Omega-3-Fettsäuren einfach erklärt
Omega-3-Fettsäuren sind Fette, die vor allem in fettem Fisch vorkommen. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen dazu zeigen und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Omega-3-Fettsäuren sind bestimmte Fette aus der Nahrung. Am bekanntesten sind zwei Vertreter aus fettem Fisch und Algen: EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Der Körper kann diese beiden nur in begrenztem Umfang selbst bilden. Eine dritte, Alpha-Linolensäure (ALA), steckt in einigen Pflanzenölen. Aus ALA entsteht im Körper nur wenig EPA und DHA.
Forscher messen, wie viel Omega-3 im Blut ist. Dieser Wert heißt Omega-3-Index. Er sagt etwas über die Versorgung, aber nicht immer etwas über die Gesundheit. Wie gut der Körper Omega-3 aufnimmt, hängt davon ab, in welcher Form es vorliegt und ob gleichzeitig Fett im Essen ist. Natürliche Quellen sind Fischöl, Krillöl und Algenöl. Sie wirken unterschiedlich, was Vergleiche zwischen Studien schwer macht.
Für diese Seite wurden mehr als 4000 Arbeiten ausgewertet. Darunter sind Laboruntersuchungen, Tierstudien und Studien am Menschen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am deutlichsten zeigt sich ein Effekt bei den Blutfetten. In einer Studie mit 26 Menschen mit erhöhten Blutfettwerten sanken diese nach acht Wochen klar, wenn die Teilnehmer eine größere Menge Omega-3 bekamen. Auf Entzündungswerte und die Gefäßfunktion hatte das in dieser Studie keinen erkennbaren Einfluss. 4
Bei älteren Erwachsenen verglich eine Studie Omega-3 mit einem Scheinpräparat, also einer Tablette ohne Wirkstoff. Die Gruppe mit Omega-3 schnitt in Aufgaben besser ab, bei denen man planen, aufpassen und Gedanken ordnen muss. 3
In einer weiteren Studie nahmen 90 Menschen mit chronischer Entzündung und Gelenkbeschwerden 30 Tage lang Krillöl. Schmerzen, Steifigkeit und Beweglichkeit besserten sich, und der Entzündungswert im Blut sank. Das Präparat enthielt aber noch andere Stoffe, deshalb lässt sich der Erfolg nicht allein dem Omega-3 zuschreiben. 6
45 gesunde ältere Männer bekamen zwölf Wochen lang Krillöl, Sardinenöl oder ein Scheinpräparat. Während Gedächtnis- und Rechenaufgaben war die Durchblutung des Gehirns in beiden Omega-3-Gruppen messbar stärker. In der Krillöl-Gruppe reagierten die Männer außerdem schneller. Die Gruppe war klein. 8
Eine große Studie über etwa fünf Jahre fand keinen Unterschied bei Krebserkrankungen zwischen Omega-3 und Scheinpräparat. 1 Bei Autoimmunerkrankungen, dazu zählen etwa rheumatoide Arthritis und Psoriasis, gab es einen Hinweis auf etwas weniger Neuerkrankungen insgesamt. Für einzelne Krankheiten zeigte sich aber kein klarer Effekt. 2
3. Was noch unklar ist
Bei den meisten Anwendungsgebieten ist offen, welche Menge über welche Zeit sinnvoll ist. Viele Studien am Menschen laufen nur wenige Wochen und messen Blutwerte statt echter Erkrankungen. Ob ein veränderter Blutwert bedeutet, dass jemand seltener krank wird, ist damit nicht geklärt. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, sie beweisen aber keine Ursache.
Häufig fehlt in den Studien die Unterscheidung zwischen EPA und DHA, und die verwendeten Mengen und Zeiträume sind sehr verschieden. Auch die Aufnahme in den Körper unterscheidet sich je nach Zubereitungsform. Der Omega-3-Index im Blut sagt deshalb nicht immer etwas über den Gesundheitsverlauf aus.
Bei Menschen mit Herzkrankheit und Depression brachte zusätzliches Omega-3 zu einem Medikament in einer zehnwöchigen Studie keinen klaren Vorteil. 7 Bei Gedächtnis und Denkfähigkeit sind die Ergebnisse uneinheitlich. Manche Untersuchungen berichten Verbesserungen, andere nicht. 5
4. Was das im Alltag bedeutet
Omega-3 ist kein Schalter, der sich einfach umlegen lässt. Am deutlichsten zeigt sich bisher ein Effekt auf die Blutfette. Für Krebserkrankungen und Autoimmunerkrankungen war in den größeren Studien kein klarer Nutzen zu sehen. Bei Denkfähigkeit und Stimmung sind die Ergebnisse gemischt.
Wer Berichte liest, in denen Omega-3 gegen eine bestimmte Krankheit hilft, kann genauer hinsehen. Wie viele Menschen wurden untersucht, wie lange, und was wurde gemessen? Ein veränderter Blutwert ist noch keine gebesserte Krankheit.
Als Nächstes zu klären ist, welche Menge und welche Zubereitungsform für welche Gruppe über längere Zeit etwas bringen. Offen ist auch, ob EPA und DHA dabei unterschiedlich wirken. Solange das unklar ist, lautet die entscheidende Frage nicht, ob Omega-3 grundsätzlich wirkt, sondern für wen und in welcher Form.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Omega-3-Fettsäuren. Für Kinder: Omega-3-Fettsäuren für Kinder.
Häufige Fragen
Was sind Omega-3-Fettsäuren und wo kommen sie vor?
Das sind bestimmte Fette, die der Körper nur in begrenztem Umfang selbst bilden kann. Die bekanntesten Vertreter EPA und DHA stecken in fettem Fisch, Algen und Krill. Eine pflanzliche Vorstufe, die Alpha-Linolensäure, ist in einigen Pflanzenölen enthalten und wird im Körper nur teilweise in EPA und DHA umgewandelt.
Senkt Omega-3 die Entzündungswerte im Blut?
Das Bild ist nicht einheitlich. In einer Studie mit 26 Menschen mit erhöhten Blutfettwerten blieben die Entzündungswerte unverändert. In einer anderen Studie mit 90 Menschen mit chronischer Entzündung und Gelenkbeschwerden sank der Entzündungswert, doch das getestete Krillöl enthielt noch weitere Stoffe.
Schützt Omega-3 das Gehirn?
Bei älteren Erwachsenen schnitt die Gruppe mit Omega-3 in Aufgaben zu Planung und Aufmerksamkeit besser ab als die Gruppe mit Scheinpräparat. 3 Eine Querschnittsstudie fand einen Zusammenhang zwischen niedrigem Omega-3-Index und kleinerem Gesamtgehirnvolumen sowie schlechterer visueller Erinnerung; ein solcher Zusammenhang belegt keine Ursache. 9
Ist Omega-3 dasselbe wie Fischöl?
Nein, Fischöl ist nur eine Quelle. Omega-3 steckt auch in Krillöl und Algenöl. Diese Quellen unterscheiden sich darin, wie gut der Körper das Omega-3 daraus aufnimmt, und sie enthalten unterschiedliche Begleitstoffe.
Quellen
- 1Manson JE, Cook NR, Lee IM, Christen W, Bassuk SS, Mora S et al. · 2019
- 2Hahn J, Cook NR, Alexander EK, Friedman S, Walter J, Bubes V et al. · 2022
- 3Witte AV, Kerti L, Hermannstädter HM, Fiebach JB, Schreiber SJ, Schuchardt JP et al. · 2014
- 4Skulas-Ray AC, Kris-Etherton PM, Harris WS, Vanden Heuvel JP, Wagner PR, West SG · 2011
- 5Dighriri IM, Alsubaie AM, Hakami FM, Hamithi DM, Alshekh MM, Khobrani FA et al. · 2022
- 6
- 7Carney RM, Freedland KE, Rubin EH, Rich MW, Steinmeyer BC, Harris WS · 2009
- 8Konagai C, Yanagimoto K, Hayamizu K, Han L, Tsuji T, Koga Y · 2013
- 9Tan ZS, Harris WS, Beiser AS, Au R, Himali JJ, Debette S et al. · 2012
Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.