Chrom (Chrompicolinat) einfach erklärt
Chrom ist ein Spurenelement, das in der Forschung vor allem mit dem Zuckerstoffwechsel zu tun hat. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen am Menschen dazu zeigen — und was noch offen ist.
1. Worum es geht
Chrom ist ein Spurenelement. Der Körper braucht es nur in sehr kleinen Mengen. In der Forschung taucht Chrom fast immer im Zusammenhang mit dem Zuckerstoffwechsel auf, also damit, wie der Körper Zucker aus dem Blut aufnimmt und verarbeitet. In den meisten Studien wurde Chrom als Chrompicolinat gegeben. Das ist eine Verbindung aus Chrom und Picolinsäure, einem Stoffwechselprodukt des Tryptophans, einer Aminosäure. Viele Arbeiten sprechen dagegen nur allgemein von einer Chromgabe, ohne die genaue Verbindung zu nennen. Die zentrale Idee des Feldes stammt aus einer einzelnen Beobachtung: Bei einem Patienten, der lange nur künstlich ernährt wurde, besserten sich eine Zuckerstoffwechselstörung und eine Nervenschädigung, als er Chrom bekam. Daraus entstand die Annahme, dass ein Mangel an Chrom die Wirkung von Insulin stört. Insulin ist das Hormon, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen bringt. Diese Annahme prägt bis heute jede Studie. Denn wenn Chrom vor allem bei einem Mangel wirkt, kommt es darauf an, ob die untersuchten Menschen überhaupt zu wenig davon hatten.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist Chrom bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und bei Insulinresistenz. Insulinresistenz heißt: Der Körper reagiert schlechter auf Insulin. Eine randomisierte, doppelblinde Studie mit 180 Menschen mit Typ-2-Diabetes teilte die Teilnehmer in drei Gruppen: ein Scheinpräparat und zwei unterschiedlich hohe Chromgaben als Chrompicolinat, über vier Monate. Medikamente und Lebensstil blieben unverändert. In der Gruppe mit der höheren Gabe war der Nüchternzucker nach zwei und nach vier Monaten niedriger, ebenso der Zucker zwei Stunden nach dem Essen. Randomisiert bedeutet: Der Zufall entscheidet, wer welche Gruppe bekommt. Doppelblind heißt: Weder Teilnehmer noch Behandler wissen, wer was bekommt. 9 Eine weitere randomisierte, doppelblinde Studie begleitete 64 Menschen mit Typ-2-Diabetes und einer koronaren Herzkrankheit zwölf Wochen lang. Beobachtet wurden ein leichter Rückgang von Gewicht und Körpermasseindex, ein niedrigerer Nüchternzucker, weniger Insulin im Blut und eine bessere Insulinempfindlichkeit. Auch ein Entzündungswert und ein Marker für oxidativen Stress sanken. Die Studie ist klein, aber sie hat viele verschiedene Werte gleichzeitig angeschaut. 6 Eine dritte randomisierte, doppelblinde Studie prüfte bei 348 Menschen mit Typ-2-Diabetes eine Mischung aus Chrompicolinat und Biotin gegen ein Scheinpräparat über 90 Tage. Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c und der Blutzucker sanken. Weil hier zwei Stoffe zusammen gegeben wurden, lässt sich daraus nicht ablesen, was das Chrom allein bewirkt. 7 Bei Frauen mit dem polyzystischen Ovarsyndrom, einer Hormonstörung mit unregelmäßigem Zyklus, fasste eine Auswertung von fünf randomisierten Studien zusammen, dass Chrompicolinat den Körpermasseindex und das Nüchterninsulin senkte und die Ovulationschance erhöhte. 5 Nicht immer war etwas zu sehen. Eine große Auswertung von 20 randomisierten Studien mit 618 Teilnehmenden fand bei Menschen ohne Diabetes keinen Zusammenhang zwischen Chrom und den Zucker- oder Insulinwerten. 1
3. Was noch unklar ist
Die Ergebnisse fallen je nach Studie unterschiedlich aus. Eine Auswertung von zehn randomisierten Studien mit 509 Patienten fand nur beim HbA1c einen Unterschied, bei den Blutfetten und beim Nüchternzucker nicht. 2 Zwei Auswertungen zum Blutdruck kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen: Die eine sah eine leichte Senkung, die andere nicht. 3 4 Oft wurden mehrere Stoffe zusammen gegeben — Chrom mit Magnesium, Chrom mit Biotin, Chrom in einem Gemisch aus mehreren Pflanzenstoffen. 11 7 10 Aus solchen Mischungen lässt sich keine Wirkung des Chroms allein ableiten. Auch die Frage, welche Chromverbindung geprüft wurde, ist offen: Chrompicolinat, Chromchlorid, Chromdinicocysteinat, Chromhefe und Bierhefe kamen in den Arbeiten unterschiedlich zum Einsatz, und keine Auswertung trennt sie sauber. Eine Studie zu atypischer Depression mit 113 Erwachsenen fand keinen Unterschied zum Scheinpräparat. 8
4. Was das im Alltag bedeutet
Chrom ist ein Spurenelement, das der Körper in kleinen Mengen braucht. Die Idee hinter der Forschung ist: Chrom wirkt dort, wo es fehlt. Diese Idee stammt aus der Beobachtung an einem einzelnen Patienten, der künstlich ernährt wurde und dessen Zuckerstoffwechsel sich unter Chromgabe besserte. Ob sich ein solcher Mangel beim Menschen zuverlässig feststellen lässt, ist bis heute offen. Das erklärt, warum die Studien so unterschiedlich ausfallen. Wer nicht weiß, ob die Teilnehmer überhaupt zu wenig Chrom hatten, kann einen Nullbefund nicht von einer fehlenden Voraussetzung unterscheiden. Ein Messwert, auf den sich die Arbeiten einheitlich stützen, steht noch aus. Was als Nächstes zu klären wäre: eine große, unabhängig finanzierte Studie, die eine einzelne Chromverbindung prüft, den Chromstatus vorher erhebt und die Teilnehmer danach gruppiert auswertet.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Chrom (Chrompicolinat). Für Kinder: Chrom (Chrompicolinat) für Kinder.
Häufige Fragen
Senkt Chrom den Blutzucker?
In mehreren Auswertungen sanken bei Menschen mit Typ-2-Diabetes der Nüchternzucker und das Insulin. Bei Menschen ohne Diabetes war in einer großen Auswertung kein Zusammenhang zu sehen. Die Ergebnisse hängen stark davon ab, welche Personen untersucht wurden.
Ist Chrom ein Medikament?
Nein, Chrom ist ein Spurenelement, das über die Nahrung aufgenommen wird. In den Studien wurde es als Präparat gegeben, meist als Chrompicolinat. Ob eine zusätzliche Zufuhr etwas verändert, wenn kein Mangel vorliegt, ist die offene Frage des Feldes.
Warum sind die Studien so unterschiedlich?
Die Teilnehmer waren sehr verschieden: manche mit Typ-2-Diabetes, manche übergewichtig ohne Diabetes, manche gesund. Auch die geprüften Chromverbindungen und die Beobachtungsdauern unterschieden sich. Deshalb lassen sich die Ergebnisse schwer zu einem Bild zusammenfügen.
Quellen
- 1Althuis MD, Jordan NE, Ludington EA, Wittes JT · 2002
- 2Zhao F, Pan D, Wang N, Xia H, Zhang H, Wang S et al. · 2022
- 3Lari A, Fatahi S, Sohouli MH, Shidfar F · 2021
- 4Ghanbari M, Amini MR, Djafarian K, Shab-Bidar S · 2022
- 5Heshmati J, Omani-Samani R, Vesali S, Maroufizadeh S, Rezaeinejad M, Razavi M et al. · 2018
- 6Farrokhian A, Mahmoodian M, Bahmani F, Amirani E, Shafabakhsh R, Asemi Z · 2020
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- 8
- 9Anderson RA, Cheng N, Bryden NA, Polansky MM, Cheng N, Chi J et al. · 1997
- 10Derosa G, D'Angelo A, Vanelli A, Maffioli P · 2020
- 11Dou M, Ma Y, Ma AG, Han L, Song MM, Wang YG et al. · 2016
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