Phlorizin einfach erklärt
Phlorizin ist ein Pflanzenstoff aus Äpfeln. Die Seite erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen über ihn zeigen und welche Fragen noch offen sind.
1. Worum es geht
Phlorizin ist ein Pflanzenstoff. Er gehört zu einer Gruppe, die Fachleute Dihydrochalcone nennen, und ist chemisch an einen Zucker gebunden. Am häufigsten kommt er in Äpfeln vor, vor allem in der Schale, in den Kernen und in den Blättern. In kleineren Mengen findet er sich auch in anderen Rosengewächsen wie Birnen oder Quitten. Für die Pflanze wirkt er als Abwehrstoff gegen Krankheitserreger und hilft ihr, den Zuckerhaushalt zu regeln. Bekannt wurde Phlorizin, als Forschende entdeckten, dass es die Rückgewinnung von Zucker in der Niere bremst. Im Körper gibt es Eiweiße, die Zucker aus dem Darm aufnehmen und in der Niere zurückholen. Phlorizin kann diese Eiweiße blockieren. Dann gelangt weniger Zucker ins Blut, und mehr Zucker geht mit dem Urin hinaus. Nach diesem Vorbild wurden später Medikamente gebaut, die heute bei Diabetes eingesetzt werden. Phlorizin selbst wird im Darm in einen anderen Stoff umgebaut, das Phloretin. Dabei geht ein Teil seiner Wirkung verloren.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die wichtigste Untersuchung am Menschen stammt aus dem Jahr 2015 (3). Die Untersuchung war klein: Sechs gesunde Personen tranken eine Zuckerlösung. Einmal bekamen sie dazu ein Pulver aus unreifen Äpfeln, das viel Phlorizin enthielt, einmal nicht. Mit dem Pulver stieg der Blutzucker nach dem Trinken deutlich schwächer an als ohne. Außerdem schied der Körper in den Stunden danach mehr Zucker über den Urin aus. Das deutet darauf hin, dass das Pulver aus unreifen Äpfeln auch beim Menschen den Blutzuckeranstieg abschwächen kann.
Eine zweite Untersuchung, die AppleCOR-Studie von 2023 (2), ging der Frage nach, wie unterschiedlich Menschen Phlorizin aufnehmen. 62 Personen aßen sechs Wochen lang gefriergetrocknete Apfelsnacks, mal mit wenig, mal mit viel Phloretin. Das Ergebnis: Die Aufnahme war von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Bei den meisten Teilnehmern fand sich im Urin vor allem eine bestimmte Abbauform. Frauen zeigten dieses Muster häufiger als Männer. Wer viel aufnahm, hatte nach sechs Wochen tendenziell etwas niedrigere Blutzucker- und Insulinwerte. Das ist ein Hinweis, aber noch nicht gesichert.
Am deutlichsten sichtbar wird die Bedeutung von Phlorizin bei den Medikamenten, die nach seinem Vorbild entwickelt wurden. Die Übersichtsarbeit von 2013 (1) beschreibt, dass Mittel wie Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin bei Menschen mit Diabetes den Langzeitblutzuckerwert senken, das Gewicht verringern und den Blutdruck etwas senken. Diese Mittel sind aber nicht Phlorizin selbst. Sie wurden künstlich gebaut, damit sie stärker wirken und besser in den Körper gelangen.
Aus Zell- und Tierversuchen gibt es weitere Beobachtungen. Phlorizin wirkte dort gegen schädliche Stoffe und gegen Entzündungsbotenstoffe. Ob das für Menschen eine Bedeutung hat, ist bisher nur eine Vermutung.
3. Was noch unklar ist
Der größte offene Punkt ist die Frage, ob Phlorizin selbst Menschen helfen kann. Dazu gibt es keine kontrollierte Studie über längere Zeit. Die zweite Untersuchung am Menschen drehte sich um die Aufnahme im Körper und um die Abbauprodukte, nicht um den Krankheitsverlauf. Phlorizin wird im Darm zu Phloretin umgebaut, das schwächer wirkt. Deshalb lässt sich aus Laborbefunden nur begrenzt auf den Menschen schließen. Auch wie viel Phlorizin im Körper ankommt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Warum das so ist, wird untersucht. Für Krebs und Entzündungen gibt es bisher nur Beobachtungen aus Zellkulturen und Tierversuchen. Wie Phlorizin mit anderen Stoffen oder mit Medikamenten zusammenwirkt, ist ebenfalls eine offene Frage. Studien, die das klären würden, stehen noch aus.
4. Was das im Alltag bedeutet
Phlorizin steckt in Äpfeln, besonders in der Schale und in den Kernen. Die Untersuchungen am Menschen arbeiteten aber nicht mit gewöhnlichen Äpfeln, sondern mit speziell hergestellten Pulvern und Snacks mit festgelegtem Gehalt. Ob und wie viel Phlorizin beim Essen von Äpfeln in den Körper gelangt, ist von Person zu Person sehr verschieden. Manche nehmen fast nichts auf, andere deutlich mehr. Deshalb lässt sich aus einer Apfelmahlzeit keine Wirkung ableiten, die für alle gleich wäre. Sicher beschrieben ist der Mechanismus: Phlorizin bremst die Eiweiße, die Zucker aufnehmen und zurückholen. Eine daraus abgeleitete Behandlung mit Phlorizin selbst ist nicht etabliert. Interessant bleibt die Frage, ob sich Formen finden lassen, die besser aufgenommen werden und deren Wirkung am Menschen messbar ist.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Phlorizin. Für Kinder: Phlorizin für Kinder.
Häufige Fragen
Ist Phlorizin ein natürliches Mittel gegen Diabetes?
Der Mechanismus ist gut belegt: Phlorizin bremst die Eiweiße, die Zucker im Darm aufnehmen und in der Niere zurückholen. Kontrollierte Studien am Menschen haben bisher aber die Aufnahme im Körper und die Abbauprodukte untersucht, nicht den Krankheitsverlauf. Ob Phlorizin selbst den Blutzucker dauerhaft senkt, steht noch offen.
Reicht es, Äpfel zu essen?
Phlorizin steckt in Äpfeln, besonders in Schale und Kernen. In den Untersuchungen wurden jedoch speziell hergestellte Apfelpulver und Apfelsnacks mit festgelegtem Gehalt verwendet. Wie viel Phlorizin beim Essen gewöhnlicher Äpfel in den Körper gelangt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.
Warum forscht man überhaupt an Phlorizin?
Weil sich an ihm gut zeigen lässt, wie der Zuckertransport im Körper gebremst wird. Nach seinem Vorbild wurden Medikamente entwickelt, die heute bei Diabetes eingesetzt werden. Phlorizin selbst ist vor allem ein Vorbild und ein Werkzeug in der Forschung.
Quellen
- 1Rosenwasser RF, Sultan S, Sutton D, Choksi R, Epstein BJ · 2013
- 2Macià A, Romero MP, Pedret A, Solà R, Clifford MN, Rubió-Piqué L · 2023
- 3Makarova E, Górnaś P, Konrade I, Tirzite D, Cirule H, Gulbe A et al. · 2015
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