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Virtuelle-Realität-Therapie einfach erklärt

Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Virtuelle-Realität-Therapie ist und was Untersuchungen dazu zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Ausbildung gedacht.

Stand:

1. Worum es geht

Bei der Virtuelle-Realität-Therapie setzt man eine Brille oder einen Bildschirm auf und taucht in eine am Computer erzeugte, dreidimensionale Welt ein. In dieser Welt kann man sich bewegen und handeln. Es gibt zwei Arten: Bei der einen wird das ganze Sichtfeld durch die Brille ersetzt, bei der anderen sieht man die Welt auf einem Monitor oder einer Projektionsfläche. Die Therapie wird auf zwei Weisen genutzt. Einmal als Trainingsumgebung: Man übt Bewegungsabläufe, Gleichgewicht oder Denkaufgaben. Zum anderen als Übungsraum für Angst: Man stellt sich angstauslösenden Situationen, die in der virtuellen Welt kontrolliert und in abgestufter Stärke gezeigt werden. Die ältesten Arbeiten in der Datenbank stammen aus dem Jahr 2000, die jüngsten aus dem Jahr 2026. Wichtig ist: „Virtuelle Realität“ ist kein einheitliches Verfahren. Die Systeme unterscheiden sich stark darin, wie sehr man eintaucht, wie das Sichtfeld aussieht, wie man steuert, wie lange eine Sitzung dauert und welche Hard- und Software verwendet wird. Auch die Vergleichsgruppe in den Studien ist unterschiedlich: mal bekommt sie die übliche Therapie, mal steht sie auf einer Warteliste, mal macht sie etwas anderes zur Ablenkung.

2. Was Untersuchungen zeigen

Am besten untersucht ist die Angst. Eine große Zusammenfassung von 30 randomisierten Studien mit 1057 Teilnehmenden verglich die Exposition in virtueller Realität mit einer Warteliste. Die Angst besserte sich deutlich. Im Vergleich mit einer Exposition in der realen Welt zeigte sich kein Unterschied. Das bedeutet: Die virtuelle Exposition war der realen gleichwertig. Die Belegnummer ist 1. Eine weitere randomisierte Studie mit 97 Teilnehmenden, die Angst vor öffentlichem Sprechen hatten, erhielten acht Sitzungen Exposition in virtueller Realität, Exposition in der Gruppe oder kamen auf die Warteliste. Beide aktiven Gruppen verbesserten sich in fast allen Maßen, und nach zwölf Monaten hielt die Verbesserung an. Zwischen den beiden aktiven Behandlungen gab es keine Unterschiede. Die Belegnummer ist 3. Nach einem Schlaganfall hilft vor allem ein Training, das speziell für die Rehabilitation entwickelt wurde. Eine Zusammenfassung von 30 randomisierten Studien mit 1473 Patientinnen und Patienten zeigte: Solche speziellen Systeme verbesserten die Körperfunktion, Freizeitspielsysteme nicht. Die Belegnummer ist 5. Bei chronischen Schmerzen fand eine Zusammenfassung von 25 Studien mit 194 Messwerten eine Verbesserung nach der virtuellen Realität, zum Beispiel bei Schmerz, Beweglichkeit und Lebensqualität. Die Belegnummer ist 6. Eine randomisierte Studie mit 120 stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit Schmerzen zeigte: Unmittelbar nach der ersten Anwendung war der Schmerz in der VR-Gruppe stärker gesunken als in der Kontrollgruppe. Die Belegnummer ist 4. Auch bei posttraumatischer Belastungsstörung besserten sich die Symptome in einer Studie mit 156 Veteraninnen und Veteranen, und die Verbesserung hielt nach 3, 6 und 12 Monaten an. Die Belegnummer ist 2.

3. Was noch unklar ist

Die Studien vergleichen die virtuelle Realität mit sehr unterschiedlichen Dingen: mal mit der üblichen Therapie, mal mit einer Warteliste, mal mit einer anderen Ablenkung. Dadurch lässt sich schwer sagen, wie viel die virtuelle Umgebung selbst beiträgt. Auch die Systeme sind sehr verschieden: Wie tief man eintaucht, wie groß das Sichtfeld ist, wie man steuert, wie lange eine Sitzung dauert und welche Geräte benutzt werden. Diese Unterschiede machen es schwer, die Ergebnisse zusammenzufassen. Bei Schlaganfall nennen die Cochrane-Übersichten zwar Ziele und Suchstrategien, aber keine gepoolten Ergebnisse. Offen ist auch, welche Art der Immersion und wie viele Sitzungen die Angsteffekte tragen und ob die Befunde auf andere Störungen außerhalb der Angst übertragen werden können. Für anhaltende Schmerzlinderung bei chronischen Schmerzen und für die Übertragung von Gleichgewichtsgewinnen in den Alltag fehlen noch Studien mit einheitlicher Dosis und Nachbeobachtung.

4. Was das im Alltag bedeutet

Die Virtuelle-Realität-Therapie ist in der kontrollierten Forschung angekommen. Bei Angststörungen und nach einem Schlaganfall ist die Wirkung gut belegt. Bei anderen Anwendungen gibt es Hinweise, aber sie sind noch nicht gesichert. Wer sich für das Verfahren interessiert, kann es als eine von mehreren Möglichkeiten sehen. Die Systeme sind sehr unterschiedlich, und es gibt keine einheitliche Anwendung. Was in einer Studie beobachtet wurde, muss nicht für jede Person und jede Einrichtung gelten. Die Forschung prüft weiter, welche Systeme und welche Sitzungszahlen am besten helfen. Offen ist auch, wie man unerwünschte Ereignisse einheitlich erfasst und wie sich die Methode im Alltag der Versorgung durchsetzt.

Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Virtuelle-Realität-Therapie. Für Kinder: Virtuelle-Realität-Therapie für Kinder.

Häufige Fragen

Was ist eine Virtuelle-Realität-Therapie?

Man setzt eine Brille oder einen Bildschirm auf und taucht in eine am Computer erzeugte, dreidimensionale Welt ein. Dort kann man sich bewegen und handeln. Die Therapie wird zum Üben von Bewegungen, Gleichgewicht oder Denkaufgaben genutzt oder als Übungsraum für Angst.

Bei welchen Beschwerden ist die Wirkung gut belegt?

Bei Angststörungen und nach einem Schlaganfall zeigte sich in Studien eine Wirkung. Bei Angst zeigte eine große Zusammenfassung von 30 Studien mit 1057 Teilnehmenden eine deutliche Besserung. Nach Schlaganfall half vor allem ein Training mit speziell für die Rehabilitation entwickelten Systemen.

Gibt es auch Risiken oder Nebenwirkungen?

In den vorliegenden Studien wird die Technik als sicher und akzeptabel beschrieben. Manche Menschen können jedoch bei der virtuellen Erfahrung Unwohlsein empfinden. Die Forschung empfiehlt, unerwünschte Ereignisse einheitlich zu erfassen, damit man sie besser vergleichen kann.

Quellen

  1. 1
    Carl E, Stein AT, Levihn-Coon A, Pogue JR, Rothbaum B, Emmelkamp P et al. · 2019
  2. 2
  3. 3
    Anderson PL, Price M, Edwards SM, Obasaju MA, Schmertz SK, Zimand E et al. · 2013
  4. 4
  5. 5
  6. 6
    Goudman L, Jansen J, Billot M, Vets N, De Smedt A, Roulaud M et al. · 2022

Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.

International Health Research · https://ih-research.com/wissen/virtuelle-realitaet-therapie/einfach/ · Stand: 2026-10-15