Jod
Jod ist ein essenzielles Spurenelement; Studien am Menschen zeigen Nutzen vor allem beim Ausgleich eines Jodmangels, etwa für Schilddrüse und Kropf.
Jod: ausgewertet wurden 155 Studien am Menschen, darunter 63 randomisierte kontrollierte Studien und 26 Metaanalysen oder systematische Übersichten; die kontrollierten Studien umfassen zusammen 24.647 Teilnehmer. Stand: 14. Oktober 2026.
1. Was ist Jod? Vorkommen, Herkunft und Formen
Jod ist ein Halogen und ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst bilden kann. Es kommt in Meeresalgen, Meeresfischen und jodiertem Speisesalz vor und ist in der Schilddrüse Baustein der Schilddrüsenhormone. Traditionell wird es zur Vorbeugung von Jodmangel und Kropf verwendet.
Jod kommt in Meeresalgen, Meeresfischen, Meeresfrüchten und in jodiertem Speisesalz vor; in Böden und Trinkwasser ist es regional sehr unterschiedlich verteilt. Untersucht wird es als Nahrungsergänzung, als jodiertes Salz und in angereicherten Lebensmitteln.
Industriell wird Jod aus jodhaltigen Solen und Salzlagerstätten gewonnen, teils auch aus Meeresalgen. In Studien geprüft werden vor allem Kaliumiodid, Kaliumiodat, Natriumiodid und molekulares Jod, einzeln oder in angereicherten Lebensmitteln.
Untersuchte Formen und Zubereitungen
- Kaliumiodid
- Kaliumiodat
- Natriumiodid
- Molekulares Jod (I₂)
- Jodiertes Speisesalz
- Algen- und Kelpzubereitungen
Nicht gemeint sind auf dieser Seite:
- Radiojod (I-131) in Schilddrüsendiagnostik und -therapie
- Jodhaltige Hautdesinfektionsmittel
- Schilddrüsenhormon-Präparate wie Levothyroxin
- Jodhaltige Röntgenkontrastmittel und jodhaltige Arzneistoffe wie Amiodaron
2. Wie wirkt Jod? Ergebnisse nach Anwendungsgebiet
| Anwendungsgebiet | Ergebnis in kontrollierten Studien | Beweiskraft | Studien | Teilnehmer |
|---|---|---|---|---|
| Kinder und Wachstum | überwiegend kein Unterschied | hoch | 7 Metaanalysen · 19 kontrolliert · 20 weitere | 5.551 |
| Kropf (Struma) | gemischt | hoch | 1 Metaanalysen · 8 kontrolliert · 9 weitere | 6.386 |
| Jodiertes Salz und Anreicherungsprogramme | gemischt | gering | 1 Metaanalysen · 5 kontrolliert · 10 weitere | 2.556 |
| Weitere Untersuchungen | gemischt | hoch | 14 Metaanalysen · 55 kontrolliert · 50 weitere | 20.233 |
So lesen Sie die Tabelle: Gezählt werden Studien am Menschen, deren Ergebnisse das jeweilige Gebiet betreffen. „Hoch“ heißt: mindestens eine Metaanalyse und zwei kontrollierte Studien mit Verbesserung, oder mindestens drei kontrollierte Studien, von denen drei Viertel eine Verbesserung zeigen, mit zusammen mindestens 300 Teilnehmern. „Mittel“ heißt: mindestens zwei kontrollierte Studien mit Verbesserung, und zwar mehrheitlich, oder eine Metaanalyse neben kontrollierten Studien. „Gering“ heißt: eine kontrollierte Studie mit Verbesserung. Gibt es in einem Gebiet keine kontrollierte Studie, ist die Beweiskraft höchstens „gering“ (Ergebnis „nur Übersichten“ oder „nur Beobachtungsdaten“). Alles andere ist „unklar“. Eine Studie zählt als Verbesserung, wenn mindestens die Hälfte ihrer Messgrößen in diesem Gebiet besser ausfiel. Übersichten über Mischpräparate zählen nicht als Metaanalyse; Ergebnisse, die nur Nebenwirkungen oder Anteile von Anwendern beschreiben, zählen nicht als Wirkung. Dieselbe Studie zählt nur einmal.
3. Was die Studien im Einzelnen zeigen
Jod, Kinder und Wachstum: Studien am Menschen
In Regionen mit Jodmangel ging jodiertes Speisesalz in einer randomisierten Studie in Äthiopien mit besserer kognitiver Entwicklung der Kinder einher, das Wachstum unterschied sich nicht 2930. Bei Kindern mit leichtem Jodmangel fand eine kontrollierte Studie mit Iodid-Tabletten bessere Werte in einzelnen Kognitions-Subtests 48, während eine andere kontrollierte Studie mit Iodid-Tabletten bei Schwangeren mit leichtem Jodmangel keinen Unterschied im IQ der Kinder sah 35. Die Befunde gelten für jodiertes Speisesalz, Iodid-Tabletten und jodiertes Öl. Mischpräparate mit weiteren Mikronährstoffen lassen sich dem reinen Jod nicht zuordnen 13. Die Jodausscheidung im Urin ist eine Versorgungsgröße, keine klinische Wirkung. Schilddrüsenwerte sind Laborwerte, keine klinische Wirkung. Insgesamt sind die Befunde uneinheitlich: Nutzen zeigt sich vor allem beim Ausgleich eines bestehenden Jodmangels, nicht bei zusätzlicher Gabe an ausreichend versorgte Kinder.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 Keats et al. 2021 | systematische Übersicht · 451.723 Teilnehmer | Einzel- und Mehrfachmikronährstoffsupplemente, u. a. Jod; Schwangerschaft; gegen Folsäure, Eisen-Folsäure, Mehrfachmikronährstoffe, Lipid-basierte Nährstoffe | Niedriges Geburtsgewicht (IFA vs. Folsäure): verbessert (average RR 0.88, 95% CI 0.78 to 0.99); Niedriges Geburtsgewicht (MMN vs. Eisen ± Folsäure): verbessert (average RR 0.85, 95% CI 0.77 to 0.93) |
| 2 Levie et al. 2019 | Metaanalyse · 6.180 Teilnehmer | Kein Präparat; Messung von Urin-Jod und Kreatinin in der Schwangerschaft; Schwangerschaft, Gestationswochen bis 14 Wochen relevant; gegen UI/Creat <150 µg/g versus höhere Werte | Verbaler IQ des Kindes: kein Unterschied (-0.6 point; 95% CI: -1.3 to 0.1 points; P = 0.082); Nonverbaler IQ des Kindes: kein Unterschied (-0.6 point; 95% CI: -1.7 to 0.4 points; P = 0.246) |
| 3 Farebrother et al. 2018 | systematische Übersicht · 5.729 Teilnehmer | Jodanreicherung (jodiertes Salz) oder Jodpräparate, jede Form/Dosis; jede Dosis und jedes Regime, nicht einzeln berichtet; gegen Placebo, nicht jodiertes Salz oder keine Intervention | Mittleres Geburtsgewicht bei schwerem Jodmangel: verbessert (MD: 200 g; 95% CI: 183, 217 g); Primäre Wachstumsmaße in anderen Gruppen: kein Unterschied; Insulin-like growth factor-1 bei Schulkindern mit mäßigem Jodmangel: verbessert (MD: 38.48 ng/mL; 95% CI: 6.19, 70.76 ng/mL) |
| 4 Harding et al. 2017 | systematische Übersicht · 2.700 Teilnehmer | Jod-Tabletten, -Kapseln oder -Tropfen, teils mit Vitaminen/Mineralien; gegen keine Jod-Supplementierung | Perinatale Mortalität: verbessert (average RR 0.) |
| 5 Velasco et al. 2026 | systematische Übersicht · 2.528 Teilnehmer | Jod-Supplementierung allein oder mit Eisen; 150 µg täglich 28 Wochen; Einzeldosis 100 mg bzw. 400-490 mg; Nachbeobachtung 3 bis 22 Monate; gegen Placebo | Kognitive Funktion (validierte Skalen): verbessert (standardised mean difference 0.19, 95% confidence interval (CI) 0.04 to 0.34); Gewicht (kg): kein Unterschied (mean difference (MD) -0.20, 95% CI -1.92 to 1.52) |
| 7 Walsh et al. 2019 | systematische Übersicht · 1.394 Teilnehmer | Jod als Iodidsalz, enteral oder parenteral zugefüttert; gegen Placebo oder keine Supplementierung | Mortalität vor Klinikentlassung: kein Unterschied (typical RR 1.01, 95% CI 0.72 to 1.42); Bayley-III kognitiver Score mit 2 Jahren: kein Unterschied (MD -0.30, 95% CI -2.44 to 1.84); Bayley-III motorischer Score mit 2 Jahren: kein Unterschied (MD 0.20, 95% CI -2.15 to 2.55) |
| 16 Daniel et al. 2025 | systematische Übersicht | Keine Jodintervention, Beobachtung des Jodstatus (Nahrung, jodiertes Salz); Studien 2010 bis 2024, NHANES-Daten 2011-2020; gegen Keine Interventionskontrolle; Schwellenwert WHO <150 µg/L | Neuroentwicklung und IQ der Nachkommen bei niedrigem maternen UIC: verschlechtert (reduced IQ scores) |
| 21 Favara et al. 2024 | systematische Übersicht | Jod über mütterliche Ernährung/Supplemente | Neuroentwicklung: verbessert |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 23 24 25 29 30 35 37 43 44 45 47 48 53 58 61 62 68 70 82 85 88 93 96 97 104 105 113 114 117 121 122 127 131 139 144 145 146 147
Jod und Kropf (Struma): Studien am Menschen
In Jodmangelgebieten dämpfte tägliche Jodgabe bei Schwangeren den Anstieg des Schilddrüsenvolumens gegenüber Kontrollen 7088. Nach der Geburt sank das Volumen gegenüber dem Ausgangswert 6566. Eine placebokontrollierte Studie fand beim Schilddrüsenvolumen keinen gesicherten Unterschied 63. Die Kropfhäufigkeit sank in Zaire in Dörfern mit Jodöl, ob über den Mund oder als Spritze gegeben, in Kontrolldörfern blieb sie gleich 94. Eine Cochrane-Übersicht fand unter jodiertem Speisesalz einen Trend zu weniger Kropf, nicht in allen Studien signifikant 8. Bei Stillenden sank die Kropfhäufigkeit unter Kaliumiodid-Kapseln oder jodiertem Salz gegenüber dem Ausgangswert 58. Die Befunde gelten für Menschen mit bestehendem Jodmangel; ob eine zusätzliche Jodgabe bei ausreichender Versorgung nützt, ist damit nicht geklärt. Algen- und Kelpzubereitungen sowie Mehrstoffpräparate mit schwankendem Jodgehalt wurden nicht als reines Jod geprüft und lassen keine eigenen Schlüsse zu.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 5 Velasco et al. 2026 | systematische Übersicht · 2.528 Teilnehmer | Jod-Supplementierung allein oder mit Eisen; 150 µg täglich 28 Wochen; Einzeldosis 100 mg bzw. 400-490 mg; Nachbeobachtung 3 bis 22 Monate; gegen Placebo | Kropf (Struma): unklar (RR 0.68, 95% CI 0.15 to 3.07) |
| 8 Wu et al. 2002 | systematische Übersicht · 334 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz; gegen Nicht jodiertes Salz, jodiertes Wasser, jodiertes Öl, Kaliumiodid vs. Kaliumiodat | Kropfrate: verbessert |
| 12 Harikrishnan et al. 2026 | systematische Übersicht | Jod über Nahrung/Jodsalz (Regionen mit unterschiedlichem Jodstatus); gegen Küsten- versus Binnenregionen | Prävalenz von Kropf: verbessert |
| 58 Gebreegziabher et al. 2019 | randomisiert kontrolliert · 106 Teilnehmer | Kaliumiodid-Kapsel bzw. jodiertes Speisesalz; 225 µg Jod/Tag als Kapsel bzw. jodiertes Salz wöchentlich; 26 Wochen; gegen Kaliumiodid-Kapsel vs. jodiertes Speisesalz | Strumaprävalenz: unklar (significantly decreased) |
| 63 Censi et al. 2019 | randomisiert kontrolliert · 90 Teilnehmer | Kaliumiodid-Tabletten (Iodid) versus Placebo; 225 µg/Tag; von Rekrutierung bis 8 Wochen nach der Entbindung; gegen Placebo-Kontrollgruppe (3:2-Randomisierung) | Schilddrüsenvolumen (TV): kein Unterschied |
| 65 Reinhardt et al. 1998 | randomisiert kontrolliert · 70 Teilnehmer | Kaliumiodid; 50 µg oder 250 µg täglich; 8 Monate post partum, Beginn 5 Tage nach Entbindung; gegen 50 µg versus 250 µg; zusätzlich unbehandelte Gruppe in Studie I | Schilddrüsenvolumen: unklar (25.4 +/- 1.5 ml (mean +/- sem) to 18.2 +/- 1.25 p <0.001); Schilddrüsenvolumen ohne Jod: unklar (29 +/- 2.2 ml; at 3 months 27.5 +/- 3.0 ml) |
| 66 Antonangeli et al. 2002 | randomisiert kontrolliert · 67 Teilnehmer | Iodid (Kaliumiodid) täglich; 200 µg/Tag (Gruppe A) vs. 50 µg/Tag (Gruppe B); täglich bis 6 Monate nach Entbindung; gegen 200 µg Iodid vs. 50 µg Iodid täglich | Schilddrüsenvolumen während der Schwangerschaft: unklar; Schilddrüsenvolumen nach Entbindung: unklar |
| 70 Pedersen et al. 1993 | randomisiert kontrolliert · 54 Teilnehmer | Jod-Supplementierung; 200 µg Jod/Tag; ab Schwangerschaftswoche 17-18 bis 12 Monate nach Entbindung; gegen Kontrollgruppe ohne Jod | Schilddrüsengröße: verbessert |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 88 89 94 99 111 112 113 127 135 144
Jod, Jodiertes Salz und Anreicherungsprogramme: Studien am Menschen
In Regionen mit Jodmangel verbesserte jodiertes Speisesalz den Jodstatus: Eine randomisierte kontrollierte Studie mit über tausend schwangeren Frauen und ihren Kindern in Äthiopien fand weniger Jodmangel bei Müttern und Kindern 30. Eine weitere randomisierte Studie in Äthiopien beriet Mütter zur Nutzung von jodiertem Salz und fand bei den Kindern der Interventionsgruppe eine höhere Jodausscheidung im Urin als in der Kontrollgruppe 34. Beide Studien fanden in Regionen mit bestehendem Jodmangel statt, nicht bei ausreichender Versorgung. Bei Mischungen ist die Zuordnung zum reinen Jod eingeschränkt: Doppelt mit Jod und Folsäure angereichertes Salz veränderte die Salzaufnahme nicht 41, und ein vierfach angereichertes Salz mit Eisen, Jod, Folsäure und Vitamin B12 unterschied sich in Akzeptanz, Verbrauch und sensorischer Unterscheidbarkeit nicht von doppelt angereichertem Salz mit Eisen und Jod 64. Die Beweiskraft ist gering; die kontrollierten Studien sind klein bis mittelgroß und überwiegend auf Äthiopien begrenzt, während die übrigen Arbeiten vor allem Versorgungs- und Laborwerte wie die Jodausscheidung im Urin beschreiben und teils ohne Kontrollgruppe blieben.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 23 Bath et al. 2022 | systematische Übersicht | Jod über jodiertes Salz und Lebensmittel; gegen Aufnahme gegen Ernährungsempfehlungen | Nationale Surveys mit jodiertem Salz in Schätzung: unklar (32% of national surveys (n = 7)) |
| 30 Mohammed et al. 2020 | randomisiert kontrolliert · 1.220 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz über frühen Marktzugang; ab Konzeption bis Kindesalter 2–13 Monate; gegen Kontrolle mit späterem Marktzugang zu jodiertem Salz | Jodmangel (UIC <50 μg/L) bei Müttern präpartal: verbessert (28% vs. 41%, p < .05); Jodmangel (UIC <50 μg/L) bei Kindern: verbessert (13% vs. 20%, p < .05) |
| 34 Ferede et al. 2026 | randomisiert kontrolliert · 834 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz (Iodid) in Haushalten; mittlerer Iodidgehalt 45,3 ppm im Speisesalz; 15 Monate Intervention; gegen Interventions- vs. Kontrollgruppe (Cluster-randomisiert) | Iodidgehalt im Speisesalz: unklar (45.3 ppm) |
| 41 Nane et al. 2026 | randomisiert kontrolliert · 342 Teilnehmer | Doppelt angereichertes Salz mit Jod und Folsäure (DFS-IoFA); gegen Salzaufnahme vor versus während der Intervention | Diskretionäre Salzaufnahme: kein Unterschied |
| 64 Guetterman et al. 2025 | randomisiert kontrolliert · 77 Teilnehmer | Vierfach angereichertes Salz (Eisen, Jod, Folsäure, Vitamin B12) vs. doppelt angereichertes Salz vs. jodiertes Salz; 3 Wochen (je 1 Woche pro Salztyp); gegen Doppelt angereichertes Salz und jodiertes Salz | Akzeptanz (hedonische Gesamtbewertung): kein Unterschied; Verzehrter Salzverbrauch im Haushalt: kein Unterschied; Sensorische Unterscheidbarkeit in Dreieckstests: kein Unterschied |
| 91 Pattisapu et al. 2024 | kontrolliert · 83 Teilnehmer | Doppelt angereichertes Salz (Folsäure plus Jod); etwa 300 µg/Tag Folsäure; 4 Monate; gegen Vorher-Nachher ohne Kontrollgruppe | Median Serumfolat: verbessert (increased from 14.6 (IQR, 11.2-20.6) nmol/L at baseline to 54.4 (IQR, 43.5-54.4) nmol/L) |
| 95 Catumbela et al. 2025 | Querschnittstudie · 2.250 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz im Haushalt; Angemessene Jodierung 15-40 ppm; gegen Schwanger vs. nicht schwanger; Provinzstrata | Haushalte mit jodiertem Salz: unklar (74.3%); Haushalte mit ausreichend jodiertem Salz (15-40 ppm): unklar (29.2%) |
| 96 Jamal¹ et al. 2026 | Querschnittstudie · 300 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz (Haushaltsgebrauch); gegen Kinder mit überdurchschnittlichem vs. unterdurchschnittlichem IQ | Mütterliches Wissen zu jodiertem Salz: verbessert |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 99 111 113 114 117 128 140 146
Jod: weitere Messgrößen in Studien
In Jodmangelgebieten hob jodiertes Speisesalz die Jodausscheidung im Urin an 829. Unter Jodgabe lag das Thyreoglobulin niedriger oder stieg weniger an als in den Kontrollgruppen 4854556370. Die Jodausscheidung der Säuglinge im Urin blieb unter der niedrigeren Jodgabe an die Mutter gleich wie unter Placebo 82, und Kaliumiodid-Kapseln und jodiertes Salz unterschieden sich bei stillenden Frauen nicht in Muttermilch- und Urinjod 85. Die Jodausscheidung im Urin sank in einer Studie unter einer paläolithischen Ernährung, die jodiertes Speisesalz und Milchprodukte ausschließt, gegenüber einer Ernährung nach den nordischen Empfehlungen 84. Die Belastbarkeit ist uneinheitlich, denn die Studien prüften sehr unterschiedliche Formen — Iodid, Iodat, molekulares Jod, jodiertes Speisesalz, jodiertes Öl und jodreiche Lebensmittel — in teils kleinen Gruppen und oft nur über Monate. Ein Teil der Untersuchungen betraf Mischpräparate mit Eisen, Folsäure, Zink oder weiteren Mikronährstoffen, deren Befunde sich nicht dem Jod allein zuordnen lassen 1910. Offen bleibt, wie sich eine zusätzliche Jodgabe bei bereits ausreichender Versorgung auswirkt und ob die beobachteten Laborveränderungen auch klinische Folgen haben.
| Studie | Art · Teilnehmer | Präparat · Dosis · Dauer · Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1 Keats et al. 2021 | systematische Übersicht · 451.723 Teilnehmer | Einzel- und Mehrfachmikronährstoffsupplemente, u. a. Jod; Schwangerschaft; gegen Folsäure, Eisen-Folsäure, Mehrfachmikronährstoffe, Lipid-basierte Nährstoffe | Mütterliche Anämie (IFA vs. Folsäure): verbessert (average risk ratio (RR) 0.52, 95% CI 0.41 to 0.66); Totgeburten (MMN vs. Eisen ± Folsäure): verbessert (average RR 0.91; 95% CI 0.86) |
| 4 Harding et al. 2017 | systematische Übersicht · 2.700 Teilnehmer | Jod-Tabletten, -Kapseln oder -Tropfen, teils mit Vitaminen/Mineralien; gegen keine Jod-Supplementierung | Postpartale Hyperthyreose: verbessert (average risk ratio (RR) 0.32; 95% confidence interval (CI) 0.11 to 0.91); Verdauungsintoleranz in der Schwangerschaft: verschlechtert (average RR 15.33; 95% CI 2.07 to 113.70); Hypothyreose in der Schwangerschaft: kein Unterschied (average RR 1.90; 95% CI 0.57 to 6.38) |
| 5 Velasco et al. 2026 | systematische Übersicht · 2.528 Teilnehmer | Jod-Supplementierung allein oder mit Eisen; 150 µg täglich 28 Wochen; Einzeldosis 100 mg bzw. 400-490 mg; Nachbeobachtung 3 bis 22 Monate; gegen Placebo | Hypothyreose: verbessert (risk ratio (RR) 0.03, 95% CI 0.00 to 0.23); Gesamtsterblichkeit bei Säuglingen: verbessert (RR 0.32, 95% CI 0.14 to 0.73) |
| 6 Haroon et al. 2026 | Metaanalyse · 2.257 Teilnehmer | Präoperative Iodlösung; gegen Kontrollgruppe ohne Iodlösung | Intraoperativer geschätzter Blutverlust: kein Unterschied (mean difference = -24.6 mL, 95% confidence interval: -56.2, 7.0); Operationszeit: kein Unterschied (mean difference = -2.3 minutes, 95% confidence interval: -10.6, 6.0); Endokrine Komplikationen: kein Unterschied (odds ratio = 0.85, 95% confidence interval: 0.42, 1.74) |
| 8 Wu et al. 2002 | systematische Übersicht · 334 Teilnehmer | Jodiertes Speisesalz; gegen Nicht jodiertes Salz, jodiertes Wasser, jodiertes Öl, Kaliumiodid vs. Kaliumiodat | Jodausscheidung im Urin: verbessert |
| 9 Abe et al. 2016 | systematische Übersicht · 52 Teilnehmer | Mehrfach-Mikronährstoff-Supplement (drei oder mehr Mikronährstoffe); gegen Placebo oder keine Supplementierung | Mütterliche Anämie: verbessert |
| 10 Lall et al. 2026 | systematische Übersicht | Mit Jod und weiteren Nährstoffen angereichertes Speisesalz; gegen Kontrollgruppen ohne angereichertes Salz | Hämoglobinkonzentration: verbessert (0.36 (0.22, 0.50)); Anämie-Odds: verbessert; Eisenmangel-Anämie-Odds: verbessert |
| 11 Nazeri et al. 2026 | systematische Übersicht | Jodiertes Salz, jodhaltige Supplemente, jodiertes Öl; gegen Kein einheitlicher Vergleich; Jodstatus bzw. Supplementierung vs. Kontrolle | Postpartale Depressionssymptome und Anhedonie bei niedriger Jodzufuhr: verschlechtert; Wirkung von Supplementierung/Anreicherung auf mütterliche Stimmung: unklar |
Weitere Studien zu diesem Gebiet: 12 13 14 15 16 17 18 19 20 22 23 25 26 27 28 29 31 32 33 36 37 38 39 40 43 44 45 46 48 49 50 51 52 54 55 56 57 58 59 60 61 63 65 66 67 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 85 86 87 88 89 90 92 94 95 98 99 100 101 102 103 104 106 107 108 109 110 112 115 116 118 119 120 121 123 124 125 126 127 128 129 130 132 133 134 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 148 149
4. Wie wird Jod dosiert? Zubereitung, Dosis und Dauer in Studien
Die Studien prüften überwiegend orale Formen: Kaliumiodid-Tabletten, Kaliumiodat, jodiertes Speisesalz und jodiertes Öl, teils auch molekulares Jod. Einige Untersuchungen gaben Jod über angereicherte Lebensmittel oder als Teil von Mehrstoffpräparaten. Algen- und Kelpzubereitungen haben einen schwankenden Jodgehalt und wurden nicht als reines Jod geprüft.
| Präparat oder Form | Dosis | Dauer | Studie |
|---|---|---|---|
| Supplement mit Myo-Inositol, Probiotika und Mikronährstoffen inkl. Jod | — | bis 12 Monate | 27 |
| MMN mit 250 µg Jod oder SQ-LNS mit ähnlichem Nährstoffgehalt | 250 µg/d Jod (MMN); LNS ähnlich; IFA: 60 mg Fe + 400 µg Folsäure | bis zur Geburt (UIC-Messung in Woche 36) | 28 |
| Jodiertes Speisesalz (früher Marktzugang) | — | Schwangerschaft bis Kindesalter 2–13 Monate | 29 |
| Jodiertes Speisesalz über frühen Marktzugang | — | ab Konzeption bis Kindesalter 2–13 Monate | 30 |
| Fünffach angereichertes Salz (QFS) mit Jod, Eisen, Zink, Vitamin B12, Folsäure bzw. Standard-Jodsalz | — | 12 Monate | 31 |
| Fünffach angereichertes Salz (QFS) vs. jodiertes Salz | Salzverbrauch 6,0 g/Erwachsenenäquivalent/Tag; Joddosis nicht berichtet | 12 Monate (Messungen bei 0, 6 und 12 Monaten) | 32 |
| Tägliches pränatales Multimikronährstoff-Präparat mit Jod vs. Eisen-Folsäure (FeFol) | 300 µg Jod täglich | Schwangerschaft bis 30. Woche; Nachbeobachtung bis 24 Wochen postpartum | 33 |
| Jodiertes Speisesalz (Iodid) in Haushalten | mittlerer Iodidgehalt 45,3 ppm im Speisesalz | 15 Monate Intervention | 34 |
| 200 µg Jod oral einmal täglich als Tablette bis zur Entbindung vs. Placebo | 200 µg Jod einmal täglich, Einnahmetreue 87% | von Einschluss (mittleres Gestationsalter 10·7 Wochen) bis zur Entbindung, Nachuntersuchung der Kinder mit 5–6 Jahren | 35 |
| Orales jodiertes Öl (OIO) vs. Mohnöl-Placebo | — | Erstgabe bei 8 Wochen, Auffrischungen nach 4 und 8 Wochen, Nachbeobachtung bis 6 Monate | 36 |
| Tägliches orales Jod 200 µg oder Placebo bis zur Geburt | 200 µg Jod täglich oral | Bis zur Entbindung, Compliance 88% | 37 |
| Fünffach angereichertes Salz (QFS) vs. jodiertes Salz (IS) | — | 12 Monate | 38 |
| Etwa 10 g jodiertes Speisesalz täglich versus nicht jodiertes Salz mit jodarmer Kost | etwa 10 g jodiertes Speisesalz pro Tag | 24 Monate diätetische Intervention, Rezidiv über 12 Monate nach ATD-Absetzen | 39 |
| Jodiertes Salz mit 32 ppm Jod, angereichert mit Folsäure | 7,8 ± 1,8 g Salz/Tag; Folsäure 99, 36 oder 0 ppm | 26 Wochen, zweiwöchentliche Lieferung | 40 |
| Iodiertes Öl (Jodform/Dosis nicht berichtet); zusätzlich Selen oder Placebo | nicht berichtet | 12 Monate | 42 |
5. Ist Jod sicher? Nebenwirkungen in Studien
In den Studien zu Jodgabe in Jodmangelgebieten wurden überwiegend keine oder nur milde, vorübergehende Nebenwirkungen berichtet 8636566. In einer kontrollierten Studie mit Iodid-Tabletten bei Schwangeren traten unerwünschte Ereignisse in beiden Gruppen ähnlich häufig auf 35.
| Studie | Berichtete Nebenwirkungen |
|---|---|
| 4 Harding et al. 2017 | Postpartale Hyperthyreose seltener, Verdauungsintoleranz in der Schwangerschaft häufiger |
| 5 Velasco et al. 2026 | Keine Studie berichtete unerwünschte Ereignisse zu Jod |
| 6 Haroon et al. 2026 | Endokrine Komplikationen, Hypokalzämie, Hämatom, Recurrensparese ähnlich zur Kontrolle |
| 8 Wu et al. 2002 | Keine Nebenwirkungen beobachtet |
| 9 Abe et al. 2016 | keine berichtet, keine Daten zu unerwünschten Wirkungen |
| 11 Nazeri et al. 2026 | Mögliche Zunahme emotionaler Belastung bei bestimmten Bedingungen (Supplementierung) |
| 13 Lv et al. 2026 | nicht berichtet |
| 25 Zhou et al. 2013 | Sicherheit bewertet, keine konkreten Angaben berichtet |
| 32 Goh et al. 2025 | nicht berichtet |
| 35 Gowachirapant et al. 2017 | Unerwünschte Ereignisse in beiden Gruppen ähnlich: 24 vs. 28 Frauen (u. a. Aborte, Windei, intrauteriner Tod) |
| 37 Verhagen et al. 2020 | Geringerer Abfall von freiem und Gesamt-Thyroxin in der Jodgruppe (p < 0,05) |
| 40 Tessema et al. 2026 | Keine Gruppenunterschiede bei berichteten unerwünschten Ereignissen |
6. Was noch offen ist: Grenzen der Studienlage
- Der Nutzen ist vor allem für den Ausgleich eines bestehenden Jodmangels gezeigt; die Wirkung einer zusätzlichen Jodgabe bei ausreichender Versorgung ist offen.
- Viele kontrollierte Studien sind klein bis mittelgroß und überwiegend auf einzelne Regionen wie Äthiopien begrenzt.
- Die Studien prüften sehr unterschiedliche Jodformen und Zubereitungen, was den direkten Vergleich erschwert.
- Befunde zu Mischpräparaten mit weiteren Mikronährstoffen lassen sich nicht dem Jod allein zuordnen.
- Ob beobachtete Veränderungen von Laborwerten wie der Jodausscheidung im Urin auch klinische Folgen haben, bleibt unklar.
7. Fazit: Was über Jod gesichert ist
Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst bilden kann, und in der Schilddrüse Baustein der Schilddrüsenhormone. Die Studien am Menschen zeigen den deutlichsten Nutzen beim Ausgleich eines bestehenden Jodmangels: In Jodmangelgebieten dämpfte Jodgabe den Anstieg des Schilddrüsenvolumens in der Schwangerschaft 7088, und die Kropfhäufigkeit sank in Dörfern mit Jodöl 94. Jodiertes Speisesalz verbesserte zudem den Jodstatus von Müttern und Kindern 30. Bei Kindern in Jodmangelregionen ging jodiertes Speisesalz in einer randomisierten Studie in Äthiopien mit besserer kognitiver Entwicklung einher, beim Wachstum fand sich kein Unterschied 2930.
Die Befunde gelten für die jeweils untersuchte Form und Zubereitung, vor allem Iodid, Iodat, jodiertes Speisesalz und jodiertes Öl. Algen- und Kelpzubereitungen sowie Mehrstoffpräparate mit schwankendem Jodgehalt lassen keine eigenen Schlüsse zum reinen Jod zu.
Häufige Fragen
Wie gut ist Jod am Menschen untersucht?
Jod: ausgewertet wurden 155 Studien am Menschen, darunter 63 randomisierte kontrollierte Studien und 26 Metaanalysen oder systematische Übersichten; die kontrollierten Studien umfassen zusammen 24.647 Teilnehmer. Stand: 14. Oktober 2026.
Was bringt Jod bei Kinder und Wachstum? Das zeigen die Studien
Ausgewertet sind 7 Metaanalysen oder systematische Übersichten, 19 kontrollierte Studien und 20 weitere Studien, die kontrollierten Studien mit zusammen 5.551 Teilnehmern. Ergebnis der kontrollierten Studien: überwiegend kein Unterschied. Beweiskraft nach unseren offengelegten Regeln: hoch. Belege: 1234
Was bringt Jod bei Kropf (Struma)? Das zeigen die Studien
Was bringt Jod bei Jodiertes Salz und Anreicherungsprogramme? Das zeigen die Studien
Wofür wird Jod in Studien am Menschen untersucht?
Untersucht werden vor allem der Ausgleich eines Jodmangels, das Schilddrüsenvolumen und die Kropfhäufigkeit. In Jodmangelgebieten zeigte Jodgabe in kontrollierten Studien Vorteile bei Jodstatus, Schilddrüsenvolumen und Kropfhäufigkeit 8708894. Zusätzlich wurden Jodstatus, Schilddrüsenhormonwerte und die Jodausscheidung im Urin als Versorgungs- und Laborgrößen gemessen.
Welche Jodformen wurden in den Studien geprüft?
Geprüft wurden überwiegend Kaliumiodid, Kaliumiodat, jodiertes Speisesalz und jodiertes Öl, teils auch molekulares Jod. Die Formen unterscheiden sich in Aufnahme und Wirkung, deshalb gelten Befunde jeweils nur für die untersuchte Form und Zubereitung. Algen- und Kelpzubereitungen haben einen schwankenden Jodgehalt und wurden nicht als reines Jod geprüft.
Zeigt Jod bei ausreichender Versorgung einen Nutzen?
Das ist noch offen: In einer Studie mit stillenden Müttern in einem Land mit Salzjodierung blieb die Jodausscheidung der Säuglinge unter der niedrigeren Jodgabe gleich wie unter Placebo 82. Der gezeigte Nutzen betrifft vor allem den Ausgleich eines bestehenden Jodmangels.
Wie verträglich war Jod in den Studien?
Was ist bei Algen- und Kelpzubereitungen zu beachten?
Algen- und Kelpzubereitungen haben einen schwankenden Jodgehalt und wurden nicht als reines Jod geprüft.
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