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Kinesiotaping

Kinesiotaping gehört zu den breit untersuchten Verfahren der konservativen Therapie. Kontrollierte Studien am Menschen bilden den größten Teil der Forschung, mit deutlichem Schwerpunkt am Bewegungsapparat. Bemerkenswert ist der Streit um die Vergleichsbedingung: Mehrere sham-kontrollierte Studien finden keinen Vorteil gegenüber einer Placebo-Anlage, andere berichten eine verbesserte Schmerz- und Funktionswahrnehmung.

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1. Was Kinesiotaping ist und wie es angewendet wird

Kinesiotaping ist ein Verfahren, bei dem ein elastisches, selbstklebendes Band auf die Haut aufgebracht wird. Das Band bleibt für die Dauer der Anwendung auf der Haut und wird in den Studien über unterschiedlich lange Zeiträume belassen. Die Anlage erfolgt durch geschultes Personal. Zwischen den Arbeiten unterscheiden sich Spannung, Zugrichtung, Länge des Bandes und Zahl der Streifen erheblich, und das erschwert den Vergleich. Als mögliche Wirkwege werden taktile Reize auf der Haut, eine veränderte Wahrnehmung der Körperposition und eine Entlastung von Strukturen diskutiert; als reine Stütze ist der mechanische Beitrag begrenzt.

Für das Verständnis fast aller Studien entscheidend ist die Vergleichsbedingung. Weil ein aufgeklebtes Band sichtbar ist, lässt es sich kaum verbergen; die übliche Kontrolle ist deshalb eine Sham-Anlage, bei der ein Band ohne oder mit geringer Spannung an derselben Stelle klebt. Ob eine solche Anlage wirklich inaktiv ist, ist selbst umstritten: Wirkt bereits der Hautkontakt, wäre sie kein Placebo, sondern eine zweite Form desselben Reizes. Eine verwandte Frage betrifft die Endpunkte. Viele Studien messen Schmerz und Funktion über Befragung, andere messen Kraft, Sprungkraft, Gleichgewicht oder Muskelaktivität im Labor. Beide liefern unterschiedliche Größenordnungen, und ein Befund am Messgerät ist kein Befund am Verlauf. Hinzu kommt die Formenvielfalt der Anlagen, die verhindert, dass Ergebnisse sich ohne Weiteres zusammenfassen lassen.

2. Was die Studien im Einzelnen zeigen

Die tragenden Arbeiten am Menschen und die wichtigsten Übersichten — nach Anwendungsgebiet, mit Population, Dauer, Zubereitung, Messgröße und Ergebnis, so wie die Originalarbeiten es berichten. Zahlen stehen nur dort, wo die Arbeit sie nennt.

Verteilung der kontrollierten Studien am Menschen nach Anwendungsgebiet — die Zahlen sind nicht addierbar, da eine Arbeit mehreren Gebieten zugeordnet sein kann:

Anwendungsgebietkontrollierte Studien
Bewegungsapparat242
Sicherheit und Verträglichkeit51
Knochen und Gelenke36
Erschöpfung und Stress25
Entzündungsgeschehen16
Haut13
Kognition und Psyche7
Onkologie6

Haut

Die kontrollierte Crossover-Studie von 2013 untersuchte an gesunden Teilnehmern, ob taktile Stimulation durch Kinesiotape die Muskelkraft nach vorangegangener Vibration beeinflusst. Gemessen wurde die exzentrische maximale willkürliche Kontraktion mit und ohne Tape nach Vibrationsstimulation. Die maximale willkürliche Kontraktion und die durchschnittliche Elektromyographie waren in der Tape-Bedingung signifikant größer als ohne Tape 23. Die Autoren führen dies auf eine verstärkte Ia-Afferenz durch Hautreize zurück. Die Studie ist klein und prüft einen neurophysiologischen Mechanismus, nicht die klinische Wirkung bei Verletzungen. Was fehlt, ist die Übertragung auf Patienten mit tatsächlicher Muskelhemmung nach Gelenkverletzungen.

Die Metaanalyse von 2012 wertete zehn Studien aus, die den Effekt von Kinesiotape auf muskuloskelettale Endpunkte bei Sportverletzungen untersuchten. Nur zwei Studien befassten sich mit sportbezogenen Verletzungen (Schulterimpingement), und nur eine davon schloss verletzte Athleten ein 35. Die Autoren betonen, dass die meisten eingeschlossenen Studien gesunde Teilnehmer untersuchten und die Übertragbarkeit auf verletzte Sportler begrenzt ist. Die Evidenz für die Behandlung und Prävention von Sportverletzungen wird als unzureichend beschrieben. Offen bleibt, ob Kinesiotape bei spezifischen Verletzungen Vorteile gegenüber anderen elastischen Tapes bietet.

Eine Querschnittsstudie an 30 gesunden Teilnehmern von 2012 prüfte die isokinetische Knieperformance mit und ohne Kinesiotape über dem Vastus medialis. Gemessen wurden maximales konzentrisches Knie-Extensions- und Flexionsdrehmoment bei 60, 120 und 180°/s, normalisiertes Spitzenmoment, normalisierte Gesamtarbeit und Zeit bis zum Spitzenmoment. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied beim normalisierten Spitzenmoment und der normalisierten Gesamtarbeit zwischen den Tape-Bedingungen und Winkelgeschwindigkeiten. Allerdings war die Zeit bis zum Spitzen-Extensionsmoment mit Tape signifikant kürzer (p = 0,03), mit einer Reduktion von 36–101 ms bei allen drei Winkelgeschwindigkeiten (p < 0,01) 37. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape die Drehmomententwicklung und Gesamtarbeit nicht verändert, aber die Zeit bis zum Spitzenmoment verkürzt. Diese Beobachtung könnte für die Verletzungsprävention und Rehabilitation bei Athleten relevant sein. Die Studie ist auf gesunde Probanden beschränkt; klinische Endpunkte fehlen.

Bewegungsapparat

Eine randomisierte, verblindete Studie von 2016 an 33 gesunden Erwachsenen untersuchte, ob Kinesiotape die Muskelaktivität der Handgelenksextensoren und die maximale Griffkraft beeinflusst. Die Teilnehmer waren unwissend über Kinesiotape; die Anwendung erfolgte unter dem Vorwand, es seien adhäsive Muskelsensoren. Verglichen wurden drei Bedingungen: wahres facilitierendes Tape, inhibitorisches Tape und kein Tape. Es fanden sich keine signifikanten Unterschiede in der maximalen Griffkraft (p = 0,394), der elektromyographischen Aktivität (p = 0,276) und der selbst wahrgenommenen Leistung (p = 0,825) zwischen den Bedingungen 24. Die Autoren schließen, dass die behaupteten facilitierenden und inhibitorischen Effekte von Kinesiotape bei gesunden Erwachsenen nicht nachweisbar sind. Die Studie ist auf die obere Extremität und gesunde Probanden begrenzt.

Eine ebenfalls randomisierte, verblindete kontrollierte Studie von 2015 an 30 gesunden Teilnehmern prüfte, ob Kinesiotape die Muskelperformance des Quadrizeps verbessert. Unter dem Vorwand, adhäsive Muskelsensoren anzubringen, wurden wahres facilitierendes Tape, Schein-Tape und kein Tape verglichen. Gemessen wurden normalisiertes Spitzenmoment, normalisierte Gesamtarbeit und Zeit bis zum Spitzenmoment bei 60°/s und 180°/s. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Bedingungen (p = 0,31–0,99) 25. Die Autoren folgern, dass Kinesiotape die Muskelperformance nicht verbessert und frühere positive Befunde auf Placeboeffekte zurückzuführen sein könnten. Die Studie ist auf gesunde Probanden und kurzfristige Messungen beschränkt.

Eine randomisierte kontrollierte Studie von 2015 an 60 Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen verglich Kinesiotape mit Placebo-Tape und einer Kontrollgruppe ohne Intervention. Die Tape-Gruppen trugen das Tape 48 Stunden. Gemessen wurden Schmerzintensität (11-Punkte-NRS) und Behinderung (24-Item Roland-Morris Disability Questionnaire) zu Baseline, nach 48 Stunden und nach 7 Tagen. Nach 48 Stunden zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen Kinesiotape und Kontrollgruppe (mittlere Differenz = -3,1 Punkte, 95 % CI = -5,2 bis -1,1, p = 0,003), jedoch kein Unterschied im Vergleich zur Placebo-Tape-Gruppe (mittlere Differenz = 1,9) 26. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape nicht besser als Placebo ist. Die Studie ist auf chronische unspezifische Rückenschmerzen begrenzt.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2017 untersuchte die Wirksamkeit von Knie-Taping bei patellofemoralem Schmerzsyndrom (PFPS). Eingeschlossen wurden randomisierte kontrollierte Studien (Level 1 oder 2) mit Teilnehmern jeden Alters mit vorderem Knieschmerz, die nichtchirurgisch mit Taping behandelt wurden. Drei Vergleichsgruppen wurden analysiert: Spannungs-Taping plus Übung versus Placebo-Taping plus Übung, versus Übung allein, versus Taping allein 20. Die Autoren fanden uneinheitliche Ergebnisse und betonen die Notwendigkeit weiterer Forschung, um spezifische Richtlinien zu entwickeln. Die Heterogenität der Studien und die unterschiedlichen Taping-Techniken erschweren eine klare Aussage.

Eine randomisierte Crossover-Pilotstudie von 2013 an 25 Patienten mit zervikaler Dystonie (CD, n = 14) und fokaler Handdystonie (FHD, n = 11) untersuchte die Wirkung von Kinesiotape auf selbstberichteten Schmerz und sensorische Funktionen. Die Patienten erhielten 14 Tage Kinesiotape oder Schein-Tape über Nacken- oder Unterarmmuskeln, nach 30 Tagen Washout folgte die andere Behandlung. Gemessen wurden drei visuelle Analogskalen (üblicher Schmerz, schlimmster Schmerz, Schmerzlinderung), der Toronto Western Spasmodic Torticollis Rating Scale (CD) und der Writer's Cramp Rating Scale (FHD) sowie die somatosensorische zeitliche Diskriminationsschwelle. Kinesiotape führte zu einer Abnahme der subjektiven Schmerzempfindung und einer Veränderung der sensorischen Diskrimination, während Schein-Tape keinen Effekt hatte 30. Die Studie ist klein und als Pilotstudie angelegt; größere kontrollierte Studien stehen noch aus.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 untersuchte, ob Taping zusätzlich zur Physiotherapie die Ergebnisse bei subacromialem Impingementsyndrom verbessert. Eingeschlossen wurden drei randomisierte kontrollierte Studien und eine kontrollierte Studie mit insgesamt 135 Patienten. Die Ergebnisse waren widersprüchlich und schwach bezüglich Schmerz, Behinderung, Bewegungsausmaß und Muskelkraft 21. Die Autoren schließen, dass Taping als Zusatz zu Physiotherapie eine optionale Modalität sein könnte, betonen aber die begrenzte Evidenz. Die Heterogenität der Taping-Techniken und die kleine Stichprobe schränken die Aussagekraft ein.

Eine Pilotstudie von 2013 an 18 Teilnehmern (12 Männer, 6 Frauen, 19,5 ± 1,15 Jahre) mit unilateralem patellofemoralem Schmerzsyndrom verglich die unmittelbaren Effekte von Kinesiotape am Hüftgelenk, lumbopelviner Manipulation und Kontroll-Tape. Gemessen wurden der Y-Balance-Test, die Kniebeuge-Bewegungsamplitude und die Lower Extremity Functional Scale. Die Kinesiotape-Gruppe schnitt signifikant besser ab im Y-Balance-Test (F = 5,59, p = 0,02) und bei der Kniebeuge-Bewegungsamplitude (F = 3,93, p = 0,04) im Vergleich zu Manipulation und Kontrolle. Kinesiotape und lumbopelvine Manipulation waren auch signifikant besser als die Kontrollgruppe (Schein-Tape) bei der doppelbeinigen Kniebeuge-Bewegungsamplitude 3 Tage später. Die Autoren vermuten, dass Kinesiotape die Gluteus-medius-Aktivierung fördern und die posturale Stabilität verbessern könnte. Die Studie ist klein und die Ergebnisse sind vorläufig.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2019 untersuchte die Effekte von Kinesiotape auf Schmerz und Behinderung bei chronischen Rückenschmerzen. Zehn Artikel mit insgesamt 627 Teilnehmern (317 in der Kinesiotape-Gruppe, 310 in der Kontrollgruppe) wurden eingeschlossen. Kinesiotape war nicht überlegen gegenüber Placebo-Tape bei der Schmerzreduktion, weder allein (p = 0,07) noch in Kombination mit Physiotherapie (p = 0,08). Es konnte jedoch die Behinderung signifikant verbessern im Vergleich zu Placebo-Tape (p < 0,05) 1. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape aufgrund der einfachen Anwendung für individuelle Anwendungen in Betracht gezogen werden könnte. Die Heterogenität der Studien und die unterschiedlichen Anwendungsprotokolle bleiben eine Einschränkung.

Eine randomisierte klinische Studie von 2021 an 52 Personen mit Rotatorenmanschetten-assoziierten Schulterschmerzen untersuchte, ob Kinesiotape zusätzlich zu einem 6-wöchigen Rehabilitationsprogramm mit 10 Physiotherapiesitzungen die Symptome und funktionellen Einschränkungen schneller verbessert. Die Kontrollgruppe erhielt keine Kinesiotape-Anwendung. Primärer Endpunkt war der Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH)-Fragebogen; sekundär wurden Brief Pain Inventory (BPI), Western Ontario Rotator Cuff (WORC) Index, akromiohumerale Distanz (AHD) und schmerzfreie Bewegungsamplitude zu Baseline, 3 Wochen, 6 Wochen, 12 Wochen und 6 Monaten gemessen. Es zeigten sich keine signifikanten Gruppe-Zeit-Interaktionen (0,112) 31. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape keine zusätzlichen mittel- und langfristigen Vorteile bringt. Die Studie ist auf Rotatorenmanschetten-assoziierte Schulterschmerzen begrenzt.

Eine placebokontrollierte Studie von 2016 an 37 Patienten mit aktiven myofaszialen Triggerpunkten des oberen Trapezius untersuchte die kurz- und mittelfristigen Effekte von Kinesiotape. Die Patienten wurden randomisiert in eine Kinesiotape-Gruppe und eine Schein-Tape-Gruppe. Gemessen wurden Nackenschmerz (visuelle Analogskala und Druckalgometrie) und Trapezius-Muskelkraft zu Baseline, unmittelbar nach der Anwendung und nach einem Monat. Die mittleren Veränderungen der VAS-Scores unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen zu T2 und T1, mit weniger Schmerz in der Kinesiotape-Gruppe. Die Algometrie-Scores unterschieden sich signifikant zu T3 im Vergleich zu T2 zugunsten der Kinesiotape-Gruppe. Die Trapezius-Muskelkraft unterschied sich signifikant zu T2 im Vergleich zu T1 zugunsten der Kinesiotape-Gruppe 32. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape bei myofaszialem Schmerzsyndrom signifikante Verbesserungen von Schmerz und Muskelkraft zeigt. Die Studie ist klein und die Nachbeobachtung kurz.

Eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie von 2016 an 30 männlichen Patienten (mittleres Alter 28,1 Jahre) nach vorderer Kreuzbandrekonstruktion untersuchte die Effekte von Kinesiotape in der akuten postoperativen Phase. Die experimentelle Gruppe erhielt Kinesiotape mit Muskel- und Lymphkorrekturtechniken, die Kontrollgruppe Schein-Tape. Beide Interventionen wurden zweimal innerhalb von 10 Tagen ab dem vierten postoperativen Tag angewendet. Alle Patienten erhielten dasselbe Rehabilitationsprogramm über drei Monate. Gemessen wurden Bewegungsamplitude, Schmerz, Schwellung und Muskelkraft vor Behandlung sowie am fünften und zehnten Behandlungstag; subjektive Scores (Lysholm, modifizierter Cincinnati, Tegner) im ersten und dritten postoperativen Monat. Die experimentelle Gruppe zeigte signifikante Verbesserungen bei Schwellung um die Patella, allen Schmerzmaßen und Hamstring-Muskelkraft am fünften Tag sowie Kniebeuge-Bewegungsamplitude, Nachtschmerz, allen Schwellungsmaßen und Hamstring-Muskelkraft am zehnten Tag (p < 0,05) 33. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape die frühe postoperative Rehabilitation unterstützen kann. Die Studie ist auf männliche Patienten und die akute Phase begrenzt.

Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt: Kinesiotape plus Lymphdrainage, Lymphdrainage allein, Kinesiotape allein. Die Beurteilung erfolgte an den Tagen 2, 4 und 6 postoperativ. Alle Patienten erhielten zusätzlich Standard-Rehabilitationssitzungen. Beide Einzelbehandlungen waren wirksam bei der Reduktion von Schmerz und Ödem. Die Kombination zeigte eine signifikant höhere Verbesserung bei Schmerz und Beinumfang über und unter dem Knie sowie am Knöchel im Vergleich zu den Einzelbehandlungen. Die Bewegungsamplitude des Knies zeigte keinen Unterschied zwischen den Gruppen 34. Die Autoren schließen, dass die Kombination von Kinesiotape und Lymphdrainage die postoperative Erholung unterstützen kann. Die Studie ist auf die frühe postoperative Phase nach Knieendoprothese begrenzt.

Eine Beobachtungsstudie von 2011 an 31 gesunden inaktiven Erwachsenen (19 Männer, 12 Frauen, mittleres Alter 25,3 ± 3,8 Jahre) untersuchte die Wirkung von elastischem Tape auf die Muskelaktivität und die vertikale Sprungleistung. Die Teilnehmer führten vertikale Sprungtests vor und während der Anwendung von Kinesiotape bzw. eines Placebo-Tapes durch. Die vertikale Bodenreaktionskraft erhöhte sich mit Kinesiotape, während die Sprunghöhe etwa konstant blieb. In der Placebo-Tape-Gruppe verringerte sich die Sprunghöhe, und es gab keinen Unterschied in der vertikalen Bodenreaktionskraft. Die EMG-Aktivität des medialen Gastrocnemius tendierte dazu, in der Kinesiotape-Gruppe zuzunehmen, jedoch ohne signifikante Unterschiede für medialen Gastrocnemius, Tibialis anterior und Soleus in beiden Gruppen 36. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape die Bodenreaktionskraft erhöhen kann, ohne die Sprunghöhe zu verbessern. Die Studie ist auf gesunde inaktive Erwachsene begrenzt.

Eine Beobachtungsstudie von 2014 an 40 Patienten (mittleres Alter 34,8 ± 7,54 Jahre) mit unspezifischen Rückenschmerzen verglich Kinesiotape plus konventionelle Physiotherapie mit konventioneller Physiotherapie allein. Die Interventionen fanden dreimal pro Woche über vier Wochen statt. Gemessen wurden Aktivitäten des täglichen Lebens (Roland-Morris Disability Questionnaire), Schmerzintensität (visuelle Analogskala) und Bewegungsamplitude der Rumpfflexion und -extension (modifizierter Schober-Test). Innerhalb jeder Gruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen bei Schmerz, ADL und Bewegungsamplitude. Zwischen den Gruppen gab es keine signifikanten Unterschiede bei Schmerz, ADL und Rumpfbewegungsamplitude nach der Intervention 39. Die Autoren schließen, dass ein Physiotherapieprogramm mit oder ohne Kinesiotape ähnliche Ergebnisse erzielt. Die Studie ist auf unspezifische Rückenschmerzen begrenzt.

Eine Beobachtungsstudie von 2018 an 45 freiwilligen Patienten (mittleres Alter 48 Jahre) mit neu diagnostizierter lateraler Epicondylitis verglich die kurzfristigen Effekte von Kinesiotape, extrakorporaler Stoßwellentherapie (ESWT) und Physiotherapie. Alle Gruppen erhielten Physiotherapie (Kältepackung, TENS fünfmal pro Woche für insgesamt 15 Sitzungen) und ein Heimübungsprogramm. Die Kinesiotape-Gruppe erhielt zusätzlich fünfmal pro Woche für drei Wochen Kinesiotape; die ESWT-Gruppe erhielt dreimal über drei Wochen ESWT. Gemessen wurden Schmerzintensität (VAS), schmerzfreie Griffkraft (Handdynamometer), Cyriax Resisted Muscle Test und Patient-Rated Tennis Elbow Evaluation Scale zu Baseline und nach Behandlung. Innerhalb aller Gruppen nahmen Schmerzintensität ab und maximale Griffkraft sowie Funktionalität zu (p < 0,05). Die Zwischengruppenanalyse zur Kinesiotape-Gruppe 40 wird im Abstract nicht weiter ausgeführt. Die Studie ist auf kurzfristige Effekte und neu diagnostizierte laterale Epicondylitis begrenzt.

Eine Metaanalyse von 2019 untersuchte die Effekte von Kinesiotape auf die Muskelkraft der unteren Extremität, den Hüpftest und die vertikale Sprungleistung. Eingeschlossen wurden 37 randomisierte kontrollierte Studien, die facilitierendes Kinesiotape verwendeten. Kinesiotape war überlegen gegenüber Kontrollen bei der Verbesserung der Muskelkraft der unteren Extremität bei Personen mit Muskelermüdung (kurzfristiger Effekt, gepoolte SMD = 0,53, 95 % CI = 0,09 bis 0,96; langfristiger Effekt, gepoolte SMD = 0,61, 95 % CI = 0,12 bis 1,11) und bei Personen mit chronischen muskuloskelettalen Erkrankungen (gepoolte SMD = 1,24, 95 % CI = 0,33 bis 2,16) mit großen Effektstärken. Bei Personen ohne Behinderung war Kinesiotape nicht überlegen 41. Die Autoren schließen, dass die Wirkung von Kinesiotape auf die Muskelkraft von der Population abhängt.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 untersuchte die Effekte von elastischem Kinesiotape auf die Propriozeption der Schulter. Acht Studien (5 RCTs, 3 nicht-RCTs) mit 187 Schultern (102 gesunde, 85 pathologische) wurden eingeschlossen. Das Risiko für Bias reichte von niedrig (2 Studien) über moderat (5 Studien) bis hoch (1 Studie). Elastisches Kinesiotape hatte einen gemischten Effekt auf die aktive Gelenkpositionssinn bei gesunden Schultern (n = 79) (niedrige Sicherheit). Bei pathologischen Schultern verbesserte es die aktive Gelenkpositionssinn (subacromiales Schmerzsyndrom und Rotatorenmanschetten-Tendinopathie, n = 52) und die passive Gelenkpositionssinn (chronisch hemiparetische Schultern, n = 13) (sehr niedrige Sicherheit). Kein Effekt zeigte sich auf die Kinästhesie 43. Die Autoren schließen, dass die Evidenz für Propriozeption gemischt und die Sicherheit der Evidenz niedrig bis sehr niedrig ist. Weitere hochwertige Studien stehen noch aus.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 verglich verschiedene Behandlungsmodalitäten bei subacromialem Impingementsyndrom, darunter Kinesiotape, myofasziale Triggerpunkt-Release, Skapula-Stabilisationsübungen und Krafttraining. 48 Studien erfüllten die Einschlusskriterien; nach Entfernung von Duplikaten blieben 14 Level-1-Studien. Kinesiotape zeigte eine statistisch signifikante Reduktion der schmerzfreien Bewegungsamplitude. Myofasziale Triggerpunkt-Release verbesserte alle Schmerzscores und den Disability-Score-Index. Skapula-Stabilisationsübungen reduzierten Schmerz, zeigten aber gemischte Ergebnisse für die Bewegungsamplitude. Krafttraining reduzierte Schmerz und verbesserte Propriozeption und Gelenkpositionssinn. Die Autoren schließen, dass alle Techniken vielversprechend sind, aber weitere groß angelegte Studien erforderlich sind. Die Heterogenität der Studien und die unterschiedlichen Endpunkte schränken die Vergleichbarkeit ein.

Knochen und Gelenke

Eine randomisierte kontrollierte klinische Studie von 2017 an 42 konsekutiven Patienten mit Kniegelenkarthrose untersuchte die Wirkung von Kinesiotape auf Funktionalität, Schmerz, Bewegungsamplitude und Muskelkraft im Vergleich zu Placebo-Kinesiotape. Die Patienten wurden in eine Kinesiotape-Gruppe und eine Placebo-Tape-Gruppe randomisiert. Die Beurteilungen erfolgten zu Baseline, nach der ersten Kinesiotape-Anwendung, nach der dritten Anwendung und nach einem Monat. Gemessen wurden der Aggregated Locomotor Function Score, die Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Scale, Schmerz (VAS), Muskelkraft (Handdynamometer) und aktive Bewegungsamplitude (digitales Goniometer). Die Kinesiotape-Gruppe zeigte eine große Abnahme der VAS-Aktivitäts- und Gehaufgaben-Scores im Vergleich zur Placebo-Gruppe von der ersten bis zur dritten Anwendung (p = 0,009 bzw. p < 0,001) und bis zum 1-Monats-Follow-up (p = 0,007 bzw. p < 0,001). Die Kinesiotape-Gruppe zeigte eine kurzfristige Verbesserung des VAS-Nachtschmerzes und der Kniebeuge-Bewegungsamplitude nach dem 1-Monats-Follow-up (p < 0,05). Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied bei Bewegungsamplitude und Muskelkraft zwischen den Gruppen. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape Schmerz und Funktion bei Kniegelenkarthrose verbessern kann. Die Studie ist auf kurzfristige Effekte begrenzt.

Eine randomisierte, scheinkontrollierte Studie von 2019 an 141 Patienten (65,1 ± 7,0 Jahre) mit klinischer und radiologischer Diagnose einer Kniegelenkarthrose untersuchte die Effekte von Kinesiotape auf Schmerz, Funktion, Gang und neuromuskuläre Kontrolle. Die Patienten erhielten Kinesiotape, Schein-Tape oder kein Tape für drei aufeinanderfolgende Tage. Gemessen wurden selbstberichteter Schmerz, Steifheit und Funktion (WOMAC), Balance Error Scoring System, 10-Meter-Gehtest, maximale willkürliche isometrische Kontraktionskraft des Quadrizeps femoris und aktive Kniebewegungsamplitude. Zu Baseline gab es keine Unterschiede zwischen den Gruppen außer bei der Kniebeugung. Die Studie ist auf kurzfristige Anwendung (3 Tage) begrenzt.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2019 untersuchte die Effektivität von Kinesiotape allein im Vergleich zu Schein-Tape bei Personen mit muskuloskelettalen Erkrankungen in Interventionen von mindestens einer Woche Dauer. Sechs randomisierte kontrollierte Studien wurden eingeschlossen. Bei Erwachsenen mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen führte Kinesiotape zu überlegenen Effekten auf Schmerz beim Follow-up, jedoch nicht in der unmittelbaren Post-Behandlungsphase und bei Behinderungsscores 28. Die Autoren schließen, dass die Evidenz für die Überlegenheit von Kinesiotape gegenüber Schein-Tape begrenzt ist. Die Heterogenität der Studien und die unterschiedlichen Nachbeobachtungszeiträume schränken die Aussagekraft ein.

Weitere Untersuchungen

Eine randomisierte klinische Vorher-Nachher-Studie von 2014 an 54 Patienten mit subacromialem Impingementsyndrom (30–60 Jahre, unilaterale Schulterschmerzen) verglich Kinesiotape plus Übung mit manueller Therapie plus Übung. Die Kinesiotape-Gruppe (n = 28) und die manuelle Therapie-Gruppe (n = 26) erhielten zusätzlich Kältepackungen fünfmal täglich. Gemessen wurden Schmerz (VAS), Funktion (Disability of Arm and Shoulder Questionnaire) und Supraspinatus-Sehnendicke (diagnostischer Ultraschall) zu Baseline und nach 6 Wochen. Beide Gruppen zeigten signifikante Verbesserungen bei Schmerz und Funktion (p < 0,05). Kein Unterschied zeigte sich im Ultraschall für die Sehnendicke nach Behandlung in beiden Gruppen (p > 0,05). Der einzige Unterschied zwischen den Gruppen 27 – die Ergebnisse werden im Abstract nicht weiter ausgeführt. Die Studie ist als vorläufige Untersuchung angelegt; größere Studien fehlen.

Eine Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 2023 untersuchte konservative Interventionen zur Behandlung der Rektusdiastase bei postpartalen Frauen. 14 Artikel wurden eingeschlossen. Die Literatur legt nahe, dass abdominale Übungsprogramme im Allgemeinen wirksam sind. Es gibt vorläufige, aber vielversprechende Evidenz für die Wirksamkeit von Elektrostimulation in Kombination mit Übung. Abdominales Kinesiotape kann in Verbindung mit anderen Interventionen verwendet werden 42. Die Autoren betonen Einschränkungen wie unterschiedliche Messmethoden (Palpation, Kaliper, Ultraschall), unterschiedliche Behandlungszeiträume und eine breite Palette von Übungskombinationen. Die optimale Übungskombination ist derzeit unbekannt.

Eine Scoping-Übersichtsarbeit von 2024 untersuchte die Effekte von Kinesiotape bei Sportlern oder körperlich aktiven Personen auf Schmerz, Leistung/Funktion, Kraft und Verletzungsprävention. 50 Studien wurden eingeschlossen: 10 zu Schmerz, 24 zur Leistung, 12 zu Kraftzuwächsen, 8 zu Propriozeption und Balance, 3 zur Verletzungsprävention. Insgesamt stimmten 54 % der Publikationen zu, dass Kinesiotape nicht wirksam ist, 46 % fanden einige unterstützende Evidenz 44. Die Autoren schließen, dass die Wirksamkeit von Kinesiotape variiert, aber die Methode praktisch, einfach und kostengünstig bleibt.

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 untersuchte die Wirksamkeit von Kinesiotape zur Verbesserung der grobmotorischen Funktion bei Kindern mit Zerebralparese. Fünf randomisierte kontrollierte Studien (Level IIB, PEDro-Score 3–6/8) wurden eingeschlossen. Die Metaanalyse zeigte, dass Taping wirksam war für die Verbesserung der grobmotorischen Funktion im Sitzen und Stehen, gemessen mit dem Gross Motor Function Measure (B) (p < 0,001) bzw. (D) (p < 0,001) 45. Die Autoren schließen, dass moderate Evidenz Kinesiotape am Rumpf als ergänzende Intervention zur Physiotherapie unterstützt. Die Studien sind klein und die methodische Qualität moderat; größere Studien fehlen.

Sicherheit und Verträglichkeit

Eine randomisierte kontrollierte Studie von 2015 an 30 Teilnehmern mit chronischer Sprunggelenkinstabilität untersuchte die unmittelbaren und verlängerten Effekte (7 Tage) von Kinesiotape auf die Balance. Die Teilnehmer wurden in eine Kinesiotape-Gruppe (n = 15) und eine Placebo-Tape-Gruppe (n = 15) randomisiert. Die Balance wurde unter drei Bedingungen gemessen: ohne Tape, unmittelbar nach Anwendung und nach 7 Tagen Nutzung. Gemessen wurden der Composite SOT Score und die Composite SOT Strategy sowie der Partial Score für SOT-Bedingung 2 und dessen Strategy. Die Repeated-Measures-ANOVA zeigte keine signifikante Interaktion zwischen Gruppe und Zeit im Composite SOT Score 29. Die Autoren schließen, dass Kinesiotape die Balance bei chronischer Sprunggelenkinstabilität nicht verbessert. Die Studie ist auf kurzfristige Effekte und eine kleine Stichprobe begrenzt.

Eine randomisierte klinische Studie von 2012 an 20 Teilnehmern mit Schulterschmerzen (Rotatorenmanschettenläsion mit Impingementsyndrom oder Impingement-Schultersyndrom) verglich Mobilisation with Movement (MWM) plus Kinesiotape mit einem supervidierten Übungsprogramm. Die Teilnehmer wurden randomisiert in zwei Gruppen: Gruppe 1 erhielt MWM und Kinesiotape, Gruppe 2 ein supervidiertes Übungsprogramm. Gemessen wurden aktive schmerzfreie Schulterabduktion und -flexion an den Tagen 0, 5 und 10. Die Verbesserung der aktiven schmerzfreien Schulterbewegungsamplitude war signifikant höher in der Gruppe mit MWM und Kinesiotape. Die Repeated-Measures-ANOVA zeigte signifikante Effekte für Behandlung, Zeit und Behandlung×Zeit-Interaktion 38. Die Autoren schließen, dass MWM und Kinesiotape eine effektive Behandlung zur Verbesserung der Bewegungsamplitude sein könnten. Die Studie ist klein und die Nachbeobachtung kurz.

Gesamtbild

Über alle Gebiete hinweg zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Übertragbarkeit auf den klinischen Alltag ist durch kleine Stichproben, unterschiedliche Anwendungsprotokolle und kurze Nachbeobachtungszeiträume eingeschränkt.

Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich. Positive Befunde stammen häufig aus kleinen Studien oder solchen mit kurzer Interventionsdauer, während größere und methodisch robustere Untersuchungen oft keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Die Heterogenität der Taping-Techniken, der Zielpopulationen und der Endpunkte erschwert eine gepoolte Aussage. Für die Praxis bedeutet dies, dass Kinesiotape als ergänzende Maßnahme in Betracht gezogen werden kann, die Evidenz für eine spezifische Wirkung jedoch begrenzt ist. Was fehlt, sind große, methodisch hochwertige Studien mit einheitlichen Protokollen und langfristigen Nachbeobachtungen, die klären, bei welchen Indikationen und mit welcher Technik Kinesiotape einen messbaren Zusatznutzen bietet.

3. Wie belastbar die Forschung ist

Der weitaus größte Teil der kontrollierten Studien am Menschen untersucht den Bewegungsapparat, mit Schwerpunkten am Knie, am Sprunggelenk, an der Schulter und an der Lendenwirbelsäule. Daneben stehen Arbeiten zu Sicherheit, zu Knochen und zur Erschöpfung sowie kleinere Gruppen zu Entzündung, Haut und Kognition. Einzelne Arbeiten betreffen onkologische Fragen. Die am häufigsten zitierte Arbeit des Feldes ist eine Übersichtsarbeit zu Sportverletzungen; auch sonst gehören Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zu den meistbeachteten Texten. Das Feld ist also breit, und einzelne Fragen sind in Übersichtsarbeiten zusammengefasst. Auffällig ist, dass kontrollierte Arbeiten deutlich häufiger sind als rein beobachtende.

Für ein Verfahren dieser Art ist der Anteil randomisierter und sham-kontrollierter Studien hoch, und mehrere Übersichtsarbeiten mit Metaanalyse bündeln einzelne Fragen. Das sind methodische Stärken. Daneben stehen Schwächen. Ein doppelblindes Vorgehen ist kaum möglich, weil sich das Band nicht verbergen lässt; die Verblindung betrifft meist nur die Messung oder die Auswertung. Manche Arbeiten bezeichnen sich selbst als Pilotstudie, vorläufigen Bericht oder vorläufige Untersuchung. Anlagetechnik, Tragedauer und Endpunkte sind uneinheitlich, die Nachbeobachtung ist oft kurz. Entsprechend gehen die Ergebnisse auseinander: Eine kontrollierte Studie zur Muskelaktivierung und eine zu chronischen unspezifischen Rückenschmerzen fanden keinen Vorteil gegenüber Placebo, während eine kontrollierte Studie am Knie Verbesserungen von Schmerz und Funktion berichtet. Belegt: Die Studienlage zu Schmerz und Funktion ist nicht einheitlich.

4. Was häufig behauptet wird — und was die Daten hergeben

AussageStudienlage
Das Tape stützt das Gelenk mechanisch wie ein starres SporttapeElastische Anlagen geben der Bewegung nach. Kontrollierte Studien zu Muskelkraft und Sprungleistung fanden keine Erleichterung der Muskelleistung; diskutiert wird eher eine Wirkung über Hautrezeptoren und Muskelspindeln.
Kinesiotape lindert Rückenschmerzen besser als PlaceboEine kontrollierte Studie fand bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen keinen Vorteil gegenüber Placebo; eine Metaanalyse hat dieselbe Frage gebündelt. Für das Knie wird abweichend berichtet.
Nach einer Anlage verbessert sich die Muskelkraft messbarMehrere kontrollierte Studien und eine Metaanalyse zu Kraft, Sprung- und Hüpftests prüfen diese Annahme. Die Befunde sind nicht einheitlich; ein Teil findet keine Fazilitation. Ein Laborwert ist kein Nachweis von Funktion im Alltag.
Das Tape wirkt über die PropriozeptionDie Propriozeption wird in Übersichtsarbeiten zur Schulter und zum Sprunggelenk geprüft. Ob eine veränderte Wahrnehmung Schmerz oder Funktion verändert, ist damit nicht geklärt.

5. Die belastbarsten Arbeiten

Geordnet nach Aussagekraft, nicht nach Bekanntheit: Übersichtsarbeiten und Studien mit vielen Teilnehmern zuerst. Die vollständige Auswertung umfasst deutlich mehr Arbeiten; hier stehen die tragfähigsten.

Kontrollierte Studien am Menschen

  • 1 Effects of kinesiotape on pain and disability in individuals with chronic low back pain: a systematic review and meta-analysis of randomized … (2019) — Übersichtsarbeit, 627 Teilnehmer
  • 2 Effectiveness of Kinesio Taping on the Management of Knee Osteoarthritis: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials (2020) — Übersichtsarbeit, 876 Teilnehmer
  • 3 Kinesio Taping for Balance Function after Stroke: A Systematic Review and Meta-Analysis (2019) — Übersichtsarbeit, 1.331 Teilnehmer
  • Examining the efficacy of treatments for arm lymphedema in breast cancer survivors: an overview of systematic reviews with meta-analyses (2024) — Übersichtsarbeit, 1.970 Teilnehmer
  • 4 Does kinesio taping plus exercise improve pain and function in patients with knee osteoarthritis?: A systematic review and meta-analysis of … (2022) — Übersichtsarbeit, 642 Teilnehmer
  • 5 Short-Term Effect of Kinesiotaping on Chronic Nonspecific Low Back Pain and Disability: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials (2020) — Übersichtsarbeit, 785 Teilnehmer
  • 6 Efficacy and safety of kinesiology tape for hemiplegic shoulder pain: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials (2022) — Übersichtsarbeit, 679 Teilnehmer
  • 7 The clinical efficacy of kinesio taping in shoulder disorders: a systematic review and meta analysis (2020) — Übersichtsarbeit, 680 Teilnehmer
  • 8 Effects of kinesiotaping during early post-operative rehabilitation in individuals who underwent a total knee arthroplasty: A systematic review and … (2024) — Übersichtsarbeit, 534 Teilnehmer
  • 9 Optimal days of application of kinesiotaping for the treatment of lumbo-pelvic pain during pregnancy. A systematic review and dose-response … (2024) — Übersichtsarbeit, 527 Teilnehmer
  • 10 Does lower limb kinesio taping affect pain, muscle strength, and balance following fatigue in healthy subjects? A systematic review and meta analysis … (2024) — Übersichtsarbeit, 837 Teilnehmer
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6. Resümee

Kontrollierte Studien am Menschen bilden den größten Teil der Forschung, mit deutlichem Schwerpunkt am Bewegungsapparat: 242 Arbeiten entfallen auf dieses Gebiet, 51 auf Sicherheit und Verträglichkeit, 36 auf Knochen und Gelenke, 25 auf Erschöpfung und Stress, 16 auf das Entzündungsgeschehen, 13 auf die Haut, 7 auf Kognition und Psyche sowie 6 auf die Onkologie; die Zahlen sind nicht addierbar. Kontrollierte Arbeiten sind deutlich häufiger als rein beobachtende, mehrere Übersichtsarbeiten mit Metaanalyse bündeln einzelne Fragen.

Als Wirkwege werden taktile Reize auf der Haut, eine veränderte Wahrnehmung der Körperposition und eine Entlastung von Strukturen diskutiert; als reine Stütze ist der mechanische Beitrag begrenzt. Eine Crossover-Studie von 2013 an gesunden Teilnehmern fand nach Vibrationsstimulation mit Tape eine größere maximale willkürliche Kontraktion; die Autoren führen dies auf eine verstärkte Ia-Afferenz durch Hautreize zurück. Vermutung: Ein Teil der berichteten Schmerz- und Funktionsbesserungen könnte auf Wahrnehmungseffekte und den Hautkontakt selbst zurückgehen. Die Autoren einer Metaanalyse von 2019 halten eine individuelle Anwendung wegen der einfachen Handhabung für erwägenswert.

Zu klären wäre zunächst, ob eine Sham-Anlage tatsächlich inaktiv ist. Eine Studie, die Hautkontakt ohne Spannung von einer Anlage mit Spannung trennt und die Messung verblindet, würde diese Frage beantworten. Nötig wären zudem einheitliche Anlagetechnik, Tragedauer und Endpunkte sowie längere Nachbeobachtung, damit Ergebnisse zusammenfassbar werden. Offen ist auch die Übertragung auf Patienten mit tatsächlicher Muskelhemmung nach Gelenkverletzungen, auf verletzte Sportler statt gesunder Teilnehmer und die Frage, ob Kinesiotape bei spezifischen Verletzungen Vorteile gegenüber anderen elastischen Tapes bietet.

7. Was offen ist

  • Sham-Kontrolle: Lässt sich ein elastisches Tape so anlegen, dass Hautkontakt und Erwartung konstant bleiben und nur die Spannung wechselt? Diese Frage entscheidet die Aussagekraft eines großen Teils des Feldes.
  • Anlagetechnik: Welche Spannung, Zugrichtung und Form prüft eine Studie eigentlich? Ohne standardisierte Anlage bleibt jede Zusammenfassung von Studien eine Näherung.
  • Endpunkte: Wie verhalten sich Schmerzwahrnehmung, Funktion im Alltag und Labormesswerte zueinander? Eine Studie, die alle drei parallel erhebt, steht noch aus.

Häufige Fragen

Wie lange soll das Tape liegen bleiben?

Dazu geben die Studien keine einheitliche Auskunft. Die Tragedauer unterscheidet sich zwischen den Arbeiten; eine Übersichtsarbeit hat Arbeiten zusammengefasst, in denen über mindestens eine Woche behandelt wurde. Eine begründete Ableitung daraus ist nicht möglich, weil die Tragedauer fast nie isoliert variiert wurde.

Ein Patient berichtet nach dem Tapen weniger Schmerz. Ist das ein Placeboeffekt?

Im Einzelfall lässt sich das nicht trennen. Sichtbare Anlage und Erwartung wirken mit, deshalb wird gegen eine Sham-Anlage geprüft. Mehrere kontrollierte Studien fanden bei Muskelleistung und bei chronischen Rückenschmerzen keinen Vorteil gegenüber einer solchen Kontrolle, andere berichten verbesserte Schmerz- und Funktionswahrnehmung am Knie. Der Bericht des Patienten bleibt ein relevanter Endpunkt, aber kein Nachweis einer spezifischen Wirkung.

Für welche Anwendungsgebiete ist die Studienlage am dichtesten?

Am dichtesten ist der Bewegungsapparat untersucht, besonders Knie, Sprunggelenk, Schulter und Lendenwirbelsäule; für diese Bereiche liegen auch Übersichtsarbeiten mit Metaanalyse vor. Klar ist das Bild trotzdem nicht, weil Technik und Endpunkte wechseln. Zu Sicherheit, Haut und Knochen gibt es kleinere Gruppen von Arbeiten, zu Kognition und onkologischen Fragen nur einzelne. Dort steht der Forschungsstand am Anfang.

Quellen

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