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Blutegeltherapie einfach erklärt

Bei der Blutegeltherapie setzen Fachleute lebende Blutegel auf die Haut. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, wie das abläuft und was Untersuchungen dazu gezeigt haben.

Stand:

1. Worum es geht

Blutegel sind kleine Tiere, die sich an der Haut festsaugen und Blut trinken. In der Medizin werden sie vor allem bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt, also bei Gelenken, Sehnen und Muskeln. Der Egel beißt sich fest, saugt Blut und gibt dabei Speichel in die kleine Wunde ab. Dieser Speichel enthält viele verschiedene Stoffe. Sie hemmen die Blutgerinnung, verhindern also, dass das Blut verklumpt, und sie fördern die Durchblutung an der Stelle. Die Behandlung dauert meist 30 bis 90 Minuten. Danach fällt der Egel von selbst ab oder wird entfernt. An der Stelle kann es jucken, sich röten oder nachbluten. Wie die Wirkung genau entsteht, ist nicht vollständig geklärt. Fachleute nehmen an, dass mehrere Dinge zusammenkommen: der Blutverlust, die bessere Durchblutung an der Stelle und die Stoffe im Speichel. Die Zusammensetzung des Speichels ist von Tier zu Tier verschieden, was Vergleiche zwischen Untersuchungen erschwert.

2. Was Untersuchungen zeigen

Am besten untersucht sind Kniegelenk, Daumensattelgelenk und der Ansatz der Unterarmsehne am Ellenbogen, der Tennisellenbogen. Bei Gelenkverschleiß, in der Fachsprache Arthrose, gibt es mehrere Untersuchungen, in denen die Behandlung nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurde. In einer Studie mit 51 Menschen mit Kniearthrose wurde eine einmalige Behandlung mit Blutegeln mit einer 28-tägigen Schmerzsalbe verglichen. Nach sieben Tagen waren die Schmerzen in der Blutegelgruppe deutlich stärker zurückgegangen als in der Vergleichsgruppe, und der Vorteil hielt bis zum Tag 91 an. Die Studie war nicht verblindet, das heißt, alle Beteiligten wussten, wer welche Behandlung bekam 1. Eine weitere Studie untersuchte Frauen mit Arthrose am Daumensattelgelenk, dem Gelenk am Daumenansatz. Auch hier wurden die Beschwerden in der Blutegelgruppe stärker gelindert als unter der Schmerzsalbe, und der Unterschied war noch am Tag 60 zu sehen 2. In einer Studie mit 113 Menschen mit fortgeschrittener Kniearthrose erhielten die Teilnehmenden entweder einmal Blutegel, zweimal im Abstand von vier Wochen oder eine Scheinbehandlung mit einem künstlichen Egel. Alle drei Gruppen wurden besser, die Verbesserungen in den Blutegelgruppen waren aber deutlicher und über 26 Wochen nachweisbar. Auch der Bedarf an Schmerzmitteln sank 3. Eine Übersichtsarbeit fasste mehrere kontrollierte Studien mit insgesamt 237 Menschen mit Kniearthrose zusammen. Sie fand eine deutliche Schmerzlinderung und eine bessere körperliche Funktion kurz nach der Behandlung; längerfristig fielen die Unterschiede kleiner aus 4. Bei Tennisellenbogen wurden 40 Menschen einmal mit Blutegeln behandelt oder 30 Tage lang mit einer Schmerzsalbe. Die Schmerzen ließen in der Blutegelgruppe stärker nach, der Vorteil war bis Tag 45 messbar 5. In der wiederherstellenden Chirurgie werden Blutegel eingesetzt, wenn ein verpflanztes Hautstück nicht genug Blut zurückführt. In einer Beobachtungsstudie mit 8 Betroffenen überlebten alle verpflanzten Stücke 7. Eine Übersichtsarbeit nennt Erfolgsraten von 65 bis 85 Prozent, weist aber darauf hin, dass in der Hälfte der Fälle Blutkonserven nötig waren 8.

3. Was noch unklar ist

In fast allen Untersuchungen wussten die Teilnehmenden, ob sie Blutegel bekamen. Das kann ein Ergebnis günstiger erscheinen lassen. Nur in einer Studie gab es eine Scheinbehandlung 3. Direkte Vergleiche mit Physiotherapie oder Spritzen ins Gelenk stehen noch aus. Wie es aussieht, wenn die Behandlung länger als ein halbes Jahr zurückliegt, ist ebenfalls noch nicht geprüft. Bei Beschwerden außerhalb des Bewegungsapparats, etwa am Herzen oder an der Haut, gibt es nur einzelne Beobachtungen, aus denen sich keine sicheren Schlüsse ziehen lassen. Auch die Verträglichkeit ist nicht abschließend geklärt: In einer Zusammenfassung mehrerer Studien mit 264 Menschen traten in der Blutegelgruppe mehr Nebenwirkungen auf, vor allem Juckreiz, Nachblutungen, Infektionen und allergische Reaktionen 6. Weil Speichel und Herkunft der Tiere unterschiedlich sind, lässt sich die Behandlung schwer einheitlich durchführen.

4. Was das im Alltag bedeutet

Wer die Befunde einordnen will, kann sich an zwei Dingen orientieren. Die Schmerzlinderung bei Knie-, Daumen- und Ellenbogenbeschwerden wurde in mehreren Untersuchungen beobachtet, die kurz nach der Behandlung und bis zu einigen Wochen danach gemessen haben. Das ist der Bereich, in dem die Ergebnisse am ehesten übereinstimmen. Alles, was zeitlich darüber hinausgeht, ist bisher nur in einzelnen Beobachtungen beschrieben. In der wiederherstellenden Chirurgie werden Blutegel eingesetzt, wenn der Blutabfluss eines verpflanzten Hautstücks anders nicht in den Griff zu bekommen ist; dieser Einsatz braucht eine engmaschige Betreuung 7. Als Nächstes wäre zu klären, wie die Blutegeltherapie im direkten Vergleich mit Physiotherapie oder einer Injektion ins Gelenk abschneidet und ob verblindete Studien die beobachteten Vorteile bestätigen.

Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Blutegeltherapie. Für Kinder: Blutegeltherapie für Kinder.

Häufige Fragen

Tut die Behandlung weh?

Der Egel beißt sich fest, und das wird meist als kurzer Stich gespürt. Anschließend kann die Stelle jucken, sich röten oder nachbluten. Die Tiere werden nach dem Saugen entfernt oder fallen von selbst ab.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die Behandlung dauert in der Regel 30 bis 90 Minuten. Sie findet meist ambulant statt, das heißt ohne Übernachtung. Danach kann die Stelle noch einige Zeit nachbluten.

Warum lassen sich die Studien schwer vergleichen?

Die Anzahl der eingesetzten Egel, die Dauer der Anwendung und die Nachbeobachtungszeiträume unterscheiden sich von Studie zu Studie. Einige Untersuchungen verwendeten außerdem ein Gel mit Speichelauszug statt lebender Egel. Weil die Speichelzusammensetzung je nach Tier variiert, sind die Bedingungen nicht überall gleich.

Quellen

  1. 1
    Michalsen A, Klotz S, Lüdtke R, Moebus S, Spahn G, Dobos GJ · 2003
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  3. 3
    Andereya S, Stanzel S, Maus U, Mueller-Rath R, Mumme T, Siebert CH et al. · 2008
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  5. 5
    Bäcker M, Lüdtke R, Afra D, Cesur O, Langhorst J, Fink M et al. · 2011
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  7. 7
  8. 8
    Herlin C, Bertheuil N, Bekara F, Boissiere F, Sinna R, Chaput B · 2017

Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.

International Health Research · https://ih-research.com/wissen/blutegeltherapie/einfach/ · Stand: 2026-10-15