Extrakorporale Stoßwellentherapie einfach erklärt
Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was die extrakorporale Stoßwellentherapie ist und was Untersuchungen dazu zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Vorkenntnisse gedacht.
1. Worum es geht
Die extrakorporale Stoßwellentherapie bringt Schallwellen von außen in den Körper. „Extrakorporal“ heißt: von außerhalb des Körpers. Die Wellen werden auf eine Stelle im Gewebe gerichtet, ohne dass die Haut aufgeschnitten wird. Dazu wird ein Gel auf die Haut gegeben, damit der Apparat gut anliegt. Eine Sitzung dauert nur wenige Minuten, und meist werden mehrere Sitzungen über einige Wochen verteilt. Es gibt zwei Bauarten: fokussierte Systeme bündeln die Energie auf einen Punkt, radiale Systeme verteilen sie flächiger. Außerdem wird zwischen niedriger und hoher Energie unterschieden. Die Behandlungsstelle wird je nach Beschwerde mit Tasten, Ultraschall oder anderer Bildgebung gefunden. Angewendet wird das Verfahren unter anderem an Sehnenansätzen, Gelenken und Knochen. Wichtig zu wissen: Der Begriff fasst mehrere Verfahren zusammen. Wer Ergebnisse vergleicht, vergleicht also nicht ein einziges Verfahren, sondern eine ganze Familie von Behandlungsarten.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist die Stoßwellentherapie am Bewegungsapparat. Bei Kniegelenkarthrose fasste eine große Auswertung 14 Studien mit 782 Teilnehmern und 877 Knien zusammen. Die Schmerzen und die Beweglichkeit besserten sich deutlich gegenüber einer Scheinbehandlung. Die Scheinbehandlung fühlt sich ähnlich an, soll aber keine Wirkung haben. Die Qualität der Belege wurde als mittel eingestuft 1. Bei einer weiteren Auswertung von sechs Studien mit 589 Patienten sanken die Schmerzwerte nach vier, acht und zwölf Wochen 6. Bei Schmerzen am äußeren Ellenbogen (laterale Epikondylopathie) wertete eine Übersicht 27 Studien mit 1871 Patienten aus. Gegenüber einer Scheinbehandlung waren die Schmerzen mittelfristig geringer, und die Griffkraft besserte sich kurz nach der Behandlung 5. Bei Spastik nach Schlaganfall – das ist eine krankhafte Muskelsteifheit – erhielten in einer Studie 25 Patienten nur Physiotherapie, 27 zusätzlich Stoßwellen auf die verkrampften Muskeln und 30 auf die Gegenspieler. Nach den Behandlungen sprachen 70,4 % bzw. 63,3 % der behandelten Gruppen auf die Behandlung an, gegenüber 16,0 % in der Gruppe mit Physiotherapie allein 7. Bei myofaszialen Schmerzen im Nacken-Schulter-Bereich (Trapezius) zeigte eine Auswertung von zehn Studien mit 477 Patienten eine deutliche Schmerzlinderung gegenüber Scheinbehandlung oder Ultraschall 4. Bei Männern mit erektiler Dysfunktion, die auf PDE-5-Hemmer nicht ansprachen, besserte sich die erektile Funktion in einer scheinkontrollierten Studie nach drei Monaten deutlicher als in der Scheingruppe 3.
3. Was noch unklar ist
Nicht überall zeigt die Stoßwellentherapie einen Vorteil. Bei der Patellatendinopathie, also Beschwerden an der Kniesehne, war sie in einer Auswertung von zwei Studien einer Scheinbehandlung nicht überlegen 9. Bei der Achillessehnen-Tendinopathie am Ansatz fand sich langfristig kein klarer Unterschied zwischen Stoßwelle und Scheinbehandlung 2. Bei Kindern mit Zerebralparese erfüllten nur vier Studien die Kriterien, und die Autoren schreiben, dass weitere Forschung nötig ist 8. Auch ist oft unklar, welche Energie und welche Sitzungszahl am besten sind. Viele Studien vergleichen unterschiedliche Behandlungsarten, und nicht alle haben eine Scheinbehandlung. Deshalb lassen sich Ergebnisse nicht ohne Weiteres nebeneinanderstellen. Zudem wird meist nur der Schmerz über Fragebögen erfasst, nicht der Verlauf der Erkrankung selbst. Offen bleibt, ob ein Teil der beobachteten Wirkung auf die Erwartung der Behandelten zurückgeht. Das ist eine Vermutung, die noch geprüft werden muss.
4. Was das im Alltag bedeutet
Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist ein Verfahren, das ohne Operation auskommt und meist gut vertragen wird. Die Forschung zeigt bei einigen Beschwerden, wie Kniegelenkarthrose oder Ellenbogenschmerzen, dass die Behandlung Schmerzen lindern und die Funktion bessern kann. Bei anderen Beschwerden, etwa an der Patellasehne, ist der Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung nicht nachgewiesen. Wer sich für eine Behandlung interessiert, sollte wissen, dass es verschiedene Geräte und Protokolle gibt und dass die Studienlage nicht für alle Anwendungen gleich ist. Die Seite empfiehlt keine Behandlung und gibt keine Dosierung. Sie fasst zusammen, was untersucht wurde und was noch offen ist. Was als Nächstes geklärt werden muss: direkte Vergleiche zwischen verschiedenen Energiestufen und Auswertungen, die Schmerz und Funktion getrennt nach Energie und Sitzungszahl berichten.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT). Für Kinder: Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) für Kinder.
Häufige Fragen
Tut die Stoßwellentherapie weh?
Viele beschreiben die Behandlung als unangenehm, aber erträglich. In den Studien wurden nur geringfügige Komplikationen beobachtet. Wie stark es weh tut, hängt von der Energie und der behandelten Stelle ab.
Wie oft muss man zur Behandlung?
Das ist unterschiedlich. In den Studien wurden oft mehrere Sitzungen über einige Wochen durchgeführt. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Hilft die Stoßwellentherapie bei allen Sehnenbeschwerden?
Nein. Bei Ellenbogenbeschwerden und Fersenschmerzen am Ansatz zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse. Bei der Patellasehne war kein Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung nachweisbar. Das hängt auch vom genauen Ort und der Art der Beschwerden ab.
Quellen
- 1Avendaño-Coy J, Comino-Suárez N, Grande-Muñoz J, Avendaño-López C, Gómez-Soriano J · 2020
- 2Pinitkwamdee S, Laohajaroensombat S, Orapin J, Woratanarat P · 2020
- 3Vinay J, Moreno D, Rajmil O, Ruiz-Castañe E, Sanchez-Curbelo J · 2021
- 4Zhang Q, Fu C, Huang L, Xiong F, Peng L, Liang Z et al. · 2020
- 5Karanasios S, Tsamasiotis GK, Michopoulos K, Sakellari V, Gioftsos G · 2021
- 6Ma H, Zhang W, Shi J, Zhou D, Wang J · 2020
- 7Li G, Yuan W, Liu G, Qiao L, Zhang Y, Wang Y et al. · 2020
- 8Corrado B, Di Luise C, Servodio Iammarrone C · 2021
- 9Challoumas D, Pedret C, Biddle M, Ng NYB, Kirwan P, Cooper B et al. · 2021
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