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Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das nicht am Symptom, sondern am Verhältnis zu eigenen Gedanken und Gefühlen ansetzt. Die ausgewerteten Arbeiten erschienen zwischen 2011 und 2026; die am häufigsten zitierte Literatur behandelt chronischen Schmerz. Auffällig ist, dass ein Teil der kontrollierten Studien vor allem das Format der Durchführung prüft.

Stand:

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1. Was die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist kein Stoff, sondern ein psychotherapeutisches Verfahren. In der Durchführung ist das Verfahren wenig festgelegt. Die ausgewerteten Arbeiten beschreiben Sitzungen im Einzel- und im Gruppensetting, begleitete Selbsthilfeprogramme über das Internet, telemedizinische Sitzungen, Lerneinheiten in kleinen Portionen sowie Kombinationen mit Bewegungsprogrammen. Ein Teil der Literatur prüft das Verfahren innerhalb interdisziplinärer Schmerzprogramme, ein Teil bei Jugendlichen und deren Eltern. Das Verfahren ist damit weniger ein einheitliches Protokoll als eine Familie von Anwendungen mit gemeinsamem Ziel.

Für das Lesen aller Arbeiten entscheidend ist, wie in diesem Feld gemessen wird. ACT verändert nicht in erster Linie einen Laborwert, sondern das Erleben; die Zielgrößen sind entsprechend überwiegend Fragebögen, etwa zu psychischer Flexibilität, zu Akzeptanz, zu Schmerzintensität oder zu Erschöpfung. Ein Fragebogenwert ist ein Marker, kein Krankheitsverlauf. Zweitens ist die Vergleichsbedingung selten dieselbe: Manche Studien vergleichen mit einer Wartegruppe, andere mit einer weiteren Psychotherapie, wieder andere prüfen zwei Formen desselben Verfahrens gegeneinander. Die viel zitierte Telehealth-Studie von 2017 ist ausdrücklich als Nichtunterlegenheitsprüfung angelegt; eine solche Anlage kann Überlegenheit konstruktionsbedingt nicht zeigen. Drittens werden Verfahren und Begleitmaßnahmen oft gemeinsam geändert, etwa ACT zusammen mit einem Bewegungsprogramm und digitaler Verlaufsmessung. Aus solchen Kombinationsstudien lässt sich die Wirkung der ACT allein nicht ableiten.

2. Was die Studien im Einzelnen zeigen

Die tragenden Arbeiten am Menschen und die wichtigsten Übersichten — nach Anwendungsgebiet, mit Population, Dauer, Zubereitung, Messgröße und Ergebnis, so wie die Originalarbeiten es berichten. Zahlen stehen nur dort, wo die Arbeit sie nennt.

Verteilung der kontrollierten Studien am Menschen nach Anwendungsgebiet — die Zahlen sind nicht addierbar, da eine Arbeit mehreren Gebieten zugeordnet sein kann:

Anwendungsgebietkontrollierte Studien
Kognition und Psyche293
Erschöpfung und Stress202
Sicherheit und Verträglichkeit66
Onkologie63
Bewegungsapparat49
Darm und Mikrobiom40
Stoffwechsel14
Entzündungsgeschehen12

Kognition und Psyche

Belegt Die belastbarsten Aussagen stammen aus Übersichtsarbeiten. Eine Metaanalyse von 2023 bündelte 21 randomisierte kontrollierte Studien mit 1962 Teilnehmenden und fand standardisierte Mittelwertdifferenzen von 0,67 (95 %-KI: 0,48, 0,87) für Schmerzakzeptanz, 0,43 (95 %-KI: 0,29, 0,57) für Lebensqualität, −0,88 (95 %-KI: −1,14, −0,63) für schmerzbezogene Funktionsfähigkeit, −0,45 (95 %-KI: −0,62, −0,27) für Schmerzintensität, −0,35 (95 %-KI: −0,54, −0,15) für Angst und −0,74 (95 %-KI: −0,98, −0,50) für Depression 1. Eine zweite Metaanalyse desselben Jahres über 33 Studien mit 2293 Teilnehmenden berichtete kleine bis mittlere Effekte für Schmerzintensität (g = 0,44) und körperliche Funktion (g = 0,59) zum Behandlungsende sowie g = 0,34 und g = 0,56 zum Follow-up; für psychische Endpunkte lagen die Effekte zum Behandlungsende bei g = 0,43 (Depression), g = 0,43 (Angst) und g = 0,45 (Lebensqualität) 2. Eine Trial-Sequenz-Analyse sprach dafür, dass die gepoolten Schätzungen nicht auf Zufall beruhen. Persönlich durchgeführte ACT erzielte größere Effekte auf körperliche Endpunkte als internetvermittelte ACT, und Menschen mit chronischem Kopfschmerz und Fibromyalgie profitierten stärker als solche mit unspezifischem oder gemischtem Schmerz 2.

Eine frühere Metaanalyse über 25 randomisierte kontrollierte Studien mit 1285 Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen verglich akzeptanz- und achtsamkeitsbasierte Verfahren mit Warteliste, Behandlung wie üblich sowie Edukations- oder Unterstützungskontrollen; die Effektstärken reichten zum Behandlungsende von klein (auf allen Endpunkten außer Angst und Schmerzinterferenz) bis moderat (Angst und Schmerzinterferenz) 19. Eine Übersicht von 2022 über 25 randomisierte kontrollierte Studien zu psychologischen Verfahren neuerer Generation berichtete kleine bis große Effekte für Schmerzinterferenz, Behinderung, Depression und Lebensqualität; drei Studien stützten die Kosteneffektivität, und die psychische Flexibilität trat als vermittelnder Prozess hervor 23. Eine ältere Metaanalyse über elf Studien fand mittlere bis große Effekte für Schmerzakzeptanz und psychische Flexibilität, kleine bis mittlere für Funktionsfähigkeit, Angst und Depression, während Schmerzintensität und Lebensqualität sich nicht signifikant von null unterschieden 34.

Internetvermittelte Formate wurden in mehreren randomisierten Studien geprüft. Eine Studie mit 76 Patientinnen und Patienten verglich sieben Wochen begleitete Online-ACT mit einem moderierten Diskussionsforum; die Intent-to-treat-Analysen zeigten Zunahmen bei Aktivitätsengagement und Schmerzbereitschaft sowie Rückgänge bei schmerzbezogenem Distress, Angst und depressiven Symptomen, die nach sechs Monaten anhielten 21. Ein Microlearning-Format mit täglichen Übungen (n = 57) gegenüber Warteliste (n = 56) verbesserte Schmerzinterferenz, Depression, Angst, Schmerzintensität, Insomnie sowie psychische Inflexibilität und Werteorientierung 29.

Präsenz- und telemedizinische Formate wurden direkt verglichen. Eine randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie mit 128 Veteraninnen und Veteranen mit chronischen Schmerzen verglich eine achtwöchige ACT per Videokonferenz mit persönlicher Durchführung; beide Gruppen verbesserten sich bei den primären und sekundären Endpunkten mit Ausnahme der Schlafqualität, die Nichtunterlegenheit wurde für den primären Endpunkt und mehrere sekundäre Endpunkte gestützt, und die Aktivität zum Sechs-Monats-Follow-up war in der persönlichen Gruppe stärker gestiegen; zugleich brachen mehr Teilnehmende in der Videogruppe die Behandlung ab 22. Eine Beobachtungskohorte von 252 Patientinnen und Patienten (73,8 % weiblich) in einem vierwöchigen interdisziplinären Programm in London zeigte signifikante Verbesserungen der Insomnie-Schwere (d = 0,45) und der Schlafinterferenz 25. Eine nicht randomisierte Studie mit 164 Jugendlichen (mittleres Alter 15,5 Jahre) und je einem begleitenden Elternteil über drei Wochen fand Verbesserungen depressiver Symptome und der psychischen Flexibilität 28. In Pflegeheimen wurden 101 Personen (mittleres Alter 82,26 Jahre) auf ACT kombiniert mit Kompensationsstrategien oder eine minimale Unterstützung randomisiert; signifikante Zeit-mal-Intervention-Effekte zeigten sich bei Akzeptanz, schmerzbezogener Angst, Kompensationsstrategien und Schmerzinterferenz beim Gehen 31.

Einige Arbeiten betreffen Prozessmaße und Übersichten. Die Engaged Living Scale wurde in einer nichtklinischen Stichprobe (N = 439) und einer Schmerzstichprobe (N = 238) geprüft und zeigte gute interne Konsistenz sowie inkrementelle Validität bei Angst, Depression, positiver psychischer Gesundheit und Schmerzinterferenz über Akzeptanz und Achtsamkeit hinaus 37. Eine Übersichtsarbeit stellt das Modell der psychischen Flexibilität als integrierenden Rahmen vor 38, eine narrative Übersicht fasst den Stand von ACT bei chronischen Schmerzen zusammen und nennt drei veröffentlichte systematische Übersichten mit Metaanalysen 39. Eine Übersicht zu Tinnitus ordnet ACT als einen von mehreren psychologischen Ansätzen ein 41. Eine Machbarkeitsstudie mit 41 gegenüber 41 Teilnehmenden prüfte ein körperlich-mental aktives Programm mit und ohne digitales Messgerät 24. Offen bleibt, welche Patientengruppen von welchem Format am meisten profitieren; die Untersuchung von Moderatoren und Prädiktoren war begrenzt und uneinheitlich 23.

Onkologie

Für Menschen mit Lungenkrebs prüfte eine Machbarkeitsstudie mit 101 Teilnehmenden an einem Krankenhaus der dritten Versorgungsstufe in Sichuan eine siebenwöchige webbasierte ACT gegen die übliche Versorgung. Die Abbruchrate lag bei 13,86 %, die mediane Umsetzungsrate bei 71,43 % und die Zufriedenheit bei 65,9 %. Gegenüber der Kontrollgruppe zeigten sich signifikante Verbesserungen der Lebensqualität (MD = 15,10; 95 %-KI: 10,09, 20,11; d = 0,37), der psychischen Flexibilität (MD = −8,42; 95 %-KI: −10,81, −6,03; d = −1,47) und der Angst (MD = −1,27; 95 %-KI: −2,50, −0,05; d = −0,44) 27.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Neurofibromatose Typ 1 und chronischen Schmerzen untersuchte eine Pilotstudie einen zweitägigen ACT-Workshop in Kleingruppen mit einer telefonischen Auffrischung nach einem Monat. Zehn Jugendliche (vier männlich; mittleres Alter 16,9 Jahre) und sieben Eltern lieferten Ausgangs- und Drei-Monats-Daten; die Zufriedenheit war mittel bis hoch (3,9 bei den Patientinnen und Patienten, 4,6 bei den Eltern auf einer Skala von 1 bis 5). Die Schmerzinterferenz der Jugendlichen ging nach drei Monaten signifikant zurück, ebenso die von den Jugendlichen berichtete Schmerzintensität 30.

Eine Cochrane-Übersicht von 2020 zu psychologischen Therapien bei chronischen Schmerzen bei Erwachsenen verglich kognitive Verhaltenstherapie, Verhaltenstherapie und ACT mit aktiven Kontrollen oder Behandlung wie üblich; Studien zu Kopfschmerz oder malignen Erkrankungen wurden ausgeschlossen, und eingeschlossen wurden nur Studien mit mindestens 20 Teilnehmenden pro Arm zum Behandlungsende 20. Für onkologische Populationen liegen bislang einzelne Machbarkeits- und Pilotstudien vor; größere konfirmatorische Studien mit längerer Nachbeobachtung stehen noch aus.

Erschöpfung und Stress

Zur Burnout-Prävention bei berufstätigen Menschen bündelte eine systematische Übersicht 14 quantitative Arbeiten, die alle kontrollierte Studien waren und ACT in unterschiedlichen Formaten in Gesundheits-, Sozial- und öffentlichen Diensten einsetzten. Die Stichproben waren klein und die Interventionen nicht immer klar definiert 43.

Eine Machbarkeitsstudie im Vereinigten Königreich randomisierte 63 von 139 geprüften Personen mit komplexen chronischen Schmerzen (Rekrutierungsrate 45 %) auf Online-ACT plus spezialisierte medizinische Schmerzbehandlung oder alleinige spezialisierte Behandlung. 56 % der Online-ACT-Teilnehmenden bewerteten sich auf einer globalen Veränderungsskala als „deutlich verbessert“ oder besser, gegenüber 20 % in der Kontrollgruppe; die Drei-Monats-Effekte zugunsten von Online-ACT waren klein für Funktionsfähigkeit und Medikation 26. Die Übersicht zu Burnout fordert größere Studien mit expliziten Protokollen und Prozessmaßen; für Beschäftigte mit chronischen Schmerzen steht eine konfirmatorische Studie noch aus.

Weitere Untersuchungen

Eine systematische Übersicht von 2021 prüfte ACT auf die Funktionsfähigkeit bei chronischen Schmerzen und schloss zwölf randomisierte kontrollierte Studien ein. Zehn wurden mit dem überarbeiteten Cochrane-Risiko-für-Verzerrung-Werkzeug als „geringes Risiko“ und zwei als „einige Bedenken“ bewertet. Nach GRADE zeigte sich niedrige bis moderate Evidenz für eine positive unmittelbare Wirkung auf die Funktionsfähigkeit; ob der Effekt anhält, war uneinheitlich 32.

Eine Übersicht von 2021 zu Online-ACT bei chronischen Schmerzen wertete 20 Artikel zu 14 Interventionen aus. In zehn Artikeln wurde die Intervention über eine eigene Website vermittelt, in drei Fällen zusätzlich über eine App; in den meisten Studien (n = 19) war eine Begleitung vorgesehen. Die acht eingeschlossenen randomisierten kontrollierten Studien berichteten Online-ACT als wirksam; Angaben zu Umsetzung und Designbegründungen waren begrenzt 42.

Zwei Übersichtsarbeiten ordnen ACT in übergreifende Modelle ein. Eine Arbeit beschreibt psychosoziale Faktoren wie negativen Affekt, Kindheitstrauma, soziale Unterstützung sowie schmerzbezogene Katastrophisierung, Selbstwirksamkeit und Bewältigung als Einflussgrößen auf Verlauf und Behandlungsergebnis chronischer Schmerzen 33. Eine Übersicht von 2024 stellt die psychische Flexibilität mit Offenheit, Gewahrsein und Engagement als Rahmenmodell vor und nennt chronische Schmerzen als eines der am besten untersuchten Anwendungsfelder 40. Die Übersicht zur Funktionsfähigkeit fordert mehr randomisierte kontrollierte Studien für spezifische Schmerzbilder 32.

Knochen und Gelenke

Für ältere Menschen mit chronischen Schmerzen liegt eine Übersichtsarbeit von 2022 vor, die präklinische und klinische Befunde zu Mechanismen und Perspektiven zusammenträgt. Die häufigsten Schmerzbeschwerden betreffen neurodegenerative und muskuloskelettale Erkrankungen, periphere Gefäßerkrankungen, Arthritis und Arthrose und gehen mit geringer Lebensqualität, sozialer Isolation, eingeschränkter körperlicher Aktivität und Abhängigkeit bei Alltagsverrichtungen einher. Vorgeschlagen wird ein verändertes Schmerzerleben mit Veränderungen der Schmerzverarbeitung, die mit der Degeneration der absteigenden hemmenden Schmerzbahnen zusammenhängen könnten; zudem wird eine erhöhte Schmerzschwelle, ein Nachlassen schmerzhafter Empfindungen und eine verminderte Schmerztoleranz beschrieben. Ältere Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen haben ein erhöhtes Risiko für Demenz und kognitive Beeinträchtigung 35. Diese Arbeit behandelt Schmerzmechanismen im Alter und nicht ACT selbst; eine Prüfung von ACT speziell bei älteren Menschen mit Gelenkerkrankungen steht noch aus.

Gesamtbild

Belegt Über die Gebiete hinweg tragen die Metaanalysen die stärksten Aussagen. ACT zeigt bei chronischen Schmerzen kleine bis mittlere Effekte auf Schmerzintensität, Funktionsfähigkeit, Depression, Angst und Lebensqualität, mit den größten Effekten auf Schmerzakzeptanz und psychische Flexibilität 1234. Die Effekte sind zum Follow-up meist kleiner als zum Behandlungsende 234. Internetvermittelte Formate erreichen ähnliche Ergebnisse wie persönliche, wobei persönliche Durchführung bei körperlichen Endpunkten überlegen war 222. Die psychische Flexibilität tritt in mehreren Arbeiten als vermittelnder Prozess hervor 2336.

Am Anfang steht die Forschung dort, wo ACT bei Menschen mit Lungenkrebs und bei Jugendlichen mit Neurofibromatose und chronischen Schmerzen geprüft wurde: Hier liegen Machbarkeits- und Pilotarbeiten vor 2730. Zu ACT bei Beschäftigten mit Burnout liegt eine Übersicht kontrollierter Studien vor 43; eine weitere Arbeit behandelt Mechanismen und Perspektiven chronischer Schmerzen im Alter 35. Auch die Frage, welche Patientengruppen von welchem Format und welcher Dauer am meisten profitieren, ist noch nicht geklärt; die Untersuchung von Moderatoren und Prädiktoren war begrenzt und uneinheitlich 23. Für spezifische Schmerzbilder werden mehr randomisierte kontrollierte Studien gefordert 32.

3. Wie belastbar die Forschung ist

Die kontrollierten Arbeiten am Menschen verteilen sich sehr ungleich. Zwei Schwerpunkte stehen deutlich vorn: Kognition und Erschöpfung; danach folgen Sicherheit und Onkologie. Bewegungsapparat und Darm sind mit kleineren Gruppen vertreten, Stoffwechsel, Entzündung, Herz-Kreislauf und Immunsystem mit einzelnen Arbeiten. Das Feld ist damit in erster Linie ein Feld der Schmerz-, Stress- und Erschöpfungsforschung. In der Zitationsrangfolge steht eine Beobachtungsarbeit zu psychosozialen Prozessen bei chronischem Schmerz an der Spitze; unter den fünf meistzitierten Arbeiten finden sich drei Beobachtungs- oder Grundlagenarbeiten und zwei Übersichten über kontrollierte Studien. Belegt: Für chronischen Schmerz liegt ACT mehrfach in Übersichtsarbeiten und Metaanalysen vor.

Methodisch ist das Feld breit aufgestellt. Randomisierte Prüfungen und die Übersichtsarbeiten, die sie bündeln, stehen für chronischen Schmerz mehrfach zur Verfügung. Kennzeichnend ist außerdem, dass Machbarkeit ausdrücklich mitberichtet wird: Mehrere Arbeiten sind im Titel als feasibility, proof-of-concept oder pilot study ausgewiesen. Das ist ein sauberes Vorgehen, denn es hält fest, was durchführbar ist, bevor die Wirksamkeitsfrage gestellt wird. Die Schwäche liegt in der Vergleichbarkeit. Formate, Vergleichsbedingungen, Laufzeiten und Erhebungsinstrumente unterscheiden sich erheblich, und viele Zielgrößen sind Selbstauskünfte. Für die Gebiete außerhalb von Schmerz und Erschöpfung tragen einzelne kontrollierte Arbeiten noch keine Aussage.

4. Was häufig behauptet wird — und was die Daten hergeben

AussageStudienlage
ACT wirkt bei chronischem Schmerz über die psychische Flexibilität.Für chronischen Schmerz liegen mehrere Übersichtsarbeiten und Metaanalysen vor. Psychische Flexibilität wird jedoch überwiegend per Fragebogen erfasst; gemessen wird damit ein Marker, nicht der Krankheitsverlauf.
Internetbasierte ACT ist so leistungsfähig wie Sitzungen in Präsenz.Die Telehealth-Vergleichsstudie ist als Nichtunterlegenheitsprüfung angelegt. Eine solche Anlage kann Überlegenheit konstruktionsbedingt nicht zeigen und sagt nichts über unbehandelte Verläufe.
ACT lässt sich ohne Weiteres auf andere Anwendungsgebiete übertragen.Kognition und Erschöpfung tragen die kontrollierte Literatur. Für Darm, Stoffwechsel, Entzündung, Herz-Kreislauf und Immunsystem stehen einzelne Arbeiten, die eine Wirkung weder zeigen noch ausschließen.
Machbarkeitsstudien belegen die Wirksamkeit.Mehrere Arbeiten sind im Titel als feasibility, pilot oder proof-of-concept ausgewiesen. Sie prüfen Durchführung, Rekrutierung und Annahme des Programms; die Wirksamkeitsfrage bleibt ihnen nachgeordnet.

5. Die belastbarsten Arbeiten

Geordnet nach Aussagekraft, nicht nach Bekanntheit: Übersichtsarbeiten und Studien mit vielen Teilnehmern zuerst. Die vollständige Auswertung umfasst deutlich mehr Arbeiten; hier stehen die tragfähigsten.

Kontrollierte Studien am Menschen

  • 1 The Efficacy of Acceptance and Commitment Therapy for Chronic Pain: A Systematic Review and Meta-analysis (2023) — Übersichtsarbeit, 1.962 Teilnehmer
  • 2 The efficacy of acceptance and commitment therapy for chronic pain: A three-level meta-analysis and a trial sequential analysis of randomized … (2023) — Übersichtsarbeit, 2.293 Teilnehmer
  • 3 Acceptance and commitment therapy reduces psychological distress in patients with cancer: a systematic review and meta-analysis of randomized … (2023) — Übersichtsarbeit, 711 Teilnehmer
  • 4 Acceptance and Commitment Therapy Among Informal Caregivers of People With Chronic Health Conditions: A Systematic Review and Meta-Analysis (2023) — Übersichtsarbeit, 2.010 Teilnehmer
  • 5 Effectiveness of acceptance and commitment therapy on psychological flexibility, fatigue, sleep disturbance, and quality of life of patients with … (2023) — Übersichtsarbeit, 1.643 Teilnehmer
  • 6 Effect of acceptance and commitment therapy for depressive disorders: a meta-analysis (2023) — Übersichtsarbeit, 962 Teilnehmer
  • 7 Effects of acceptance and commitment therapy on cognitive function: A systematic review (2023) — Übersichtsarbeit, 904 Teilnehmer
  • The efficacy of psychological treatments on body dysmorphic disorder: a meta-analysis and trial sequential analysis of randomized controlled trials (2024) — Übersichtsarbeit, 905 Teilnehmer
  • 8 Interventions Based on Acceptance and Commitment Therapy for Stress Reduction in Children and Adolescents: A Systematic Review and Meta-Analysis of … (2024) — Übersichtsarbeit, 976 Teilnehmer
  • Psychotherapy for problematic pornography use: A comprehensive meta-analysis (2025) — Übersichtsarbeit, 2.021 Teilnehmer
  • 9 Process of change and efficacy of acceptance and commitment therapy (ACT) for anxiety and depression symptoms in adolescents: A meta-analysis of … (2025) — Übersichtsarbeit, 2.860 Teilnehmer
  • 10 Effectiveness of acceptance and commitment therapy in people with type 2 diabetes mellitus: A systematic review and meta-analysis (2024) — Übersichtsarbeit, 712 Teilnehmer
  • 11 Effects of acceptance and commitment therapy on negative emotions, automatic thoughts and psychological flexibility for depression and its … (2025) — Übersichtsarbeit, 1.362 Teilnehmer
  • 12 Effect of acceptance and commitment therapy for adolescent depression: a meta-analysis (2025) — Übersichtsarbeit, 2.352 Teilnehmer
  • Non-invasive treatments improve patient outcomes in chronic tinnitus: a systematic review and network meta-analysis (2024) — Übersichtsarbeit, 2.354 Teilnehmer
  • 13 Mindfulness- and acceptance-based programmes for obsessive-compulsive disorder: A systematic review and meta-analysis (2025) — Übersichtsarbeit, 2.221 Teilnehmer
  • The effectiveness of cognitive behavioral therapy for smoking cessation: A systematic review and meta-analysis (2025) — Übersichtsarbeit, 2.531 Teilnehmer
  • 14 The effectiveness of Acceptance and Commitment Therapy on parental stress in parents of special children: a meta-analysis (2025) — Übersichtsarbeit, 700 Teilnehmer
  • 15 Acceptance and Commitment Therapy for the Parents of Children and Adolescents with Autism Spectrum Disorder: A Systematic Review and Meta-Analysis of … (2026) — Übersichtsarbeit, 698 Teilnehmer
  • 16 Acceptance and Commitment Therapy for Psychosocial Outcomes in Children and Young People with Long-Term Physical Health Conditions: Systematic Review … (2026) — Übersichtsarbeit, 777 Teilnehmer
  • 17 Acceptance and Commitment Therapy for Psychosocial Outcomes in Children and Young People with Long-Term Conditions: A Systematic Review of … (2025) — Übersichtsarbeit, 777 Teilnehmer
  • Comparative effectiveness of interventions incorporating physical activity in individuals with comorbid low back pain and depressive symptoms: a … (2026) — Übersichtsarbeit, 834 Teilnehmer
  • 18 A systematic review and meta-analysis of acceptance and commitment therapy for older adults (2026) — Übersichtsarbeit, 1.166 Teilnehmer
  • Non-Invasive Brain Stimulation for Core Symptoms of Chronic Primary Pain: A Meta-Analysis of RCTs (2026) — Übersichtsarbeit, 1.371 Teilnehmer

6. Resümee

Eine Metaanalyse von 2023 über 21 randomisierte kontrollierte Studien mit 1962 Teilnehmenden fand Effekte für Schmerzakzeptanz, Lebensqualität, Funktionsfähigkeit, Schmerzintensität, Angst und Depression; eine zweite über 33 Studien mit 2293 Teilnehmenden berichtete kleine bis mittlere Effekte für Schmerzintensität und körperliche Funktion. Eine Übersicht von 2022 über 25 randomisierte kontrollierte Studien fand kleine bis große Effekte für Schmerzinterferenz, Behinderung, Depression und Lebensqualität. Für onkologische Populationen liegen einzelne Machbarkeits- und Pilotstudien vor.

Plausibel Die psychische Flexibilität trat in mehreren Arbeiten als vermittelnder Prozess hervor, und internetvermittelte wie präsenzbasierte Formate verbesserten vergleichbare Endpunkte. Vermutung: Wenn sich das Verhältnis zu eigenen Gedanken und Gefühlen ändert, könnte das erklären, warum Schmerzakzeptanz und Funktionsfähigkeit sich mitbewegen, während die Schmerzintensität weniger stark reagiert. Aus Kombinationsstudien, in denen ACT zusammen mit einem Bewegungsprogramm und digitaler Verlaufsmessung geprüft wurde, lässt sich die Wirkung der ACT allein nicht ableiten.

Eine konfirmatorische Studie müsste klären, ob die Effekte über die Nachbeobachtung hinaus anhalten und welche Patientengruppen von welchem Format am meisten profitieren. Die Übersicht zur Funktionsfähigkeit fordert mehr randomisierte kontrollierte Studien für spezifische Schmerzbilder; für Beschäftigte mit chronischen Schmerzen und für onkologische Populationen stehen größere Studien mit längerer Nachbeobachtung noch aus. Ebenso steht eine Prüfung von ACT speziell bei älteren Menschen mit Gelenkerkrankungen noch aus. Die Übersicht zu Burnout fordert größere Studien mit expliziten Protokollen und Prozessmaßen.

7. Was offen ist

  • Wirkkette: Lässt sich zeigen, dass ACT die psychische Flexibilität stärker verändert als eine aktive Vergleichsbehandlung, und erklärt diese Veränderung den weiteren Verlauf?
  • Formatfrage: Wie weit tragen reine Internet- und Telehealthformate, wenn sie gegen dieselbe Wartebedingung geprüft werden wie Präsenzformen?
  • Reichweite: Für welche der untersuchten Gebiete außerhalb von Schmerz und Erschöpfung lohnt eine eigene randomisierte Prüfung, und mit welcher Zielgröße?

Häufige Fragen

Wie wird ACT in den vorliegenden Studien durchgeführt?

Sehr unterschiedlich. Beschrieben sind Sitzungen im Einzel- und im Gruppensetting, begleitete Selbsthilfeprogramme über das Internet, telemedizinische Sitzungen, Lerneinheiten in kleinen Portionen sowie Kombinationen mit Bewegungsprogrammen und digitaler Verlaufsmessung. Ein Teil der Arbeiten prüft das Verfahren innerhalb interdisziplinärer Schmerzprogramme, ein Teil bei Jugendlichen und deren Eltern. Von einem einheitlichen Protokoll kann daher keine Rede sein.

Was misst psychische Flexibilität in diesen Arbeiten?

Sie ist das zentrale Konstrukt des Verfahrens und zugleich eine Zielgröße: Erfasst wird sie in aller Regel über Fragebögen, mit denen Teilnehmende ihr Erleben selbst einschätzen. Ein solcher Wert ist ein Marker für eine innere Veränderung. Er ist nicht dasselbe wie ein Krankheitsverlauf, und aus einem veränderten Fragebogenwert folgt nicht automatisch ein veränderter Verlauf.

Woran erkennt man, ob eine Studie Wirksamkeit oder Machbarkeit prüft?

An der Anlage und an der Vergleichsbedingung. Als feasibility, pilot oder proof-of-concept ausgewiesene Arbeiten prüfen Durchführung, Rekrutierung und Annahme des Programms. Randomisierte Studien mit definierter Vergleichsgruppe prüfen darüber hinaus; Nichtunterlegenheitsanlagen prüfen ausdrücklich die Gleichwertigkeit zweier Formen und können Überlegenheit nicht belegen.

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Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.

International Health Research · https://ih-research.com/wissen/akzeptanz-und-commitment-therapie/ · Stand: 2026-09-25