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Akupressur einfach erklärt

Akupressur ist ein Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei dem mit den Fingern Druck auf bestimmte Körper- oder Ohrpunkte ausgeübt wird. Diese Seite fasst in einfachen Worten zusammen, was Untersuchungen dazu zeigen.

Stand:

1. Worum es geht

Akupressur gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin, kurz TCM. Dabei wird mit Fingern, Daumen oder kleinen Hilfsmitteln Druck auf festgelegte Punkte am Körper oder am Ohr ausgeübt. Anders als bei der Akupunktur gibt es keine Nadel, sondern nur Druck. Nach dem Verständnis der TCM fließt im Körper eine Lebensenergie, das Qi; die Punkte sollen diesen Fluss regulieren. Die Praxis reicht bis in die Han-Dynastie zurück, systematisch in Studien untersucht wird sie aber erst seit dem 20. Jahrhundert.

Angewendet wird Akupressur auf drei Wegen: als Selbstanwendung, durch Behandelnde oder als Ohrakupressur. Bei der Ohrakupressur werden kleine Samen oder Kügelchen auf Ohrpunkte geklebt und dort gedrückt; das Ohr gilt dabei als Abbild des Körpers. Es gibt verschiedene Schulen wie Shiatsu und Tuina, die sich in Technik und Hintergrund unterscheiden. Deshalb sieht die Behandlung von Studie zu Studie anders aus: Druckstärke, Dauer, Häufigkeit und die gewählten Punkte sind nicht einheitlich.

2. Was Untersuchungen zeigen

Zu Akupressur gibt es viele Untersuchungen am Menschen: 569 kontrollierte Studien und 172 Beobachtungsstudien wurden ausgewertet. Am deutlichsten sind die Ergebnisse dort, wo Menschen unter belastenden Behandlungen leiden.

Bei 100 Lungenkrebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterzogen, wurde neun Wochen lang Ohrakupressur geprüft. Eine Gruppe bekam Samen an bestimmten Ohrpunkten, eine andere magnetische Kügelchen, eine dritte die übliche Pflege. Die Gruppe mit den Samen berichtete deutlich weniger Erschöpfung als die Gruppe mit üblicher Pflege, und ihr Schlaf verbesserte sich. Die geistige Erschöpfung blieb unverändert 5.

48 Brustkrebspatientinnen erhielten fünf Tage lang zusätzlich zur Medikamentengabe Ohrakupressur. Bei ihnen traten Übelkeit und Erbrechen seltener und schwächer auf als in der Vergleichsgruppe, sowohl direkt nach der Behandlung als auch in den Tagen danach 11.

38 ältere Menschen mit einem Oberschenkelhalsbruch wurden während des Transports im Rettungswagen begleitet. Die eine Hälfte erhielt Druck an drei Ohrpunkten für Hüftschmerzen, die andere an unspezifischen Punkten. Bei Ankunft im Krankenhaus berichtete die erste Gruppe über weniger Schmerzen und weniger Angst, und ihre Herzfrequenz war niedriger 1.

In einer Übersichtsarbeit mit 13 Studien und 806 Teilnehmern zeigte sich eine Schmerzlinderung durch Behandlungen am Ohr, am deutlichsten bei der Ohrakupressur 3. Nach Operationen ging in einer weiteren Übersichtsarbeit mit 13 Studien sowohl der Schmerz als auch der Verbrauch von Schmerzmitteln zurück; schwerwiegende Zwischenfälle wurden nicht berichtet 6. Eine Übersichtsarbeit zu Schlafstörungen wertete 15 Studien mit 1381 Teilnehmern aus; Schlafdauer und Schlafeffizienz – also der Anteil der Zeit im Bett, in der tatsächlich geschlafen wird – verbesserten sich 10. Bei chronischen Rückenschmerzen nahmen die Schmerzen innerhalb von zwölf Wochen ab, die Einschränkung im Alltag änderte sich jedoch nicht 9. Bei 305 Frauen während einer künstlichen Befruchtung berichtete die Gruppe mit Ohrakupressur über weniger Angst 7.

Zur Sicherheit: Übersichtsarbeiten fanden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Berichtet wurden vor allem leichte Druckstellen, Hautreizungen und vorübergehende Schmerzen 2.

3. Was noch unklar ist

Eine Schwierigkeit liegt in den Vergleichsgruppen. Bei einem manuellen Verfahren ist schwer zu sagen, was eine inaktive Behandlung sein soll. Druck an nicht klassischen Punkten kann selbst etwas auslösen, etwa über die Erwartung der Teilnehmenden. Eine Übersichtsarbeit zu solchen Scheinbehandlungen fand, dass sie in vielen Studien messbare Wirkungen hatten 4. Das erschwert die Bewertung.

Auch die Anwendung selbst ist nicht einheitlich: Druckstärke, Dauer, Häufigkeit und die Kombination der Punkte unterscheiden sich stark, selbst bei gleichen Beschwerden. Vergleiche zwischen Studien sind dadurch schwierig. Langzeitbeobachtungen und Vergleiche mit bereits etablierten Behandlungen sind selten. Zu Immunsystem, Entzündungen und Stoffwechselerkrankungen steht die Forschung noch aus.

4. Was das im Alltag bedeutet

Akupressur ist ein gut untersuchtes Verfahren, das in den Studien sicher und gut verträglich war. Die untersuchten Gruppen waren meist Menschen mit Krebs, nach Operationen oder mit Schmerzen und Schlafproblemen. Dort wurden Verbesserungen beobachtet, die Betroffene selbst berichteten – etwa weniger Übelkeit, weniger Erschöpfung, weniger Angst oder besserer Schlaf.

Wer sich dafür interessiert, findet in den Studien drei Formen: Selbstanwendung, Behandlung durch Therapeuten und Ohrakupressur. Wie stark und wie lange gedrückt wird, ist nicht einheitlich festgelegt; genaue Angaben dazu lassen sich aus der Forschung nicht ableiten.

Als Nächstes wäre zu klären, welche Punkte, welche Druckstärke und welche Anwendungsdauer bei welchen Beschwerden am sinnvollsten sind und ob die beobachteten Verbesserungen über Wochen und Monate anhalten.

Alle Einzelheiten mit Studienzahlen und Quellen: ausführliche Seite zu Akupressur. Für Kinder: Akupressur für Kinder.

Häufige Fragen

Tut Akupressur weh?

Der Druck kann deutlich spürbar sein, aber in den Untersuchungen wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gefunden. Am häufigsten berichtet wurden leichte Druckstellen, Hautreizungen und vorübergehende Schmerzen, die wieder abklangen 2.

Wie unterscheidet sich Akupressur von Akupunktur?

Bei der Akupunktur werden Nadeln gesetzt, bei der Akupressur wird nur mit Fingern, Daumen oder kleinen Hilfsmitteln gedrückt. Beide arbeiten mit denselben Punkten und demselben Hintergrund aus der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Kann man Akupressur selbst durchführen?

Ja, die Selbstanwendung ist eine der drei Formen, die in Studien untersucht wurden. Wie die Punkte ausgewählt werden, unterscheidet sich je nach Schule, und ein einheitliches Vorgehen lässt sich aus der Forschung nicht ableiten.

Wird Akupressur auch im Krankenhaus eingesetzt?

In den Studien wurde sie unter anderem im Rettungswagen und nach Operationen angewendet, meist zusätzlich zur üblichen Behandlung 1 8.

Quellen

  1. 1
  2. 2
    Tan JY, Molassiotis A, Molassiotis A, Wang T, Wang T, Suen LK · 2014
  3. 3
    Yeh CH, Chiang YC, Hoffman SL, Liang Z, Klem ML, Tam WW et al. · 2014
  4. 4
    Tan JY, Suen LK, Wang T, Wang T, Molassiotis A, Molassiotis A · 2015
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
    Eghbali M, Yekaninejad MS, Varaei S, Jalalinia SF, Samimi MA, Sa'atchi K · 2016

Jede Aussage auf dieser Seite trägt ihre Stufe — belegt, plausibel oder Vermutung — und führt zur Originalarbeit. Die Entscheidung im Einzelfall trifft die behandelnde Person; die Zusammenhänge liefern wir.

International Health Research · https://ih-research.com/wissen/akupressur/einfach/ · Stand: 2026-10-04