Atemtherapie und Breathwork einfach erklärt
Atemtherapie und Breathwork arbeiten mit der bewussten Atmung. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen am Menschen dazu gezeigt haben.
1. Worum es geht
Bei der Atemtherapie leitet eine Fachperson die Atmung an. Dazu gehören Übungen aus der Physiotherapie, das Zwerchfellatmen (das Zwerchfell ist der große Muskel unter der Lunge) und eine Therapie, bei der Luft mit hohem Fluss durch die Nase strömt. Breathwork dagegen übt man meist selbst: langsam atmen, in festen Zyklen atmen oder bestimmte Muster wiederholen. Viele dieser Muster stammen aus yogischen oder kontemplativen Traditionen.
Beide Ansätze wollen das autonome Nervensystem beeinflussen. Das autonome Nervensystem steuert Herzschlag, Atmung und Verdauung, ohne dass wir bewusst daran denken. Gemessen wird zum Beispiel, wie stark der Herzschlag von Schlag zu Schlag schwankt, wie schnell das Herz schlägt oder wie stark der Blutdruck auf die Atmung reagiert.
Die Anwendung sieht sehr unterschiedlich aus. Manche Untersuchungen prüfen eine einzelne Sitzung mit einem Messgerät, das die Körperwerte live zurückmeldet (Biofeedback). Andere begleiten Menschen über mehrere Wochen oder Monate in einer Rehabilitation. Auch Atemmuster, Dauer und Anleitung unterscheiden sich von Studie zu Studie, und die Fachbegriffe sind nicht einheitlich. Das erschwert den Vergleich.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am besten untersucht ist die Atemtherapie bei chronischen Lungenerkrankungen. In einer Studie mit 60 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD (eine dauerhafte Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen) bekam eine Gruppe eine ambulante Rehabilitation mit Atemschulung, Physiotherapie und Training, die andere die übliche Versorgung. Die Teilnehmer mit Atemschulung berichteten weniger Atemnot, kamen im Sechs-Minuten-Gehtest weiter und fühlten sich weniger erschöpft. Die Verbesserungen hielten mit etwas geringerer Ausprägung bis zu zwei Jahre an, und die Krankheitsschübe nahmen ab 1.
Eine zweite Studie begleitete Asthma- und COPD-Patienten drei Monate lang mit Atemschulung, Übungen zum Abhusten, Entspannung und Bewegung. Danach hielten die Teilnehmer körperliche Belastung länger durch, ihr Puls war niedriger, und sie kamen im Gehtest 39 Meter weiter als die Kontrollgruppe, die nur ihre Medikamente nahm. Auch nach sechs Monaten war der Unterschied noch messbar 3.
Zu Stress, Angst und gedrückter Stimmung gibt es eine Zusammenfassung von zwölf Zufallsstudien mit 785 Teilnehmern. Nach Atemübungen wie langsamem oder gleichmäßigem Atmen berichteten sie weniger Stress, weniger Angst und weniger depressive Beschwerden 6.
Bei Bluthochdruck verglich eine Studie mit 60 Patienten drei Monate lang langsames Atmen mit schnellem Atmen und eine Kontrollgruppe. In der Gruppe mit langsamem Atmen sank der Blutdruck deutlicher, und die Regulation von Herz und Kreislauf verbesserte sich 9.
Ein Versuch mit 24 gesunden Menschen verband zehn Tage lang Meditation, bewusstes schnelles Atmen und Kälte. Danach spritzte man ihnen eine kleine Menge einer Bakteriensubstanz, die eine Entzündung auslöst. Bei ihnen stiegen entzündungshemmende Botenstoffe schneller an, entzündungsfördernde waren niedriger. Das sind Laborbefunde an gesunden Menschen; ob sie für Menschen mit dauerhaften Entzündungen etwas bedeuten, ist nicht untersucht 2.
In einer kleinen Studie mit 29 COPD-Patienten war zwölf Wochen Yoga mit Atemübungen gut durchführbar. Die Belastung durch Atemnot nach einem Gehtest nahm ab 5.
3. Was noch unklar ist
Für mehrere Anwendungen, die häufig genannt werden, stehen kontrollierte Nachweise noch aus. Das betrifft Asthma, Bluthochdruck und bestimmte Erschöpfungssyndrome. Eine große Übersichtsarbeit zu Atemübungen fand uneinheitliche Ergebnisse: Einige Studien zeigten Verbesserungen bei Atemnot und Belastbarkeit, andere nicht 8. Eine Studie zum Atemtraining bei Asthma fand nach zwölf Monaten keine deutlichen Unterschiede mehr, und viele Teilnehmer brachen ab 7.
Bei der Auftrittsangst von Musikern veränderte eine einzelne Atemsitzung mit Biofeedback die Herzwerte, die Angst blieb aber gleich 4.
Häufig sind die Gruppen klein, die Beobachtungszeiten kurz, und die Teilnehmer wissen, welche Behandlung sie bekommen. Dann lässt sich schwer trennen, was die Atemübung bewirkt und was Zuwendung oder Erwartung. Offen ist auch, welches Atemmuster, welche Dauer und welche Häufigkeit zu welchen Beschwerden passen.
4. Was das im Alltag bedeutet
In den Studien mit den klarsten Ergebnissen war die Atemtherapie ein Baustein in einem größeren Programm aus Bewegung, Anleitung und Betreuung. Wie viel allein die Atemübungen beitragen, lässt sich daraus nicht ablesen. Bei angeleiteten Verfahren legt eine Fachperson Muster und Verlauf fest; selbst gesteuertes Breathwork ist davon zu unterscheiden, auch wenn beide an denselben Körpervorgängen ansetzen.
Die beschriebenen Verbesserungen betreffen vor allem Atemnot, Belastbarkeit, Stress und Angst. Wie sich Blutdruck oder Entzündungswerte über lange Zeit verhalten, steht noch aus. Was als Nächstes zu klären ist: Untersuchungen, die eine Atemtechnik direkt mit einer anderen vergleichen, über längere Zeit begleiten und prüfen, was davon im Alltag der Teilnehmer ankommt.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Atemtherapie und Breathwork. Für Kinder: Atemtherapie und Breathwork für Kinder.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Atemtherapie und Breathwork?
Atemtherapie wird von einer Fachperson angeleitet, zum Beispiel in der Physiotherapie oder in einer Rehabilitation. Breathwork übt man meist selbst, oft mit langsamen oder festen Atemzyklen. Beide setzen an Vorgängen an, die der Körper ohne bewusstes Zutun steuert.
Kann langsames Atmen den Blutdruck senken?
In einer Studie mit 60 Patienten mit Bluthochdruck sank der Blutdruck nach drei Monaten langsamen Atmens deutlicher als in der Kontrollgruppe 9. Ob der Effekt lange anhält und ob er sich auf andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertragen lässt, ist noch offen.
Hilft Atmen gegen Stress und Angst?
Quellen
- 1Güell R, Casan P, Belda J, Sangenis M, Morante F, Guyatt GH et al. · 2000
- 2Kox M, van Eijk LT, Zwaag J, van den Wildenberg J, Sweep FC, van der Hoeven JG et al. · 2014
- 3Cambach W, Chadwick-Straver RV, Wagenaar RC, van Keimpema AR, Kemper HC · 1997
- 4Wells R, Outhred T, Heathers JA, Quintana DS, Kemp AH · 2012
- 5Donesky-Cuenco D, Nguyen HQ, Paul S, Carrieri-Kohlman V · 2009
- 6Fincham GW, Strauss C, Montero-Marin J, Cavanagh K · 2023
- 7Bruton A, Lee A, Yardley L, Raftery J, Arden-Close E, Kirby S et al. · 2018
- 8Holland AE, Hill CJ, Jones AY, McDonald CF · 2012
- 9Mourya M, Mahajan AS, Singh NP, Jain AK · 2009
Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.