Ketogene Ernährung einfach erklärt
Bei der ketogenen Ernährung isst man sehr wenig Kohlenhydrate und viel Fett. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei im Körper passiert und was Untersuchungen dazu zeigen.
1. Worum es geht
Die ketogene Ernährung ist eine besondere Form der Ernährung. Sie wird als Behandlungsverfahren eingesetzt und nicht als gewöhnliche Kost. Der Anteil an Kohlenhydraten ist dabei sehr klein, der größte Teil der Energie kommt aus Fett und ein mittlerer Teil aus Eiweiß. Kohlenhydrate stecken in Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und Zucker.
Wenn dem Körper kaum Kohlenhydrate zugeführt werden, stellt er seinen Betrieb um. Er bildet dann Ketonkörper. Das sind Brennstoffe, die er selbst herstellt, und er nutzt sie als Hauptenergiequelle. Diesen Zustand nennt man Ketose.
Entwickelt wurde das Verfahren in den 1920er-Jahren zur Behandlung von Epilepsie. Heute gibt es mehrere Varianten, zum Beispiel die klassische ketogene Diät, die modifizierte Atkins-Diät oder sehr kohlenhydratarme Kost mit ketogener Ausrichtung. Wie streng die Regeln sind, hängt vom Ziel und von der Personengruppe ab. Die Umstellung wird oft begleitet, indem die Ketonkörper im Blut, im Urin oder in der Atemluft gemessen werden.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht sind die Wirkungen auf den Stoffwechsel, also auf Blutzucker, Blutfette und Gewicht. Dazu gibt es kontrollierte Studien, in denen eine Gruppe die ketogene Kost erhielt und eine andere Gruppe eine Vergleichskost.
Eine Auswertung von neun kontrollierten Studien mit 734 Menschen mit Typ-2-Diabetes ergab: Mit kohlenhydratarmer Kost sank der Langzeitblutzuckerwert stärker als mit den Vergleichsdiäten 5. Dieser Wert zeigt, wie hoch der Blutzucker über die vergangenen Wochen im Durchschnitt war. Auch das „gute“ HDL-Cholesterin stieg, und die Blutfette sanken. Beim Gewicht war der Vorsprung nur kurzfristig zu sehen. Eine zweite Auswertung von 14 Studien mit ebenfalls 734 Teilnehmern fand dasselbe Muster für ketogene Kost gegenüber fettarmer Kost: besserer Langzeitblutzucker, weniger Gewicht und günstigere Blutfette 6. Die meisten dieser Studien dauerten im Mittel zwölf Wochen.
Eine Untersuchung über zwei Jahre begleitete 262 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die sich ketogen ernährten und aus der Ferne betreut wurden 2. Die Wandstärke der Halsarterie blieb unverändert. Einschränkung: Die Teilnehmer wurden nicht per Los auf die beiden Gruppen verteilt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes veränderten sich die Blutfett-Teilchen günstig: Die kleinen wurden weniger, die größeren nahmen zu 4.
In einer kontrollierten Fütterungsstudie aßen 164 Erwachsene über 20 Wochen unterschiedlich viele Kohlenhydrate 7. Am deutlichsten verbesserte sich die Gruppe mit den wenigsten Kohlenhydraten bei einem Wert, der anzeigt, wie gut der Körper auf Insulin anspricht.
Bei 609 übergewichtigen Erwachsenen verglich die DIETFITS-Studie zwölf Monate lang eine kohlenhydratarme mit einer fettreduzierten Kost 1. Ob jemand ein bestimmtes Erbmuster trug oder wie stark sein Körper auf Zucker mit Insulin reagierte, machte für das Ergebnis keinen Unterschied.
In einer kleinen Pilotstudie mit 20 Patienten mit bipolarer Störung oder Schizophrenie nahm nach vier Monaten ketogener Kost das Bauchfett ab, und die psychiatrischen Bewertungen besserten sich. Eine Vergleichsgruppe gab es dabei nicht.
3. Was noch unklar ist
Viele Fragen sind offen. Fast alle Untersuchungen dauern kürzer als zwei Jahre. Deshalb ist nicht geklärt, ob die Verbesserungen bleiben und wie sich die Ernährung über lange Zeit auf Herz, Gefäße und Knochen auswirkt.
Unklar ist auch, woher die beobachteten Wirkungen kommen: von den wenigen Kohlenhydraten, von der geringeren Kalorienmenge oder von der Art des Fetts. Die Studien sind dafür zu unterschiedlich aufgebaut.
Bei neurologischen, psychiatrischen und onkologischen Fragen stützen sich die Aussagen auf Berichte über einzelne Patienten, auf Studien ohne Vergleichsgruppe oder auf Versuche mit Tieren und Zellen. Prüfende Studien am Menschen mit ausreichender Aussagekraft stehen hier noch aus.
Als Nebenwirkungen wurden Verstopfung, Müdigkeit und erhöhte Blutfette berichtet. Bei Typ-2-Diabetes kann es zu Unterzuckerung kommen, wenn die Medikamente nicht angepasst werden. Wie häufig diese Nebenwirkungen bei längerer Anwendung auftreten, ist nicht genau beziffert.
4. Was das im Alltag bedeutet
Für den Stoffwechsel ist die Lage klar: Bei Typ-2-Diabetes und bei Übergewicht zeigen mehrere kontrollierte Studien kurzfristig bessere Blutzuckerwerte, günstigere Blutfette und mehr Gewichtsverlust als mit fettarmen Vergleichsdiäten. Das gilt als gut belegt.
Für andere Anwendungsgebiete, etwa bei Erkrankungen des Nervensystems oder in der Krebstherapie, stehen die prüfenden Studien noch aus. In den Untersuchungen wurde die Ernährung als Behandlung durchgeführt und ärztlich begleitet.
Zu klären bleibt, ob der Vorteil gegenüber anderen Kostformen über Jahre bestehen bleibt, welche Rolle die Ketonkörper selbst dabei spielen und ob bestimmte Gruppen stärker davon profitieren als andere. Diese Fragen lassen sich mit längeren kontrollierten Studien beantworten.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Ketogene Ernährung. Für Kinder: Ketogene Ernährung für Kinder.
Häufige Fragen
Was sind Ketonkörper?
Ketonkörper sind Brennstoffe, die der Körper selbst herstellt, wenn ihm Kohlenhydrate fehlen. Er nutzt sie dann als Hauptenergiequelle. Diesen Zustand nennt man Ketose.
Hilft ketogene Ernährung beim Abnehmen?
In den ersten Monaten nahmen Teilnehmer mit kohlenhydratarmer Kost etwas mehr ab als mit fettarmer Kost. In längeren Vergleichen verschwand dieser Vorsprung wieder. Das zeigt die Auswertung mehrerer Studien 5.
Muss man dabei weniger essen?
Nicht unbedingt. In einer kontrollierten Untersuchung aßen die Teilnehmer mit ketogener Kost sogar mehr als die mit fettarmer Kost, wenn das Essen frei zugänglich war 3. Was das für das Gewicht bedeutet, ist damit noch nicht geklärt.
Wird die ketogene Ernährung auch bei Kindern angewendet?
Ursprünglich wurde das Verfahren vor allem bei Kindern mit schwer behandelbarer Epilepsie eingesetzt. Zu diesen Ernährungstherapien bei Kindern gibt es Übersichtsarbeiten 8. Für andere Erkrankungen im Kindesalter ist die Frage offen.
Quellen
- 1Gardner CD, Trepanowski JF, Del Gobbo LC, Hauser ME, Rigdon J, Ioannidis JPA et al. · 2018
- 2Athinarayanan SJ, Adams RN, Hallberg SJ, McKenzie AL, Bhanpuri NH, Campbell WW et al. · 2019
- 3Hall KD, Guo J, Courville AB, Boring J, Brychta R, Chen KY et al. · 2021
- 4Bhanpuri NH, Hallberg SJ, Williams PT, McKenzie AL, Ballard KD, Campbell WW et al. · 2018
- 5Meng Y, Bai H, Wang S, Li Z, Wang Q, Chen L · 2017
- 6
- 7Ebbeling CB, Knapp A, Johnson A, Wong JMW, Greco KF, Ma C et al. · 2022
- 8Devi N, Madaan P, Kandoth N, Bansal D, Sahu JK · 2023
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