Hyperthermie einfach erklärt
Hyperthermie heißt, dass Gewebe oder der ganze Körper gezielt erwärmt werden. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei untersucht wurde und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Hyperthermie bedeutet: Gewebe oder der ganze Körper werden gezielt erwärmt, auf 39 bis 45 Grad. Es ist ein physikalisches Verfahren, es arbeitet also mit Wärme und nicht mit einem Wirkstoff.
Es gibt drei Formen. Bei der lokalen Hyperthermie wird nur eine Stelle erwärmt, zum Beispiel ein Tumor. Bei der regionalen Hyperthermie betrifft die Wärme einen ganzen Körperbereich. Bei der Ganzkörperhyperthermie wird der ganze Körper warm. Die Wärme wird mit besonderen Geräten erzeugt, und Sensoren messen die Temperatur, damit kein Gewebe geschädigt wird.
Wärme wird in der Medizin schon seit der Antike genutzt. Die heutigen Verfahren wurden im 20. Jahrhundert entwickelt. Untersucht wird Hyperthermie vor allem bei Krebs, meist zusammen mit Bestrahlung oder Chemotherapie. Es gibt auch Untersuchungen zu chronischen Entzündungen und zu Schmerzen.
Ein wichtiger Vorgang dabei: Zellen bilden bei Wärme Schutzstoffe, die sie vor der Hitze bewahren. In der Krebstherapie soll die Wärme außerdem die Durchblutung des Gewebes verbessern, damit Bestrahlung oder Medikamente besser wirken.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist Hyperthermie bei Krebs.
Bei Gebärmutterhalskrebs fasst eine Übersichtsarbeit mehrere Studien zusammen 2. Verglichen wurden 215 Frauen, die Wärme plus Bestrahlung bekamen, mit 212 Frauen, die nur bestrahlt wurden. In der Wärmegruppe war der Tumor danach deutlich häufiger nicht mehr nachweisbar, und die Erkrankung blieb häufiger an der behandelten Stelle unter Kontrolle. Zusätzliche Nebenwirkungen durch die Wärme wurden nicht beobachtet.
Bei Hochrisiko-Sarkomen, also bösartigen Geschwülsten im Bauchraum, untersuchte eine Studie 149 Menschen nach einer Operation 5. Die eine Gruppe bekam zusätzlich zur Chemotherapie regionale Wärme. Nach fünf Jahren war bei ihnen die Erkrankung seltener im behandelten Bereich zurückgekehrt (56 % gegenüber 45 %). Auf das Gesamtüberleben wirkte sich das nicht aus, und die Verträglichkeit war in beiden Gruppen ähnlich.
Bei Depressionen wurde eine einzelne Ganzkörper-Wärmebehandlung geprüft 1. 30 Patientinnen und Patienten nahmen teil. Über sechs Wochen waren die depressiven Beschwerden deutlich geringer. Die Gruppe war klein, und ob die Wirkung länger anhält, wurde nicht untersucht.
Bei der Hautkrankheit kutane Leishmaniose, die durch Parasiten entsteht, wurde eine Stelle der Haut erwärmt 3. Nach zwei Monaten war die Heilungsrate ähnlich wie bei einer Spritzenbehandlung gegen den Erreger. Die Wärmebehandlung belastete den ganzen Körper weniger, führte aber örtlich zu Blasen und Rötungen.
Auch bei Durchblutungsstörungen der Beine gibt es einen Hinweis: In einer Studie mit 22 Betroffenen verbesserte Wärme im Thermalbad die Gehstrecke 4.
3. Was noch unklar ist
Die Studien sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Mal wird nur eine Stelle erwärmt, mal der ganze Körper. Temperaturen, Dauer und Kombinationen mit anderen Behandlungen unterscheiden sich. Deshalb lassen sich die Ergebnisse schwer direkt vergleichen.
Viele Untersuchungen haben nur wenige Teilnehmende. Bei Krebs im Bauchraum, der mit erwärmter Chemotherapie im Bauchraum behandelt wird, widersprechen sich die Ergebnisse: Einige Studien sehen einen Vorteil, andere nicht.
Langzeitdaten zu Nebenwirkungen und zur Lebensqualität stehen noch aus. Bei Anwendungen außerhalb der Krebstherapie, etwa bei Depression oder Regelschmerzen, sind die Ergebnisse weniger einheitlich, und es gibt bisher nur wenige gute Studien. Welche Temperatur, Dauer und Häufigkeit am günstigsten sind, ist ebenfalls noch offen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Hyperthermie ist kein Mittel, das man selbst zu Hause anwendet. Es ist ein Verfahren, das in Kliniken und Praxen durchgeführt wird, meist als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung.
Wer über Hyperthermie liest, stößt auf sehr unterschiedliche Aussagen. Das liegt daran, dass die Studienlage je nach Anwendungsgebiet verschieden ist: Bei Krebs gibt es die meisten und aussagekräftigsten Untersuchungen, bei anderen Beschwerden bisher vor allem erste Hinweise.
Was in einer Untersuchung beobachtet wurde, heißt nicht, dass es bei allen Menschen so wirkt. Die Ergebnisse gelten jeweils für die untersuchte Gruppe und die dort verwendete Methode.
Als Nächstes wäre zu klären, welche Form der Wärme bei welcher Erkrankung am besten abschneidet und wie es den Behandelten langfristig geht. Dazu laufen Studien, deren Ergebnisse noch ausstehen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Hyperthermie. Für Kinder: Hyperthermie für Kinder.
Häufige Fragen
Ist Hyperthermie dasselbe wie Fieber?
Nein. Fieber entsteht im Körper selbst als Reaktion auf eine Infektion. Bei der Hyperthermie wird die Wärme von außen zugeführt und die Temperatur laufend kontrolliert.
Muss man bei der Behandlung Schmerzen aushalten?
Die Temperatur wird mit Sensoren überwacht, damit kein Gewebe geschädigt wird. In den Studien zur Behandlung der Haut wurden örtliche Reaktionen wie Rötungen und Blasen berichtet.
Wirkt Hyperthermie auch allein, ohne andere Behandlung?
Bei Krebs wird sie fast immer zusammen mit Bestrahlung oder Chemotherapie untersucht. Ob die Wärme allein wirkt, lässt sich aus diesen Studien nicht ablesen, weil es meist keine Vergleichsgruppe ohne Wärme gab.
Quellen
- 1Janssen CW, Lowry CA, Mehl MR, Allen JJ, Kelly KL, Gartner DE et al. · 2016
- 2Datta NR, Rogers S, Klingbiel D, Gómez S, Puric E, Bodis S · 2016
- 3Aronson NE, Wortmann GW, Byrne WR, Howard RS, Bernstein WB, Marovich MA et al. · 2010
- 4Akerman AP, Thomas KN, van Rij AM, Body ED, Alfadhel M, Cotter JD · 2019
- 5Angele MK, Albertsmeier M, Prix NJ, Hohenberger P, Abdel-Rahman S, Dieterle N et al. · 2014
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