Feldenkrais-Methode einfach erklärt
Die Feldenkrais-Methode ist ein Bewegungsverfahren mit langsamen, aufmerksamen Bewegungen. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was dazu untersucht wurde.
1. Worum es geht
Die Feldenkrais-Methode ist ein Bewegungsverfahren. Man führt Bewegungen langsam und aufmerksam aus. Im Mittelpunkt steht, wie sich eine Bewegung anfühlt und abläuft. Kraft und Wiederholungszahl spielen keine Rolle.
Entwickelt hat die Methode Moshé Feldenkrais (1904–1984), ein Physiker und Judo-Pionier. Es gibt sie in zwei Formen. In der Gruppenstunde, „Bewusstheit durch Bewegung“, leitet eine Lehrerin oder ein Lehrer mit Worten langsame Bewegungen an, die jeder selbst ausführt. In der Einzelstunde, der „Funktionalen Integration“, bewegt die Lehrerin oder der Lehrer den Körper sanft mit den Händen, während man selbst ruhig liegt oder sitzt und nur nachspürt, wie sich die Bewegung anfühlt. In einer Studie lag der Körper nach einer solchen Einzelstunde entspannter auf der Matte 5. Als Ziele nennen die Arbeiten Körperwahrnehmung, Gleichgewicht, Haltung und Bewegungsfähigkeit.
Untersucht wurden unter anderem chronische Rückenschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, die Parkinson-Krankheit, ältere Menschen, Menschen mit geistiger Behinderung, diabetische Polyneuropathie und Stimmstörungen.
Wichtig ist ein Punkt: Der Name Feldenkrais bedeutet in den Studien nicht immer dasselbe. Mal ist es ein Gruppenkurs, mal die Einzelarbeit, mal ein Baustein neben anderen Übungen. Auch die Vergleichsgruppen unterscheiden sich. Deshalb lässt sich ein einzelnes Ergebnis nicht ohne Weiteres auf die Methode als Ganzes übertragen.
Die Methode wird seit Jahrzehnten angewendet und beforscht. Eine frühe Übersichtsarbeit von 1998 betont ihren Pioniercharakter und die Notwendigkeit kontrollierter Forschung 11.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist der Bewegungsapparat, also Muskeln, Gelenke und Haltung.
Eine große Übersichtsarbeit von 2022 hat 16 randomisierte kontrollierte Studien zusammengefasst 1. Randomisiert kontrolliert heißt: Die Teilnehmer werden per Zufall auf Gruppen verteilt, und es gibt eine Vergleichsgruppe. Bei älteren Menschen besserte sich in drei von vier eingeschlossenen Studien das Gehen, das Gleichgewicht, die Beweglichkeit und die Lebensqualität. Bei Menschen mit Nacken-, Rücken- oder Schulterschmerzen besserte sich in drei Studien der Schmerz. Bei chronischen Rückenschmerzen zeigten drei Studien Verbesserungen bei Schmerz, Behinderung, Lebensqualität und Körperwahrnehmung. Die Autoren weisen aber auf große Unterschiede zwischen den Studien und auf ein hohes Verzerrungsrisiko hin. Verzerrungsrisiko heißt: Das Ergebnis könnte durch äußere Umstände verfälscht sein.
Eine zweite Übersichtsarbeit von 2015 bündelt 20 Studien 10. Sieben davon wurden zusammengerechnet. Dabei zeigten sich Vorteile beim Gleichgewicht älterer Menschen.
Eine Studie von 2014 begleitete 61 Menschen mit Sehbehinderung und chronischen Nacken- und Schulterschmerzen 4. Die Behandlungsgruppe bekam zwölf Wochen lang Feldenkrais-Unterricht, die Vergleichsgruppe wurde nicht behandelt. Die Feldenkrais-Gruppe berichtete weniger Schmerzen als die Vergleichsgruppe, direkt nach der Behandlung und noch ein Jahr später.
Eine Studie von 2020 verglich bei 60 Menschen mit chronischen Rückenschmerzen die Feldenkrais-Methode mit Rumpfstabilitätsübungen 3. Die Feldenkrais-Gruppe schnitt bei Lebensqualität, Körperwahrnehmung und Behinderung besser ab. Nachbeobachtungen fehlen hier.
Eine kontrollierte Studie von 2011 untersuchte Gleichgewichtsklassen bei 26 älteren Erwachsenen und 37 Vergleichspersonen 6. Nach zehn Wochen verbesserte sich die Übungsgruppe beim Gleichgewichtsvertrauen, bei einem Schritt-Test und bei der Ganggeschwindigkeit.
Bei Erwachsenen mit diabetischer Polyneuropathie zeigte eine Studie von 2026 bei 26 Teilnehmern Verbesserungen beim Gleichgewicht, bei der Sturzangst und bei der Lebensqualität 8.
Für das Gleichgewicht älterer Menschen gibt es also Hinweise aus Übersichtsarbeiten. Als gesichert gilt dieser Nutzen noch nicht.
3. Was noch unklar ist
Bei einem Bewegungsverfahren lässt sich die behandelnde Person nicht verblinden. Verblinden heißt: Man weiß nicht, wer die echte Behandlung bekommt. Die Erwartung der Teilnehmer bleibt deshalb als mögliche Verzerrung bestehen. Die Übersichtsarbeit von 2022 nennt große Unterschiede zwischen den Studien und ein hohes Verzerrungsrisiko 1.
Viele Arbeiten hatten wenige Teilnehmer. Zwei Studien von 2025 und 2026 prüften die Kombination mit dynamischer neuromuskulärer Stabilisation, nicht die Feldenkrais-Methode allein 7 9. Auch die Nachbeobachtung ist uneinheitlich: Manche Studien schauten ein Jahr später noch einmal nach, andere gar nicht. Wie die Methode wirkt, ist noch nicht geklärt. Ob sie gegenüber keiner Behandlung wirkt und wie lange ein Nutzen anhält, steht noch aus.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer solche Studien liest, sollte zuerst fragen: Was wurde eigentlich gemessen? Manche Arbeiten messen die Körperwahrnehmung, andere die Kontaktfläche des Körpers im Liegen, andere Gleichgewicht oder Lebensqualität. Ein Teil davon sind Messwerte unter Testbedingungen, ein Teil sind Fragebögen. Beides kann zeigen, dass sich Wahrnehmung oder Funktion in der Untersuchungssituation verändert. Über den Verlauf einer Erkrankung sagt das nichts.
In den kontrollierten Studien wird fast immer mit einem anderen aktiven Verfahren verglichen, etwa Rückenschule, Rumpfstabilitätstraining oder Physiotherapie. Ein Unterschied zwischen zwei aktiven Ansätzen belegt keine Wirkung gegenüber keiner Behandlung. Ein ausbleibender Unterschied heißt umgekehrt nicht, dass die Methode nichts bewirkt. Er kann ebenso gut zeigen, dass beide Wege zum Ziel führen.
Als Nächstes wäre zu klären, ob große Studien mit verblindeter Bewertung und langer Nachbeobachtung die Befunde bestätigen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Feldenkrais-Methode. Für Kinder: Feldenkrais-Methode für Kinder.
Häufige Fragen
Was passiert bei einer Feldenkrais-Stunde?
Es werden langsame, aufmerksame Bewegungen ausgeführt. Man achtet darauf, wie sich die Bewegung anfühlt und abläuft. Kraft und Wiederholungszahl spielen keine Rolle.
Was wurde bei Rückenschmerzen beobachtet?
In einer Studie mit 60 Menschen mit chronischen Rückenschmerzen schnitt die Feldenkrais-Gruppe bei Lebensqualität und Behinderung besser ab als eine Gruppe mit Rumpfstabilitätsübungen 3. In einer anderen Studie wurde die Körperwahrnehmung mit einer Rückenschule verglichen 2. Das sind einzelne Untersuchungen.
Wie lange dauern die Untersuchungen?
Die Behandlungen liefen meist über fünf bis zwölf Wochen. Einige Studien schauten bis zu einem Jahr später noch einmal nach. Wie lange ein Nutzen anhält, ist nicht einheitlich untersucht.
Muss man dafür beweglich oder sportlich sein?
Nein. Die Bewegungen sind langsam und werden aufmerksam ausgeführt. In den Studien nahmen auch ältere Menschen und Menschen mit Behinderung teil.
Quellen
- 1Berland R, Marques-Sule E, Marín-Mateo JL, Moreno-Segura N, López-Ridaura A, Sentandreu-Mañó T · 2022
- 2Paolucci T, Zangrando F, Iosa M, De Angelis S, Marzoli C, Piccinini G et al. · 2017
- 3Ahmadi H, Adib H, Selk-Ghaffari M, Shafizad M, Moradi S, Madani Z et al. · 2020
- 4Lundqvist LO, Zetterlund C, Richter HO · 2014
- 5Brummer M, Walach H, Schmidt S · 2018
- 6Connors KA, Galea MP, Said CM · 2011
- 7
- 8Effect of Feldenkrais Method in Enhancing Postural Control for Patients With Diabetic PolyneuropathyElshinnawy AM, Eraky ZS, Fiaad MN, Ahmed Mostafa AM, Fayed IH · 2026
- 9
- 10Hillier S, Worley A · 2015
- 11Ives JC, Shelley GA · 1998
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