Akzeptanz- und Commitment-Therapie einfach erklärt
ACT ist eine Form der Psychotherapie. Sie setzt nicht am Beschwerdeteil an, sondern am Umgang mit belastenden Gedanken und Gefühlen. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dazu untersucht wurde.
1. Worum es geht
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie, kurz ACT, ist eine Form der Psychotherapie. Sie ist kein Medikament und kein Stoff, sondern ein Verfahren, das in Gesprächen und Übungen abläuft.
Der Ansatz setzt nicht am Beschwerdeteil selbst an, sondern am Verhältnis zu den eigenen Gedanken und Gefühlen. Belastende Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen sollen nicht bekämpft werden. Stattdessen werden sie wahrgenommen und mitgetragen. Gleichzeitig schaut man auf die eigenen Werte und darauf, welche Schritte dazu passen. Für dieses Zusammenspiel gibt es einen Fachbegriff: psychische Flexibilität. Gemeint ist die Fähigkeit, auch mit unangenehmen inneren Zuständen so umzugehen, dass man tun kann, was einem wichtig ist.
Wie das Verfahren abläuft, ist wenig festgelegt. Beschrieben werden Sitzungen allein und in Gruppen, begleitete Selbsthilfeprogramme im Internet, Sitzungen per Video, kurze Lerneinheiten für zwischendurch und Kombinationen mit Bewegungsprogrammen. Manche Programme laufen in Schmerzkliniken, andere richten sich an Jugendliche und ihre Eltern. ACT ist deshalb weniger ein festes Protokoll als eine Familie von Anwendungen mit einem gemeinsamen Ziel.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist ACT bei chronischen Schmerzen. Dort gibt es Übersichtsarbeiten, die viele Einzelstudien zusammenfassen.
Eine solche Übersicht von 2023 bündelte 21 randomisierte kontrollierte Studien mit 1962 Teilnehmenden 1. Randomisiert kontrolliert heißt: Die Teilnehmenden wurden per Zufall einer Gruppe zugeteilt, und es gab eine Vergleichsgruppe. In dieser Zusammenfassung zeigte sich bei den Teilnehmenden eine bessere Schmerzakzeptanz, eine bessere Lebensqualität und eine bessere schmerzbezogene Funktionsfähigkeit. Die Schmerzintensität, die Angst und die depressiven Beschwerden gingen zurück.
Eine zweite Übersicht desselben Jahres fasste 33 Studien mit 2293 Teilnehmenden zusammen 2. Sie berichtete kleinere bis mittlere Verbesserungen bei Schmerzintensität und körperlicher Funktion. Wurde ACT persönlich durchgeführt, waren die Verbesserungen bei körperlichen Endpunkten größer als bei einer Durchführung über das Internet. Menschen mit chronischem Kopfschmerz und mit Fibromyalgie profitierten stärker als Menschen mit unspezifischen Schmerzen.
Eine weitere Übersicht von 2022 über 25 randomisierte kontrollierte Studien fand Verbesserungen bei Schmerzinterferenz, Behinderung, Depression und Lebensqualität 5. Schmerzinterferenz meint, wie sehr der Schmerz den Alltag stört.
Auch einzelne Studien sind aufschlussreich. Bei 101 Menschen mit Lungenkrebs wurde eine siebenwöchige ACT über das Internet mit der üblichen Versorgung verglichen 7. Die Teilnehmenden der ACT-Gruppe berichteten eine bessere Lebensqualität, mehr psychische Flexibilität und weniger Angst. In einer Machbarkeitsstudie mit 63 Menschen mit komplexen chronischen Schmerzen bewerteten 56 Prozent der Online-ACT-Gruppe ihren Zustand als deutlich verbessert, gegenüber 20 Prozent in der Kontrollgruppe 6. Eine Machbarkeitsstudie prüft vor allem, ob ein Programm durchführbar ist, nicht ob es wirkt.
Verglichen wurde auch, ob man für ACT in die Praxis kommen muss. In einer Studie mit 128 Veteranen mit chronischen Schmerzen wurden acht Wochen ACT per Videokonferenz und persönlich durchgeführt 4. Beide Gruppen verbesserten sich, nur die Schlafqualität nicht. Mehr Teilnehmende der Videogruppe brachen die Behandlung ab.
3. Was noch unklar ist
Für Gebiete außerhalb von Schmerz und Erschöpfung tragen einzelne kontrollierte Arbeiten noch keine Aussage. Bei Krebserkrankungen, bei Burnout und bei älteren Menschen mit Gelenkerkrankungen gibt es erste Machbarkeits-, Pilot- und Übersichtsarbeiten; größere Studien mit längerer Nachbeobachtung stehen noch aus 78109.
Die Studien sind außerdem schwer vergleichbar. Formate, Vergleichsgruppen, Laufzeiten und Fragebögen unterscheiden sich stark. Viele Ergebnisse beruhen auf Selbstauskünften der Teilnehmenden. Ein Fragebogenwert ist ein Marker, kein Krankheitsverlauf.
Die viel zitierte Telehealth-Studie von 2017 war als Nichtunterlegenheitsprüfung angelegt. Eine solche Anlage soll zeigen, dass zwei Wege ähnlich gut sind. Sie kann von ihrer Konstruktion her nicht zeigen, dass einer besser ist.
Offen ist auch, welche Patientengruppen von welchem Format und welcher Dauer am meisten profitieren.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer die Forschungslage zu ACT liest, stößt auf viele Arbeiten, die vor allem prüfen, wie das Verfahren angeboten wird: als begleitetes Internetprogramm, per Video, als kurze Lerneinheit oder in Kombination mit Bewegung. Diese Fragen sind berechtigt, denn der Zugang entscheidet mit, wer ein Angebot überhaupt erreicht. Sie beantworten aber eine andere Frage als die nach der Wirkung.
Hinzu kommt: In manchen Studien wird mehr als eine Sache geändert, etwa ACT zusammen mit einem Bewegungsprogramm. Aus solchen Kombinationen lässt sich nicht ableiten, was ACT allein bewirkt.
Die stärksten Aussagen stammen aus Übersichtsarbeiten zu chronischen Schmerzen. Dort zeigt sich ein Muster: Die Verbesserungen sind zum Behandlungsende meist deutlicher als bei einer späteren Nachbefragung.
Was das entscheiden würde, ist eine kontrollierte Studie, die ACT gegen eine andere aktive Behandlung führt und psychische Flexibilität und Schmerzverlauf über eine längere Zeit gemeinsam erhebt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Für Kinder: Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) für Kinder.
Häufige Fragen
Was ist ACT überhaupt?
ACT ist eine Form der Psychotherapie. Sie arbeitet nicht gegen belastende Gedanken und Gefühle an, sondern übt, sie wahrzunehmen und mitzutragen. Gleichzeitig richtet sie den Blick auf eigene Werte und passende Handlungsschritte.
Wurde ACT bei chronischen Schmerzen untersucht?
Ja, dazu gibt es mehrere Übersichtsarbeiten, die viele Studien zusammenfassen. Darin zeigten sich Verbesserungen bei Schmerzakzeptanz, Funktionsfähigkeit, Depression, Angst und Lebensqualität. Die Verbesserungen waren zum Behandlungsende meist deutlicher als bei einer späteren Nachbefragung.
Muss man für ACT in eine Praxis gehen?
Nein, untersucht wurden auch Programme über das Internet, per Videokonferenz und kurze Lerneinheiten für zwischendurch. In einer Studie mit Veteranen verbesserten sich beide Gruppen, persönlich und per Video. Allerdings brachen mehr Teilnehmende die Videovariante ab.
Ist ACT dasselbe wie Achtsamkeit?
In einer Übersicht wurden akzeptanz- und achtsamkeitsbasierte Verfahren gemeinsam betrachtet 3. Beide richten den Blick darauf, wie man mit inneren Zuständen umgeht. ACT legt zusätzlich Gewicht auf eigene Werte und auf Handlungsschritte, die daraus folgen.
Quellen
- 1Ma TW, Yuen AS, Yang Z · 2023
- 2Lai L, Liu Y, McCracken LM, Li Y, Ren Z · 2023
- 3Veehof MM, Trompetter HR, Bohlmeijer ET, Schreurs KM · 2016
- 4Herbert MS, Afari N, Liu L, Heppner P, Rutledge T, Williams K et al. · 2017
- 5McCracken LM, Yu L, Vowles KE · 2022
- 6Scott W, Chilcot J, Guildford B, Daly-Eichenhardt A, McCracken LM · 2018
- 7Zhang Y, Liu C, Chen X, Zhang Y, Li Y, Hu X · 2024
- 8Martin S, Wolters PL, Toledo-Tamula MA, Schmitt SN, Baldwin A, Starosta A et al. · 2016
- 9Dagnino APA, Campos MM · 2022
- 10Towey-Swift KD, Lauvrud C, Whittington R · 2023
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