Schröpfen einfach erklärt
Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Schröpfen ist und was Untersuchungen darüber zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Vorkenntnisse.
1. Worum es geht
Schröpfen ist ein altes Verfahren aus der traditionellen Medizin. Dabei werden Glocken aus Glas, Bambus oder Kunststoff auf die Haut gesetzt. In den Glocken entsteht ein Unterdruck, der die Haut und das Gewebe darunter reizt. Es gibt verschiedene Formen: Beim trockenen Schröpfen wirkt nur der Unterdruck. Beim nassen Schröpfen werden vorher kleine Hautschnitte gemacht. Beim beweglichen Schröpfen wird die Glocke über die Haut gezogen, ähnlich wie bei einer Massage. Das Verfahren stammt aus der chinesischen, arabischen und europäischen Heilkunde und wird seit Jahrhunderten bei Schmerzen und anderen Beschwerden angewendet. In den Untersuchungen zeigt sich, dass die Anwendungen sehr unterschiedlich durchgeführt werden. Mal wird stärker, mal schwächer gesaugt, mal länger, mal kürzer. Auch die Körperstellen sind verschieden. Das macht es schwer, die Studien miteinander zu vergleichen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist Schröpfen bei Schmerzen des Bewegungsapparats. Eine Untersuchung mit 98 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen verglich nasses Schröpfen mit der üblichen Behandlung. Die Schröpfgruppe hatte weniger Schmerzen, aber es gab keine Placebo-Kontrolle 1. Bei Karpaltunnelsyndrom, einer schmerzhaften Handgelenkserkrankung, erhielten 52 Patienten eine einzelne Schröpfbehandlung oder eine Wärmebehandlung. Nach sieben Tagen waren die Schmerzen in der Schröpfgruppe deutlich stärker gesunken als in der Wärmegruppe 2. Eine andere Untersuchung mit 110 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen testete trockenes Schröpfen mit leichtem Pulsieren gegen eine Kontrollgruppe, die bei Bedarf Schmerzmittel nahm. Nach vier Wochen hatten die Schröpfpatienten weniger Schmerzen. Auch eine sehr sanfte Schröpfanwendung half etwas, was darauf hindeutet, dass ein Teil der Wirkung auf die Erwartung zurückgehen könnte 6. Eine Untersuchung mit 50 Patienten mit chronischen Nackenschmerzen zeigte nach fünf Schröpfmassagen weniger Schmerzen und eine bessere Lebensqualität. Die Nebenwirkungen waren mild, meist vorübergehende blaue Flecken 5. Bei Fibromyalgie, einer Erkrankung mit weit verbreiteten Schmerzen, verglich eine Untersuchung mit 141 Patienten Schröpfen mit Scheinschröpfen und der üblichen Behandlung. Die Schröpfgruppe war besser als die übliche Behandlung, aber nicht besser als die Scheinbehandlung 4. Eine Beobachtungsstudie mit 70 Patienten mit Kopfschmerzen oder Migräne berichtete, dass die Kopfschmerzintensität nach drei Monaten um 66 Prozent sank und die Zahl der Kopfschmerztage um durchschnittlich 12,6 Tage pro Monat zurückging. Eine Kontrollgruppe fehlte hier 3.
3. Was noch unklar ist
Viele Untersuchungen sind klein und haben methodische Schwächen. Oft fehlt eine Verblindung, das heißt, die Teilnehmer wussten, ob sie echt oder scheinbehandelt wurden. Auch Placebo-Kontrollen sind schwierig, weil sich der Druck und die Hautrötung kaum nachahmen lassen. Die Anwendungen sind sehr unterschiedlich, was die Vergleichbarkeit erschwert. Zu Langzeiteffekten gibt es kaum Daten. Bei einigen Beschwerden wie Erschöpfung, Hauterkrankungen oder Bluthochdruck sind die Ergebnisse widersprüchlich oder fehlen ganz. Die Forschung steht hier noch aus. Auch die Frage, ob Schröpfen mehr bewirkt als ein Placebo-Effekt, ist nicht abschließend geklärt.
4. Was das im Alltag bedeutet
Schröpfen ist ein traditionelles Verfahren, das bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats kurzfristig Linderung bringen kann. Die Effekte sind aber oft moderat und mit Placebo oder üblichen Behandlungen vergleichbar. Die Verträglichkeit ist meist gut, mit leichten Nebenwirkungen wie blauen Flecken. Schwere Komplikationen sind selten, können aber bei unsachgemäßer Anwendung auftreten. Wer Schröpfen ausprobiert, sollte sich bewusst sein, dass die Wirkung nicht bei allen gleich ausfällt und die Studienlage nicht einheitlich ist. Ob standardisierte Anwendungen die Ergebnisse verbessern, ist eine offene Frage. Diese Seite gibt keine Empfehlung und keine Anleitung.
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Häufige Fragen
Ist Schröpfen gefährlich?
In den Untersuchungen waren die Nebenwirkungen meist mild, vor allem blaue Flecken und Hautreizungen. Schwere Komplikationen sind selten, können aber bei unsachgemäßer Anwendung vorkommen.
Hilft Schröpfen bei Rückenschmerzen?
Einige Untersuchungen zeigen, dass Schröpfen kurzfristig die Schmerzen lindern kann. Die Effekte sind aber oft nicht stärker als bei einer Scheinbehandlung oder üblichen Therapie.
Wie oft wird Schröpfen angewendet?
In den Studien gab es sehr unterschiedliche Anwendungen: mal eine einzelne Sitzung, mal mehrere über Wochen. Eine allgemein gültige Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Quellen
- 1Farhadi K, Schwebel DC, Saeb M, Choubsaz M, Mohammadi R, Ahmadi A · 2009
- 2Michalsen A, Bock S, Lüdtke R, Rampp T, Baecker M, Bachmann J et al. · 2009
- 3Kim JI, Lee MS, Lee DH, Boddy K, Ernst E · 2011
- 4Lauche R, Spitzer J, Schwahn B, Ostermann T, Bernardy K, Cramer H et al. · 2016
- 5Saha FJ, Schumann S, Cramer H, Hohmann C, Choi KE, Rolke R et al. · 2017
- 6Teut M, Ullmann A, Ortiz M, Rotter G, Binting S, Cree M et al. · 2018
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