Tanztherapie einfach erklärt
Diese Seite fasst die Forschung zu Tanztherapie in einfachen Worten zusammen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Vorkenntnisse geschrieben.
1. Worum es geht
Tanztherapie ist ein Verfahren, bei dem Bewegung zur Musik gezielt eingesetzt wird. Es soll körperliche Funktionen, die Stimmung und das Miteinander beeinflussen. In den vorliegenden Arbeiten erscheint Tanztherapie in sehr verschiedenen Formen: als Tango, als irischer Gruppentanz, als Gesellschaftstanz, als Tanzprogramm in Pflegeheimen und als tanztherapeutische Bewegung im psychotherapeutischen Sinn. Entsprechend unterschiedlich sind die Orte: Gemeindezentren, Pflegeheime und Kliniken. Ein Teil der Studien untersucht Tanzen als körperliches Training, ein anderer Teil als psychotherapeutische Bewegungstherapie. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man die Ergebnisse liest. Der entscheidende Punkt ist, dass „Tanz“ keine einheitliche Sache ist. Die Arbeiten unterscheiden sich in Stil, Takt, Schrittfolge, Musik, Gruppengröße, Anleitung und Dauer. Verglichen wird meist gegen die übliche Versorgung, seltener gegen ein Bewegungstraining mit gleicher Anstrengung. Deshalb lässt sich kaum trennen, was auf die Musik, was auf die Bewegung, was auf die Gruppe und was auf die therapeutische Beziehung zurückgeht.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist Tanzen bei älteren Menschen mit nachlassender geistiger Leistung. Eine große Zusammenfassung von 13 Studien mit 1605 Teilnehmern ab 60 Jahren fand, dass Tanzen die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit verbesserte 5. In einer Untergruppe mit einem üblichen Test (MMSE) war der Unterschied deutlich. Eine andere Übersicht über acht randomisierte Studien bei älteren Erwachsenen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zeigte mittlere Verbesserungen bei der allgemeinen geistigen Leistung, beim Gedächtnis, beim räumlichen Sehen, bei der Sprache und bei der körperlichen Funktion 4. Bei Parkinson-Patienten untersuchte eine randomisierte Studie mit 40 Teilnehmern 24 Tangostunden. Die Krankheitsschwere insgesamt änderte sich nicht, aber das Gleichgewicht und einige Bewegungsabläufe verbesserten sich 1. Eine zweijährige Pilotstudie mit zehn Parkinson-Patienten fand, dass die Teilnehmer einer Tangogruppe nach 12 und 24 Monaten weniger Krankheitsschwere und bessere Beweglichkeit zeigten als die Kontrollgruppe 2. Bei 204 älteren Menschen mit leichter Demenz führte Tanzbewegungstherapie dazu, dass Depression, Einsamkeit und negative Stimmung zurückgingen und die Alltagsfunktionen sich verbesserten; diese Effekte blieben nach einem Jahr erhalten 3. Eine weitere Studie an 16 Parkinson-Patienten mit Sturzgeschichte zeigte nach 20 Tanzsitzungen Verbesserungen bei Ausdauer, Sturzrisiko und geistiger Beweglichkeit, die auch acht Wochen später noch messbar waren 7. Eine Zusammenfassung von 25 Artikeln fand, dass sich nach Tanzinterventionen die Gehgeschwindigkeit, ein Aufsteh- und Gehtest, ein Fragebogen zu Gangblockaden und ein Sechs-Minuten-Gehtest verbesserten 8.
3. Was noch unklar ist
Die Studien sind schwer vergleichbar, weil die Tanzformen, die Musik, die Gruppengröße und die Dauer sehr unterschiedlich sind. Meist wird gegen die übliche Versorgung verglichen und nicht gegen ein Bewegungstraining mit gleicher Anstrengung. Deshalb weiß man nicht genau, welcher Teil der Wirkung von der Musik, von der Bewegung, von der Gruppe oder von der therapeutischen Beziehung kommt. Viele viel zitierte Arbeiten sind vorläufige oder Pilotstudien mit wenigen Teilnehmern. Die Nachbeobachtung ist meist kurz. Bei Parkinson-Patienten zeigten sich in einer Studie keine Verbesserungen bei geistiger Leistung und Müdigkeit 1. Eine Cochrane-Übersicht zu Tanztherapie bei Demenz stufte die Beweislage als unzureichend für eine abschließende Bewertung ein 9. Auch bei Krebserkrankungen reichte die Beweislage nicht für ein abschließendes Urteil 6. Offen bleibt, welche Tanzform, welche Dauer und welche Intensität am besten geeignet sind.
4. Was das im Alltag bedeutet
Die belastbarsten Hinweise gibt es für ältere Menschen mit nachlassender geistiger Leistung und für Menschen mit Parkinson-Krankheit. Dort wurde in mehreren Studien beobachtet, dass Tanzen Gleichgewicht, Beweglichkeit und geistige Funktionen verbessern kann. Bei anderen Anwendungen wie Krebs oder Depression ist die Lage weniger klar. Wer sich für Tanztherapie interessiert, findet sie in Gemeindezentren, Pflegeheimen und Kliniken, oft als Gruppenangebot. Die Studien sagen nichts darüber, welche Tanzform für wen am besten ist. Auch über die optimale Dauer und Häufigkeit besteht keine Einigkeit. Was als Nächstes zu klären ist: Welche Bestandteile des Tanzens wirken, wie lange die Effekte anhalten und für wen das Angebot am meisten bringt.
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Häufige Fragen
Ist Tanztherapie dasselbe wie Tanzen im Verein?
Nicht ganz. Tanztherapie setzt Bewegung zur Musik gezielt ein, um körperliche Funktionen, Stimmung und Miteinander zu beeinflussen. In den Studien reicht das von Tango über Gesellschaftstanz bis zu psychotherapeutischer Bewegung. Tanzen im Verein kann ähnlich wirken, wird aber meist nicht als Therapie untersucht.
Bei welchen Beschwerden ist die Beweislage am besten?
Am besten untersucht ist Tanzen bei älteren Menschen mit nachlassender geistiger Leistung und bei Parkinson-Krankheit. Dort zeigten mehrere Studien Verbesserungen bei Gleichgewicht, Beweglichkeit und geistigen Funktionen. Bei anderen Beschwerden wie Krebs oder Depression ist die Lage unklarer.
Wie lange muss man tanzen, um etwas zu merken?
Die Studien dauern meist mehrere Wochen bis Monate, oft ein- bis zweimal pro Woche. In einer Studie mit Parkinson-Patienten wurden nach 12 und 24 Monaten noch Unterschiede gesehen. Eine allgemeine Empfehlung zur Dauer lässt sich aus den Studien nicht ableiten.
Quellen
- 1Rios Romenets S, Anang J, Fereshtehnejad SM, Pelletier A, Postuma R · 2015
- 2
- 3Ho RTH, Fong TCT, Chan WC, Kwan JSK, Chiu PKC, Yau JCY et al. · 2020
- 4Wu VX, Chi Y, Lee JK, Goh HS, Chen DYM, Haugan G et al. · 2021
- 5Meng X, Li G, Jia Y, Liu Y, Shang B, Liu P et al. · 2020
- 6Bradt J, Shim M, Goodill SW · 2015
- 7de Natale ER, Paulus KS, Aiello E, Sanna B, Manca A, Sotgiu G et al. · 2017
- 8Kalyani HHN, Sullivan K, Moyle G, Brauer S, Jeffrey ER, Roeder L et al. · 2019
- 9Karkou V, Meekums B · 2017
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