Balneotherapie und Moortherapie einfach erklärt
Balneotherapie heißt: baden in natürlichem Heilwasser. Moortherapie heißt: warme Moorpackungen. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was Untersuchungen dazu zeigen.
1. Worum es geht
Balneotherapie bedeutet, dass Menschen in natürlichem Heilwasser baden, es trinken oder damit inhalieren. Moortherapie bedeutet, dass warmes Moor oder Schlamm auf die Haut kommt, als Packung oder als Bad. Moor ist ein weicher, dunkler Brei aus abgestorbenen Pflanzenteilen, der über sehr lange Zeit entstanden ist. Solche Anwendungen gibt es seit langer Zeit in Kurorten. Man macht sie in Kliniken, in Reha-Einrichtungen oder ambulant. Das Wasser kann Schwefel, Salz oder Radon enthalten; Radon ist ein natürlich vorkommendes Gas. Beim Baden wirken drei Dinge zusammen: die Wärme, der Druck und die Bewegung des Wassers und die Stoffe, die darin gelöst sind. Weil jedes Heilwasser anders zusammengesetzt ist und jede Kuranwendung anders abläuft, lassen sich Ergebnisse aus verschiedenen Orten schlecht vergleichen. Eine Kur dauert meist zwei bis vier Wochen, gebadet wird mehrmals pro Woche. Gemessen wird vor allem, wie stark Schmerzen sind, wie gut man sich bewegen kann und wie es einem insgesamt geht.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht sind Schmerzen an Gelenken, Muskeln und Rücken. Bei rheumatoider Arthritis, einer entzündlichen Gelenkerkrankung, bekamen 60 Menschen fünfzehn Bäder in natürlichem Radon-Kohlensäure-Wasser oder fünfzehn Bäder in künstlichem Kohlensäurewasser 2. Ein halbes Jahr später hatten die Menschen aus der Radon-Gruppe weniger Schmerzen und kamen im Alltag besser zurecht; in der Vergleichsgruppe war der Zustand wieder wie am Anfang. An einer größeren Studie nahmen 681 Menschen mit chronischen Rückenschmerzen, Arthrose, rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew teil 5. Nach sechs Monaten berichteten die mit den Radon-Bädern über weniger Schmerzen und brauchten weniger Schmerzmittel. Wie es ihnen insgesamt ging, änderte sich nicht. Bei Morbus Bechterew, einer entzündlichen Erkrankung der Wirbelsäule, verglich eine Studie 60 Menschen: Die einen bekamen drei Wochen lang täglich ein warmes Bad und machten Übungen, die anderen machten nur die Übungen 7. Nach drei Wochen waren Schmerzen und Beweglichkeit in der Bad-Gruppe besser, ein Teil davon hielt noch 24 Wochen an. Bei chronischen Rückenschmerzen untersuchte eine Studie 102 Menschen nach drei Wochen Kur 6. Danach konnten sie sich besser bewegen und hatten weniger Schmerzen. Nach neun Monaten waren Schmerzen und Schmerzmittelverbrauch noch etwas geringer als vorher, die Beweglichkeit aber wieder wie am Anfang. Bei Arthrose der Hände zeigte eine Studie mit schwefelhaltigem Wasser nach drei Wochen weniger Schmerzen, mehr Griffkraft und bessere Handfunktion; nach sechs Monaten war davon noch etwas messbar 3. Bei Fibromyalgie, einer Erkrankung mit Schmerzen am ganzen Körper und Erschöpfung, berichteten 24 Frauen nach drei Wochen Bädern über weniger Schmerzen und besseren Schlaf 8. Bei Kniearthrose erreichten in einer großen Studie nach einer Kur mehr Menschen eine deutliche Verbesserung als in der Vergleichsgruppe 1. Bei Schuppenflechte berichteten Beobachtungsstudien über weniger Beschwerden; das sind Hinweise, aber sie sind noch nicht gesichert 4. Unterm Strich waren die Verbesserungen für die Betroffenen spürbar und hielten oft einige Monate an.
3. Was noch unklar ist
Viele Studien sind klein und finden an einem einzigen Ort statt. Oft fehlt eine Vergleichsgruppe, die ein Bad ohne Heilwasser bekommt, also etwa Leitungswasser. Dann lässt sich schwer sagen, wie viel von der Verbesserung vom Heilwasser kommt und wie viel von der Kur selbst: vom ruhigen Tagesablauf, von der Entspannung, vom Urlaubsgefühl und vom Kontakt mit anderen Menschen. Auch über die Wirkweise ist wenig bekannt. Es gibt Hinweise aus Tier- und Zellversuchen, dass Schwefel im Wasser Entzündungen dämpfen könnte. Ob das beim Menschen so ist, ist bisher nur eine Vermutung. Ob warmes Wasser allein schon reicht, weiß man nicht. Was nach sechs bis zwölf Monaten passiert, wurde selten untersucht. Und es gibt keine einheitliche Regel, was genau eine Balneotherapie ist, deshalb lassen sich Studien aus verschiedenen Kurorten schlecht nebeneinander stellen.
4. Was das im Alltag bedeutet
Wer über eine Kur oder Moorpackungen nachdenkt, kann mit einer spürbaren, aber zeitlich begrenzten Linderung rechnen, vor allem bei Schmerzen an Gelenken, Muskeln und Rücken. Die Untersuchungen verglichen diese Anwendungen fast nie mit anderen Behandlungen wie Physiotherapie oder Medikamenten, deshalb ist offen, ob sie zusätzlich etwas bringen. In den Studien ging es fast immer um Menschen mit chronischen Beschwerden, die ihre gewohnte Behandlung und ihre Übungen weiterführten. Die Bäder waren also ein Baustein, nicht das Ganze. Die Studien berichten überwiegend von keinen schweren Nebenwirkungen. Genannt werden örtliche Hautreizungen durch schwefelhaltige Wässer und Kreislaufbelastungen durch sehr warme Bäder. Systematisch erfasst wurden Nebenwirkungen aber kaum. Als Nächstes zu klären ist, ob die Wirkung von den Stoffen im Wasser kommt oder von Wärme und Kuralltag, und wie lange ein Nutzen über sechs Monate hinaus trägt.
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Häufige Fragen
Hilft Balneotherapie bei Arthrose?
In mehreren Untersuchungen berichteten Menschen mit Arthrose nach einer Kur über weniger Schmerzen und bessere Beweglichkeit. Bei Kniearthrose erreichten mehr Teilnehmende eine deutliche Verbesserung als in der Vergleichsgruppe 1. Ein Teil der Wirkung kann aber auch von der Kur selbst kommen.
Was ist der Unterschied zwischen Balneotherapie und Moortherapie?
Balneotherapie ist der Sammelbegriff für Anwendungen mit natürlichem Heilwasser, Gasen oder Schlamm, als Bad, Packung oder Trinkkur. Moortherapie ist eine Form davon: Sie nutzt warmes Moor, einen dunklen Brei aus abgestorbenen Pflanzenteilen.
Wie lange hält die Wirkung an?
In den Untersuchungen hielten Verbesserungen oft drei bis sechs Monate an, bei Rückenschmerzen und Morbus Bechterew teilweise länger. Danach ließen die Effekte in vielen Studien nach. Was nach einem Jahr passiert, wurde selten gemessen.
Quellen
- 1Forestier R, Desfour H, Tessier JM, Françon A, Foote AM, Genty C et al. · 2010
- 2Franke A, Reiner L, Pratzel HG, Franke T, Resch KL · 2000
- 3Kovács C, Pecze M, Tihanyi Á, Kovács L, Balogh S, Bender T · 2012
- 4Falagas ME, Zarkadoulia E, Rafailidis PI · 2009
- 5
- 6Guillemin F, Constant F, Collin JF, Boulange M · 1994
- 7Altan L, Bingöl U, Aslan M, Yurtkuran M · 2006
- 8Ardiç F, Ozgen M, Aybek H, Rota S, Cubukçu D, Gökgöz A · 2007
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