Neurofeedback mit qEEG einfach erklärt
Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Neurofeedback mit qEEG ist und was Untersuchungen dazu zeigen. Sie ist für interessierte Laien ohne medizinische Ausbildung gedacht.
1. Worum es geht
Neurofeedback mit qEEG ist ein Training, bei dem Menschen lernen, ihre eigene Hirnaktivität zu beeinflussen. Zuerst wird die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen. Das Verfahren heißt Elektroenzephalographie, kurz EEG. Die Messwerte werden mit einem Computer genau ausgewertet. Diese Auswertung nennt man quantitative Elektroenzephalographie, kurz qEEG. Dabei wird geschaut, welche Hirnwellenmuster von einer Norm abweichen. Diese Abweichungen dienen als Trainingsziel. Während des Trainings bekommen die Teilnehmer Rückmeldungen, zum Beispiel über Spiele, Töne oder Diagramme. So können sie erkennen, ob sie bestimmte Hirnwellen verstärken oder abschwächen. Das Verfahren stammt aus der Neurophysiologie, der Lehre von der Funktion des Nervensystems. Heute wird es in der kognitiven Rehabilitation, in der Psychotherapie und in der Neurologie eingesetzt. Ein wichtiger Punkt: Jedes Training wird individuell angepasst, weil Hirnwellenmuster von Mensch zu Mensch verschieden sind.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die Forschung zu Neurofeedback untersucht vor allem Aufmerksamkeitsstörungen, Depression und posttraumatische Belastungsstörung. Bei Aufmerksamkeitsstörungen gibt es die stärksten Hinweise. In einer großen Untersuchung mit 172 Kindern mit ADHS im Alter von 6 bis 12 Jahren führte ein achtwöchiges Training mit EEG-Neurofeedback zu einer deutlichen Abnahme der Unaufmerksamkeitssymptome. Die Kinder, die das Training machten, verbesserten sich mehr als eine Wartelisten-Gruppe, die zunächst kein Training erhielt. Die Verbesserungen blieben auch nach weiteren 12 Wochen stabil, als weniger trainiert wurde. Das zeigt die Studie mit der Nummer 4. Eine andere Untersuchung mit 52 Patienten mit chronischer posttraumatischer Belastungsstörung zeigte, dass EEG-Neurofeedback über 12 Wochen die Belastungssymptome verringerte und die Fähigkeit zur Gefühlsregulation verbesserte. Die Effekte hielten noch einen Monat nach dem Training an. Das ist die Studie 2. Bei Depression gibt es Hinweise aus einer anderen Form des Neurofeedbacks, die mit Echtzeit-Kernspintomographie arbeitet. In einer kleinen Studie mit acht Patienten mit Depression konnten die Teilnehmer nach vier Sitzungen lernen, bestimmte Hirnregionen gezielt zu aktivieren. Das führte zu einer Verbesserung der depressiven Symptome. Eine Kontrollgruppe ohne Neurofeedback verbesserte sich nicht. Das zeigt die Studie 1. Ob sich diese Ergebnisse auf das qEEG-basierte Neurofeedback übertragen lassen, ist noch offen. Bei Opiatabhängigkeit zeigte eine Studie mit 20 Patienten, dass 30 Sitzungen Neurofeedback das Verlangen nach der Substanz und depressive Symptome verringerten und die psychische Gesundheit verbesserten. Das ist die Studie 3.
3. Was noch unklar ist
Viele Fragen sind noch nicht geklärt. Die Trainings sind oft sehr unterschiedlich, weil jeder ein eigenes Programm bekommt. Dadurch lassen sich Studien schwer vergleichen. Auch die Rückmeldungen sind verschieden: mal Spiele, mal Töne, mal Diagramme. Es fehlen Langzeitstudien, die prüfen, ob die Verbesserungen über Monate oder Jahre anhalten. Zudem ist unklar, ob die beobachteten Effekte wirklich durch das Neurofeedback selbst entstehen. Es könnte auch sein, dass allein die erhöhte Aufmerksamkeit, die Motivation oder die Zuwendung durch den Therapeuten die Verbesserungen bewirken. Einige Studien mit Schein-Neurofeedback fanden keine Unterschiede zu echtem Neurofeedback. Andere zeigten spezifische Effekte. Die Forschung steht hier noch am Anfang. Die nächste wichtige Studie müsste Neurofeedback mit einer anspruchsvollen Placebo-Bedingung vergleichen, um unspezifische Effekte auszuschließen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Neurofeedback mit qEEG ist ein nicht-invasives Verfahren. Das heißt, es wird nichts in den Körper eingeführt und es tut nicht weh. In den Untersuchungen zeigte es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Die Teilnehmer berichteten über eine gute Akzeptanz. Die stärksten Hinweise gibt es für Aufmerksamkeitsstörungen und posttraumatische Belastungsstörung. Bei Opiatabhängigkeit gibt es einen ersten Hinweis aus einer kleineren Untersuchung. Wer sich für das Verfahren interessiert, sollte wissen, dass es sich um ein Training handelt, das Zeit und Übung erfordert. Es ist kein Medikament und kein schneller Eingriff. Die Forschung dazu ist noch in Bewegung. Viele Fragen zur besten Anwendung, zur Dauer der Wirkung und zur Übertragbarkeit in den Alltag sind offen. Diese Fragen werden in weiteren Studien geklärt werden müssen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Neurofeedback (qEEG-basiert). Für Kinder: Neurofeedback (qEEG-basiert) für Kinder.
Häufige Fragen
Was passiert bei einer Neurofeedback-Sitzung?
Bei einer Sitzung werden Elektroden auf die Kopfhaut gesetzt, die die elektrische Aktivität des Gehirns messen. Ein Computer wertet die Signale aus und gibt Rückmeldung, zum Beispiel über ein Spiel oder einen Ton. So kann man lernen, bestimmte Hirnwellenmuster zu beeinflussen.
Ist Neurofeedback gefährlich?
In den vorliegenden Studien zeigten sich keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Das Verfahren ist nicht-invasiv, es wird also nichts in den Körper eingeführt. Manche Menschen empfinden die Elektroden als ungewohnt, aber es ist kein Eingriff.
Wie lange dauert eine Behandlung?
Das ist unterschiedlich. In den Studien waren die Trainings unterschiedlich lang und erstreckten sich teils über mehrere Wochen. Die genaue Dauer hängt vom individuellen Trainingsplan ab.
Quellen
- 1Linden DE, Habes I, Johnston SJ, Linden S, Tatineni R, Subramanian L et al. · 2012
- 2van der Kolk BA, Hodgdon H, Gapen M, Musicaro R, Suvak MK, Hamlin E et al. · 2016
- 3Dehghani-Arani F, Rostami R, Nadali H · 2013
- 4Lim CG, Poh XWW, Fung SSD, Guan C, Bautista D, Cheung YB et al. · 2019
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