Aromatherapie einfach erklärt
Aromatherapie heißt, ätherische Öle einzuatmen oder auf die Haut zu bringen. Diese Seite zeigt in einfachen Worten, was Untersuchungen dazu gefunden haben und wo Fragen offen bleiben.
1. Worum es geht
Aromatherapie ist die Anwendung ätherischer Öle. Am häufigsten werden sie eingeatmet: Das Öl wird verdampft oder auf ein Tuch gegeben, und der Duft zieht in die Nase. Manche Studien lassen die Öle auch auf die Haut einwirken, oft als Massage. Häufig wird die Anwendung mit etwas anderem kombiniert, etwa mit Musik. Untersucht wurden unter anderem Lavendel, Damaszener Rose, Pfefferminz und Bergamot, einzeln oder als Mischung.
Wichtig ist, dass Aromatherapie kein einzelner Stoff ist. In jeder Studie kommt etwas anderes zusammen: der Duft, die Berührung bei einer Massage, eine ruhige Umgebung und die Zuwendung durch die Person, die die Anwendung begleitet. Dazu kommt die Erwartung der Teilnehmenden.
Gemessen wird fast immer, was die Teilnehmenden selbst berichten: Wie ängstlich fühlen sie sich, wie ist die Stimmung, wie gut haben sie geschlafen, wie stark sind die Schmerzen? Solche Angaben hängen auch davon ab, wie viel Aufmerksamkeit jemand bekommt. Ein weiterer Punkt: Ein Duft lässt sich kaum verbergen. Wer ein riechendes Öl bekommt, merkt das meist, und ein Vergleichsmittel ohne Geruch fällt auf.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten gestützt sind die Befunde zur Angst. Eine Zusammenfassung von sechs Studien zur Angst vor dem Zahnarztbesuch 4 fand bei den behandelten Gruppen niedrigere Angstwerte als in den Vergleichsgruppen; die Sicherheit dieser Aussage wird als hoch eingestuft. Für dieses Anwendungsfeld gilt der Zusammenhang damit als gut belegt.
Bei Krebspatientinnen und Krebspatienten fasst eine Übersicht 1 elf Studien zusammen. Zehn davon untersuchten die Angst bei 1724 Patienten, fünf die gedrückte Stimmung bei 1039 Patienten. In beiden Fällen waren die Werte in den Gruppen mit Aromatherapie niedriger. Die Qualität der einzelnen Studien wird allerdings als niedrig eingestuft, also Hinweise, aber noch nicht gesichert. Eine weitere Übersicht 2 wertete zehn Studien zur Schlafqualität bei 933 Krebspatienten aus. Der Schlaf besserte sich, besonders bei Frauen mit Brustkrebs; ein einzelnes Öl schnitt dabei besser ab als eine Mischung.
Bei 200 Patienten vor einer MRT-Untersuchung 6 wurde Lavendel eingeatmet, Musik gehört oder beides. Die stärkste Beruhigung zeigte sich, wenn beides zusammenkam: Die Angst sank in dieser Gruppe am deutlichsten, deutlicher als mit Lavendel oder Musik allein.
Nach Operationen wegen eines Bruchs an Bein oder Fuß 7 wurde bei 90 Patienten Zitronenöl eingeatmet. Die Gruppen unterschieden sich deutlich bei Schmerzen sowie bei Übelkeit und Erbrechen. Ob die Vergleichsgruppe dabei ein Öl ohne Wirkstoff bekam, bleibt offen; deshalb lässt sich nicht trennen, wie viel vom Duft und wie viel von der Erwartung kommt. Eine weitere Zusammenfassung 9 über 44 Arbeiten berichtet, dass sich die Schmerzen in der Mehrheit der Studien verringerten, am deutlichsten beim Geburtsschmerz und nach Operationen.
3. Was noch unklar ist
Die größte offene Frage ist die Vergleichsgruppe. Kontrollgruppen bekommen meist Wasser, Paraffinöl oder Mandelöl oder nur die übliche Versorgung. Was dann gemessen wird, lässt sich nicht eindeutig dem Öl zuordnen.
Auch die Anwendungen selbst sind unterschiedlich beschrieben: Öl, Dauer und Umgebung wechseln von Studie zu Studie. Eine Übersicht 5 über 76 Studien mit 6539 Patienten nennt die ungenaue Angabe von Pflanzensorte und Menge des Öls als Einschränkung.
Für Krebsschmerz zeigte eine Auswertung 8, dass die Schmerzen zurückgingen; wie groß die Veränderung ausfiel und mit welchen Skalen sie gemessen wurde, geht aus dem vorliegenden Auszug nicht hervor. Ob eingeatmete Öle im Darm etwas verändern, ist offen, dazu liegt keine Arbeit mit entsprechenden Messwerten vor. Ebenso steht die Prüfung am Menschen aus, ob sich Entzündungswerte oder Marker für oxidativen Stress im Blut verändern.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer die Befunde liest, sollte zwei Dinge auseinanderhalten: das, was Teilnehmende über ihr Befinden berichten, und das, was gemessen wurde, ohne dass jemand etwas dazu sagen muss. Die berichteten Verbesserungen bei Angst, gedrückter Stimmung und Schlaf sind gut bis mittel belegt; Herzfrequenz, Blutdruck und Sauerstoffsättigung veränderten sich in mehreren Studien mit, aber nicht einheitlich.
Fast immer wurde Aromatherapie zusätzlich zur üblichen Versorgung geprüft, nicht als einzige Maßnahme. Ob sie allein trägt, ist damit noch nicht geklärt. Ebenso wenig ist geklärt, wie das Zusammenspiel mit Musik zu erklären ist; die Studien mit MRT-Patienten und mit Kindern beim Zahnarzt legen nahe, dass die Kombination mehr verändert.
Als Nächstes wären verblindete Studien nötig, die ein gleich riechendes Vergleichsmittel verwenden, Sorte und Menge des Öls genau angeben und die Verträglichkeit miterheben.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Aromatherapie. Für Kinder: Aromatherapie für Kinder.
Häufige Fragen
Ist Aromatherapie wissenschaftlich belegt?
Für die Angst vor zahnärztlichen Eingriffen gibt es mehrere übereinstimmende Studien und eine zusammenfassende Auswertung 4; dort gilt der Zusammenhang als gut belegt. Bei Krebspatienten zeigten Übersichten 1 niedrigere Angst- und Depressionswerte, die Qualität der einzelnen Studien wird aber als niedrig eingestuft. Insgesamt gilt: Hinweise gibt es für Angst, Stimmung und Schlaf, gesichert ist wenig davon.
Wie lange wurde in den Studien angewendet?
Am häufigsten wurde das Öl eingeatmet, meist über zehn bis 20 Minuten an einem Termin. Andere Studien begleiteten die Teilnehmenden über drei Tage, sieben Nächte oder 30 Nächte. In einer Untersuchung 3 wurde vier Wochen lang täglich 15 Minuten inhaliert.
Warum ist ein Vergleichsmittel hier so schwierig?
Ein Duft lässt sich kaum verbergen. Wer Lavendel bekommt, weiß meist, dass er Lavendel bekommt, und ein Vergleichsmittel ohne Geruch fällt auf. Deshalb lassen sich die Gruppen nicht so sicher gegenüberstellen wie bei einer Tablette ohne Geschmack.
Wirkt Aromatherapie auch gegen Schmerzen?
Bei Geburtsschmerz und nach Operationen berichten mehrere Studien über weniger Schmerz, und eine Zusammenfassung 9 über 44 Arbeiten kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Für Krebsschmerz zeigt eine Auswertung 8 einen Rückgang, die Größe der Veränderung geht aus dem vorliegenden Auszug aber nicht hervor.
Quellen
- 1Liu T, Cheng H, Tian L, Zhang Y, Wang S, Lin L · 2022
- 2Cheng H, Lin L, Wang S, Zhang Y, Liu T, Yuan Y et al. · 2022
- 3
- 4Purohit A, Singh A, Purohit B, Shakti P, Shah N · 2021
- 5Hedigan F, Sheridan H, Sasse A · 2023
- 6Wen X, Shi J, Tan W, Jiang H, Wang D, Su J et al. · 2023
- 7Rambod M, Pasyar N, Karimian Z, Farbood A · 2023
- 8Corasaniti MT, Bagetta G, Morrone LA, Tonin P, Hamamura K, Hayashi T et al. · 2023
- 9Nascimento JC, Gonçalves VSS, Souza BRS, Nascimento LC, Carvalho BMR, Ziegelmann PK et al. · 2022
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