Ginkgo biloba einfach erklärt
Ginkgo biloba ist ein Extrakt aus den Blättern des Ginkgobaums. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen dazu zeigen — und welche Fragen noch offen sind.
1. Worum es geht
Der Baum gehört zu den ältesten lebenden Baumarten und wird traditionell in der chinesischen Medizin genutzt. Für die Forschung wird aus den Blättern ein standardisierter Extrakt hergestellt, also eine Zubereitung mit gleichbleibender Zusammensetzung. Am häufigsten untersucht ist der Spezialextrakt EGb 761. Er enthält unter anderem Flavonoide und Terpenlactone — pflanzliche Stoffe, die als die wirksamen Bestandteile gelten. Eingenommen wird der Extrakt meist als Tablette, Kapsel oder Tropfen. Wichtig für das Verständnis der Studien: Ginkgo-Extrakte sind nicht einheitlich zusammengesetzt. Andere Präparate enthalten andere Mengen derselben oder weiterer Stoffe. Ergebnisse, die mit EGb 761 gewonnen wurden, lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jedes Ginkgo-Produkt übertragen. Ein Teil der Inhaltsstoffe wird vom Körper nur begrenzt aufgenommen. In Grundlagenstudien werden außerdem oft einzelne Bestandteile untersucht, nicht der ganze Extrakt.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist Ginkgo biloba bei leichter bis mittlerer Demenz. In einer Studie mit 216 Patientinnen und Patienten über 24 Wochen erhielten die Teilnehmenden entweder den Extrakt EGb 761 oder ein Scheinpräparat ohne Wirkstoff. Am Ende hatten deutlich mehr Menschen in der Ginkgo-Gruppe in mindestens zwei von drei Bereichen besser abgeschnitten: im allgemeinen Krankheitsbild, bei Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie im Alltag 1. Eine zweite Studie verglich über 24 Wochen EGb 761 mit dem Arzneistoff Donepezil und mit einem Scheinpräparat, bei Menschen zwischen 50 und 80 Jahren mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz. Beide Wirkstoffe verlangsamten den Rückgang der geistigen Leistung ähnlich stark, und beide schnitten besser ab als das Scheinpräparat 2. In einer dritten Studie mit 410 Teilnehmenden über 24 Wochen verbesserte sich die Ginkgo-Gruppe stärker als die Vergleichsgruppe — sowohl in geistigen Tests als auch bei Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe oder Gereiztheit, die bei Demenz häufig vorkommen 6. Übersichtsarbeiten, die mehrere Studien zusammenfassen, kommen zu einem ähnlichen Bild: Bei leichter bis mittlerer Demenz zeigt sich ein moderater Vorteil gegenüber dem Scheinpräparat, vor allem bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit 3 4. Zur Verträglichkeit: Am häufigsten wurden Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel berichtet, meist mild und vorübergehend. Wie viele Menschen die Behandlung abbrachen, unterschied sich nicht von der Vergleichsgruppe mit Scheinpräparat 4. Bei gesunden älteren Menschen ohne Gedächtnisprobleme zeigte sich dagegen kein kurzfristiger Nutzen: In einer Studie mit kognitiv gesunden Älteren unterschieden sich die Leistungen in Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests nicht von denen mit Scheinpräparat 5.
3. Was noch unklar ist
Bei leichter kognitiver Beeinträchtigung — einer Vorstufe, bei der das Gedächtnis nachlässt, der Alltag aber noch bewältigt wird — sind die Ergebnisse uneinheitlich. Einige Studien deuten auf Verbesserungen hin, vor allem wenn Ginkgo mit einer anderen Behandlung kombiniert wurde; belastbare Langzeitdaten stehen noch aus 7. Die Studien verwenden unterschiedliche Extrakte, Dosierungen und Testverfahren, was den Vergleich erschwert. Die meisten positiven Ergebnisse stammen aus Untersuchungen mit EGb 761; andere Präparate schnitten seltener klar besser ab als ein Scheinpräparat. Zu möglichen Blutungen gibt es Fallberichte. In den meisten dieser Fälle kamen weitere Risikofaktoren hinzu, etwa die gleichzeitige Einnahme von Gerinnungshemmern. Ein sicherer Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten 9. Ob die bei Fadenwürmern beobachteten Vorgänge auch beim Menschen eine Rolle spielen, ist offen; entsprechende Untersuchungen stehen noch aus 8.
4. Was das im Alltag bedeutet
Die berichteten Vorteile betreffen eine bestimmte Gruppe: Menschen mit leichter bis mittlerer Demenz, die überwiegend mit dem standardisierten Extrakt EGb 761 behandelt wurden. Für gesunde ältere Menschen und für Menschen mit nur leichter Gedächtnisbeeinträchtigung sagen die Untersuchungen deutlich weniger aus. Ebenso wenig lässt sich von EGb 761 auf andere Ginkgo-Präparate schließen, weil deren Zusammensetzung abweicht. Wer sich über ein bestimmtes Produkt informieren möchte, findet in den Studienangaben meist nur den geprüften Extrakt, nicht das Präparat im Handel. Als Nächstes zu klären sind Langzeituntersuchungen über mehr als ein Jahr, direkte Vergleiche mit anderen Demenzmedikamenten über längere Zeiträume sowie Studien, die prüfen, ob sich bei leichter kognitiver Beeinträchtigung ein Fortschreiten der Beschwerden aufhalten lässt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Ginkgo biloba. Für Kinder: Ginkgo biloba für Kinder.
Häufige Fragen
Kann Ginkgo biloba vorbeugend gegen Demenz wirken?
Dazu gibt es bisher keine belastbaren Ergebnisse. Bei gesunden älteren Menschen zeigte sich in einer Studie kein kurzfristiger Vorteil bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit 5. Untersuchungen, die über Jahre prüfen, ob sich Demenz verhindern lässt, stehen noch aus.
Sind alle Ginkgo-Präparate gleich?
Nein. Ginkgo-Extrakte sind nicht einheitlich zusammengesetzt. Die meisten positiven Studien wurden mit dem Spezialextrakt EGb 761 durchgeführt. Ob ein anderes Präparat ähnlich wirkt, ist damit nicht geklärt.
Wie verträglich ist Ginkgo biloba?
In den Studien traten vor allem leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel auf. Die Abbruchraten unterschieden sich nicht von denen mit Scheinpräparat 4. Einzelne Fallberichte beschreiben Blutungen, meist bei Menschen, die zusätzlich Gerinnungshemmer einnahmen; ein sicherer Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten 9.
Quellen
- 1Kanowski S, Herrmann WM, Stephan K, Wierich W, Hörr R · 1996
- 2Mazza M, Capuano A, Bria P, Mazza S · 2006
- 3Weinmann S, Roll S, Schwarzbach C, Vauth C, Willich SN · 2010
- 4Tan MS, Yu JT, Tan CC, Wang HF, Meng XF, Wang C et al. · 2015
- 5
- 6
- 7
- 8Wu Y, Wu Z, Butko P, Christen Y, Lambert MP, Klein WL et al. · 2006
- 9Bent S, Goldberg H, Padula A, Avins AL · 2005
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