Vitalpilze einfach erklärt
Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was über Reishi, Chaga und Cordyceps aus Untersuchungen am Menschen bekannt ist – und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Vitalpilze sind Pilzarten, die in der asiatischen Medizin seit Langem verwendet werden. Am bekanntesten sind Reishi, Chaga und Cordyceps. Aus ihnen werden Tees, Pulver oder Kapseln hergestellt. Die Pilze enthalten Stoffe wie Polysaccharide (Mehrfachzucker) und Triterpene (eine Gruppe von Pflanzenstoffen). Diese Stoffe zeigen in Labor- und Tierstudien Wirkungen auf das Immunsystem, auf Entzündungen und auf oxidative Prozesse (das sind schädliche Umbauvorgänge im Körper). Wie die Pilze zubereitet werden, ist unterschiedlich: Wasser zieht vor allem die Mehrfachzucker heraus, Alkohol eher die Triterpene. Deshalb sind die Extrakte in Studien oft nicht gleich. Auch werden manchmal mehrere Pilzarten oder Zusätze wie Vitamine gemischt. Das erschwert den Vergleich der Studien. Die Forschung am Menschen ist noch überschaubar: Es gibt 41 kontrollierte Studien, in denen Menschen untersucht wurden, daneben viele Beobachtungsstudien und Übersichtsarbeiten. Die meisten kontrollierten Studien prüfen Sicherheit und Wirkungen auf das Immunsystem.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten belegt ist die Verträglichkeit. In einer kontrollierten Studie mit 88 Männern mit Beschwerden beim Wasserlassen nahmen die Teilnehmer 12 Wochen lang täglich einen Reishi-Extrakt ein. Es traten keine schweren Nebenwirkungen auf, und die Blutwerte blieben unverändert. Die Beschwerden besserten sich leicht 3. Eine Übersichtsarbeit von 2021 fasst zusammen, dass in klinischen Studien zu Reishi meist nur leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Muskelschmerzen berichtet wurden; schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet 5. Eine weitere kontrollierte Studie mit 16 gesunden Menschen zeigte, dass Reishi über 10 Tage sicher war und keine Laborveränderungen verursachte 2. Zum Immunsystem gibt es Hinweise: In einer randomisierten Studie stiegen bestimmte weiße Blutkörperchen (Lymphozyten) unter Reishi-Extrakt an 4. Ob das für die Gesundheit der Teilnehmer einen Nutzen hatte, wurde nicht untersucht. Bei Krebs als Begleittherapie fanden Übersichtsarbeiten keine ausreichenden Belege für eine direkte Wirkung gegen den Tumor. Es gab aber Hinweise auf eine bessere Lebensqualität und eine stärkere Immunantwort, vor allem wenn die Pilzextrakte zusammen mit einer Chemotherapie gegeben wurden. In einer großen Übersicht von 2016 wird berichtet, dass sich die Lebensqualität bei 65 % der Lungenkrebspatienten unter Reishi verbesserte. Die Autoren betonen, dass Pilzextrakte als unterstützende Maßnahme gelten, nicht als direkte Therapie. Bei rheumatoider Arthritis (einer entzündlichen Gelenkerkrankung) zeigte eine kleine Pilotstudie mit 65 Teilnehmern, dass sich unter einer Mischung mit Reishi Schmerzen und das allgemeine Befinden besserten, aber die Entzündungswerte im Blut unverändert blieben 1. Zu oxidativem Stress und Stoffwechsel gibt es bisher keine klaren Ergebnisse am Menschen.
3. Was noch unklar ist
Viele Studien sind klein, oft nicht verblindet und verwenden unterschiedliche Extrakte. Deshalb lassen sich die Ergebnisse schwer vergleichen. Die meisten Untersuchungen stammen aus Asien, wo Vitalpilze traditionell genutzt werden; kulturelle Gewohnheiten könnten die Ergebnisse beeinflussen. Zu Langzeitwirkungen, zu bestimmten Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden und zu Veränderungen der Darmflora liegen kaum Daten vor. Auch weiß man nicht, ob die beobachteten Veränderungen im Immunsystem tatsächlich spürbare gesundheitliche Vorteile bringen. Für eine direkte Wirkung gegen Krebs gibt es keine ausreichenden Belege. Die offenen Fragen sind: Welche Pilzart, welche Zubereitung und welche Menge sind sinnvoll? Und wie wirken die Pilze bei längerer Einnahme?
4. Was das im Alltag bedeutet
Vitalpilze sind gut verträglich, und es gibt Hinweise auf eine unterstützende Wirkung auf das Immunsystem und das Wohlbefinden. Als eigenständige Behandlung von Krankheiten sind sie nicht belegt. Wer sie ausprobieren möchte, sollte das mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen, besonders wenn bereits Medikamente eingenommen werden. Denn es gibt Hinweise, dass Pilzextrakte die Wirkung von Arzneimitteln verändern können, zum Beispiel von Chemotherapien oder Antibiotika. Solche Wechselwirkungen sind aber noch nicht ausreichend am Menschen untersucht. Die wichtigste nächste Frage ist, ob standardisierte Extrakte in größeren, gut geplanten Studien bei bestimmten Erkrankungen tatsächlich einen Nutzen zeigen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Vitalpilze (Reishi, Chaga, Cordyceps). Für Kinder: Vitalpilze (Reishi, Chaga, Cordyceps) für Kinder.
Häufige Fragen
Sind Vitalpilze sicher?
In den bisherigen Studien wurden meist nur leichte Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Durchfall beobachtet. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Langzeitdaten fehlen jedoch.
Können Vitalpilze Krebs heilen?
Nein. Ob die Pilze direkt gegen Tumore wirken, ist noch offen. Es gibt Hinweise, dass sie als Begleitung zur Chemotherapie die Lebensqualität verbessern könnten.
Kann ich Vitalpilze mit Medikamenten kombinieren?
Es gibt Hinweise, dass Pilzextrakte die Wirkung von Medikamenten verändern können, zum Beispiel von Chemotherapien. Ob und wie diese Wechselwirkungen ablaufen, steht noch aus.
Quellen
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5Ahmad R, Riaz M, Khan A, Aljamea A, Algheryafi M, Sewaket D et al. · 2021
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