Blutflussrestriktionstraining einfach erklärt
Blutflussrestriktionstraining heißt: Ein Arm oder ein Bein wird mit einer Manschette teilweise abgeschnürt und dann mit leichter Last trainiert. Die Seite erklärt in einfachen Worten, was dabei passiert und was Untersuchungen dazu zeigen.
1. Worum es geht
Beim Blutflussrestriktionstraining wird ein Arm oder ein Bein mit einer breiten Druckmanschette teilweise abgeschnürt. Die Manschette sitzt am oberen Ende des Arms oder Beins und wird auf einen bestimmten Druck gebracht. Dann wird trainiert, mit Kraftübungen oder auf dem Fahrrad. Der Druck lässt das Blut nicht mehr frei zurückfließen, aber es kommt weiterhin etwas Blut an. Trainiert wird mit leichter Last. Die Manschette bleibt während der ganzen Übung angelegt. Wie breit die Manschette ist, wo sie sitzt, wie stark der Druck ist und wie lange trainiert wird, unterscheidet sich von Studie zu Studie. Manche Untersuchungen arbeiten mit einem Gerät, das den Druck misst, andere arbeiten ohne Messung. Diese Unterschiede machen es schwer, die Ergebnisse zusammenzufassen. Die Forschung am Menschen beschäftigt sich vor allem mit dem Bewegungsapparat, also mit Muskeln, Sehnen, Gelenken und Knochen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten belegt ist der Nutzen für Kraft und Muskelgröße. Eine große Übersichtsarbeit hat 47 Einzelarbeiten zusammengefasst [42]. Sie fand, dass Training mit leichter Last und Manschette die Kraft stärker steigerte als Training ohne Manschette. Eine zweite Übersichtsarbeit schaute speziell auf ältere Menschen und fasste elf Untersuchungen mit 238 Teilnehmenden zusammen [48]. Auch hier war der Zusatz der Manschette zum Training mit leichter Last mit mehr Kraft verbunden, und die Teilnehmenden gingen besser. Eine Übersicht über 19 Arbeiten zum Oberkörper berichtet, dass Training mit leichter Last und Manschette die Muskeln an Brust und Schultern sowie an Bizeps und Trizeps wachsen ließ [50]. Training mit angepasster Last ohne Manschette erreichte das in diesen Arbeiten nicht. Eine Übersicht zu gut trainierten Sportlern sichtete zwölf Arbeiten [47]; sieben davon beobachteten stärkere Kraft- oder Muskelantworten. Eine Studie, bei der der Zufall entscheidet, wer welche Übung bekommt, ließ 26 gesunde Menschen sechs Wochen lang eine Extremität mit Manschette trainieren [27]. Am Ende war die Kraft an der trainierten Seite stärker gestiegen als an der nicht abgeschnürten Seite und als in der Vergleichsgruppe. Die Verbesserung war etwa doppelt so groß. Für Kniebeschwerden ist das Bild gemischt. Eine Übersicht zu Kreuzbandriss und Kniegelenkarthrose schloss zehn Arbeiten ein [34]. Vier davon fanden eine deutliche Kraftverbesserung, vier eine Schmerzlinderung, zwei eine Zunahme der Muskelgröße. Eine andere Übersicht wertete neun Studien mit 165 Betroffenen und 170 Kontrollpersonen aus [10]. Wichtig ist auch, was nicht passiert: Eine kritische Übersicht kommt zu dem Schluss, dass die vorhandenen Arbeiten die Annahme nicht stützen, Training mit leichter Last und Manschette führe häufiger zu Muskelschäden [49].
3. Was noch unklar ist
Die Studien sind schwer zu vergleichen, weil Manschetten, Drücke und Übungen unterschiedlich gewählt werden. Schon die Breite der Manschette verändert, welcher Druck nötig ist, um den Blutfluss zu drosseln. Viele Untersuchungen messen außerdem nur Kraft oder Muskelgröße und nicht, wie es den Betroffenen im Alltag geht. Eine Übersichtsarbeit zu Knieschmerzen fand, dass Krafttraining mit Manschette die Schmerzen nicht stärker linderte als Krafttraining allein [40]. Die Auswertung selbst ordnet ihre Aussagekraft als eingeschränkt ein. Zu Sicherheitsfragen gibt es überwiegend kleine, kurze Untersuchungen an gesunden Menschen [46][49]. Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Gerinnungserkrankungen werden bisher vor allem in Übersichtsarbeiten besprochen [30][32]. Größere Studien mit einheitlichen Abläufen und längeren Beobachtungszeiten stehen noch aus.
4. Was das im Alltag bedeutet
Für Kraft und Muskelgröße gilt der Zusammenhang als gut belegt. Die Forschung deutet darauf hin, dass leichte Last mit Manschette einen ähnlichen Reiz setzen kann wie schwerere Last ohne. Weniger gesichert ist, ob das für ein bestimmtes Knie, einen bestimmten Arm oder nach einer Operation ebenso gilt. Auffällig ist, dass die Druckhöhe in den Untersuchungen eine kleinere Rolle spielte als erwartet [44][45]. Eine Studie fand, dass Drücke, die sich automatisch an den Trainierenden anpassen, besser abschnitten als fest eingestellte [33]. Was als Nächstes zu klären ist: ob sich die vielen kleinen Befunde in größeren Studien mit einheitlichen Abläufen bestätigen, und ob Menschen mit Begleiterkrankungen ebenso profitieren wie gesunde.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Blutflussrestriktionstraining (BFR). Für Kinder: Blutflussrestriktionstraining (BFR) für Kinder.
Häufige Fragen
Ist das Training mit Manschette gefährlich?
Eine kritische Übersicht fand keine Hinweise darauf, dass Training mit leichter Last und Manschette häufiger zu Muskelschäden führt [49]. Für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Gerinnungserkrankungen wird in Übersichtsarbeiten eine Einschätzung des persönlichen Risikos empfohlen [30]. Wie sich das Verfahren bei diesen Gruppen auswirkt, ist in größeren Studien noch nicht geklärt.
Muss man dafür schwer trainieren?
Nein. Beim Blutflussrestriktionstraining wird gerade mit leichter Last gearbeitet. Die Manschette sorgt dafür, dass der Muskel trotzdem kräftig arbeiten muss.
Hilft es bei Knieschmerzen?
Dazu ist das Bild gemischt. Eine Übersicht zu Kreuzbandriss und Kniegelenkarthrose berichtet in mehreren Arbeiten von besserer Kraft und weniger Schmerz [34]. Eine andere Auswertung fand, dass Krafttraining mit Manschette die Schmerzen nicht stärker linderte als Krafttraining allein [40].
Wie lange dauert so ein Trainingsprogramm?
In den Untersuchungen dauerten die Programme meist vier bis acht Wochen [25][27][28][29][31][33][37][38][46]. Trainiert wurde in dieser Zeit regelmäßig. Wie lange man trainieren sollte, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, ist nicht geklärt.
Quellen
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