Fokussierte Ultraschalltherapie einfach erklärt
Die fokussierte Ultraschalltherapie ist ein Verfahren, bei dem gebündelter Schall tief im Körper wirkt, ohne Hautschnitt. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, wie es abläuft und was Untersuchungen bisher zeigen.
1. Worum es geht
Bei der fokussierten Ultraschalltherapie werden Schallwellen gebündelt, ähnlich wie Licht durch eine Lupe. Die Wellen laufen durch Haut und Knochen und wirken erst an dem Punkt, auf den sie gerichtet sind. Dort kann das Gewebe so stark erwärmt werden, dass ein kleiner Bereich gezielt verödet, also dauerhaft ausgeschaltet wird. Das umliegende Gewebe bleibt unberührt.
Während der Behandlung entsteht laufend ein Bild im MRT. MRT heißt Magnetresonanztomografie, ein bildgebendes Verfahren ohne Röntgenstrahlen. So sieht das Behandlungsteam, wo der Brennpunkt gerade liegt und wie warm es dort ist. Deshalb lässt sich der Brennpunkt millimetergenau steuern, ohne Schnitte und ohne Implantate.
Die Methode stammt aus den 1950er-Jahren und wurde zuerst für Tumoren entwickelt. Seit den 2000er-Jahren lässt sie sich mit der MRT-Kontrolle auch am Gehirn sicher anwenden. Heute wird sie vor allem bei Bewegungsstörungen untersucht, etwa bei Tremor, also Zittern, und bei Parkinson. Auch außerhalb des Gehirns gibt es Anwendungen, zum Beispiel an Haut und Schleimhaut.
2. Was Untersuchungen zeigen
Gut untersucht ist die Behandlung bei Bewegungsstörungen. Essentieller Tremor ist ein Zittern, das ohne erkennbare Ursache auftritt und meist die Hände betrifft. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2018 wurden 30 Menschen behandelt: 18 mit essentiellem Tremor, 9 mit Parkinson und 3 mit beidem. Behandelt wurde der Thalamus, eine tief gelegene Struktur im Gehirn. Unmittelbar nach dem Eingriff hörte das Zittern in der behandelten Hand auf. Einen Monat später war es deutlich geringer als vorher, und nach einem halben Jahr war der Zustand stabil. Nebenwirkungen wie vorübergehende Gangunsicherheit und Kribbeln waren mild und gingen zurück 2.
Eine zweite Untersuchung begleitete 76 Menschen mit essentiellem Tremor über zwei Jahre. Neun beendeten die Teilnahme vorzeitig, bei den übrigen blieb die Wirkung stabil 3. Mehrere kontrollierte Studien, also Vergleiche mit einer Kontrollgruppe, und eine Übersichtsarbeit stützen dieses Bild beim essentiellen Tremor 4.
Hinweise, aber noch nicht gesichert: Beim ersten Versuch am Menschen mit einem Hirntumor wurde 2014 ein 63-jähriger Patient behandelt, bei dem ein Glioblastom, ein bösartiger Hirntumor, wieder aufgetreten war. Mit 25 Schallpulsen wurden Teile des Tumors zerstört. Danach zeigte der Patient keine neurologischen Ausfälle 1. Ob das bei mehr Menschen gelingt und ob es den Verlauf der Erkrankung ändert, ist noch offen.
Hinweise, aber noch nicht gesichert: Bei vier Menschen mit ALS, einer Erkrankung der Nervenzellen, die Bewegungen steuern, wurde die Blut-Hirn-Schranke kurz geöffnet. Das ist ein Filter zwischen Blut und Gehirn. Sie schloss sich nach 24 Stunden wieder, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf 6. Ob sich so Medikamente gezielter ins Gehirn bringen lassen, wird noch geprüft.
3. Was noch unklar ist
Die Nachbeobachtung dauert in den meisten Arbeiten weniger als zwei Jahre. Ob es später Spätfolgen gibt, etwa Veränderungen im Denken oder neue Bewegungsstörungen, ist deshalb eine offene Frage. Behandlungen an beiden Hirnhälften sind kaum untersucht. Auch der Schädel entscheidet mit: Bau und Dichte des Knochens bestimmen, ob genug Schallenergie ankommt, weshalb das Verfahren nicht für alle Betroffenen in Frage kommt. Direkte Vergleiche mit der tiefen Hirnstimulation, bei der ein Gerät eingesetzt wird, sind selten und stützen sich auf kleine Gruppen. Studien nutzen zudem unterschiedliche Zielpunkte im Gehirn, was die Ergebnisse schwer vergleichbar macht. Bei Hirntumoren und bei Schmerzen durch geschädigte Nerven gibt es bisher nur kleine erste Untersuchungen. Als Nächstes ist zu klären, ob die Wirkung über viele Jahre hält und wie sich die Behandlung für mehr Menschen planbar machen lässt.
4. Was das im Alltag bedeutet
Für Bewegungsstörungen wie den essentiellen Tremor ist die Methode am besten untersucht. Dort zeigen die Untersuchungen eine deutliche und länger anhaltende Verringerung des Zitterns, und es gibt Vergleiche mit einer Kontrollgruppe. Bei allen anderen Anwendungen ist die Lage offener.
Beim Lesen der Studien fallen zwei Fragen auf: Wie viele Menschen wurden behandelt, und wie lange wurden sie danach begleitet? Große Gruppen über mehrere Jahre sind selten. Die Behandlung läuft in spezialisierten Zentren mit MRT und kommt nicht für jeden in Frage, weil die Schädelstruktur mitspielt. Als Nächstes geht es darum, einheitliche Abläufe zu entwickeln, mehr Menschen über längere Zeit zu beobachten und die Behandlung direkt mit anderen Verfahren zu vergleichen. Erst danach lässt sich sagen, welchen Platz sie neben einer Operation und der tiefen Hirnstimulation einnimmt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Fokussierte Ultraschalltherapie. Für Kinder: Fokussierte Ultraschalltherapie für Kinder.
Häufige Fragen
Tut die Behandlung weh?
Dazu berichten die Studien wenig. Beschrieben werden vor allem Nebenwirkungen wie vorübergehende Gangunsicherheit, Kribbeln und Schwindel, die wieder nachließen. Ein schwerer Zwischenfall war in den ausgewerteten Arbeiten selten.
Was unterscheidet die Methode von der tiefen Hirnstimulation?
Bei der tiefen Hirnstimulation wird ein Gerät eingesetzt, bei der Ultraschallbehandlung nicht. In einer zusammenfassenden Auswertung verringerten beide das Zittern und verbesserten die Lebensqualität. Die Risiken unterschieden sich: Nach der Ultraschallbehandlung blieben häufiger Gefühlsstörungen, nach der Hirnstimulation gab es häufiger Komplikationen durch Operation oder Gerät 5.
Kann die Behandlung auch Hirntumore beseitigen?
Bisher gibt es dazu einen einzigen veröffentlichten Fall aus dem Jahr 2014. Bei diesem Patienten wurden Teile des Tumors zerstört, ohne dass neurologische Ausfälle auftraten 1. Ob die Behandlung den Verlauf bei mehr Menschen beeinflusst, ist noch nicht geklärt.
Quellen
- 1Coluccia D, Fandino J, Schwyzer L, O'Gorman R, Remonda L, Anon J et al. · 2014
- 2Zaaroor M, Sinai A, Goldsher D, Eran A, Nassar M, Schlesinger I · 2018
- 3Chang JW, Park CK, Lipsman N, Schwartz ML, Ghanouni P, Henderson JM et al. · 2018
- 4Mohammed N, Patra D, Nanda A · 2018
- 5Giordano M, Caccavella VM, Zaed I, Foglia Manzillo L, Montano N, Olivi A et al. · 2020
- 6Abrahao A, Meng Y, Llinas M, Huang Y, Hamani C, Mainprize T et al. · 2019
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