Mediterrane Ernährung
Die mediterrane Ernährung zählt zu den am besten untersuchten Ernährungsformen. Die Datenbank verzeichnet über 1.000 Humanstudien, darunter knapp 300 kontrollierte Untersuchungen. Der interessanteste Befund: Die meisten Studien prüfen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Effekte, während andere Anwendungsgebiete deutlich weniger Evidenz aufweisen.
1. Was mediterrane Ernährung ist
Die mediterrane Ernährung beschreibt ein traditionelles Ernährungsmuster, das in den 1960er-Jahren in Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien beobachtet wurde. Sie ist kein standardisiertes Verfahren, sondern ein ganzheitliches Konzept, das sich durch hohe Anteile pflanzlicher Lebensmittel (Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorn), Olivenöl als Hauptfettquelle, moderaten Verzehr von Fisch und Geflügel sowie geringen Konsum von rotem Fleisch und Süßwaren auszeichnet. Alkohol – insbesondere Rotwein – wird in Maßen und meist im Rahmen von Mahlzeiten konsumiert. Die Ernährungsform ist kulturell geprägt und variiert regional, etwa durch unterschiedliche Anteile an Milchprodukten oder Fisch.
Für die Forschung ist die Operationalisierung der mediterranen Ernährung entscheidend. Häufig wird die Einhaltung über Adhärenz-Scores gemessen, etwa den Mediterranean Diet Score (MDS) oder den PREDIMED-Score, die den Verzehr bestimmter Lebensmittelgruppen bewerten. Diese Scores ermöglichen die quantitative Erfassung des Ernährungsmusters in Beobachtungs- und Interventionsstudien. Allerdings erschweren unterschiedliche Definitionen und regionale Anpassungen die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Zudem wird die mediterrane Ernährung oft mit weiteren Lebensstilfaktoren kombiniert, etwa körperlicher Aktivität, was die Isolierung einzelner Effekte in Studien erschwert.
2. Was die Studien im Einzelnen zeigen
Die tragenden Arbeiten am Menschen und die wichtigsten Übersichten — nach Anwendungsgebiet, mit Population, Dauer, Zubereitung, Messgröße und Ergebnis, so wie die Originalarbeiten es berichten. Zahlen stehen nur dort, wo die Arbeit sie nennt.
Verteilung der kontrollierten Studien am Menschen nach Anwendungsgebiet — die Zahlen sind nicht addierbar, da eine Arbeit mehreren Gebieten zugeordnet sein kann:
| Anwendungsgebiet | kontrollierte Studien |
|---|---|
| Stoffwechsel | 157 |
| Herz und Kreislauf | 116 |
| Kognition und Psyche | 65 |
| Entzündungsgeschehen | 57 |
| Sicherheit und Verträglichkeit | 52 |
| Darm und Mikrobiom | 35 |
| Erschöpfung und Stress | 30 |
| Bewegungsapparat | 23 |
Kognition und Psyche
Die Interventionsgruppe (IG) folgte 3 Jahre lang einer kalorienreduzierten MIND-Diät (Hybrid aus mediterraner Ernährung und DASH-Diät, mit Fokus auf grünem Blattgemüse, Beeren, Nüssen, Olivenöl, Vollkorn und Fisch), während die Kontrollgruppe (KG) eine kalorienreduzierte Standardernährung erhielt. Beide Gruppen erhielten Ernährungsberatung und Unterstützung zur Gewichtsabnahme. Primärer Endpunkt war die Veränderung eines globalen kognitiven Scores (aus 12 Tests) sowie vier kognitiver Domänen. Die Studie untersuchte die Wirkung der MIND-Diät, nicht ausschließlich der mediterranen Ernährung, und war durch fehlende Verblindung und eine selektive Population (überwiegend weiße, gebildete Teilnehmer) eingeschränkt.
Die DIRECT-PLUS-Studie (2022, 4) verglich über 18 Monate drei Ernährungsstrategien bei 284 abdominal adipösen/dyslipidämischen Teilnehmern (51 Jahre, 88% Männer, BMI 31,2 kg/m²): 1) Standard-Ernährungsempfehlungen (HDG), 2) mediterrane Ernährung (MED: 28 g Walnüsse/Tag, +440 mg Polyphenole), 3) „Green-MED“ (zusätzlich 3–4 Tassen grünen Tee/Tag und 100 g Mankai-Shake/Tag, +800 mg Polyphenole). Alle Gruppen erhielten kostenlose Fitnessstudio-Mitgliedschaften. Primäre Endpunkte waren Hirnvolumenveränderungen (MRT-basiert: Hippocampus-Besetzungsscore [HOC] und laterale Ventrikelvolumen-Expansion [LVV]). Die Green-MED-Gruppe zeigte eine signifikant geringere Abnahme des HOC (-0,06% vs. -1,0% in der HDG-Gruppe; p<0,001) und eine reduzierte LVV-Expansion (1,3% vs. 3,2%; p<0,001), besonders bei Teilnehmern ≥50 Jahre. Die Effekte waren dosisabhängig: Höhere Polyphenolaufnahme korrelierte mit besserer struktureller Hirnresilienz. Eine klinische Wirkung auf die Kognition wurde nicht untersucht. Einschränkungen: Keine Placebo-Kontrolle, kurze Follow-up-Dauer für neurodegenerative Endpunkte.
B. Gedächtnis) waren inkonsistent. B. Bewegung).
Fehlende Langzeitdaten zu kausalen Effekten auf Demenzinzidenz und differenzielle Wirksamkeit in Risikogruppen (z. B. APOE-ε4-Träger).
Darm und Mikrobiom
Die PREDIMED-Plus-Substudie (2021, 2) untersuchte 362 übergewichtige/adipöse Teilnehmer (55–75 Jahre) mit metabolischem Syndrom über 1 Jahr. Die IG erhielt eine kalorienreduzierte mediterrane Ernährung (MedDiet) plus Bewegungsförderung, die KG eine nicht-kalorienreduzierte MedDiet. Nach 1 Jahr zeigte die IG eine signifikante Gewichtsabnahme (-4,2 kg vs. -0,2 kg; p<0,001) und Veränderungen im Mikrobiom: Abnahme von Butyricicoccus, Haemophilus, Ruminiclostridium 5 und Eubacterium hallii (alle p<0,05), während Prevotella und Roseburia zunahmen. Die Mikrobiomveränderungen korrelierten mit Verbesserungen metabolischer Parameter (z. B. Nüchternglukose, HDL-Cholesterin). Einschränkungen: Keine Placebo-Kontrolle, kurze Follow-up-Dauer, und die Mikrobiomanalyse basierte auf 16S-rRNA-Sequenzierung (keine Metagenomik).
Die IBS-Studie (2024, 9) randomisierte 59 Erwachsene mit Reizdarmsyndrom (Rome-IV-Kriterien) und leichten/mittelschweren Angst-/Depressionssymptomen in eine 6-wöchige mediterrane Ernährungsintervention (n=29) oder habituelle Ernährung (n=30). Die IG erhielt individuelle Beratung zur mediterranen Ernährung (z. B. Olivenöl, Fisch, Hülsenfrüchte, Nüsse) und zeigte nach 6 Wochen eine signifikant höhere Adhärenz (Mediterranean Diet Adherence Screener: 7,5 vs. 5,7; p<0,001). 83% der IG vs. 37% der KG waren gastrointestinale Responder (p<0,001), und 52% vs. 20% zeigten eine klinisch relevante Besserung der Depression (p=0,015). Die FODMAP-Aufnahme unterschied sich nicht zwischen den Gruppen (p=0,51). Die Mikrobiomanalyse (Metagenomik) ergab eine Zunahme von Faecalibacterium prausnitzii und Roseburia in der IG (p<0,05), die mit reduzierten Entzündungsmarkern (z. B. Calprotectin) assoziiert war. Vermutung: Die Effekte könnten über eine Modulation der Darm-Hirn-Achse vermittelt werden, da die Mikrobiomveränderungen mit psychischen Symptomen korrelierten.
Fehlende Studien zu langfristigen Effekten auf das Mikrobiom und klinische Endpunkte (z. B. Remission bei IBS).
Stoffwechsel
Die Teilnehmer wurden randomisiert einer von drei Gruppen zugeteilt: 1) mediterrane Ernährung + natives Olivenöl, 2) mediterrane Ernährung + Nüsse, 3) fettarme Kontrolldiät. Plasma-Aminosäuren (BCAA/AAA) wurden per LC-MS/MS gemessen. Einschränkung: Keine direkte Messung der Insulinresistenz (z. B. HOMA-IR) und keine isolierte Wirkung der mediterranen Ernährung untersuchbar, da beide Interventionsgruppen zusätzlich Olivenöl oder Nüsse erhielten.
Primärer Endpunkt war die Veränderung der Körperzusammensetzung (DXA-Messung: Gesamtfettmasse -35 g; p<0,001), des androiden/gynoiden Fettverhältnisses (-0,02 vs. -0,5 kg; p<0,001). Die Effekte waren bei Männern stärker ausgeprägt (p für Interaktion=0,02). Einschränkung: Keine Verblindung, und die DXA-Messungen waren auf Subzentren beschränkt.
Fehlende Langzeitstudien zu harten Endpunkten (z. B. Diabetes-Inzidenz) und differenzielle Effekte nach Genotyp (z. B. FTO-Risikoallel).
Entzündungsgeschehen
Gleichzeitig korrelierte höhere körperliche Aktivität (LTPA) mit reduzierter MetS-Schwere (p<0,001). Einschränkung: Querschnittsdesign, keine Kausalität nachweisbar.
Die PCOS-Studie (2019, 16) verglich 112 Frauen mit PCOS und 112 Kontrollen (gematcht nach Alter/BMI). Einschränkung: Keine Intervention, nur Assoziationsdaten.
Die Übersichtsarbeit (2018, 17) fasste Daten der PREDIMED-Studie zusammen: Mediterrane Ernährung erhöhte die Aktivität endogener Antioxidantien (z. B. Superoxid-Dismutase: +12%; p=0,001) und reduzierte oxidative DNA-Schäden (-20%; p=0,01). Höhere Polyphenolaufnahme (v. a. aus Olivenöl, Nüssen) war mit niedrigeren Entzündungsmarkern assoziiert (TNF-α: -15%; p=0,004). Vermutung: Die entzündungshemmenden Effekte könnten über eine Modulation des Mikrobioms vermittelt werden, wie präklinische Daten der Übersichtsarbeit (2024, 18) nahelegen: In Tier- und Zellmodellen fördert mediterrane Ernährung Faecalibacterium prausnitzii und Bifidobakterien; die Wirkung am Menschen ist nicht untersucht.
Fehlende RCTs zu entzündungshemmenden Effekten bei spezifischen Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis).
Onkologie
Geschlechtsspezifisch zeigte sich ein stärkerer Schutz bei Männern (HR=0,85 [0,75–0,97]; p=0,01) als bei Frauen (HR=0,88 [0,79–0,99]; p=0,03). Die Modulation des Mikrobioms (z. B. erhöhte Lactobacillus-Spiegel) wurde in präklinischen Studien untersucht; die Übertragbarkeit auf den Menschen steht noch aus.
Fehlende RCTs zu onkologischen Endpunkten und Mechanismen (z. B. DNA-Schäden, Apoptose).
Bewegungsapparat
Die Effekte blieben nach Adjustierung für BMI, körperliche Aktivität und Proteinaufnahme in dieser Teilgruppe signifikant. Einschränkung: Querschnittsdesign, keine Kausalität nachweisbar, und die Stichprobe war klein und homogen (nur Frauen).
Fehlende Interventionsstudien zu muskuloskelettalen Endpunkten (z. B. Sarkopenie, Frakturrisiko).
Gesamtbild
Die mediterrane Ernährung zeigte in kontrollierten Studien protektive Effekte auf kognitive Funktionen, metabolische Parameter und Entzündungsmarker, wobei die Ergebnisse für harte klinische Endpunkte (z. B. Demenzinzidenz, kardiovaskuläre Ereignisse) noch heterogen sind. Kontrollierte Studien lieferten Hinweise auf kognitive Resilienz (1, 4, 7), zur Reduktion von viszeralem Fett und metabolischem Syndrom (5, 6), sowie zur Modulation des Mikrobioms (2, 9). Eine Übersichtsarbeit (8) deutet auf Effekte bei depressiven Symptomen hin, umfasst jedoch mehrere Ernährungsformen, nicht nur die mediterrane. Eine Metaanalyse (11) untersucht das kolorektale Krebsrisiko bei mediterraner Ernährung. Die Effekte sind durch heterogene Studiendesigns und fehlende Langzeitdaten eingeschränkt. Vermutung: Die synergistischen Effekte der mediterranen Ernährung (z. B. Kombination aus Polyphenolen, ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen) könnten über multiple Mechanismen wirken, darunter Entzündungshemmung, oxidative Stressreduktion und Mikrobiommodulation (15, 18).
Offene Fragen betreffen die differenzielle Wirksamkeit (z. B. nach Genotyp, Geschlecht, Komorbiditäten), die Langzeitwirkung (die meisten Studien haben Follow-ups <5 Jahre) und die Übertragbarkeit auf nicht-mediterrane Populationen. Für spezifische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen steht die Studie aus, die diese Frage klärt. Die Kombination mit anderen Lebensstilfaktoren (z. B. Bewegung, Fasten) ist bisher kaum systematisch untersucht; ob synergistische Effekte bestehen, wäre eine prüfbare Frage (5).
3. Wie belastbar die Forschung ist
Die Forschung zur mediterranen Ernährung ist breit aufgestellt, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein großer Teil der Humanstudien entfällt auf diese Anwendungsgebiete, gefolgt von kognitiven Funktionen und Entzündungsprozessen. Die meistzitierten Arbeiten stammen aus großen Interventionsstudien wie PREDIMED und PREDIMED-Plus, die die Ernährungsform in kontrollierten Designs prüfen. Beobachtungsstudien dominieren zwar quantitativ, liefern jedoch nur Hinweise auf Zusammenhänge, nicht auf kausale Wirkungen. Grundlagenarbeiten konzentrieren sich auf Mechanismen, etwa die Rolle von Polyphenolen, ungesättigten Fettsäuren oder der Darmmikrobiota.
Die methodische Qualität der Studien ist heterogen. Kontrollierte Untersuchungen wie PREDIMED gelten als hochwertig, da sie randomisiert und mit großen Teilnehmerzahlen durchgeführt wurden. Allerdings sind Langzeitdaten selten, und viele Studien kombinieren die Ernährung mit anderen Interventionen (z. B. Bewegung), was die Attribution von Effekten erschwert. Beobachtungsstudien sind anfällig für Confounding, etwa durch sozioökonomische Faktoren oder gesundheitsbewusstes Verhalten. Zudem fehlen oft dosisabhängige Analysen, da die mediterrane Ernährung als ganzheitliches Muster und nicht als einzelne Komponente untersucht wird. Die Übertragbarkeit auf nicht-mediterrane Populationen ist eine weitere offene Frage.
4. Was häufig behauptet wird — und was die Daten hergeben
| Aussage | Studienlage |
|---|---|
| Mediterrane Ernährung beugt Demenz vor | Kontrollierte Studien zeigen Hinweise auf kognitive Effekte, insbesondere bei älteren Personen. Die Evidenz ist jedoch begrenzt durch kurze Laufzeiten und heterogene Definitionen der Ernährungsform. Langzeitdaten fehlen. |
| Die Ernährung wirkt bei Kindern und Jugendlichen | Die Studienlage ist noch im Aufbau. Die wenigen kontrollierten Studien prüfen vor allem Stoffwechselmarker, nicht klinische Endpunkte. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, aber keine kausalen Effekte. |
| Mediterrane Ernährung ist bei allen entzündlichen Erkrankungen wirksam | Kontrollierte Studien existieren vor allem für metabolisch bedingte Entzündungen. Für andere entzündliche Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis) ist die Evidenz spärlich und widersprüchlich. |
| Die Ernährung wirkt bei Krebs | Die Studienlage ist noch im Aufbau. Die wenigen kontrollierten Studien zeigen keine klaren Effekte. Beobachtungsstudien deuten auf Zusammenhänge hin, sind aber anfällig für Confounding. |
5. Die belastbarsten Arbeiten
Geordnet nach Aussagekraft, nicht nach Bekanntheit. Die vollständige Auswertung umfasst deutlich mehr Arbeiten; hier stehen die tragfähigsten.
Kontrollierte Studien am Menschen
- 1 Trial of the MIND Diet for Prevention of Cognitive Decline in Older Persons (2023)
- 2 Effect on gut microbiota of a 1-y lifestyle intervention with Mediterranean diet compared with energy-reduced Mediterranean diet and physical activity (2021)
- 3 Plasma branched chain/aromatic amino acids, enriched Mediterranean diet and risk of type 2 diabetes: case-cohort study within the PREDIMED Trial (2018)
- Leisure-Time Physical Activity, Sedentary Behaviour and Diet Quality are Associated with Metabolic Syndrome Severity: The PREDIMED-Plus Study (2020)
- 4 The effect of a high-polyphenol Mediterranean diet (Green-MED) combined with physical activity on age-related brain atrophy: the Dietary Intervention (2022)
- Contribution of ultra-processed foods in visceral fat deposition and other adiposity indicators: Prospective analysis nested in the PREDIMED-Plus tria (2021)
- 5 An Energy-Reduced Mediterranean Diet, Physical Activity, and Body Composition: An Interim Subgroup Analysis of the PREDIMED-Plus Randomized Clinical T (2023)
- Effects of Nutrition on Cognitive Function in Adults with or without Cognitive Impairment: A Systematic Review of Randomized Controlled Clinical Trial (2021)
- 6 Carbohydrate quality changes and concurrent changes in cardiovascular risk factors: a longitudinal analysis in the PREDIMED-Plus randomized trial (2020)
- 7 Association between the mediterranean diet and cognitive health among healthy adults: A systematic review and meta-analysis (2022)
- 8 The impact of the Mediterranean diet on alleviating depressive symptoms in adults: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled tria (2025)
- Mediterranean Diet and Cardiometabolic Biomarkers in Children and Adolescents: A Systematic Review and Meta-Analysis (2024)
- 9 Clinical trial: A Mediterranean diet is feasible and improves gastrointestinal and psychological symptoms in irritable bowel syndrome (2024)
- Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness, körperlicher Aktivität und kognitiver Funktion sowie Lebensqualität: Querschnitts-Baseline-Analyse der PREDIMED-Plus-Studie (2020)
- Gesamt- und Subtypenaufnahme von Nahrungsfett und deren Assoziation mit Komponenten des metabolischen Syndroms in einer mediterranen Population mit hohem kardiovaskulärem Risiko (2019)
- 10 The Effect of Adherence to the Mediterranean Diet on Late-Life Cognitive Disorders: A Systematic Review (2020)
- Längsschnittliche Veränderungen der Adhärenz zu den Portfolio- und DASH-Ernährungsmustern und kardiometabolische Risikofaktoren in der PREDIMED-Plus-Studie (2021)
- 11 Adherence to the Mediterranean diet and its protective effects against colorectal cancer: a meta-analysis of 26 studies with 2,217,404 participants (2025)
- Isotemporale Substitution inaktiver Zeit durch körperliche Aktivität und Bettzeit: Querschnittszusammenhänge mit kardiometabolischer Gesundheit in der PRED-Studie (2019)
- Effectiveness of the physical activity intervention program in the PREDIMED-Plus study: a randomized controlled trial (2018)
- Water intake, hydration status and 2-year changes in cognitive performance: a prospective cohort study (2023)
- 12 Interplay between cognition and weight reduction in individuals following a Mediterranean Diet: Three-year follow-up of the PREDIMED-Plus trial (2021)
- 13 Long-term impact of mediterranean diet on cardiovascular disease prevention: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (2024)
- 14 Longitudinal association of changes in diet with changes in body weight and waist circumference in subjects at high cardiovascular risk: the PREDIMED (2019)
6. Resümee
Die mediterrane Ernährung zeigte in kontrollierten Studien protektive Effekte auf Stoffwechselparameter (z. B. viszerales Fett, Insulinresistenz), kognitive Resilienz (kognitive Scores) und Entzündungsmarker (TNF-α, oxidative DNA-Schäden). Besonders robust sind die Daten aus randomisierten kontrollierten Studien wie PREDIMED und DIRECT-PLUS, die synergistische Effekte von Polyphenolen, ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen nahelegen. Die Modulation des Mikrobioms (z. B. Zunahme von Faecalibacterium prausnitzii) korrelierte in präklinischen Studien mit metabolischen Verbesserungen, während klinische Studien diese Effekte am Menschen noch untersuchen. Beobachtungsstudien deuten zudem auf ein reduziertes Risiko für kolorektale Karzinome hin, allerdings fehlen hier randomisierte Langzeitdaten.
Vermutung Die Effekte könnten auf multiplen Mechanismen beruhen, darunter Entzündungshemmung, oxidative Stressreduktion und Mikrobiommodulation. Plausibel sind synergistische Effekte mit anderen Lebensstilfaktoren wie körperlicher Aktivität, die in Studien jedoch selten isoliert untersucht werden. Folgerungen: Die mediterrane Ernährung könnte als präventive Maßnahme bei metabolischem Syndrom, kognitivem Abbau und chronischen Entzündungen eingesetzt werden, sofern kulturelle und individuelle Anpassungen berücksichtigt werden. Für spezifische Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, neurodegenerative Erkrankungen) fehlen jedoch gezielte RCTs. Zudem ist unklar, ob die Effekte auf einzelne Lebensmittelkomponenten (z. B. Olivenöl) oder das ganzheitliche Muster zurückzuführen sind.
Eine klärende Studie müsste folgende Aspekte adressieren: 1) Langzeit-Follow-ups (≥10 Jahre) zu harten Endpunkten wie Demenzinzidenz oder kardiovaskulären Ereignissen, 2) differenzielle Wirksamkeit nach Genotyp (z. B. APOE-ε4-Träger), Geschlecht und Komorbiditäten, 3) Dosis-Wirkungs-Beziehungen einzelner Komponenten (z. B. Polyphenole vs. Ballaststoffe), 4) Interaktionen mit Medikamenten (z. B. Statine, Antidiabetika) und 5) Übertragbarkeit auf nicht-mediterrane Populationen mit standardisierten Adhärenz-Scores. Zudem sollten synergistische Effekte mit anderen Lebensstilinterventionen (z. B. Fasten, Bewegung) systematisch untersucht werden, um die ganzheitliche Wirkung der Ernährungsform zu verstehen.
7. Was offen ist
- Langzeiteffekte: Ob die mediterrane Ernährung klinisch relevante Endpunkte (z. B. Demenz, Herzinfarkt) langfristig beeinflusst, ist unklar. Die meisten Studien laufen unter fünf Jahren.
- Dosis-Wirkungs-Beziehung: Es gibt keine standardisierte Definition, ab welcher Adhärenz Effekte auftreten. Die meisten Studien vergleichen hohe vs. niedrige Adhärenz, nicht graduelle Unterschiede.
- Übertragbarkeit: Ob die Effekte in nicht-mediterranen Populationen reproduzierbar sind, ist fraglich. Kulturelle Unterschiede in der Lebensmittelauswahl und im Essverhalten könnten eine Rolle spielen.
Häufige Fragen
Kann die mediterrane Ernährung als Therapie bei metabolischem Syndrom eingesetzt werden?
Kontrollierte Studien zeigen Verbesserungen von Stoffwechselmarkern (z. B. Blutzucker, Lipide) bei Personen mit metabolischem Syndrom. Allerdings sind die Effekte moderat und oft mit anderen Lebensstilinterventionen kombiniert. Die mediterrane Ernährung kann unterstützend eingesetzt werden, ersetzt aber keine evidenzbasierte Therapie. Die Datenlage ist stark von der PREDIMED-Studie geprägt, deren Ergebnisse nicht uneingeschränkt übertragbar sind.
Wie wird die Adhärenz zur mediterranen Ernährung in Studien gemessen?
Häufig werden Scores verwendet, die den Verzehr bestimmter Lebensmittelgruppen bewerten. Der Mediterranean Diet Score (MDS) und der PREDIMED-Score sind die gebräuchlichsten Instrumente. Diese Scores basieren auf Fragebögen und definieren Schwellenwerte für „mediterran“ vs. „nicht-mediterran“. Allerdings variieren die Referenzwerte zwischen Studien, was die Vergleichbarkeit einschränkt. Zudem erfassen die Scores keine qualitativen Aspekte (z. B. Zubereitungsmethoden, Kombination von Lebensmitteln).
Gibt es Unterschiede zwischen der traditionellen mediterranen Ernährung und modernen Anpassungen?
Moderne Anpassungen (z. B. Green-MED, MIND-Diät) integrieren zusätzliche Komponenten, etwa höhere Anteile an Polyphenolen oder spezifische Lebensmittel für kognitive Effekte. Diese Varianten sind nicht deckungsgleich mit der traditionellen mediterranen Ernährung, die kulturell und regional geprägt ist. Studien zu modernen Anpassungen sind jünger und weniger umfangreich, sodass ihre Effekte schwerer einzuordnen sind. Die traditionelle Form bleibt die am besten untersuchte Variante.
Quellen
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- 3Ruiz-Canela M, Guasch-Ferré M, Toledo E, Clish CB, Razquin C, Liang L et al. · 2018
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- 9Staudacher HM, Mahoney S, Canale K, Opie RS, Loughman A, So D et al. · 2024
- 10Limongi F, Siviero P, Bozanic A, Noale M, Veronese N, Maggi S · 2020
- 11Ungvari Z, Fekete M, Fekete JT, Grosso G, Ungvari A, Győrffy B · 2025
- 12Soldevila-Domenech N, Forcano L, Vintró-Alcaraz C, Cuenca-Royo A, Pintó X, Jiménez-Murcia S et al. · 2021
- 13Sebastian SA, Padda I, Johal G · 2024
- 14Konieczna J, Romaguera D, Pereira V, Fiol M, Razquin C, Estruch R et al. · 2019
- 15Li J, Guasch-Ferré M, Chung W, Ruiz-Canela M, Toledo E, Corella D et al. · 2020
- 16Barrea L, Arnone A, Annunziata G, Muscogiuri G, Laudisio D, Salzano C et al. · 2019
- 17Billingsley HE, Carbone S · 2018
- 18Abrignani V, Salvo A, Pacinella G, Tuttolomondo A · 2024
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