Berberin einfach erklärt
Berberin ist ein Pflanzenstoff aus Berberitzen und ähnlichen Pflanzen, der in Studien geprüft wird.
1. Was ist Berberin?
Berberin ist ein natürlicher Stoff aus Pflanzen, genauer ein Alkaloid. Alkaloide sind bestimmte Pflanzenstoffe mit oft starker Wirkung. Berberin steckt vor allem in der Rinde, in den Wurzeln und in den unterirdischen Sprossen einiger Berberitzen- und Coptis-Arten. In der traditionellen chinesischen und ayurvedischen Medizin wird es schon lange verwendet. In Studien wird es meist als Salz oder als Pflanzenextrakt geprüft.
2. Wo steckt es drin, woraus wird es gewonnen?
Berberin kommt in Berberitzen, in Coptis-Arten und in Goldenseal vor, außerdem in Phellodendron. Die höchsten Gehalte sitzen in der Wurzel, im unterirdischen Spross und in der Rinde, nicht in den Früchten. Gewonnen wird es durch Herauslösen aus Wurzel, unterirdischem Spross oder Rinde. In Studien und im Handel liegt es meist als Salz vor, zum Beispiel als Hydrochlorid oder Sulfat. Geprüft werden reiner Stoff, Pflanzenextrakte und Kombinationen mit Stoffen, die die Aufnahme verändern sollen.
3. Was bringt Berberin? Das zeigt die Forschung
| Gebiet | Stand der Forschung | Studien |
|---|---|---|
| Blutzucker und Insulin | mehrere Hinweise | 52 |
| Blutfette | mehrere Hinweise | 41 |
| Körpergewicht | mehrere Hinweise | 20 |
| Polyzystisches Ovarsyndrom | mehrere Hinweise | 9 |
| Blutdruck | noch unklar | 10 |
| Darmmikrobiom | noch unklar | 9 |
| Verträglichkeit und Wechselwirkungen | noch unklar | 30 |
| Weitere Untersuchungen | mehrere Hinweise | 64 |
Blutzucker und Insulin
Bei Diabetes und ähnlichen Stoffwechselstörungen sank der Nüchternzucker in zusammenfassenden Auswertungen stärker als in den Vergleichsgruppen 11142023. Auch der Langzeitblutzuckerwert verbesserte sich in solchen Auswertungen und in einer Studie mit Scheinbehandlung bei Vorstufe des Diabetes 111436. Mehrere Studien zeigten zudem bessere Werte für die Insulinwirkung 11142336. Ein Teil der Ergebnisse stammt aus Mischpräparaten mit anderen Stoffen; diese Ergebnisse gelten für die Mischung, nicht für Berberin allein 41213. Die Aussagekraft ist hoch, doch Formen, Mengen und Personengruppen sind uneinheitlich, und die meisten Studien dauerten nur wenige Monate.
Blutfette
Mehrere zusammenfassende Auswertungen zeigen, dass sich die Blutfette unter Berberin und Berberitzen-Präparaten günstiger verändern als in den Vergleichsgruppen 114162023. Auch in einer großen Studie mit Scheinbehandlung (Placebo) sanken bestimmte Blutfettwerte stärker als unter Placebo 24. Das „gute“ HDL-Cholesterin besserte sich in einigen zusammenfassenden Auswertungen 2223, blieb in anderen aber unverändert 1416172035; in einer Studie bei Gelenkrheuma sank es gegenüber Placebo 34. Die geprüften Formen waren unterschiedlich, und viele Studien nennen die genaue Form und Menge nicht. Die Aussagekraft gilt als hoch, doch die Beobachtungszeiten sind meist kurz.
Körpergewicht
Zusammenfassende Auswertungen von Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung fanden unter Berberin eine Abnahme von Körpergewicht, Körpermasseindex und Taillenumfang gegenüber der Vergleichsgruppe 171920. Kein Unterschied bei Gewicht oder Körpermasseindex fand sich in einer Auswertung bei Diabetes und in einer Studie bei Fettleber 1135. Bei Menschen mit Schizophrenie, die bestimmte Medikamente nahmen, stiegen Gewicht und Taillenumfang unter Berberitzenwurzel-Extrakt stärker als unter Placebo 38. Ergebnisse zu Mischungen lassen sich nicht auf Berberin allein übertragen.
Polyzystisches Ovarsyndrom
Beim polyzystischen Ovarsyndrom (einer Hormon- und Stoffwechselstörung) verglich eine Studie mit zufälliger Gruppenzuteilung Berberin-Hydrochlorid mit Metformin und Myoinositol. Bestimmte Hormonwerte besserten sich in allen Gruppen, unter Berberin am deutlichsten 39. Die Aussagekraft ist mittel: Es gibt zwei zusammenfassende Auswertungen und eine Studie mit Vergleichsgruppe. Die geprüfte Form ist aber uneinheitlich und teils nicht näher bezeichnet.
Blutdruck
Mehrere zusammenfassende Auswertungen fanden beim Blutdruck keinen Unterschied zur Vergleichsgruppe 14151720. In einer Studie mit Scheinbehandlung bei Fettleber sank der systolische Druck in einer speziellen Gefäßmessung gegenüber dem Ausgangswert; bei der Gefäßsteifigkeit zeigte sich kein Unterschied zu Placebo 33. Auch eine Studie mit Berberitzenwurzel-Extrakt bei Schizophrenie unter bestimmten Medikamenten fand keinen Unterschied beim Blutdruck 38. Ein Mischpräparat besserte die Gefäßreaktion; dieser Befund gehört der Mischung 31. Für eine Wirkung auf den Blutdruck ist die Aussagekraft unklar, und Formen und Vergleichsgruppen unterscheiden sich stark.
Darmmikrobiom
In einer zusammenfassenden Auswertung zur Dünndarmfehlbesiedlung (einer Fehlbesiedlung des Dünndarms mit Bakterien) erreichte Berberin allein bei der unkomplizierten Form den höchsten Rang für die Beseitigung der Fehlbesiedlung 6. Eine Übersicht von Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung beschreibt bei Diabetes, erhöhten Blutfetten, Darmpolypen, psychischen Erkrankungen und Parkinson eine veränderte Darmflora unter Berberin 18. Diese Veränderungen waren nicht durchweg günstig. Die geprüfte Form nennen beide Arbeiten nicht, und die zugrunde liegenden Studien am Menschen sind nur über diese Übersichten erfasst. Daher ist die Aussagekraft unklar.
Verträglichkeit und Wechselwirkungen
Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung zu Berberin zum Einnehmen 2433 und zu einem Extrakt aus Berberitzenwurzel im Vergleich mit Metformin 32 fanden keine Häufung von Nebenwirkungen. Auch schwere unerwünschte Ereignisse sowie Nieren- oder Leberschäden traten unter Berberin zum Einnehmen nicht auf 36. Eine Studie zu einer besonderen Zubereitungsform zeigte keine Unterschiede bei Leber- und Nierenwerten und bei der Verträglichkeit 37. Für Mischpräparate mit weiteren Bestandteilen fanden Studien keine Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen 25272829. Die Aussagekraft ist insgesamt unklar: Die Studien sind meist klein und kurz, und mehrere betreffen Mischpräparate. Offen bleiben belastbare Aussagen zu seltenen oder längerfristigen Nebenwirkungen und zu Wechselwirkungen.
Weitere Untersuchungen
In einer großen Studie mit Scheinbehandlung bei Fettleber und Übergewicht senkte Berberin einen Entzündungswert im Blut, nicht aber den Fettgehalt der Leber 24. Eine Studie bei Fettleber fand keinen Unterschied bei den Leberenzymen 35. Bei Zahnfleischentzündung besserten sich Zahnbelag und Zahnfleischbluten unter einer Mundspülung mit Berberin, aber ebenso unter den Vergleichsspülungen 30. Ein Mischpräparat mit mehreren Stoffen verringerte bei gestörtem Blutzucker auch Entzündungswerte 26. Ergebnisse der Mischungen lassen sich nicht auf Berberin allein übertragen.
4. Wie wurde Berberin in den Studien eingenommen?
Geprüft wurden überwiegend Berberin-Salze wie Berberin-Hydrochlorid, Berberin-Sulfat und Berberin-Citrat sowie Pflanzenextrakte aus Berberitzenrinde, Coptis oder Goldenseal. Einige Studien verwendeten auch eine Abwandlung des Stoffes oder eine besondere Zubereitungsform. Mal wurde der reine Stoff geprüft, mal Kombinationen mit Stoffen, die die Aufnahme verändern sollen. Die Aufnahme unterscheidet sich zwischen diesen Formen. Viele Studien nennen die genaue Form und Menge nicht.
5. Ist Berberin sicher? Nebenwirkungen in den Studien
Wichtig ist, welche Form geprüft wurde, denn der Körper nimmt die Formen unterschiedlich gut auf. Bei Mischpräparaten zählt die ganze Mischung: Ihr Ergebnis ist kein Beleg für Berberin allein. Mögliche Wechselwirkungen von Berberin mit Medikamenten sind eine offene Frage für weitere Studien. Ergebnisse aus Tier- und Zellversuchen sind Voruntersuchungen und kein Beleg am Menschen.
Alle Einzelheiten mit Tabellen und Quellen: ausführliche Fachseite zu Berberin
Häufige Fragen
Was bringt Berberin bei Blutzucker und Insulin? Das zeigen die Studien
Was bringt Berberin bei Blutfette? Das zeigen die Studien
Was bringt Berberin bei Körpergewicht? Das zeigen die Studien
Was bringt Berberin bei Polyzystisches Ovarsyndrom? Das zeigen die Studien
Was bringt Berberin bei Blutdruck? Das zeigen die Studien
Quellen
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