Low-FODMAP-Ernährung einfach erklärt
Bei Reizdarm ist die Low-FODMAP-Ernährung das am besten untersuchte Ernährungsverfahren. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei eingeschränkt wird und was Untersuchungen dazu gezeigt haben.
1. Worum es geht
FODMAP ist eine Abkürzung für mehrere kurze Zuckerbausteine: Einfach-, Doppel- und Mehrfachzucker sowie Zuckeralkohole. Sie werden im Dünndarm nur teilweise aufgenommen. Was übrig bleibt, wandert in den Dickdarm und wird dort von Bakterien vergoren, wobei Gase entstehen. Die Low-FODMAP-Ernährung führt nichts zu, sie schränkt diese Zuckergruppe für eine Weile ein. In den Untersuchungen läuft das in drei Stufen ab: zuerst eine Phase mit deutlicher Einschränkung, dann die schrittweise Wiedereinführung einzelner Gruppen und zuletzt eine persönliche Grenze, bis zu der jemand etwas verträgt. Durchgeführt wird das als Ernährungsberatung und nicht als Selbstversuch. Erfasst wird die Ernährung über Protokolle und die Auswahl der Lebensmittel. Verbergen lässt sich eine Kostform nicht: Wer weniger davon isst, weiß das. Deshalb vergleichen viele Untersuchungen zwei verschiedene Ernährungsempfehlungen miteinander und nicht die Ernährung mit einem Scheinverfahren. Gemessen werden überwiegend Tagebücher und Fragebögen, also die selbst berichteten Beschwerden.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die Verringerung der Reizdarm-Beschwerden gilt als gut belegt. Eine Übersichtsarbeit, die zwölf Untersuchungen zusammenfasste, fand eine deutliche Verringerung der Beschwerdelast gegenüber einer Kontrolldiät; Schmerzen und Blähungen gingen gegenüber einer gewohnten und gegenüber einer besonders FODMAP-reichen Kost zurück 4. Einzelne Untersuchungen zeigen dasselbe Bild. In einer Studie an Kindern mit Reizdarm aßen 33 Kinder abwechselnd eine FODMAP-arme Kost und eine übliche Kinderkost 2. Unter der FODMAP-armen Kost traten Bauchschmerzen seltener auf, nämlich etwa einmal am Tag statt fast zweimal. In einer Untersuchung an 50 Erwachsenen mit Reizdarm begann eine Gruppe sofort mit der Kostform, die andere erst nach drei Monaten 8. Nach drei Monaten waren die Beschwerden in der ersten Gruppe stärker zurückgegangen und die Lebensqualität deutlicher gestiegen; nach sechs Monaten hielt die Besserung an, und auch in der zweiten Gruppe besserte sich die Lage, als sie begann. Bei 88 Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, die eine entsprechende Beratung erhielten, stieg der Anteil derjenigen, die ihre Beschwerden als ausreichend gelindert beschrieben, von 14 auf 69 6. Bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa in ruhiger Phase sprachen unter der FODMAP-armen Kost 30 von 37 an, unter normaler Ernährung 19 von 41 5. Zugleich verändert die Kost die Darmflora messbar. In einer Untersuchung an 27 Erwachsenen mit Reizdarm, die jeweils drei Wochen lang zwei unterschiedliche Kostformen aßen, war der Säuregehalt im Stuhl höher und die Gesamtzahl der Bakterien niedriger, während die Vielfalt der Bakterien größer war 1.
3. Was noch unklar ist
Die Arbeiten sind schwer vergleichbar: Sie schränken unterschiedlich viele Kohlenhydrate ein, dauern unterschiedlich lang und messen mit verschiedenen Fragebögen. Verbergen lässt sich eine Ernährung nicht, und ein Teil der Studien vergleicht gegen andere Ernährungsempfehlungen statt gegen ein Scheinverfahren. Gemessen werden meist selbst berichtete Beschwerden; die Laborwerte beschreiben den Zustand des Darmmilieus und nicht den Verlauf einer Erkrankung. Wie lange die Veränderungen der Darmflora bestehen und was sie bedeuten, ist offen 3. Auch die Wirkung auf die Nährstoffversorgung über lange Zeit ist eine offene Frage 7. Am seltensten untersucht ist die Wiedereinführungsphase: Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Einschränkung, während die persönliche Dauerlösung als Praxis vorausgesetzt wird. Ob eine zeitlich begrenzte Einschränkung mit anschließender Wiedereinführung die Veränderungen der Darmflora wieder ausgleicht, steht noch aus.
4. Was das im Alltag bedeutet
Die Low-FODMAP-Ernährung ist ein Verfahren, das in Stufen abläuft und in den Untersuchungen von geschultem Fachpersonal begleitet wurde. Symptomlinderung und Veränderung der Darmflora treten gemeinsam auf. Diese Veränderung ist nicht automatisch ein Schaden: Sie zeigt, dass die Bakterien im Dickdarm weniger Nahrung bekommen. Die Frage lautet deshalb nicht, ob sich die Darmflora verändert, sondern wie mit dieser Veränderung umgegangen wird. Auffällig ist, dass die Wiedereinführung in den viel zitierten Arbeiten selten eigener Gegenstand ist; untersucht wird meist die Phase der Einschränkung. Ob eine zeitlich begrenzte Einschränkung mit anschließender Wiedereinführung die Darmflora wieder in die Ausgangslage bringt, wäre die Studie, die diese offene Frage klärt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Low-FODMAP-Ernährung. Für Kinder: Low-FODMAP-Ernährung für Kinder.
Häufige Fragen
Was heißt FODMAP eigentlich?
FODMAP ist eine Abkürzung für mehrere kurze Zuckerarten, die im Dünndarm nur teilweise aufgenommen werden. Was übrig bleibt, wird im Dickdarm von Bakterien vergoren, wobei Gase entstehen. Die Ernährung mit wenig FODMAP schränkt diese Zuckergruppe zeitweise ein.
Muss man die Ernährung für immer durchhalten?
In den Untersuchungen läuft sie in Stufen ab: erst eine deutliche Einschränkung, dann die Wiedereinführung einzelner Gruppen und zuletzt eine persönliche Grenze. Untersucht ist vor allem die Phase der Einschränkung. Wie es nach der Wiedereinführung weitergeht, ist eine offene Frage.
Verändert die Ernährung die Darmflora dauerhaft?
Während der Einschränkung ist die Veränderung messbar: weniger Bakterien insgesamt, ein höherer Säuregehalt im Stuhl und eine größere Vielfalt der Bakterien 1. Wie lange das anhält und was es für die Gesundheit bedeutet, ist noch nicht geklärt.
Quellen
- 1Halmos EP, Christophersen CT, Bird AR, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG · 2015
- 2Chumpitazi BP, Cope JL, Hollister EB, Tsai CM, McMeans AR, Luna RA et al. · 2015
- 3Staudacher HM, Whelan K · 2017
- 4Altobelli E, Del Negro V, Angeletti PM, Latella G · 2017
- 5Pedersen N, Ankersen DV, Felding M, Wachmann H, Végh Z, Molzen L et al. · 2017
- 6Prince AC, Myers CE, Joyce T, Irving P, Lomer M, Whelan K · 2016
- 7Nanayakkara WS, Skidmore PM, O'Brien L, Wilkinson TJ, Gearry RB · 2016
- 8Harvie RM, Chisholm AW, Bisanz JE, Burton JP, Herbison P, Schultz K et al. · 2017
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