Apigenin einfach erklärt
Apigenin ist ein Pflanzenstoff, der in Kamille, Petersilie und Tee vorkommt. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen am Menschen und im Labor bisher beobachtet haben.
1. Worum es geht
Apigenin gehört zu den Flavonoiden, einer großen Familie von Pflanzenfarbstoffen. Innerhalb dieser Familie zählt es zu den Flavonen. Man findet es in vielen Pflanzen, zum Beispiel in Kamille, Petersilie, Sellerie, Zwiebeln und Tee. Besonders viel davon steckt in Blüten und Blättern. Dort schützt der Stoff die Pflanze vor Sonnenlicht und vor schädlichen Sauerstoffverbindungen, die durch Stress entstehen. In der Pflanze ist Apigenin meist an Zuckermoleküle gebunden, etwa als Apigenin-7-Glucosid. Reines Apigenin ist farblos bis leicht gelblich. Für den Körper ist wichtig, dass er nur einen kleinen Teil des Apigenins aufnimmt. Ein großer Teil verlässt den Körper wieder, bevor er ins Blut gelangt. Deshalb sind im Blut oft nur geringe Mengen messbar, selbst wenn man Apigenin einnimmt. Viele Versuche im Labor arbeiten dagegen mit sehr viel höheren Mengen.
2. Was Untersuchungen zeigen
Am aussagekräftigsten ist eine kontrollierte Studie an 80 Frauen in den Wechseljahren 1. Die Frauen bekamen zwölf Wochen lang entweder einen Kamillenextrakt, der Apigenin enthält, oder ein Scheinmittel. Niemand wusste, wer welche Gruppe war. Die Frauen mit dem Extrakt berichteten danach über weniger Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Bei Stimmung, körperlichem Befinden und Sexualleben zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Zwei Teilnehmerinnen brachen die Studie wegen leichter Beschwerden ab: Es traten Entzündungen der Mundschleimhaut und Hautflecken auf. Diese Studie untersuchte einen Extrakt, nicht Apigenin allein.
Daneben gibt es viele Untersuchungen im Labor und an Tieren. In Zellkulturen mit Leukämiezellen verringerte Apigenin das Wachstum der Zellen und brachte sie dazu, abzusterben 2. Bei Ratten mit hohem Blutdruck verringerte Apigenin die Verdickung der Gefäßwände 4. In einem Kaninchenmodell für Augenentzündungen senkte eine Kombination aus Apigenin und Melatonin in winzigen Trägerkügelchen die Entzündungswerte 3. Bei Mäusen, deren Eierstöcke durch eine Chemikalie geschädigt worden waren, normalisierte Apigenin den Zyklus und verhinderte das Schrumpfen des Eierstockgewebes 5.
Diese Ergebnisse aus Labor und Tier sagen noch nichts darüber, ob derselbe Effekt beim Menschen auftritt. Dafür sind die Mengen in vielen Zellversuchen viel höher, als ein Mensch über die Nahrung aufnehmen kann. In Übersichten werden entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen in Zell- und Tiermodellen beschrieben, also ein Schutz vor schädlichen Sauerstoffverbindungen. Auch hier steht die Übertragung auf den Menschen noch aus.
3. Was noch unklar ist
Die einzige kontrollierte Studie am Menschen wurde an 80 Frauen im Iran durchgeführt und dauerte zwölf Wochen. Ob die Ergebnisse auch für andere Gruppen gelten, ist offen. Wie Apigenin über lange Zeit wirkt, welche Mengen etwas bewirken und wie der Stoff im Körper abgebaut wird, ist beim Menschen nicht untersucht. Wechselwirkungen mit Medikamenten und allergische Reaktionen sind bisher nicht geprüft. Viele Arbeiten sind Labor- und Tierstudien mit hohen Mengen, die sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen lassen. Ob Apigenin bei Krebs, bei Parkinson oder bei Gefäßerkrankungen beim Menschen etwas bewirkt, ist bisher nur eine Vermutung. Eine einzelne Untersuchung zeigte bei zwei Teilnehmerinnen leichte Beschwerden, die zum Abbruch führten; wie verträglich der Stoff über längere Zeit ist, steht noch aus.
4. Was das im Alltag bedeutet
Apigenin steckt in ganz normalen Lebensmitteln wie Kamille, Petersilie, Sellerie, Zwiebeln und Tee. Dass Menschen diese Lebensmittel essen, ist gut untersucht; ob der einzelne Stoff darin etwas bewirkt, ist eine andere Frage. Die bisher einzige kontrollierte Studie am Menschen nutzte einen Kamillenextrakt und nicht reines Apigenin. Aus ihr lässt sich kein Rat für den Alltag ableiten. Wer sich für den Stoff interessiert, findet in den Übersichten viele Laborbefunde. Sie zeigen, wohin die Forschung schaut, aber nicht, was im Menschen passiert. Was eine Studie klären müsste: größere Gruppen, längere Zeiträume und klar festgelegte Mengen, um Wirksamkeit und Verträglichkeit beim Menschen zu prüfen.
Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Apigenin. Für Kinder: Apigenin für Kinder.
Häufige Fragen
Was ist Apigenin überhaupt?
Ein Pflanzenstoff aus der Gruppe der Flavonoide. Er kommt in Kamille, Petersilie, Sellerie, Zwiebeln und Tee vor und schützt die Pflanze vor Sonnenlicht und vor schädlichen Sauerstoffverbindungen.
Kann Apigenin gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren helfen?
In einer kontrollierten Studie mit 80 Frauen berichteten die Teilnehmerinnen mit dem Kamillenextrakt über weniger Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Das ist ein erster Hinweis, aber eine einzelne Studie, und untersucht wurde ein Extrakt, nicht Apigenin allein.
Wie viel Apigenin nimmt der Körper auf?
Nur einen kleinen Teil. Der Stoff wird im Darm schlecht aufgenommen, und im Blut sind oft nur geringe Mengen messbar, selbst nach einer Einnahme. Wie sich das auf mögliche Wirkungen auswirkt, ist nicht geklärt.
Quellen
- 1Mohsenzadeh-Ledari F, Delavar MA, Moghadamnia AA, Bekhradi R, Khafri S, Behmanesh F et al. · 2026
- 2He C, Zhang T, Xiong W, Wang S, Sun X · 2025
- 3Bonilla-Vidal L, Espina M, García ML, Baldomà L, Badia J, Gliszczyńska A et al. · 2025
- 4Gao J, Wang D, Zhang X, Yang G, Xi D, Qin X et al. · 2025
- 5Yu Y, Zhang T, Li X, Yu T, Meng F, Luan Y et al. · 2024
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