künstlich hergestellt. Es gibt sofort freisetzende und verzögert freisetzende Formen. Auch Zubereitungen, die unter der Zunge zergehen, wurden geprüft. Manche Präparate enthalten zusätzlich andere Stoffe.

3. Was bringt Melatonin? Das zeigt die Forschung

GebietStand der ForschungStudien
Schlaf und Einschlafenmehrere Hinweise84
Kinder und Jugendlichegut untersucht, meist positiv12
Delir und Verwirrtheitszustände im Krankenhausnoch unklar14
Migräne und Kopfschmerzmehrere Hinweise4
Zeitverschiebung nach Flugreisen (Jetlag)erste Hinweise2
Schicht- und Nachtarbeiterste Hinweise1
Verschobener Schlaf-Wach-Rhythmuserste Hinweise4
Weitere Untersuchungengut untersucht, meist positiv191

Schlaf und Einschlafen

Viele Studien zeigen, dass Melatonin den Schlaf verbessern kann. Bei verschiedenen Erkrankungen war die Schlafqualität unter Melatonin besser als unter Placebo (Scheinmittel) 161823. Auch bei Patienten auf der Intensivstation 5 und bei chronischen Muskel- und Knochenschmerzen 10 besserte sich der Schlaf. Nach Operationen zeigte sich dagegen kein Unterschied 101415. Bei gesunden Erwachsenen mit schlechtem Schlaf verbesserte eine verzögert freisetzende Form die Schlafeffizienz und verkürzte die Einschlafzeit 39.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern mit Zerebralparese verkürzte Melatonin die Einschlafzeit und verlängerte die Schlafdauer 28. Bei Kindern mit chronischer Einschlafstörung verkürzte Melatonin die Einschlafzeit und verbesserte die Schlafeffizienz, verlängerte aber die Wachzeit in der Nacht 33. Bei Kindern mit Autismus besserte Melatonin die Schlafstörungen 9. Bei gesunden Kindern mit Einschlafproblemen verkürzten Melatonin und Lichttherapie die Einschlafzeit stärker als psychologische Verfahren 21.

Delir und Verwirrtheitszustände im Krankenhaus

Bei Erwachsenen im Krankenhaus ist der Nutzen zur Vorbeugung von Verwirrtheitszuständen unklar. Mehrere Studien fanden keinen Unterschied zu Placebo 27293032. Einige Übersichtsarbeiten berichteten ein geringeres Risiko bei Intensivpatienten 56, andere fanden keinen Unterschied 18. Die Dauer des Verwirrtheitszustands blieb in einer Übersicht ohne Unterschied 6. Die Studien unterscheiden sich in Form, Dosis, Einnahmezeitpunkt und Dauer.

Migräne und Kopfschmerz

Bei Erwachsenen mit Migräne fanden zwei Übersichtsarbeiten weniger Kopfschmerztage und eine höhere Ansprechrate unter Melatonin als unter Placebo 413. In einer Übersicht schnitt sofort freisetzendes Melatonin zur Schlafenszeit am besten ab 4. Auch Dauer und Stärke der Anfälle, Schmerzmittelverbrauch und Beeinträchtigung besserten sich gegenüber Placebo 13. Als Zusatz zu einem anderen Migränemittel senkte Melatonin in einer Studie Häufigkeit und Dauer der Anfälle stärker als ein Scheinmittel 36.

Zeitverschiebung nach Flugreisen (Jetlag)

Eine Übersicht fand, dass Melatonin kurz vor der Schlafenszeit am Zielort den Jetlag nach Flügen über mehrere Zeitzonen verringerte 26. Ein verzögert freisetzendes Präparat wirkte kaum. Am falschen Tageszeitpunkt eingenommen kann Melatonin die Anpassung verzögern 26. Die Beweiskraft ist gering, weil der Befund auf Übersichten beruht und Dosis, Einnahmezeitpunkt und Dauer nicht einheitlich sind.

Schicht- und Nachtarbeit

Bei übergewichtigen Pflegekräften im Nachtdienst, die Melatonin in ihren freien Nächten nahmen, verringerte sich die Verschiebung des inneren Rhythmus stärker als unter Placebo 46. Gewicht und Taillenumfang sanken nur bei Frühtypen mit starker Rhythmusverschiebung 46. Eine zweite Auswertung derselben Studie fand keinen Unterschied bei Energieaufnahme und Essenszeiten 45. Die Beweiskraft ist gering, weil beide Auswertungen auf derselben kleinen Studie beruhen.

Verschobener Schlaf-Wach-Rhythmus

Bei Erwachsenen mit ADHS und verzögertem Schlaf-Wach-Rhythmus verlegte niedrig dosiertes Melatonin den abendlichen Melatonin-Beginn nach vorn 42. Die Schlafzeiten verschoben sich in einer Auswertung derselben Studie jedoch nicht mit 43. Übersichtsarbeiten beschreiben eine bessere Ausrichtung des inneren Rhythmus durch Melatonin 47. Bei Alzheimer-Demenz bleibt die Regulation unklar 48. Die Beweiskraft ist gering, da nur eine kontrollierte Studie (mit Vergleichsgruppe) vorliegt.

Weitere Untersuchungen

Melatonin verbesserte die Lebensqualität bei Herzschwäche und bei Brustkrebs unter Antihormontherapie 3135. Auch bei Alzheimer-Demenz fand eine Übersicht dies 24. Angst- und Depressionswerte besserten sich unter Melatonin, unter anderem bei Parkinson, bei Frauen mit dem Hormonleiden PCOS und bei Menschen in Methadon-Behandlung 384041. Mehrere Studien fanden Verbesserungen von Blutzucker- und Entzündungswerten sowie von oxidativem Stress 121720. Keinen Unterschied zu Placebo fanden Studien zur Erschöpfung bei Brustkrebs-Bestrahlung, zu Hirnschädigungsmarkern nach Hirnverletzung und zur Gefäßfunktion bei Gesunden 343744.

4. Wie wurde Melatonin in den Studien eingenommen?

In den Studien wurde Melatonin meist als Tablette oder Kapsel eingenommen. Manchmal waren es verzögert freisetzende oder sublinguale Zubereitungen. Viele Studien nennen die Freisetzungsart nicht. Einige Studien prüften Melatonin zusammen mit anderen Stoffen, etwa mit Zink und Multivitaminen. Solche Ergebnisse gelten für die Mischung, nicht für Melatonin allein. Form, Dosis, Einnahmezeitpunkt und Dauer unterscheiden sich zwischen den Studien.

5. Ist Melatonin sicher? Nebenwirkungen in den Studien

Melatonin kann müde machen, besonders am Morgen. In einer Übersicht machte Melatonin seltener schläfrig als das Migränemittel Amitriptylin 13. Bei Kindern mit Autismus wurde unter Melatonin morgendliche Schläfrigkeit als Nebenwirkung berichtet 9. Eine Übersicht zu hohen Dosen nennt verminderte Insulinfreisetzung, Unterdrückung des Eisprungs und verminderte Aufmerksamkeit 22. Bei Intensivpatienten traten nicht mehr unerwünschte Ereignisse auf 5. Einzelne Fallberichte deuten auf Risiken bei Epilepsie und bei Einnahme des Blutverdünners Warfarin hin 26.

Alle Einzelheiten mit Tabellen und Quellen: ausführliche Fachseite zu Melatonin

Häufige Fragen

Was bringt Melatonin bei Schlaf und Einschlafen? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: mehrere Hinweise. Dazu gibt es 84 Studien am Menschen. Belege: 2357

Was bringt Melatonin bei Kinder und Jugendliche? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: gut untersucht, meist positiv. Dazu gibt es 12 Studien am Menschen. Belege: 9192125

Was bringt Melatonin bei Delir und Verwirrtheitszustände im Krankenhaus? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: noch unklar. Dazu gibt es 14 Studien am Menschen. Belege: 1568

Was bringt Melatonin bei Migräne und Kopfschmerz? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: mehrere Hinweise. Dazu gibt es 4 Studien am Menschen. Belege: 4111336

Was bringt Melatonin bei Zeitverschiebung nach Flugreisen (Jetlag)? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: erste Hinweise. Dazu gibt es 2 Studien am Menschen. Belege: 2647

Was bringt Melatonin bei Schicht- und Nachtarbeit? Das zeigen die Studien

Stand der Forschung: erste Hinweise. Dazu gibt es eine Studie am Menschen. Belege: 46

Quellen

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International Health Research · https://ih-research.com/wissen/melatonin/einfach/ · Stand: 2026-10-15