Homöopathie einfach erklärt
Homöopathie ist ein Behandlungsverfahren, über das seit vielen Jahren diskutiert wird. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei gemacht wird und was Untersuchungen dazu herausgefunden haben.
1. Worum es geht
Homöopathie ist ein Behandlungsverfahren. Es wurde im 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann entwickelt.
Sie beruht auf drei Grundgedanken. Erstens der Ähnlichkeitsregel: Ein Stoff, der bei einem gesunden Menschen bestimmte Beschwerden auslöst, soll bei einem kranken Menschen ähnliche Beschwerden behandeln. Zweitens der Potenzierung: Der Ausgangsstoff wird stark verdünnt und dabei geschüttelt. Drittens der individuellen Mittelwahl: Das Mittel wird für jeden Patienten einzeln nach seinen Beschwerden ausgewählt.
Die Ausgangsstoffe sind pflanzlich, mineralisch oder tierisch. Sie werden so stark verdünnt, dass rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr enthalten ist. Angewendet werden die Mittel als kleine Kügelchen (Globuli), als Tropfen oder als Tabletten.
Es gibt zwei Arten. Bei der klassischen Homöopathie bekommt jeder Patient ein einziges, zu ihm passendes Mittel, oft nach einem ausführlichen Gespräch. Daneben stehen standardisierte Präparate, die wie übliche Medikamente in fester Form gegeben werden, zum Beispiel das Kombinationspräparat Traumeel S. Dieser Unterschied ist für die Studien wichtig: Beide Arten lassen sich unterschiedlich gut vergleichen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Die Datenbank zur Homöopathie umfasst 918 ausgewertete Arbeiten, darunter 351 kontrollierte Studien am Menschen. Am aussagekräftigsten sind Untersuchungen, in denen eine Gruppe das Mittel und eine andere Gruppe ein Scheinmittel ohne den zu prüfenden Stoff bekommt. Dieses Scheinmittel heißt Placebo.
Eine Studie von 2015 5 begleitete 410 Krebspatienten über ein Jahr. Die eine Gruppe erhielt zusätzlich eine klassische homöopathische Behandlung, die andere nicht. Nach einem Jahr berichteten die zusätzlich behandelten Patienten über ein besseres allgemeines Befinden und einen besseren Gesundheitszustand. Diese Angaben kamen von den Patienten selbst.
Eine Studie von 2000 4 untersuchte 66 Frauen, deren Haut nach einer Brustkrebsoperation durch die Bestrahlung gereizt war. Sie bekamen entweder homöopathische Mittel oder Placebo. Während der Bestrahlung unterschieden sich die Gruppen nicht. In der Erholungsphase danach besserte sich die Haut bei den behandelten Frauen stärker, vor allem die Hautwärme. Auch hier beruhten die Beobachtungen auf Einschätzungen, nicht auf Messgeräten.
Eine Studie von 2004 2 begleitete 62 Menschen mit Fibromyalgie, einer Erkrankung mit weit verbreiteten Muskelschmerzen. Die eine Gruppe erhielt ein individuell ausgewähltes homöopathisches Mittel, die andere Placebo. Bei den druckschmerzhaften Punkten und bei der Lebensqualität schnitt die behandelte Gruppe besser ab. Die Gruppe war klein, deshalb ist das ein Hinweis und kein Beweis.
Bei einer Gesichtsstraffung untersuchte eine Studie 3 die Blutergüsse im Gesicht. An einzelnen Tagen nach der Operation waren die Blutergüsse in der behandelten Gruppe kleiner, an anderen Tagen nicht. Insgesamt gilt für alle diese Befunde: Es gibt Hinweise, aber sie sind noch nicht gesichert.
3. Was noch unklar ist
Viele der Untersuchungen sind klein. Oft ist nicht klar beschrieben, wer wusste, welcher Patient welches Mittel bekam. Manche Ergebnisse wurden nie wiederholt. Deshalb kommen Übersichtsarbeiten zu unterschiedlichen Schlüssen: Einige finden keinen Unterschied zu Placebo, andere schon.
Ein Beispiel macht die Schwierigkeit deutlich. Eine Studie von 2011 1 begleitete 83 Menschen mit rheumatoider Arthritis, einer entzündlichen Gelenkerkrankung. Die Vorteile zeigten sich bei den Patienten mit ausführlichem Gespräch, unabhängig davon, ob dieses Gespräch mit einem homöopathischen Mittel oder mit Placebo verbunden war. Das spricht dafür, dass die Zuwendung selbst wirkt.
Unklar bleibt auch, wie ein Mittel wirken soll, in dem rechnerisch kein Molekül des Ausgangsstoffs mehr enthalten ist. Laborbefunde dazu sind umstritten und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer über Homöopathie liest, trifft meist auf zwei sehr sichere Behauptungen: Sie wirke, oder sie wirke auf keinen Fall. Beides lässt sich mit den vorhandenen Arbeiten nicht halten. Es gibt einzelne Untersuchungen, in denen sich Menschen unter homöopathischer Behandlung besser fühlten, meist gemessen an eigenen Angaben. Es gibt aber auch viele Untersuchungen, in denen sich kein Unterschied zu Placebo zeigte.
Für das Einordnen hilft eine einfache Frage: Wurde die Studie so angelegt, dass weder die Patienten noch die Behandelnden wussten, wer welches Mittel bekam? Ist das nicht der Fall, lässt sich schwer trennen, was vom Mittel und was von der Zuwendung kommt.
In kontrollierten Studien waren unerwünschte Wirkungen homöopathischer Mittel gering und mit Placebo vergleichbar. Was fehlt, sind größere Studien mit klarer Verblindung, die die beobachteten Verbesserungen bestätigen. Diese Klärung steht noch aus.
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Häufige Fragen
Was ist ein Placebo und warum ist das wichtig?
Ein Placebo ist ein Scheinmittel, das den zu prüfenden Stoff nicht enthält. In einer Studie bekommt eine Gruppe das echte Mittel und eine andere das Scheinmittel. Nur so lässt sich sehen, ob ein Unterschied vom Mittel kommt oder von der Erwartung und der Zuwendung.
Kann Homöopathie Nebenwirkungen haben?
In kontrollierten Studien waren unerwünschte Wirkungen homöopathischer Mittel gering und mit Placebo vergleichbar. Berichtet wurden vorübergehende Reaktionen, die als Erstverschlimmerung beschrieben werden; diese Beobachtungen stammen aus methodisch schwachen Studien mit gesunden Probanden. Einzelne Hinweise auf Risiken bei Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem sind bisher nur eine Vermutung, die geprüft werden muss.
Warum fallen die Ergebnisse so unterschiedlich aus?
Es gibt zwei Arten von Homöopathie: die klassische mit einem individuell gewählten Mittel und standardisierte Präparate in fester Form. Dazu kommen kleine Gruppen von Teilnehmern, sehr unterschiedliche Messgrößen und oft eine unklare Verblindung. Deshalb lassen sich die Studien schlecht miteinander vergleichen.
Quellen
- 1Brien S, Lachance L, Prescott P, McDermott C, Lewith G · 2011
- 2Bell IR, Lewis DA, Brooks AJ, Schwartz GE, Lewis SE, Walsh BT et al. · 2004
- 3Seeley BM, Denton AB, Ahn MS, Maas CS · 2006
- 4Balzarini A, Felisi E, Martini A, De Conno F · 2000
- 5Frass M, Friehs H, Thallinger C, Sohal NK, Marosi C, Muchitsch I et al. · 2015
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