Probiotika einfach erklärt
Probiotika sind lebende Bakterien und Hefen, die man über Lebensmittel oder Kapseln aufnimmt. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen am Menschen dazu zeigen — und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Probiotika sind winzige Lebewesen: Bakterien und Hefen. Sie sind noch lebendig, wenn man sie aufnimmt. In ausreichender Menge sollen sie die Gesundheit unterstützen. Natürlich kommen sie in fermentierten Lebensmitteln vor, etwa Joghurt, Kefir oder Sauerkraut (Fermentieren heißt, dass Lebensmittel mit Hilfe von Mikroorganismen haltbar gemacht werden). Man findet sie auch in Kapseln, Pulvern und Arzneimitteln.
Die häufigsten Stämme gehören zu den Gruppen Lactobacillus und Bifidobacterium. Ein Stamm ist eine fein unterschiedene Untergruppe innerhalb einer Bakterienart. Auch Hefen wie Saccharomyces boulardii werden untersucht.
Damit ein Probiotikum wirken kann, muss es den Magen überstehen, in den Darm gelangen und dort eine Zeit lang bleiben. Wichtig ist: Nicht alle Probiotika sind gleich. Zwei eng verwandte Bakterien können unterschiedlich wirken. Wie stark ein Effekt ausfällt, hängt vom Stamm, von der Menge und von der Person ab. Deshalb lässt sich nicht sagen „Probiotika wirken“, sondern nur: dieser Stamm, bei dieser Gruppe, über diesen Zeitraum.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die Auswertung umfasst 4.112 Arbeiten, darunter 747 kontrollierte Studien am Menschen. Kontrolliert heißt: Eine Gruppe bekommt das Probiotikum, eine andere eine Scheinbehandlung (Placebo), und niemand weiß, wer was bekommt. Der Schwerpunkt liegt auf Darm und Entzündung.
Reizdarmsyndrom: Die Übersichtsarbeit 2 fasst viele kontrollierte Studien zusammen. Bestimmte Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme konnten die Beschwerden lindern. Die Ergebnisse waren aber nicht einheitlich — nicht jeder Stamm und nicht jede Studie zeigte denselben Effekt. Dieser Bereich gilt als der mit den besten Hinweisen.
Entzündung bei Diabetes und Herzkrankheit: In einer kontrollierten Studie 4 bekamen 60 Menschen mit Diabetes und koronarer Herzkrankheit zwölf Wochen lang Probiotika oder ein Placebo. Bei den Teilnehmenden mit Probiotika sank der Entzündungswert im Blut deutlicher als in der Placebogruppe. Dieser Wert heißt hochsensitives CRP, ein Eiweiß, das bei Entzündungen im Körper ansteigt. Auch Nüchternblutzucker und Blutfette wurden gemessen. Einschränkung: Es waren nur 60 Personen, die Dauer war kurz, und die Gruppe war sehr speziell.
Entzündung in der Schwangerschaft: In einer weiteren kontrollierten Studie 3 bekamen 60 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sechs Wochen lang Probiotika oder Placebo. In der Probiotikagruppe sank der Entzündungswert, und ein Marker für Zellstress verbesserte sich. Auch hier war die Gruppe klein.
Nach einer Darmkrebs-Operation: In einer kontrollierten Studie 1 erhielten 52 Patientinnen und Patienten nach einer Operation wegen Darmkrebs sechs Monate lang ein Gemisch aus sechs Bakterienstämmen oder ein Placebo. Gemessen wurden Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Zytokine. Der Bericht brach die Zahlen ab; ein Rückgang entzündungsfördernder Botenstoffe deutete sich an. Das ist ein Hinweis, kein Beweis.
Verträglichkeit: Große Sicherheitsstudien zeigen eine gute Verträglichkeit 5. Bei Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem sind dagegen Infektionen durch die Probiotika dokumentiert.
3. Was noch unklar ist
Fast alle kontrollierten Studien sind klein und kurzfristig. Ob Probiotika die Darmflora dauerhaft verändern, ist unbekannt. Langzeitstudien über mehr als zwölf Monate stehen noch aus, ebenso Untersuchungen an gesunden Menschen.
Unklar ist auch, ob ein Effekt von einem einzelnen Stamm kommt oder vom Zusammenspiel mehrerer. Viele Präparate enthalten mehrere Stämme gleichzeitig. Danach lässt sich nicht mehr sagen, welcher Teil gewirkt hat.
Wie genau die Bakterien wirken, ist erst in Ansätzen verstanden. Die Studien beschreiben meist Zusammenhänge, nicht Ursachen. Ob Ergebnisse aus Tierversuchen und Zellkulturen auf Menschen übertragbar sind, ist offen, weil die Darmflora bei jeder Tierart und bei jedem Menschen anders zusammengesetzt ist.
Und bei Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem oder bei Frühgeborenen ist die Abwägung zwischen Nutzen und Risiko nicht geklärt.
4. Was das im Alltag bedeutet
Probiotika sind keine einheitliche Sache. Das Wort sagt nur, dass lebende Mikroorganismen enthalten sind — nicht, welcher Stamm, in welcher Menge, für wen. Zwei Präparate mit demselben Wort auf der Packung können völlig verschieden zusammengesetzt sein.
Wer eine Studie liest, sollte deshalb drei Dinge suchen: Welcher Stamm wurde untersucht? Wie lange? An welcher Gruppe von Menschen? Ohne diese Angaben lässt sich ein Ergebnis kaum auf eine andere Situation übertragen.
Für gesunde Menschen waren Probiotika in Studien gut verträglich. Bei geschwächtem Abwehrsystem ist Vorsicht angebracht, weil Infektionen dokumentiert sind.
Als Nächstes zu klären wäre, ob einzelne Stämme gezielt für bestimmte Beschwerden geprüft werden können und ob eine Wirkung über Monate und Jahre anhält.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Probiotika. Für Kinder: Probiotika für Kinder.
Häufige Fragen
Sind Probiotika aus dem Supermarkt dasselbe wie die in Studien?
Nicht unbedingt. In Studien wird ein genau bezeichneter Stamm in genau beschriebener Menge geprüft. Auf Lebensmitteln steht oft nur die Bakterienart, nicht der Stamm. Ob dabei dasselbe herauskommt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Können Probiotika auch schaden?
Bei gesunden Menschen war die Verträglichkeit in Studien gut. Bei Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem sind Infektionen durch Probiotika dokumentiert. Die Abwägung fällt also nicht für alle Menschen gleich aus.
Warum sind die Ergebnisse so unterschiedlich?
Die Darmflora ist bei jedem Menschen anders. Sie hängt von Erbanlagen, Ernährung, Medikamenten und Lebensstil ab. Deshalb kann derselbe Stamm bei einer anderen Gruppe anders wirken.
Helfen Probiotika beim Reizdarmsyndrom?
Für den Darm gibt es die besten Hinweise. Bestimmte Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme konnten in Studien Beschwerden lindern. Einheitlich waren die Ergebnisse aber nicht, und nicht jeder Stamm zeigte denselben Effekt.
Quellen
- 1Zaharuddin L, Mokhtar NM, Muhammad Nawawi KN, Raja Ali RA · 2019
- 2Didari T, Mozaffari S, Nikfar S, Abdollahi M · 2015
- 3Badehnoosh B, Karamali M, Zarrati M, Jamilian M, Bahmani F, Tajabadi-Ebrahimi M et al. · 2018
- 4Raygan F, Rezavandi Z, Bahmani F, Ostadmohammadi V, Mansournia MA, Tajabadi-Ebrahimi M et al. · 2018
- 5Dugoua JJ, Machado M, Zhu X, Chen X, Koren G, Einarson TR · 2009
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