Kinesiotaping einfach erklärt
Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Kinesiotaping ist und was Untersuchungen dazu zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Ausbildung gedacht.
1. Worum es geht
Kinesiotaping ist ein Verfahren, bei dem ein elastisches, selbstklebendes Band auf die Haut geklebt wird. Anders als ein starres Sporttape, das die Bewegung begrenzen soll, gibt das elastische Band der Bewegung nach und hält die Haut in Spannung. Angelegt wird es von geschultem Personal in verschiedenen Formen und mit unterschiedlicher Vorspannung, oft entlang von Muskelverläufen, über Gelenken oder auf Narben- und Ödemgebieten. Das Band bleibt für die Dauer der Anwendung auf der Haut. In den Studien wird es unterschiedlich lange getragen. Zwischen den Arbeiten unterscheiden sich Spannung, Zugrichtung, Länge des Bandes und Zahl der Streifen stark. Das erschwert den Vergleich. Als mögliche Wirkwege werden Reize auf der Haut, eine veränderte Wahrnehmung der Körperposition und eine Entlastung von Strukturen diskutiert. Als reine Stütze ist der mechanische Beitrag begrenzt. Für das Verständnis fast aller Studien ist wichtig, womit verglichen wird. Weil ein aufgeklebtes Band sichtbar ist, lässt es sich kaum verbergen. Die übliche Kontrolle ist deshalb eine Scheinanlage, bei der ein Band ohne oder mit geringer Spannung an derselben Stelle klebt. Ob eine solche Scheinanlage wirklich unwirksam ist, ist umstritten: Wirkt bereits der Hautkontakt, wäre sie kein Placebo, sondern eine zweite Form desselben Reizes.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die Studienlage ist breit: 612 ausgewertete Arbeiten, darunter 364 kontrollierte Studien am Menschen und 20 Übersichtsarbeiten. Es gibt keine Tierversuche und keine Zellkulturarbeiten. Die Ergebnisse sind gemischt. Einige Untersuchungen berichten von Vorteilen, andere nicht. Eine große Übersichtsarbeit von 2019 mit zehn Arbeiten und 627 Teilnehmern untersuchte Kinesiotape bei chronischen Rückenschmerzen. Gegenüber Placebo-Tape fand sie keinen Vorteil bei der Schmerzreduktion, wohl aber bei der Behinderung 1. Eine randomisierte Studie von 2015 an 60 Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen zeigte nach 48 Stunden einen Vorteil gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Intervention, aber nicht gegenüber Placebo-Tape 3. Eine placebokontrollierte Studie von 2016 an 37 Patienten mit schmerzhaften Triggerpunkten im oberen Trapezius berichtete gegenüber Schein-Tape weniger Schmerz und mehr Muskelkraft bis zu einem Monat 5. Eine randomisierte, verblindete Studie von 2016 an 33 gesunden Erwachsenen fand keine Unterschiede bei der Griffkraft und der Muskelaktivität 2. Eine Pilotstudie von 2013 an 18 Teilnehmern mit Knieschmerzen prüfte eine manuelle Behandlung am Becken zusammen mit Kinesiotape und zeigte bessere Werte im Gleichgewichtstest und bei der Kniebeuge-Bewegungsamplitude 4. Eine Metaanalyse von 2019 über 37 randomisierte kontrollierte Studien fand, dass Kinesiotape die Muskelkraft der unteren Extremität bei Personen mit Muskelermüdung und bei chronischen muskuloskelettalen Erkrankungen verbessern kann, nicht aber bei Personen ohne Behinderung 6. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 zu acht Studien mit 187 Schultern fand gemischte Effekte auf das Gelenkpositionsgefühl, mit niedriger Sicherheit der Evidenz 7.
3. Was noch unklar ist
Ein doppelblindes Vorgehen ist kaum möglich, weil sich das Band nicht verbergen lässt. Die Verblindung betrifft meist nur die Messung oder die Auswertung. Ob eine Scheinanlage wirklich inaktiv ist, ist umstritten. Wirkt bereits der Hautkontakt, wäre sie kein Placebo, sondern eine zweite Form desselben Reizes. Anlagetechnik, Tragedauer und Endpunkte sind uneinheitlich, die Nachbeobachtung oft kurz. Laborbefunde zu Kraft oder Gleichgewicht lassen sich nicht als Verlaufsbefund lesen. Viele Studien messen Schmerz und Funktion über Befragung, andere messen Kraft, Sprungkraft, Gleichgewicht oder Muskelaktivität im Labor. Beide liefern unterschiedliche Größenordnungen. Die Formenvielfalt der Anlagen verhindert, dass Ergebnisse sich ohne Weiteres zusammenfassen lassen. Die Wirkung gegenüber der Anlage selbst fällt in scheinkontrollierten Studien uneinheitlich aus. Offen bleibt, ob Kinesiotape bei spezifischen Verletzungen Vorteile gegenüber anderen elastischen Tapes bietet.
4. Was das im Alltag bedeutet
Kinesiotaping ist ein breit untersuchtes Verfahren. Die Studien zeigen kein einheitliches Bild. Einige Untersuchungen berichten von Vorteilen bei Schmerz, Funktion oder Muskelkraft, andere finden keinen Unterschied zu einer Scheinanlage. Die Wirkung scheint von der Personengruppe und der Anwendung abzuhängen. Wer sich für Kinesiotaping interessiert, findet eine Methode, die oft angewendet wird und deren Wirkung gegenüber der Anlage selbst noch nicht geklärt ist. Die Forschung steht noch aus, um zu klären, bei welchen Beschwerden und mit welcher Anlagetechnik ein Vorteil zu erwarten ist. Diese Seite gibt keine Empfehlung und keine Anleitung. Sie fasst zusammen, was Untersuchungen berichten.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Kinesiotaping. Für Kinder: Kinesiotaping für Kinder.
Häufige Fragen
Was ist Kinesiotaping überhaupt?
Kinesiotaping ist ein elastisches, selbstklebendes Band, das auf die Haut geklebt wird. Es gibt der Bewegung nach und hält die Haut in Spannung. Angelegt wird es von geschultem Personal.
Hilft Kinesiotaping bei Rückenschmerzen?
Warum sind die Ergebnisse so unterschiedlich?
Das Band lässt sich nicht verbergen, deshalb ist eine echte Verblindung schwierig. Auch die Anlagetechnik und die Tragedauer unterscheiden sich stark zwischen den Studien. Ob eine Scheinanlage wirklich unwirksam ist, ist umstritten.
Gibt es Nebenwirkungen?
In den vorliegenden Studien werden Nebenwirkungen nicht ausführlich berichtet. Hautreizungen durch das Klebeband sind möglich, werden aber in den hier zusammengefassten Arbeiten nicht systematisch untersucht.
Quellen
- 1Li Y, Yin Y, Jia G, Chen H, Yu L, Wu D · 2019
- 2Cai C, Au IP, An W, Cheung RT, Cheung RT · 2016
- 3Luz Júnior MA, Sousa MV, Neves LA, Cezar AA, Costa LO · 2015
- 4Miller J, Westrick R, Diebal A, Marks C, Gerber JP · 2013
- 5Öztürk G, Külcü DG, Mesci N, Şilte AD, Aydog E · 2016
- 6Yam ML, Yang Z, Zee BC, Chong KC · 2019
- 7Ager AL, de Oliveira FCL, Roy JS, Borms D, Deraedt M, Huyge M et al. · 2023
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