Stress, Cortisol und Entzündung einfach erklärt
Stress kennt jeder. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was im Körper dabei passiert und was Untersuchungen zu Stress, Cortisol und Entzündung zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Vorkenntnisse geschrieben.
1. Worum es geht
Stress ist die Antwort des Körpers auf Anforderungen und Bedrohungen. Er ist biologisch angelegt. Der Körper schaltet auf Alarm und schüttet das Hormon Cortisol aus. Cortisol hilft kurzfristig, weil es Energie bereitstellt. Bleibt der Stress lange bestehen, bleibt auch der Cortisolwert oft erhöht.
Entzündung ist die Antwort des Immunsystems auf Reize. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die sich im Blut messen lassen, zum Beispiel CRP. Manche dieser Stoffe sind nur kurz nachweisbar, andere bleiben länger erhöht.
Zwischen beiden Systemen wird eine Wechselwirkung in beide Richtungen diskutiert: Anhaltender Stress kann Entzündungsvorgänge verstärken, und eine Entzündung kann wiederum die Stressreaktion des Körpers verändern. Dieser Zusammenhang ist bisher nur eine Vermutung.
Stress lässt sich auf zwei Wegen erfassen: mit Fragebögen, in denen Menschen ihr Empfinden schildern, oder über Werte im Speichel, im Blut und im Haar. Der Cortisolwert schwankt im Tagesverlauf stark. Das erschwert den Vergleich von Messungen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht sind Programme, die Stress über mehrere Wochen senken.
In einer Studie von 2015 nahmen 144 Beschäftigte teil, die sich psychisch belastet fühlten. Eine Gruppe machte acht Wochen lang ein Achtsamkeitstraining. Nach den acht Wochen fühlten sich diese Teilnehmer weniger belastet und weniger gestresst als die Vergleichsgruppe. Der Unterschied blieb bestehen, als die Forschenden Alter und andere Merkmale berücksichtigten. Die Vergleichsgruppe hatte allerdings kein eigenes Programm, und die Beobachtung endete nach acht Wochen 7.
Eine Studie von 2020 begleitete 60 Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung über sechs Monate. In der Gruppe mit dem Programm sanken zwei Entzündungswerte, einer im Stuhl und einer im Blut. Der Cortisolwert blieb unverändert. Die Gruppe war klein, und es gab keine zweite Gruppe mit einem anderen aktiven Programm 5.
Eine Studie von 2016 untersuchte 51 Frauen mit Brustkrebs. Eine Gruppe nahm an zehn wöchentlichen Gruppensitzungen zur Stressbewältigung teil, die andere erhielt nur Informationen. Bei den Frauen mit den Sitzungen wurden entzündungsfördernde Gene weniger stark aktiviert als in der Vergleichsgruppe. Die Arbeitsgruppe brachte das mit einem längeren krankheitsfreien Überleben in Verbindung, das sie nach etwa elf Jahren beobachtete. Das war eine Auswertung mit Blick auf mögliche Zusammenhänge 2.
Eine Studie von 2022 prüfte bei 117 Menschen ab 55 Jahren mit einer spät beginnenden Depression über acht Wochen Natriumbenzoat gegen ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff und gegen das Antidepressivum Sertralin. Die Depressionswerte besserten sich in allen drei Gruppen ähnlich. Das Stressempfinden sank in der Natriumbenzoat-Gruppe stärker als in der Gruppe mit dem Scheinmedikament 6.
Eine Übersichtsarbeit von 2023 fasst zusammen, dass Stressmanagement bei Krebspatienten die psychische Belastung senken und die Lebensqualität verbessern kann; einzelne Studien berichteten auch über günstigere Immunwerte 1.
In einer Studie von 2019 mit 115 gesunden Erwachsenen bekamen alle Teilnehmenden einen schwachen Entzündungsreiz. Wer vorher mehr Stress empfand, reagierte mit stärkeren Entzündungswerten 4.
3. Was noch unklar ist
Viele Befunde stammen aus Beobachtungsstudien. Solche Studien zeigen, dass zwei Dinge zusammen auftreten. Sie sagen aber nichts darüber, was die Ursache ist. Ob anhaltender Stress Entzündungen verstärkt oder ob Entzündungen das Stressempfinden verändern, ist deshalb oft offen.
Die untersuchten Gruppen sind häufig klein. Oft bestehen sie aus bestimmten Berufsgruppen oder Patientengruppen. Was für sie gilt, muss für andere Menschen nicht gelten.
Untersuchungen über mehr als zwölf Monate stehen aus. Ebenso stehen Studien aus, die Stressempfinden, Cortisol und die Aktivität entzündungsrelevanter Gene gemeinsam erfassen. Auch zur Frage, ob Naturstoffe aus Pflanzen, zum Beispiel Polyphenole, Stresswerte oder Entzündungswerte beeinflussen, stehen kontrollierte Studien am Menschen noch aus.
Eine Untersuchung in Sambia begleitete Geldzahlungen an Haushalte. Das Stressempfinden sank dadurch nicht. Nur die Sorge um Nahrung hing mit höheren Stresswerten zusammen 3.
4. Was das im Alltag bedeutet
Ein einzelner Cortisolwert lässt sich schwer deuten. Der Wert schwankt im Tagesverlauf stark und reagiert auf Schlaf, Essen, Bewegung und Aufregung. Aussagekraft bekommt er erst zusammen mit mehreren Messungen und mit der Schilderung, wie belastet jemand sich fühlt.
Die hier genannten Studien zu Stressprogrammen am Menschen prüften Achtsamkeitstraining, Gruppensitzungen und Gespräche in der Gruppe. Solche Programme laufen über Wochen bis Monate und werden angeleitet. Einzelne Mittel wurden in diesen Studien meist nicht geprüft.
Für die Einordnung hilft die Wortwahl. Gut belegt bedeutet, dass mehrere kontrollierte Studien mit Menschen in dieselbe Richtung zeigen. Für Stressprogramme gibt es Hinweise, die aber noch nicht gesichert sind. Für den Zusammenhang zwischen Stress und Entzündung bleibt die Richtung offen.
Als Nächstes zu klären sind Langzeitstudien über mehr als ein Jahr und Untersuchungen, die seelische und körperliche Messwerte zusammenführen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Stress, Cortisol und Entzündung. Für Kinder: Stress, Cortisol und Entzündung für Kinder.
Häufige Fragen
Kann ich meinen Cortisolwert messen lassen und daraus etwas ableiten?
Ein einzelner Wert sagt wenig, weil Cortisol im Tagesverlauf stark schwankt und auf Schlaf, Essen und Bewegung reagiert. In Studien werden deshalb mehrere Proben über den Tag gesammelt und mit Fragebögen zum Stressempfinden kombiniert.
Was wurde zu Achtsamkeit untersucht?
In einer Studie mit 144 Beschäftigten fühlten sich die Teilnehmer nach acht Wochen Achtsamkeitstraining weniger belastet und gestresst als die Vergleichsgruppe 7. Das ist ein Hinweis und noch nicht gesichert. Eine zweite Bestätigung mit einer aktiven Vergleichsgruppe würde die Frage klären.
Ist Stress die Ursache von Entzündungen?
Es werden beide Richtungen diskutiert: Stress kann Entzündungsvorgänge verstärken, und eine Entzündung kann die Stressreaktion verändern. Beobachtungsstudien zeigen den Zusammenhang, sagen aber nichts über die Ursache. Eine Studie, die die Richtung klärt, steht noch aus.
Quellen
- 1Antoni MH, Moreno PI, Penedo FJ · 2023
- 2Antoni MH, Bouchard LC, Jacobs JM, Lechner SC, Jutagir DR, Gudenkauf LM et al. · 2016
- 3Hjelm L, Handa S, de Hoop J, Palermo T, Zambia CGP and MCP Evaluation Teams · 2017
- 4Irwin MR, Cole S, Olmstead R, Breen EC, Cho JJ, Moieni M et al. · 2019
- 5González-Moret R, Cebolla A, Cortés X, Baños RM, Navarrete J, de la Rubia JE et al. · 2020
- 6
- 7Huang SL, Li RH, Huang FY, Tang FC · 2015
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