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Hyperbare Sauerstofftherapie einfach erklärt

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie atmen Menschen reinen Sauerstoff in einer Druckkammer. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei im Körper passiert und was Untersuchungen dazu bisher gezeigt haben.

Stand:

1. Worum es geht

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie, kurz HBOT, sitzen oder liegen Menschen in einer geschlossenen Kammer. Darin ist der Luftdruck höher als sonst, und sie atmen reinen Sauerstoff. Weil der Druck höher ist, kann sich mehr Sauerstoff im Blut lösen als bei normaler Atmung. So kann der Sauerstoff auch Gewebe erreichen, das schlecht durchblutet ist. Das Verfahren wurde zuerst für Taucher entwickelt, die nach dem Tauchen krank geworden waren. Heute wird es unter anderem bei der Wundheilung, in der Erholung nach Verletzungen des Gehirns und bei Entzündungsvorgängen untersucht. Die Behandlung läuft meist in Serien: Eine Sitzung dauert etwa eine Stunde, und häufig werden 40 oder 60 Sitzungen über mehrere Wochen durchgeführt. Wie lange eine Sitzung dauert und wie hoch der Druck ist, unterscheidet sich je nach Anwendungsgebiet. Gemessen wird in den Studien auf sehr verschiedene Weise, etwa über Fragebögen, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests oder Aufnahmen des Gehirns.

2. Was Untersuchungen zeigen

Am besten untersucht ist die Wirkung auf Denken, Konzentration und Erschöpfung nach einer Virusinfektion. In einer Studie mit 73 Menschen, die nach einer COVID-19-Erkrankung unter anhaltenden Beschwerden litten, bekamen die Teilnehmer die Behandlung oder eine Scheinbehandlung. Bei einer Scheinbehandlung wird die Kammer zwar genutzt, aber ohne erhöhten Druck und mit normaler Luft. Die Gruppe mit der echten Behandlung schnitt danach bei Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration besser ab. Auch Energie, Schlaf und Schmerzwahrnehmung besserten sich. Aufnahmen des Gehirns zeigten Veränderungen der Durchblutung und der feinen Struktur 2. Eine zweite Studie mit ebenfalls 73 Patienten fand dazu passende Veränderungen in der Verbindung zwischen Hirnregionen, die mit den besseren Aufmerksamkeitswerten zusammenhingen 7. Diese Ergebnisse gelten als Hinweise, aber noch nicht als gesichert. Wie lange die Verbesserungen anhalten, ist offen, denn eine spätere Nachbeobachtung über längere Zeit fehlt in diesen Arbeiten.

Ähnliches zeigt sich bei anhaltenden Beschwerden nach einer leichten Kopfverletzung. In einer Studie mit 56 Patienten, deren Unfall ein bis fünf Jahre zurücklag, führte die Behandlung zu besseren Werten bei Aufmerksamkeit und geistiger Leistung sowie zu besserer Lebensqualität 1. Eine weitere Studie mit 63 Menschen mit Beschwerden nach einer Kopfverletzung berichtete Verbesserungen bei den Beschwerden selbst, beim Gedächtnis, bei Stimmung, Angst und Schlaf. Diese Verbesserungen blieben auch zwei Monate nach dem Ende der Behandlung bestehen 4. Bei gesunden älteren Menschen über 64 Jahren verbesserten sich Aufmerksamkeit und die Geschwindigkeit, mit der sie Informationen verarbeiteten. Im Gehirn nahm die Durchblutung in bestimmten Abschnitten zu 3.

Auch bei Wunden liegen Ergebnisse vor. Eine Zusammenfassung mehrerer Studien zu diabetischen Fußgeschwüren fand, dass diese Wunden mit zusätzlicher Sauerstofftherapie häufiger abheilten und dass seltener Zehen oder Füße amputiert werden mussten 5. Zu den Nebenwirkungen zeigt eine große Zusammenfassung: Sie traten in den Behandlungsgruppen häufiger auf als in den Vergleichsgruppen, am häufigsten war Ohrendruck 6.

3. Was noch unklar ist

Viele Studien sind klein und unterschiedlich aufgebaut. Die Behandlungen unterscheiden sich in Dauer, Druck und Anzahl der Sitzungen. Manche Untersuchungen hatten keine Vergleichsgruppe mit einer Scheinbehandlung. Dann lässt sich nicht sicher trennen, wie viel von einer Verbesserung durch die Behandlung und wie viel durch Erwartung oder Zeit entsteht. In einer Studie mit Militärangehörigen war fast die Hälfte zusätzlich von einer Belastungsstörung betroffen, was die Einordnung erschwert. Nachbeobachtungen über längere Zeiträume stehen noch aus, deshalb ist offen, wie nachhaltig die beobachteten Effekte sind. Bei der Knochenheilung sind die Ergebnisse widersprüchlich, und zu antiviralen Wirkungen gibt es bislang nur präklinische Modelle, also Untersuchungen im Labor und an Tieren. Beim Menschen ist diese Frage noch nicht geklärt.

4. Was das im Alltag bedeutet

Die hyperbare Sauerstofftherapie ist kein neues und kein randständiges Verfahren. Zu ihr gibt es viele Untersuchungen, und ein Teil davon zeigt Verbesserungen, besonders dort, wo es um die Erholung des Gehirns nach Verletzungen oder Infekten geht. Andere Bereiche sind weniger gut erforscht. Wer solche Ergebnisse liest, kann auf zwei Dinge achten. Erstens: Womit wurde die Behandlung verglichen? Ein Vergleich mit einer Scheinbehandlung wiegt mehr als ein Vergleich mit Menschen, die gar nichts bekamen. Zweitens: Woran wurde gemessen? Aufnahmen des Gehirns und Fragebögen sind nicht dasselbe wie ein im Alltag spürbarer Unterschied. Aus den vorliegenden Arbeiten ergibt sich, was als Nächstes zu klären ist: ob die Effekte über Monate bestehen bleiben, welche Menschen am meisten davon haben und wie sich der Verlauf bei einem einzelnen Menschen messbar beurteilen lässt.

Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Hyperbare Sauerstofftherapie. Für Kinder: Hyperbare Sauerstofftherapie für Kinder.

Häufige Fragen

Was passiert in der Druckkammer?

Die Kammer ist ein geschlossener Raum, in dem der Luftdruck höher ist als draußen. Darin atmen die Menschen reinen Sauerstoff. Durch den höheren Druck löst sich mehr Sauerstoff im Blut als bei normaler Atmung.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die Behandlung läuft in Serien. In den Studien erstreckte sie sich häufig über mehrere Wochen. Dauer und Druck unterscheiden sich je nach Anwendungsgebiet.

Ist die Behandlung belastend?

Die häufigste Nebenwirkung ist Ohrendruck. In einer Zusammenfassung vieler Studien traten Nebenwirkungen in den Behandlungsgruppen häufiger auf als in den Vergleichsgruppen 6. Bei höherem Druck oder mehr Sitzungen war das häufiger der Fall.

Quellen

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  2. 2
    Zilberman-Itskovich S, Catalogna M, Sasson E, Elman-Shina K, Hadanny A, Lang E et al. · 2022
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    Hadanny A, Daniel-Kotovsky M, Suzin G, Boussi-Gross, Catalogna M, Dagan K et al. · 2020
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International Health Research · https://ih-research.com/wissen/hyperbare-sauerstofftherapie/einfach/ · Stand: 2026-10-04