Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) einfach erklärt
TENS ist ein Gerät, das mit schwachen Stromimpulsen über die Haut arbeitet. Hier steht in einfachen Worten, was Untersuchungen dazu zeigen und was noch offen ist.
1. Worum es geht
TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Das bedeutet: Stromimpulse gehen durch die Haut, also transkutan, und erreichen die Nerven. Man klebt dafür zwei Elektroden auf die Haut, zum Beispiel neben eine Operationswunde oder auf eine schmerzende Stelle. Ein kleines tragbares Gerät erzeugt die Impulse.
Der Gedanke dahinter: Schmerzsignale laufen im Rückenmark zum Gehirn. Andere Nervenfasern können dort Signale senden, die diese Schmerzsignale abschwächen. Diesen Vorgang nennt man Gate-Control, zu Deutsch etwa „Tor-Kontrolle“. Die Stromimpulse sollen dieses Tor sozusagen schließen. Untersucht wird TENS seit den 1970er-Jahren; damals kam es zuerst in der Rehabilitation zum Einsatz, später bei chronischen Schmerzen, nach Operationen und bei neurologischen Erkrankungen.
An den Geräten lässt sich viel einstellen: wie schnell die Impulse kommen, wie stark der Strom ist und wo die Elektroden sitzen. In Studien dauerten einzelne Sitzungen meist zwischen 20 und 60 Minuten, oft mehrmals am Tag. Für die Forschung ist das eine Schwierigkeit, denn zwei Studien mit unterschiedlichen Einstellungen lassen sich schlecht vergleichen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten geprüft ist TENS nach Operationen. Eine Auswertung mehrerer Studien von 2003 verglich Arbeiten, in denen TENS passend eingestellt war, mit solchen, in denen die Einstellung zu schwach blieb 1. Passend hieß: Die Elektroden lagen im Bereich der Operationswunde, und der Strom war stark, aber nicht schmerzhaft. In diesen Studien ging der Schmerz deutlich stärker zurück, und es wurden weniger Schmerzmittel gebraucht. War der Strom zu schwach, war fast kein Unterschied zu sehen. Die Einstellung scheint also entscheidend zu sein.
Eine randomisierte Studie, bei der der Zufall entscheidet, wer welche Behandlung bekommt, untersuchte 50 Patienten nach einer Operation am Brustkorb, einer Thorakotomie. Fünf Tage lang wurde TENS mit einer Scheinbehandlung ohne Strom verglichen 11. Unter TENS waren die Schmerzwerte niedriger, es wurden weniger Schmerzmittel gebraucht, und die Lungenfunktion war besser. Auch bestimmte Botenstoffe des Immunsystems im Blut veränderten sich. Ob das für den Verlauf einer Erkrankung etwas bedeutet, ist damit noch nicht geklärt.
Bei Fibromyalgie, einer Erkrankung mit weit verbreiteten Schmerzen und Erschöpfung, zeigte TENS in zwei Studien Wirkung. Eine Arbeit von 2013 beobachtete, dass Schmerz bei Bewegung nachließ und sich die Erschöpfung besserte 2. Eine kontrollierte Studie von 2020 fand ebenfalls weniger Schmerz bei Bewegung und weniger Erschöpfung; die Wirkung hielt über vier Wochen an 8. Bei Kniegelenkverschleiß erhöhte hochfrequente TENS in einer Studie die Schmerzschwelle, während niederfrequente TENS keine deutlichen Effekte zeigte 5. Nach einer Hüftfraktur gingen Teilnehmende mit TENS im Gehtest weiter und brauchten weniger Schmerzmittel 10.
Zur Verträglichkeit gehört: In den Studien trat bei weniger als 5 von 100 Teilnehmenden eine Nebenwirkung auf, meist leichte Hautreizungen oder Muskelzucken 3. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.
3. Was noch unklar ist
Eine Cochrane-Übersicht von 2019, die mehrere Übersichtsarbeiten zu chronischen Schmerzen zusammenfasste, fand keine einheitlichen Hinweise, dass TENS besser wirkt als eine Scheinbehandlung 7. Solche Scheinbehandlungen sind schwierig: Wer den Strom spürt, merkt oft, ob gerade Strom fließt. Dann wissen die Teilnehmenden, welche Behandlung sie bekommen, und das verzerrt das Ergebnis.
Bei Nervenschmerzen und bei Spastik nach einem Schlaganfall gibt es Hinweise auf eine Wirkung, aber die Studien sind klein und unterschiedlich aufgebaut 6, 9. Unklar bleibt auch, wie lange eine Wirkung anhält: Die meisten Studien schauten weniger als sechs Wochen nach. Und welche Einstellung bei welcher Schmerzart am besten passt, ist nicht geklärt.
4. Was das im Alltag bedeutet
Für die Einordnung heißt das: TENS ist ein gut verträgliches Verfahren, und es gibt Bereiche, in denen es in Studien Schmerz und Schmerzmittelverbrauch besserte — vor allem nach Operationen, bei Fibromyalgie und bei Gelenkverschleiß. Auffällig ist, dass die Ergebnisse stark davon abhängen, wie das Gerät eingestellt war. Studien mit nur schwachem Strom zeigten kaum Wirkung.
Weniger klar ist, welcher Teil der Wirkung von der Erwartung der Behandelten kommt. Bei Schmerzstudien ist das grundsätzlich schwer zu trennen. Die nächste Aufgabe für die Forschung ist ein Vergleich verschiedener Einstellungen bei derselben Schmerzart über längere Zeit. Damit ließe sich sagen, welche Anwendung wofür geprüft ist. Offen ist außerdem, welche Rolle die Platzierung der Elektroden spielt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS). Für Kinder: Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) für Kinder.
Häufige Fragen
Spürt man TENS?
Wirkt TENS auch bei Rückenschmerzen?
Dazu sind die Ergebnisse gemischt. Eine Übersichtsarbeit von 2008 fand bei chronischen Rückenschmerzen keinen Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung 4. Bei anderen Schmerzarten sehen mehrere Arbeiten deutliche Effekte, deshalb bleibt die Frage offen, bei welchem Schmerztyp TENS am ehesten wirkt.
Quellen
- 1
- 2Dailey DL, Rakel BA, Vance CGT, Liebano RE, Amrit AS, Bush HM et al. · 2013
- 3Johnson MI, Paley CA, Jones G, Mulvey MR, Wittkopf PG · 2022
- 4Khadilkar A, Odebiyi DO, Brosseau L, Wells GA · 2008
- 5Vance CG, Rakel BA, Blodgett NP, DeSantana JM, Amendola A, Zimmerman MB et al. · 2012
- 6Gibson W, Wand BM, O'Connell NE · 2017
- 7Gibson W, Wand BM, Meads C, Catley MJ, O'Connell NE · 2019
- 8Dailey DL, Vance CGT, Rakel BA, Zimmerman MB, Embree J, Merriwether EN et al. · 2020
- 9Mahmood A, Veluswamy SK, Hombali A, Mullick A, N M, Solomon JM et al. · 2019
- 10Elboim-Gabyzon M, Andrawus Najjar S, Shtarker H · 2019
- 11Fiorelli A, Morgillo F, Milione R, Pace MC, Passavanti MB, Laperuta P et al. · 2012
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