Urolithin A einfach erklärt
Urolithin A entsteht im Darm aus Bestandteilen von Granatäpfeln, Walnüssen und Beeren. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen am Menschen bisher gezeigt haben.
1. Worum es geht
Urolithin A wird nicht direkt gegessen. Es entsteht erst im Darm, wenn bestimmte Bakterien Bestandteile von Granatäpfeln, Walnüssen, Himbeeren und Erdbeeren umbauen. Diese Bestandteile heißen Ellagitannine. Ob und wie viel Urolithin A entsteht, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Manche Menschen bilden gar keins, andere bilden reichlich. Das hängt davon ab, welche Bakterien im Darm leben, zum Beispiel Gordonibacter urolithinfaciens. Fachleute unterscheiden deshalb drei Gruppen, die sie Metabotypen nennen: Metabotyp 0 bildet keine Urolithine, Metabotyp A bildet Urolithin A und Iso-Urolithin A, Metabotyp B bildet nur Urolithin B. Dieser Unterschied ist wichtig, weil er erklärt, warum Untersuchungen bei verschiedenen Menschen verschieden ausgehen. Ausgewertet sind bisher 516 Arbeiten, darunter 12 kontrollierte Studien am Menschen, 69 Beobachtungsstudien und 83 Tierversuche. Untersucht wurden vor allem Darm, Muskeln und Entzündungswerte. Eine kontrollierte Studie läuft so: Ein Teil der Teilnehmenden bekommt den Stoff, ein anderer ein Placebo ohne Wirkstoff, und niemand weiß vorher, wer was bekommt.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist die Wirkung auf Muskeln und Ausdauer. In einer kontrollierten Studie 1 nahmen 66 ältere Menschen zwischen 65 und 90 Jahren vier Monate lang täglich Urolithin A oder ein Placebo ein. Die Gruppe mit Urolithin A ging im Sechs-Minuten-Gehtest weiter und hielt eine Belastung der Arm- und Beinmuskulatur länger durch. Ein Laborwert für die Energieproduktion der Zellen blieb dagegen unverändert. Das sind Hinweise, aber noch nicht gesichert, weil die Studie kurz war und nicht nach Metabotypen unterschied. Eine Übersichtsarbeit 7 bündelte drei kontrollierte Studien mit insgesamt 174 Teilnehmenden zwischen 24 und 72 Jahren. Auch hier zeigten sich Hinweise auf mehr Muskelkraft und bessere körperliche Leistungsfähigkeit. Die Ergebnisse gingen jedoch auseinander, und Beobachtungen über lange Zeit stehen noch aus. Eine Studie 6 begleitete 42 gut trainierte Langstreckenläufer vier Wochen lang. Nach anstrengenden Bergabläufen waren Entzündungswerte und ein Marker für Muskelbelastung im Blut in der Urolithin-A-Gruppe etwas niedriger. Der Unterschied war aber zu klein, um sicher zu sein. Ausdauer und Laufökonomie verbesserten sich nicht. Bei 32 gesunden Erwachsenen veränderte sich in einer Studie 4 über vier Wochen die Zusammensetzung der Darmbakterien. Mehrere Bakterienarten wurden häufiger, und im Urin ließ sich mehr Urolithin nachweisen. Getestet wurde allerdings ein Granatapfelextrakt, nicht der reine Stoff. Ob die Veränderungen am Urolithin A lagen, ist deshalb bisher nur eine Vermutung. In einer Auswertung der MaPLE-Studie 2 wurde geprüft, wie sich eine achtwöchige polyphenolreiche Ernährung bei 51 älteren Menschen auf die Durchlässigkeit des Darms auswirkte. Gemessen wurde ein Eiweiß im Blut, das mit dieser Durchlässigkeit in Verbindung gebracht wird. Bei Menschen mit Metabotyp B sank dieser Wert stärker als bei Metabotyp A. Was das für den Alltag bedeutet, ist nicht untersucht. Bei Mäusen mit einer erblichen Muskelkrankheit verlängerte Urolithin A in einer Tierstudie 8 das Leben und verbesserte die Muskelregeneration. Solche Tierbefunde sind ein früher Hinweis. Ob sie beim Menschen gelten, ist offen.
3. Was noch unklar ist
Einige kontrollierte Untersuchungen am Menschen dauern vier bis zwölf Wochen und umfassen wenige Teilnehmende. Wie sich eine längere Einnahme auswirkt, ist deshalb offen. In einer kleinen Studie an 10 Menschen mit Herzschwäche 5 veränderten sich die Herzwerte nicht, nur ein Cholesterinwert stieg. Bei 20 Kraftsportlern 3 blieben Entzündungswerte über acht Wochen unverändert. Ob die beobachteten Verschiebungen der Darmbakterien die Produktion von Urolithin A fördern, wird vermutet, ist aber nicht gezeigt. Kaum verglichen ist auch, ob Lebensmittel mit Ellagitanninen dasselbe bewirken wie ein Präparat mit dem reinen Stoff. Viele Studien ordnen ihre Teilnehmenden nicht nach Metabotyp ein, sodass unklar bleibt, wer überhaupt von einer Gabe profitiert. Wie die Laborveränderungen mit dem Befinden zusammenhängen, ist damit eine Frage für weitere Untersuchungen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Urolithin A entsteht im eigenen Darm, wenn man ellagitanninreiche Lebensmittel isst. Wie viel entsteht, ist von Mensch zu Mensch verschieden und lässt sich nicht an einem Gefühl ablesen. Die bisherigen Untersuchungen deuten auf kleine Vorteile bei Muskelkraft und Ausdauer hin, vor allem bei älteren Menschen und bei Sportlern. Sie sagen aber nichts darüber, ob sich das über Monate oder Jahre fortsetzt. Auch ist nicht geklärt, ob die Aufnahme über Lebensmittel oder über ein Präparat den gleichen Effekt hat. Wer sich für den Stoff interessiert, findet in den zitierten Arbeiten die Werte, die dort erhoben wurden. Als Nächstes wäre zu klären, wie sich eine längere Einnahme bei den verschiedenen Metabotypen auswirkt und ob die gemessenen Laborveränderungen für den Alltag der Menschen etwas bedeuten.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Urolithin A. Für Kinder: Urolithin A für Kinder.
Häufige Fragen
Bildet mein Körper Urolithin A von selbst?
Ja, wenn bestimmte Darmbakterien vorhanden sind. Sie wandeln Ellagitannine aus Granatäpfeln, Walnüssen, Himbeeren und Erdbeeren in Urolithin A um. Manche Menschen bilden gar kein Urolithin A, weil ihnen diese Bakterien fehlen.
Warum fallen die Studienergebnisse unterschiedlich aus?
Weil Menschen unterschiedlich viel Urolithin A bilden. Die drei Metabotypen 0, A und B entstehen durch verschiedene Darmbakterien. Viele Studien berücksichtigen das nicht.
Wurden Nebenwirkungen beobachtet?
In der Studie mit 66 Teilnehmenden traten unerwünschte Wirkungen in der Urolithin-A-Gruppe nicht häufiger auf als in der Placebogruppe 1. Angaben zur Verträglichkeit über lange Zeit stehen noch aus.
Quellen
- 1Liu S, D'Amico D, Shankland E, Bhayana S, Garcia JM, Aebischer P et al. · 2022
- 2Meroño T, Peron G, Gargari G, González-Domínguez R, Miñarro A, Vegas-Lozano E et al. · 2022
- 3Zhao H, Zhu H, Yun H, Liu J, Song G, Teng J et al. · 2024
- 4Sivamani RK, Chakkalakal M, Pan A, Nadora D, Min M, Dumont A et al. · 2023
- 5Jamialahmadi T, Hasanpour M, Vakilian F, Penson PE, Iranshahy M, Sahebkar A · 2024
- 6Whitfield J, McKay AKA, Tee N, McCormick R, Morabito A, Karagounis LG et al. · 2025
- 7Watts P, McDonald C, Sayer AA, Witham MD · 2025
- 8Luan P, D'Amico D, Andreux PA, Laurila PP, Wohlwend M, Li H et al. · 2021
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